Talentismus: Das Ende des Kapitalismus!

Schon Karl Marx prognostizierte, dass der Kapitalismus untergehen werde. Erstaunlich nur, dass jetzt, 150 Jahre später, Ähnliches verkündet wird. Und zwar ausgerechnet vom Weltwirtschaftsforum und Medien wie Die Zeit.

Von Jens Kügler

„Schützt die Arbeitnehmer!“. Weder SED noch Linkspartei haben diesen Slogan geprägt, obwohl er wie eine Rotfrontkämpfer-Parole klingt. Letzte Woche las ich ihn – etwas baff – als Überschrift auf Zeit Online. Nun lässt sich das Magazin Zeit nicht eben im neoliberalen Spektrum verorten, zumal einst Helmut Schmidt dessen Printausgabe mit herausgab. Aber muss es gleich derart sozialistisch tönen…? Nein, es steckt natürlich etwas ganz Anderes dahinter.

Unter der erwähnten Headline berichtet Zeit Online über eine aktuelle Studie des Weltwirtschaftsforums, kurz WEF. Und es zitiert den Gründer des Forums, Klaus Schwab: „Gut ausgebildete, kreative Arbeitskräfte werden zunehmend wichtiger als Kapital, denn die Welt vollzieht gerade den Übergang vom Kapitalismus zum Talentismus“. Daher sei der Schutz von Arbeitnehmerrechten ein wichtiger Standortfaktor und entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes.

Hört, hört! Früher hieß es doch immer, ein Land sei umso wettbewerbsfähiger, je rechtloser die Arbeitnehmer seien (auch wenn man damit nicht gleich das alte marxistische Diktum der Ausbeutung assoziieren muss). Die Schlussfolgerung hieß jedenfalls, dass Arbeitnehmerrechte für die Produktivität abgebaut werden müssten. Heute also verkündet das WEF, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit mit mehr Flexibilität im Arbeitsleben und angemessenem Schutz von Arbeitnehmerrechten erhöht.

Da ist die Rede von der positiven Rolle sicherer Arbeitsplätze und guter Arbeitsbedingungen im Wettbewerb um die besten Köpfe – sprich, im Fachkräftemangel. Und der soziale Frieden spielt sicherlich auch eine Rolle. Wo weniger gestreikt wird, wird mehr produziert – und die Menschen sind zufriedener. So wird Lebensqualität zum Wettbewerbsvorteil! Ein „ausgewogenes Verhältnis“ sei entscheidend, heißt es in der Studie. In diesem Punkt sei Deutschland gut positioniert.

Apropos Länder: Die Studie heißt „Global Competitiveness Report 2017–2018“ und beschäftigt sich im Kern mit der Frage, welches die Staaten mit der größten Wettbewerbsfähigkeit seien. Das Ergebnis: die Schweiz ist Nummer eins. Das verwundert angesichts der Schweizer High-Tech-Industrie nicht wirklich, nur insofern, als das dortige Lohnniveau einem Deutschen astronomisch erscheint (und das Preisniveau natürlich erst recht). Immerhin: die Eidgenossen belegen den Gipfelplatz bereits im neunten Jahr in Folge, denn die Studie wird jährlich durchgeführt. Ergo: Hoher Lohn heißt nicht weniger Produktivität, im Gegenteil.

Auf Platz Nummer zwei landeten übrigens die USA vor Singapur. Deutschland belegt Platz fünf. Ein gutes Ergebnis – noch vor Schweden und dem Vereinigten Königreich. Es besagt aber auch, dass deutsche Unternehmen von amerikanischen und schweizerischen noch lernen können.

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Ja, ist denn schon Weihnachten?

Kaum, dass einem im Biergarten die Kastanien ins Glas platschen, fängt der Blogger mit Weihnachten an. Wieso? Selbst Aldi und Lidl führen doch noch keine Lebkuchen!

Von Jens Kügler

Nein, der berühmte alte Werbespot mit dem verwunderten Satz von Franz Beckenbauer ist auch nicht wieder aufgelegt worden. Aber heute morgen kam diese E-Mail: „Liebes Team, es ist schon wieder an der Zeit … ich möchte Sie und Euch zu unserem traditionellen Weihnachtsessen einladen!“. Na klar. Der Verfasser möchte die Location rechtzeitig buchen und wissen, wie viele kommen. Er muss es –, denn jene fernen kalten Wochen, die wir hier unten in Bayern die staade (stille) Zeit nennen, sind in Wirklichkeit die Heißesten und Hektischsten. Alle „gescheiten“ Lokale sind dann schon lange ausgebucht, besonders an den beliebten Donnerstagen und Freitagen. Und ein jeder hat dann an den Tagen vorm Fest schon andere Pläne.

Jetzt muss organisieren, wer seinen Mitarbeitern, Kunden und Partnern etwas Besonderes bieten möchte und sicher sein will, dass sie teilnehmen. Im oben beschriebenen Fall nennt sich die Eventlocation Eiswerkstatt am Starnberger See. Ich bin gespannt! Warum nicht auch mal etwas karibisches Flair? In Düsseldorf-Lörick bewirbt sich ein Veranstaltungsort mit solch einem Angebot. Auf Schloss Rheinfels kann man eine „Magie des Winters“ erleben. Im Elbsandsteingebirge lässt sich das „große Weihnachtsspektakel auf der Festung Königstein“ buchen. Und in Hamburg gibt es den Weihnachtszauber in der Speicherstadt. Auch die Boxenstopp-Räume der Rennstrecke Nürburgring, das schicke Münchner Varieté-Theater … all das ist jetzt buchbar. Einfach mal nach Eventlocation-Online-Katalogen googeln!

