Haben jugendliche Gründer keine Chance?

In Deutschlands Schulen und Elternhäusern herrscht ein eher gründungsfeindliches Klima, wie eine Studie ergab. Teenager mit Geschäftsideen müssen Widerstände überwinden und selbst aktiv werden, wenn sie nach Menschen suchen, die sie unterstützen.

Von Jens Kügler

Der Mittelstand prägt die deutsche Wirtschaft. Wir sind ein Land der KMUs und nicht der Konzerne. Der sogenannte Unternehmergeist muss also weit verbreitet sein – sollte man meinen. Eine Studie des Deutschen Digitalverbandes Bitkom aus dem Herbst 2016 scheint das Gegenteil zu belegen. 64 Prozent aller Lehrer würden ihren Schülern von einer Existenzgründung abraten! Vielleicht ist dies nicht weiter verwunderlich bei Menschen, die sich bewusst für eine Beamtenlaufbahn entschieden haben. Aber bei den Eltern sieht es nicht besser aus, im Gegenteil. Sechs von zehn Eltern würden ebenfalls sagen: Kind, gründe lieber kein eigenes Unternehmen. Such dir einen sicheren Job!

Eine solche Gesellschaft motiviert nicht gerade zum Schritt in die Selbstständigkeit. Immerhin, es gibt vereinzelt Gründer-Planspiele oder Wettbewerbe, aber meist nur auf Schulen. Angesichts der Gründer-Skepsis der Lehrer bleiben diese leider Ausnahmen. Indes: Auf eine hervorragende Initiative bin ich bei der Recherche auf dem Portal Franchise-Treff gestoßen. Dort stellen die Autoren Verena Iking und Steffen Kessler immer wieder interessante KMU-Themen und Artikel zu Geschäftsideen oder Fördermaßnahmen ein, so auch einen Beitrag über die Initiative STARTUP TEENS.

Auf startupteens.de werden 14- bis 19-Jährige gezielt dazu aufgerufen, ihre eigenen Ideen zu verwirklichen und ein Unternehmen zu gründen oder eine Unternehmens-Nachfolge anzutreten. In Online-Trainings und auf Events lernen die Jugendlichen kostenlos, unternehmerisch zu denken und zu handeln. Über 200 Mentoren beraten die Jungunternehmer in spe und stellen ihnen ihr Know-how zur Unternehmensgründung zur Verfügung. Die Berater sind Unternehmer, Manager oder IHK-Vertreter. In einem Business-Plan-Wettbewerb können die Teilnehmer bis zu 10.000 Euro für ihre Geschäftsidee gewinnen. Offensichtlich ist die Anmeldung jedoch auch hier nur über die Schule möglich. Bleibt zu hoffen, so schließt Verena Iking ihren Beitrag, dass möglichst viele Schüler von der Initiative etwas mitbekommen.

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Keine Angst vorm Boss auf Facebook

Eine aktuelle Studie für Bewerber zeigt: Die Auftritte in den sozialen Netzwerken sind den Personalverantwortlichen nicht so wichtig. Jedenfalls – nicht so wie vielfach befürchtet. Noch nicht …

Von Jens Kügler

Hieß es in den letzten Jahren nicht immer wieder: „Bewerber, nehmt Eure peinlichen Party-Bilder raus. Die Chefs spionieren auf Facebook oder Instagram – und dann gute Nacht, Traumjob“. Gut, dass wirklich einmal jemand genauer nachgefragt hat: die Unternehmensberatung Kienbaum und das Staufenbiel Institut für Studien- und Berufsplanung nahmen sich des Themas an. Gemeinsam haben sie Anfang April eine Studie veröffentlicht unter dem Titel „Jobtrends 2017 – was Berufseinsteiger wissen müssen“. Dabei befragten die Marktforscher weltweit rund 300 Unternehmen mit insgesamt über fünf Millionen Mitarbeitern.

Das Ergebnis zum Thema Online-Ckecks? Nur drei Prozent aller Chefs und Personaler sehen sich ihre Bewerber auf Facebook an. Und ganze sechs Prozent gaben an, immer auch zu googeln, wenn eine Bewerbung vorliegt. Bei den Online-Checks liegt Googeln mit knapp 50 Prozent aller Fälle ganz oben – und da mag die eigene Website oder die Präsenz auf Xing oder LinkedIn wichtiger sein als das private Gedöns auf den anderen sozialen Netzwerken. Wer dort nichts absolut Entstellendes zeigt, muss sich wohl keine großen Sorgen machen.

Absolute Entwarnung? Nein, nicht ganz. Denn bei jenen Chefs, die online checken, disqualifiziert sich jeder zehnte Kandidat durch seine digitalen Auftritte. Also im Zweifelsfall doch lieber genauer überlegen, was man postet. Zumal: Die Entgleisungen auf Facebook oder Instagram sieht die mögliche neue Freundin/der neue Freund ja ebenfalls. Und bei den Personalern? Da dürfte die Zahl und Bedeutung der Online-Checks ganz sicher eher zunehmen statt abnehmen.