Soll es mal ein Dinner in intimer Club-Ambiente sein? Kann nicht auch mal ein Themenabend in einer denkmalgeschützten, dezent-hübsch geschmückten und charmanten Industriehalle sein – mit Bühnenshow und interaktiven Wettbewerben? Alles ist möglich, wenn die Zahl der Einzuladenden entsprechend groß ist. Wichtig nur, dass es zur Zielgruppe passt. Die Generation Y amüsiert sich anders als eine 50+-Gesellschaft. Ein paar Tipps entnehme ich aus einem Blogbeitrag, den mein Kollege Hans Schriever neulich veröffentlichte (ja, auch andere Journalisten „weihnachten“ schon!). Statt der typisch pompösen Deko mit Kugeln, Lametta und Glitzerkram empfiehlt er modernen und reduzierten Weihnachtsschmuck. Ein paar pfiffig platzierte Zweige etwa, die den Christbaum ersetzen. Dazu puristisch anmutendes Geschirr in gedeckten Farben wie Erdtönen.

Sein weiterer Tipp: Betreiben Sie „Event-Management“ mit den Kommunikationsmitteln des Digitalzeitalters. Verschmelzen Sie die Kanäle. Planen Sie eine Kampagne schon im Vorfeld, dann sichern Sie sich werbliche Aufmerksamkeit bei der Zielgruppe. Versehen Sie die Veranstaltung mit einem Hashtag. Geben Sie ihr eine eigene Homepage oder Landingpage. Befragen Sie nach der Veranstaltung die Gäste, wie es war, was ihnen am besten gefallen hat und was nicht. Geben Sie ihnen die Möglichkeit zu Kommentaren, denn damit generieren Sie auch kostenlosen Content für Ihr eigenes Google-Ranking. Und Sie wissen, wie Sie Weihnachten 2018 noch besser und erfolgreicher feiern. Last but not least: Die eigene Weihnachtsfeier-Homepage verschwindet nicht aus dem Netz. Auf ihr lassen sich auch lange nach der Feier noch schöne Erinnerungs-Fotos und Videos posten und anklicken.

Soviel zum Thema Weihnachten. Ganz ehrlich: Es ist doch auch ein schöneres Thema als das, worüber am heutigen Tag, dem 25. September 2017, fast alle anderen Kanäle berichten. Finstere Wahlergebnisse von gestern.

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Mehr Flexibilität: die Soft Skills der Zukunft

Wen suchen Unternehmen in zehn Jahren? Es sind Mitarbeiter, die technisch wie kulturell „switchen“ können. Die funktionsübergreifend denken und handeln können statt fachlich fokussiert zu sein. Das ergab eine Studie, die letzte Woche veröffentlicht wurde.

Von Jens Kügler

Das Institut Bitkom Research und das Karriere-Portal Linkedin haben bei den Vorständen und Personalern deutscher Unternehmen nachgefragt. Sie wollten wissen, welche Hard- und Soft Skills heute bei ihnen gefragt sind – und welche es ihrer Meinung nach in zehn Jahren sein werden. Die Annahmen basieren auf den erwarteten Anforderungen der fortschreitenden Digitalisierung.

Bei den Hard Skills ist heute Datenanalyse und Daten-Interpretationsfähigkeit die Fähigkeit Nummer eins auf der Wunschliste. In zehn Jahren sehen sie die Chefs und Personaler auf Platz zwei. Nummer eins wird die jetzige zweitplatzierte Fähigkeit sein, das Wissensmanagement. Drei und vier bleiben unverändert: Projektmanagement und Change-Management. Für etwas Erstaunen sorgt lediglich, dass der Punkt Unternehmensführung von sieben auf fünf vorrücken soll – und damit Social-Media-Kenntnisse und Allgemeine Digitalkompetenz auf die Plätze verweist.

Viel größere Verschiebungen ergeben sich bei den Soft Skills. Kritikfähigkeit – heute auf Platz eins – wandert auf vier. Interkulturelle Kompetenz springt in zehn Jahren von acht auf fünf, so die Befragten. Den größten Sprung macht die Fähigkeit Funktionsübergreifende Kompetenzen – von heute sieben auf eins! Will heißen, bald sind vor allem Mitarbeiter gefragt, die gut kommunizierten können, fachbereichsübergreifend, in mehreren Sprachen und auch mit Kollegen aus anderen Kulturkreisen.

Gesprächs- und Verhandlungsführung steigen ebenfalls auf – von drei auf zwei. Mitarbeiterführung klettert von vier auf drei. Und – man höre und staune – die Entscheidungsfähigkeit fällt von heute zwei auf morgen sechs! Man darf gespannt sein, ob die Damen und Herren Personalentscheider in zehn Jahren ihre Kandidaten tatsächlich so beurteilen werden, wie sie heute vermuten …

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Die Arbeitszeit-Revolution hat begonnen

und die Stechuhr hat ausgedient. Unternehmer erkennen, dass starre Arbeitszeiten an den heutigen Lebensrealitäten vorbeigehen. Und zwar nicht nur an denen der Arbeitnehmer, sondern im globalen Wettbewerb auch an denen ihrer Kunden.

Von Jens Kügler

Ausgerechnet Bayern. Man verbindet dieses traditionell sehr konservative und bäuerlich geprägte Land nicht unbedingt mit Modernität, Revolution und gesellschaftlichen Umbrüchen. Aber zu unrecht. Schon vor zwanzig Jahren bewarb das Land seine wirtschaftliche Innovationsfähigkeit mit dem Slogan „Laptop und Lederhosen“. Heute sehe ich auf Großflächenplakaten, auf Online-Bannern und Bierdeckeln einen neuen Slogan. Er lautet „So möchte ich arbeiten! Mehr Flexibilität in der Arbeitszeit“. Es handelt sich um eine Werbekampagne. Abgebildet werden Arbeitnehmer, die erklären, warum sie flexiblere Arbeitszeiten benötigen. Sie erläutern auch, welche Vorteile eine individuellere Zeiteinteilung für ihr Unternehmen und letztlich auch für Kunden und Verbraucher bringt.

Klingt nach einer Gewerkschafts-Initiative? Mitnichten! Hinter der Kampagne steht die vbw Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. Ein Verband von Arbeitgebern. Ihr Präsident lässt sich mit den Worten zitieren, die deutschen Arbeitszeitregelungen aus den 70er- und 80er-Jahren brauchen in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung dringend ein Upgrade. Dabei geht es dem Verband nicht um die Erhöhung des Arbeitszeit-Volumens. Die Kampagnen-Macher rechnen sich ökonomische Vorteile aus, wenn sie ihren Mitarbeitern Flexibilität, Work-Life-Balance, mobiles Arbeiten und mehr Eigenverantwortung durch flachere Hierarchien bieten. Vor allem aber möchten sie sich und ihre Betriebe für junge Leute attraktiver machen. Bayern sucht händeringend Fachkräfte – der Verband hat’s erkannt.

Nicht nur Verbände, auch einzelne Unternehmen gehen voran. Letzte Woche las ich in der Fachzeitschrift w&v Werben & Verkaufen: Die Marketing-Agenturgruppe Dentsu Aegis schafft in Deutschland die Kernarbeitszeiten ab. Ihre rund 1.300 Mitarbeiter an allen fünf deutschen Standorten von Hamburg bis München können sich ihren Arbeitsbeginn und ihr Arbeitsende im Rahmen individueller Wochenstunden selbst aussuchen. Sie sind auch nicht mehr an einen Arbeitsort gebunden. Verfügen sie über technisch adäquates Equipment, können sie überall arbeiten – zuhause, am Strand, im Café, unterwegs …

Ulrike Handel, CEO von Dentsu Aegis Network in Deutschland, erklärt den Grund. „Um unser Geschäft nachhaltig weiterzuentwickeln, ist ein kultureller Wandel essentiell“, so die Agenturchefin in w&v. „Wir wollen die besten Talente – unsere Mitarbeiter und potenzielle Neueinsteiger – für unsere Arbeit und Herausforderungen begeistern“.

Fazit: Die Arbeitswelt von morgen wird täglich ein Stück mehr Realität. Unternehmen müssen reagieren und tun es vermehrt. Und – wie sagte ausgerechnet einmal ein Sowjetführer so treffend: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

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Hilfe, keine Azubis!

September 2017. Inzwischen dürfte so gut wie überall in Deutschland das Ausbildungsjahr begonnen haben. Und spätestens jetzt offenbart sich, dass wieder einmal zahlreiche Werkbänke und PC-Tische unbesetzt bleiben werden. Der Fachkräftemangel beginnt beim Ausbleiben der Azubis.

Von Jens Kügler

Eine Statistik des Deutschen Industrie- und Handelskammer-Tags (DIHK) belegt, das im Jahr 2016 jedes dritte deutsche Unternehmen seine Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzten konnte. Fast jeder zehnte Ausbildungsbetrieb erhielt nicht eine einzige Bewerbung. „Uns geht der Nachwuchs aus“, klagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Seit 2008 übersteigt die Zahl der Ausbildungs-Stellen die Zahl der Bewerber in Deutschland.

Herrscht statt Vollbeschäftigung sozusagen Über-Beschäftigung? Könnte das ein Grund zur Freude sein – während in Ländern wie Spanien eine horrende Jugendarbeitslosigkeit herrscht? Nein, denn unbesetzte Stellen schaden der Wirtschaft. Die betroffenen Unternehmen können weniger produzieren und müssen gegebenenfalls Aufträge stornieren. Und fehlende Azubis von heute sind fehlende Fachkräfte von morgen. Eric Schweitzer erklärt, dies sei eine gefährliche Entwicklung für die gesamte Gesellschaft. Bedeuteten doch fehlende Fachkräfte weniger Wachstum und Wohlstand.

Seltsam erscheint dagegen, dass nicht alle fündig werden, die einen Ausbildungsplatz suchen. Kurios ist dies aber nur auf den ersten Blick. Denn es gibt einen triftigen Grund für die Diskrepanz. Nämlich beliebte und unbeliebte Jobs. Die jungen Männer wollen am liebsten Kraftfahrzeugmechatroniker und die Frauen Kauffrau für Büromanagement werden. Am wenigsten gefragt ist das Gastgewerbe. Hier liegt die Zahl der Betriebe mit fehlenden Azubis bei 58 Prozent. Gefolgt vom Baugewerbe – mit 42 Prozent.

Warum wurden ihre Ausbildungsplätze konkret nicht besetzt, wollte der DIHK von den befragten Unternehmern wissen. Als häufigsten Grund dafür nannten diese das Fehlen geeigneter Bewerbungen – mit fast 70 Prozent. Aber zu 26 Prozent blieben die Stellen unbesetzt, weil die Unternehmen gar keine Bewerbungen dafür erhielten, null. Und in 22 Prozent aller Fälle traten die Azubis ihre Ausbildungsplätze gar nicht an.

Sollte man deshalb der Jugend Vorwürfe machen wie: Ihr wollt nur tun, wozu ihr Lust habt? Ihr seid faul? Ihr möchtet gar nicht arbeiten? Oder – im Bezug auf die ungeeigneten Bewerbungen: Ihr könnt nichts, seid dumm, habt nichts gelernt? Das dürfte kaum zutreffend und erst recht nicht zielführend sein. Vielmehr sollten sich die Branchen und Unternehmen, die am meisten unterm Azubi-Mangel leiden, überlegen, wie sie sich und ihr Angebot attraktiver machen können. Gehalt, Work-Life-Balance oder flexible Arbeitszeiten sind Stichworte. Es gibt ein Zauberwort für Unternehmen, und das heißt Arbeitgebermarke oder Employer Branding. Und sicherlich müsste auch am Image des einen oder anderen Berufsfeldes werblich etwas verändert werden. Klagt nicht, lernt, Euch zu vermarkten!

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Wer hat Mut zum Sprung ins kalte Wasser?

Ein Unternehmer ist ein besonderer Typ Mensch. Nicht jeder kann oder möchte selbstständig sein. Doch was ist es, was einen Unternehmer auszeichnet?

Von Jens Kügler

Wer Angestellte fragt, was den Unterschied zwischen ihnen und einem Unternehmer ausmacht, hört häufig das Argument, es sei die Geschäftsidee. Der geniale Einfall, die Marktlücke. Und die könne eben nicht jeder haben! Manche Leute sagen Sätze wie: „Hätte ich den Burger erfunden, wäre ich heute McDonald’s“! Dabei ist die Geschäftsidee gar nicht das Wesentliche. Man kann ein bereits bestehendes, erfolgserprobtes Geschäftskonzept eines anderen Ideengebers umsetzen wie beim Franchising. Man kann ein Unternehmen erwerben, eine Nachfolge antreten oder sich an einem Unternehmen beteiligen. Übrigens: Der „Erfinder“ des Döner in der Form, wie wir ihn heute kennen – im Fladenbrot – war ein türkischer Einwanderer in Berlin. Vor Kurzem ist er verarmt gestorben. Ein Unternehmertyp war er sicher nicht, sonst hätte er seine Erfindung mindestens rechtlich schützen lassen.

Die wichtigste Eigenschaft eines Unternehmers ist der unbedingte Wille zur Selbstständigkeit. Wenn er noch dazu eine Geschäftsidee mit Alleinstellungsmerkmal mitbringt, umso besser. Sie am Markt durchzusetzen ist aber die eigentliche Leistung. Woran lässt sich der unbedingte Wille zur Selbstständigkeit ermessen? Zum Beispiel daran, dass der Unternehmer bereit ist, die Komfortzone des festen, gesicherten Einkommens zu verlassen. Sicherlich motivieren sich Existenzgründer auch durch einen größeren Verdienst und höheren Lebensstandard, den sie sich als Selbstständiger im Vergleich zum Gehaltsempfänger einmal erhoffen. Doch die meisten Menschen sind nicht bereit, für dieses hehre Ziel die Komfortzone zu verlassen, und sagen sich: „Warum sollte ausgerechnet ich erfolgreich sein“?

Statt schnell mal „reich“ zu werden müssen die meisten Existenzgründer einen schweren, riskanten Weg gehen. Fast keine Firmengründung kommt ohne erhebliches Fremdkapital aus. Eine Unternehmensgründung auf Sparflamme führt selten zu großen Erfolgen. Der Unternehmer in spe muss sich verschulden – und dazu motiviert sein! Die Hälfte aller Gründungen in Deutschland überlebt die ersten fünf Jahre nicht. Und ein häufiger Grund des Scheiterns sind Fehler in der Finanzplanung. Ein Beispiel: Der Gründer eines Geschäftes hofft, mit dem kleinstmöglichen Darlehen den Break-even zu erreichen – und vergisst dabei die eigenen Lebenshaltungskosten. Oder er erreicht die operative Gewinnschwelle, kann aber die steigende Nachfrage nicht abdecken und scheitert, weil ihm die Finanzmittel zur Expansion oder für zusätzliche Mitarbeiter fehlen. Und die gerade erst gewonnenen Kunden wandern ab zur Konkurrenz. Kurzum: Risikobereitschaft ist eine der wichtigsten unternehmerischen Tugenden.

Doch es reicht nicht, selbstständig und sein eigener Chef sein zu wollen. Ein Unternehmer muss Menschen führen und begeistern können. Erfolg haben kann nur der, dem es gelingt, sowohl die Kunden zu überzeugen als auch die eigenen Mitarbeiter zu motivieren. Und so sehr Unternehmertypen von sich und ihrem Produkt überzeugt sind: Sie müssen einfühlsam kommunizieren. Denn Recht hat allein der Kunde. Und ein Mitarbeiter ist nur dann loyal, wenn er das Gefühl hat, nicht bevormundet zu werden, sondern in die Entscheidungen des Unternehmers mit involviert zu sein.

Ein weiterer, entscheidender Unterschied zwischen Angestellten- und Unternehmer-Typen ist Belastbarkeit. Gerade in der Startphase muss ein Unternehmer bereit sein, weitaus mehr Zeit und Energie in seine Arbeit zu investieren, als jeder seiner Mitarbeiter. Hierfür sind nicht nur Fleiß und möglichst körperliche Gesundheit notwendig. Auch das Umfeld muss stimmen. Stehen zum Beispiel der Partner und die Familie nicht hinter der Gründung, sind die Voraussetzungen schlecht. Die Familie muss dem Gründer die Treue und den Rücken frei halten, auch und gerade wenn die Zeit für das Privatleben weitaus knapper bemessen sein wird.

Wer sich nicht sicher ist, ob er die Fähigkeiten zum Unternehmersein mitbringt, kann sich einem Persönlichkeitstest stellen und über jede der genannten Eigenschaften nachdenken. Hilfreich sind die Persönlichkeitsprofile oder Checklisten aus den Gründer-Foren im Internet. Auch Gründungs- und Unternehmensberater helfen gern weiter. Zu guter Letzt sollten Familie und Freunde einbezogen werden. Denken Sie genauso und trauen dem möglichen Gründer tatsächlich unternehmerische Fähigkeiten zu, ist es sehr wahrscheinlich, dass er sie besitzt.

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Solvent – und vor dem Aus

Hunderttausenden von Unternehmen in Deutschland droht die Schließung. Nicht, weil sie pleite sind, sondern weil der Inhaber in den Ruhestand geht, krank wird oder stirbt. Der „Erben-Mangel“ aber bietet eine Chance für Hunderttausende von Jungunternehmern. Die Alternative für Existenzgründer heißt: Nachfolge statt Neugründung.

Von Jens Kügler

Nennen wir ihn Helmut Müller, 67 Jahre. Lange hatte er gehofft, dass sich eines seiner Kinder für die Fortführung seines Taxiunternehmens interessieren würde. Vergeblich. Ebenso fehlt ihm ein Mitarbeiter, der neben den technischen auch die kaufmännischen Erfahrungen und Fähigkeiten zur Leitung der Firma mit 19 Fahrzeugen und 50 Angestellten mitbringt. Oder einfach die Motivation.

Marco Tretter, 28, möchte sich selbstständig machen. Während seines BWL-Studiums verdiente er sich mit Taxifahren Geld dazu und entdeckte seine Begeisterung: denn über all die Fahrgäste, die er nachts durch die City kutschierte, könnte er Romane schreiben, wie er sagt. Und wie man eine Taxiflotte von Diesel auf Benziner umrüsten könnte, beschäftigt den technisch wie kaufmännisch Versierten schon lange. Kurzum: Marco Tretter trägt sich mit dem Gedanken, ein eigenes Taxiunternehmen zu gründen. Sein Problem: Im Landkreis sind alle Konzessionen längst vergeben. Seine einzige Möglichkeit ist eine Übernahme. Durch Gespräche an Taxiständen erfährt er schließlich, dass Helmut Müller seinen Betrieb samt Lizenzen verkaufen möchte.

Für Marco Tretter macht eine Neugründung also gar keinen Sinn. In anderen Branchen ohne Konzessionen gründen viele ihre Start-ups, ohne über die Alternative des Unternehmenserwerbs nachzudenken. In Deutschland suchen zahllose kleine und mittelständische Unternehmen aufgrund alternder Inhaber einen Nachfolger. Und eine Übernahme bietet Chancen, wo eine Neugründung vor allem mit Risiken behaftet ist.

Die Vorteile: Ein Nachfolger macht vom ersten Tag an Umsatz, denn er übernimmt den Kundenstamm und die Aufträge. Alle Betriebsmittel und Anlagen sind vorhanden, dadurch entfallen die hohen Anfangsinvestitionen. Die Mitarbeiter sind bestens geschult und erfahren, sie müssen nicht erst rekrutiert und ausgebildet oder eingearbeitet werden. Welche Betriebe zur Übernahme anstehen, lässt sich unter anderem bei Nachfolgebörsen, Branchenverbänden, Handels- und Handwerkskammern erfahren. Bleibt nur noch eine Frage: die wichtigste. Was ist das Unternehmen wert? Welchen Kaufpreis hat ein Produkt namens Firma?

Um dies zu ermitteln, wird eine Unternehmensanalyse durchgeführt. Der Fachbegriff heißt Due Diligence. In diese Bewertung fließen die Marktstellung, der Marktanteil, die Wettbewerbs-Situation sowie alle anderen wirtschaftlichen, rechtlichen und steuerlichen Fragen ein. Eine solche Analyse ist zwar sehr kostspielig, denn sie benötigt die Mitarbeit von Fachleuten wie Juristen, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern sowie Unternehmensberatern. Doch nur so lässt sich ein halbwegs realistischer Kaufwert festlegen.

Unternehmensberater können auch als Moderatoren zwischen Alt- und Neu-Unternehmer vermitteln. Denn oft kommt Streit auf, wenn der „Alte“ sein Lebenswerk aus der Hand gibt und der „Neue“ alles komplett umkrempeln will. Heißt das, alles sollte bleiben wie es war? Keineswegs. Denn um die Zukunft des Unternehmens und die Arbeitsplätze langfristig zu sichern, muss der Nachfolger ein klares Unternehmenskonzept ausarbeiten. Ein solcher überzeugender Businessplan mit Zielen, Finanzplanung und Zukunftsperspektiven ist bei der Übernahme ebenso notwendig wie bei einer Neugründung. Denn ohne ihn werden die Banken kaum die Kredite und die KfW kaum die Fördermittel zum Unternehmenskauf freigeben.

Eine Unternehmensanalyse hat Helmut Müller längst in Auftrag gegeben. Mit seinem Nachfolger ist er sich im Grundsatz einig. Dieser verhandelt bereits um Kredite für den Kauf. Es bleibt noch viel zu tun, bis das Unternehmen „Taxi Tretter vormals Müller“ heißen wird. Doch mag dies auch Monate dauern: Um einen Betrieb dieser Größe von null aufzubauen, hätte Marco Tretter Jahre benötigt. Übrigens: Das Erste, was er nach dem Kauf der Taxifirma anschaffen möchte, sind Kindersitze. Denn bei ihm fährt die Hoffnung mit, sein kommendes Lebenswerk einmal vererben zu können …

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Sind Sie ein Franchise-Mensch?

Franchising heißt, als Existenzgründer nicht ins kalte Wasser zu springen. Statt zu experimentieren, starten Franchisenehmer mit einem erfolgserprobten Geschäftsmodell. Doch unter Selbstverwirklichung verstehen viele Menschen etwas anderes …

Von Jens Kügler

Wer sich selbstständig machen möchte, braucht nicht zwangsläufig eine eigene Geschäftsidee. Er kann sie „mieten“ oder „kaufen“! Letzteres beinhaltet eine Möglichkeit, an die viel zu wenig Existenzgründer nachdenken: die Unternehmensnachfolge durch Kauf. Immer mehr KMUs in Deutschland suchen Nachfolger ihrer Inhaber oder Geschäftsführer, die in den Ruhestand gehen wollen. Diesem Aspekt des demografischen Wandels und der alternden Gesellschaft möchte ich in nächster Zeit einen eigenen Artikel widmen.

Heute geht es ums Franchising. Hier „mietet“ der Franchisenehmer das komplette Geschäftsmodell des Franchisegebers und Rechteinhabers gegen Gebühr. Das heißt, er setzt das Business 1:1 in seinem geschützten Vertriebsgebiet um. Noch genauer: Er kopiert es – von der Marke und dem Corporate Design über die Produkte und Dienstleistungen bis hin zur Einrichtung des Geschäftes. Aus Kundensicht erscheint jeder Burger King, Carglass oder McFit als eine Konzernfiliale. In Wirklichkeit ist jeder Betrieb ein eigenes Unternehmen, nur eben unter einheitlichem Auftritt. Und den schreibt der Franchisegeber haarklein vor.

Die Vorteile liegen indes klar auf der Hand. Ein Franchisenehmer muss das Rad nicht neu erfinden. Er bietet – sagen wir – als Neu-Eröffner in Lüneburg all die Produkte oder Dienstleistungen an, die sich schon in Pinneberg, Cuxhaven und Celle, in Ulm oder Ingolstadt sowie an dutzenden oder hunderten anderen Standorten bewährt haben. Ihm drohen keine klassischen Starter-Fehler. Die Marke ist oft national oder international bekannt und genießt Kundenvertrauen – und für die Werbung sorgt die Zentrale. Auch die Finanzierung geht meist wesentlich leichter vonstatten. In das Partner-Finanzplanungskonzept des Franchisegebers fließt die Erfahrung von zahlreichen Eröffnungen ein. Die Investitionen sind somit klarer kalkulierbar. Und viele Banken finanzieren ein vermeintlich sicheres Geschäft lieber als ein klassisches Start-up.

Der dritte klare Vorteil liegt im Know-how-Transfer. Franchisesysteme besetzten meist Marktnischen. Sie sind zum Beispiel nur Autofenster-Service, aber keine Werkstatt für alles. Oder eben ein reines Burger-Restaurant. Die meist sehr speziellen Anforderungen eins Franchisebetriebes werden in Crash-Kursen von Tagen, Wochen oder Monaten vermittelt. Außerdem profitieren die Franchisenehmer davon, das ihnen im Notfall das ganze Netzwerk mit seinen Erfahrungen unter die Arme greift. Bei Sorgen und Problemen stehen sie nicht allein da.

Aber darin liegt auch schon ein Punkt, der aus der Sicht Vieler gegen die Gründungs-Option Franchising spricht. Unternehmer wird normalerweise meist, wer Profi in seiner Branche ist. Ein Profi-Gründer ist überzeugt, den Job besser zu machen ans andere, besser vor allem als der Wettbewerb. Ein Franchisegeber kann aber an keinem Besserwisser interessiert sein. Undenkbar, dass zum (krassen) Beispiel ein Sternekoch einen Burgerketten-Grill-Standort eröffnet und mit seinen eigenen Rezepten die Marke verfälscht. Auch ist der Allrounder-Kfz-Meister im Autofenster-Service eher fehl am Platz. Franchisenehmer müssen vor allem eins: gute Verkäufer sein. Vertriebsaffinität ist vielfach wichtiger als Fachwissen, denn die Zentrale lebt von den meist umsatzabhängigen Gebühren. Franchisegeber suchen sich ihre Partner daher unter Quereinsteigern, die enorm kundenfreundlich und serviceorientiert statt tüftlerisch oder fachbesessen sind.

Womit wir zum nächsten Thema kämen, dass jeden Gründer selektieren lassen sollte. Ein Franchisenehmer ist 100% Unternehmer. Er muss für alle Investitionen selbst aufkommen. Er baut seinen Betrieb ganz alleine auf, trägt das volle unternehmerische Risiko und zahlt auch noch Lizenzgebühren. Doch in seinen Entscheidungen ist er nicht 100% frei. Er muss sich dem System unterordnen, denn, wie gesagt, er „kopiert“ es. Manches in einem Franchise-Netzwerk gleicht dem Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Weisungsbefugten. Wer sich selbstständig macht, um völlig frei und ungebunden zu sein, wird sich nicht die Option Franchising entscheiden.

Last but not least: Es ist nicht die eigene Idee, die ein Franchisenehmer umsetzt, Es ist nicht der eigene Name, der auf den Werbeschildern steht. Viele Gründer aber motiviert gerade dieses: Ein Klassiker des Unternehmertums heißt schließlich Selbstverwirklichung und Traumerfüllung.

Was Franchising dafür bietet, ist ein hoher Grad an Sicherheit. Das weitaus geringere Risiko zu scheitern. Und die enge Zusammenarbeit im Netzwerk. Allen potenziellen Gründern, die testen wollen, ob sie „franchise-fähig“ sind, empfehle ich diesen Artikel von Steffen Kessler von FranchisePORTAL.

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Bei Regen Geld-Segen. Und Lernen fürs Leben

Eine zündende Geschäftsidee! … das ist es, was Existenzgründer brauchen, die sich erfolgreich selbstständig machen möchten. In den virtuellen Franchise-Messen findet, wer suchet. Dort stellen sich Hunderte von Unternehmen vor. Sie werben um Partner, die ihr Konzept in einem geschützten Vertriebsgebiet umsetzen.

Von Jens Kügler

Bei der Eröffnung des eigenen Geschäfts lacht stets die Sonne – zumindest im Gesicht und im Herzen des Inhabers. Für Abrella gilt das genaue Gegenteil. Das dänische Franchise sucht PartnerInnen für eine Geschäftsidee, die sprichwörtlich vom Himmel fiel. Die Gründer hatten beobachtet, dass sich die Fußgängerzonen bei Regen schnell leeren. Wettergott Petrus spült den Geschäften die Einkaufsbummler förmlich hinweg. Wie könnte man die Innenstädte auch bei Wind und Wetter attraktiver machen? Und wie die Flanierer nicht mehr im Regen stehen lassen?

Die Dänen erfanden das Regenschirm-Exchange-System. Und so funktioniert’s: Die Läden stellen gegen Miete einen als Eyecatcher gestalteten Regenschirm-Ständer vor ihre Tür. Die Schirme samt kostenpflichtigem Werbeaufdruck liefert Abrella den teilnehmenden Einzelhändlern. Fängt es an zu regnen, leihen sich die Passanten die Schirme einfach aus – kostenlos – und „laufen Werbung“ für den Laden. Sie flanieren und shoppen fröhlich weiter, bis die Sonne wieder scheint. Dann stellen sie den Schirm beim nächsten Geschäft mit Abrella-Ständer wieder ab. Natürlich nicht, ohne sich zumindest dessen Auslage zu betrachten. Die Akquisition der werbenden Geschäfte seiner Stadt übernimmt der lokale Franchise-Partner. Er fördert den örtlichen Einzelhandel und verdient damit gutes Geld.

Okay, Franchising … denken wir da nicht in erster Linie an die weltweit führende Burger-Kette? Klar, denn das Unternehmen mit den Macs zum Reinbeißen und den Chips aus Kartoffeln statt Silikon hat das moderne Franchising quasi erfunden. Längst aber gibt es viele andere tolle Food- & Beverage-Konzepte. Sie „erfinden“ sich und ihre Branche ständig neu. Beispiel: Chopp & Roll. Das erste Eis Deutschlands, das aus einer flüssigen Masse besteht, die auf einer über 30 Grad kalten Edelstahl-Platte knisternd gefriert. Vor den Augen der Käufer wird das frisch Vereiste mit Früchten vermischt und spektakulär per Hacken und Zusammenrollen mit einem Spachtel zubereitet. Aber es sind nicht nur Systemgastronomen, Fitnessstudios oder Nachhilfeschulen, die Nachahmer für geschützte Vertriebsgebiete suchen. Es gibt auch Unternehmen, deren Geschäftsidee als regelrechte Story zu erzählen ist. Siehe: die Fußballfabrik. Hier ist ihre Gründungslegende.

Deutsche Fußballfans kennen Ingo Anderbrügge. Nach seiner aktiven Karriere wurde der Star von Borussia Dortmund und Schalke 04 Trainer mit DFB-Profilizenz. Vorher hatte er sich bereits mit einem Sportartikel-Geschäft selbstständig gemacht. Und: Der mehrfache Familienvater Ingo Anderbrügge arbeitete immer schon gern mit Kindern. Wann immer möglich, lieferte er die Artikel aus seinem Sportgeschäft persönlich bei den kleinen Dorf- oder Stadtteil-Fußballclubs ab. Dabei gab ganz nebenbei spontane Trainingsstunden mit Profi-Tricks für die Nachwuchskicker.

Allmählich entwickelte sich daraus die Geschäftsidee für Ingo Anderbrügges Fußballfabrik. Der Ex-Profi organisiert Fußballcamps für Kinder und Jugendliche bei den örtlichen Vereinen. Dabei bringt er ihnen Vieles bei, was zum Programm der DFB-Leistungszentren gehört. Inklusive Kniffen, die sie die Jungen und Mädchen ihren kleinen FC’s und TSV’s niemals lernen könnten. Mehr noch: Ähnlich wie die Leistungszentren bieten die Fußballcamps Workshops rund um Themen wie Teamgeist, Konfliktmanagement, Verantwortungsbewusstsein und Umgang mit Niederlagen. Alles unter dem Motto: Lernen fürs Leben. Die Eltern buchen es gern für ihre Kids.

Doch wie sollte der Ex-Star mit seinem Unternehmen im Ruhrgebiet Aufträge aus Bayern, Schleswig-Holstein oder Brandenburg bedienen? Selbst hinfahren? Zu viel logistischer Aufwand. Die Anfragen kamen jedoch und häuften sich. Ergo begann Ingo Anderbrügge, Sportlehrer, engagierte Sportstudenten oder Sponsoring-Agenturen vor Ort zu suchen. Menschen, die sein Konzept in ihrer Region umsetzen. Langsam wächst das Netzwerk, aber die meisten Regionen sind noch frei. Fazit: Im Franchising kann ein Gründer sogar seine Sportbegeisterung zur Berufung machen. Als Quereinsteiger-Champion mit der Lizenz eines Fußballstars.

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Statt Porsche Polizeijob: die Generation Z und ihre Ziele

Wie ticken die Teens in Puncto: „Was möchte ich werden“? Wo wollen die künftigen Berufseinsteiger arbeiten? Eine frisch veröffentlichte Studie gibt erstaunliche Antworten.

Von Jens Kügler

Sind es Apple oder Google Deutschland, sind es Daimler-Benz, Porsche oder Lufthansa? Oder ist es das allseits beliebt geglaubte „irgendwas mit Medien“ – in einer hippen Digital Agency? Mitnichten. Fragt man die Generation Z in Deutschland, welches ihre bevorzugten Arbeitgeber wären, tauchen ganz andere Namen und Ziele an erster Stelle auf. Das Marktforschungsinstitut Tendence wollte es genau wissen. Es fragte über 20.000 junge Leute auf allgemein- und berufsbildenden Schulen für sein aktuelles Schülerbarometer.

Nummer eins auf der Wunschliste: die Polizei! Knapp dahinter auf Nummer drei: die Bundeswehr! Als einzige vermeintlich „coole“ Trendmarke schob sich Adidas dazwischen auf Platz zwei. Schon erstaunlich: Die heutige Jugend setzt offenbar mehr auf Sicherheit als auf Traumjob, Selbstverwirklichung und Marken-Fokussiertheit. Rund 30 Prozent bevorzugen den Staatsdienst. So viele wie wohl seit den Vor-68er-Tagen nicht mehr.

Seltsam für uns Ältere: Früher galten Polizisten doch als unbeliebte Vorschriften-Macher. Genauso aber auch als Diejenigen, die für wenig Geld den Kopf hinhalten, Verbrecher jagen und Demonstranten wie Terroristen bekämpfen müssen. Und der Wehrdienst? Trotz Befehl und Gehorsam, trotz Skandalen und Kriegseinsätzen ist er beliebt wie nie zuvor in Deutschland.

Woher der Imagewandel? Haben hier die Werbekampagnen der Bundeswehr ihre Wirkung gezeitigt? Wurde die Polizei immer sympathischer durch die vielen TV-Serien mit menschelnden Beamten – von der Hafenkante bis Rosenheim? Hat der „Bulle von Tölz“ sein Schimpfwort verzaubert? Wir wissen es nicht, denn zum Glück können Marktforscher noch nicht in die Köpfe hineingucken.

Vielleicht hat der Staatsdienst tatsächlich an Vertrauen gewonnen. Möglicherweise liegt es aber auch nur daran, dass die Heranwachsenden von heute, nach den No-Future-Kids, den Yuppies und den Work-Life-Balancern vor ihnen, einfach etwas konservativer denken. Konservativer – aus unserer Sicht, weil die Job-Sicherheit für sie an erster Stelle steht. Vielleicht ist das Ergebnis des Schülerbarometers aber auch ein Amalgam aus beiden Denkansätzen.

Gut: Dass die Autobauer abbauen und nicht mehr wie ewig lang die Pole Position halten, könnte ein hausgemachtes Problem sein. Zwar liegt BMW immer noch auf Platz 4, Audi auf 5, Porsche auf 7 und Mercedes auf 8 der Beliebtheitsskala bei den Schülern. Aber der Größte unter ihnen, VW, verschwindet unter ferner liefen wie im Sumpf von Abgasskandalen. Vielleicht äußert sich hierin ein gewachsenes Verantwortungsbewusstsein der Jugendlichen.

Wächst da etwas heran, dass die übernächste Generation weiter ausbaut? Eine, die wir – mit unserem Latein bei Z alphabetisch am Ende angelangt – vielleicht Generation 1A nennen dürfen? Mich macht all das neugierig auf die Zukunft …

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