Natürlich haben sich Kienbaum und Staufenbiel keinesfalls nur mit der Frage der sozialen Netzwerk-Präsenzen befasst. Die Studie hat weitere hochinteressante Ergebnisse hervorgebracht. Zum Beispiel, dass 40 Prozent der Personaler sich für die erste Prüfung einer Bewerbung nur fünf Minuten Zeit nehmen – oder weniger. Ein weiteres Resultat lautet: Praxis schlägt Note – auch bei Studienabsolventen und Berufsstartern. Über 80 Prozent aller Personalverantwortlichen gab an, dass ihnen die Erfahrung aus möglichst vielen Praktika (hört, hört!) wichtiger sei als der Titel und die Abschlussnote des Regelstudiums. Mein Tipp: Einfach mal die Studie „online checken!“.

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Tief abgestürzt und wieder aufgestanden

In Deutschland darf man fast alles. Nur nicht scheitern. Und möglichst auch nicht viel riskieren. Warum nur?

Von Jens Kügler

Es war mitten in der New Economy-Zeit, weit vor dem Zusammenbruch des Marktes, der „Dotcom-Blase“ im Frühjahr 2000. Da hatte mich ein Startup-Unternehmen unter Vertrag genommen, das nichts Geringeres als Weltmarktführer im Online-Shopping werden wollte. Dafür hatten ihm die Banken dreistellige Millionenkredite geliehen. Vor dem geplanten Börsengang konnten wir, die Mitarbeiter der „ersten Stunde“, uns Aktienoptionen sichern. Jedem standen zehntausende von Aktien zum Kaufpreis von rund drei Euro zu. Man rechnete damit, dass sich der Ausgabepreis binnen kürzester Zeit vervielfachen würde – wie damals die Yahoo-Aktie – und wir alle damit reich werden könnten.

Ich in meiner Vorsicht wollte natürlich kein Risiko eingehen und kaufte nur so viele Optionen, dass von meinen liquiden Mitteln noch eine eiserne Notreserve verblieb. Obwohl auch ich vom Erfolg des Unternehmens überzeugt war. Mein geschätzter Kollege und Tischnachbar P. griff zu: nahm sich Kredite auf und kaufte das Gesamtpaket. So wie viele andere „Verrückte“ auch. Damals beneidete ich ihn um seinen Mut. Später bedauerte ich ihn. Denn die Pleite des Unternehmens ließ mich nur in etwa so viel Geld verlieren, wie ich in einem Jahr dort als Gehalt verdient hatte. Er saß mit seiner jungen Familie auf einem Schuldenberg, der manchen in den Suizid getrieben hätte.

Ich weiß nicht, wie er es geschafft hat. Aber seine Schulden konnte er tatsächlich peu à peu mindern. Es gelang ihm sogar, ein Unternehmen in der Kommunikationsbranche aufzubauen, mit dem er heute erfolgreich am Markt agiert. Den Traum vom großen Reichtum erfüllt er sich damit sicher nicht. Aber er hat den Kampf angenommen, als er kämpfen musste. Und offensichtlich hat er gelernt, selbst eine scheinbar aussichtslose Lage zu meistern.

Neulich las ich über eine Studie der Universität Michigan. Die Marktforscher hatten herausgefunden, dass Unternehmen mit einer Kultur der Fehler-Vergebung weniger krisenanfällig sind. Trial and Error ist offensichtlich ein Erfolgsmodell. Wenn die Mitarbeiter etwas wagen und damit auch scheitern dürfen, trauen sie sich, innovativ zu sein. Dies bringt die Unternehmen letztlich voran. Wir Menschen machen Fehler, treffen falsche Entscheidungen, ja, machen vermeintliche „Dummheiten“ – und werden hierzulande dafür nicht selten geächtet. Mein ganzer Respekt gilt einem wie P., der stürzt und wieder aufsteht.

Klar, dass ich zu Leuten aufblicke wie Samuel Koch oder Philippe Pozzo di Borgo. Samuel Koch brach sich bei „Wetten Dass“ das Genick. Als Querschnittsgelähmter fand er sein Glück und wurde Schauspieler und Theaterregisseur. Philippe Pozzo di Borgo war erfolgreicher Unternehmer und erlitt ein ähnliches Schicksal beim Gleitschirmfliegen. Im Film „Ziemlich beste Freunde“ nahm die Welt Anteil an seinem durchaus nicht nur unglücklichen Leben. Meine Bewunderung gilt indes auch Leuten wie P. mit – sagen wir – deutlich kleineren Stürzen.

Übrigens, der Geschäftsführer und einige Management-Mitarbeiter des gescheiterten „Weltmarktführers“ von damals sind ausgewandert. So weit weg von Deutschland, wie es überhaupt nur ging. Sie haben einen der führenden Telekommunikationsanbieter Australiens aufgebaut – und schafften den Börsengang. Hier ganz unten, Down Under ganz oben. Chapeau!

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Bye bye, Montag-Morgen-Blues

Heute früh bleib die Unlust einfach aus. Und statt mit Wehmut übers vergangene Wochenende an die Arbeit zu gehen, freute ich mich nur darauf. Wie das passierte?

Von Jens Kügler

„Hoch die Hände, Wochenende!“. Dies hatte mir eine Kundin gemailt, nachdem ich am Freitag – einem außergewöhnlich turbulenten Freitagnachmittag – Ihren Text-Auftrag nicht mehr rechtzeitig bis zu ihrem Feierabend fertigstellen könnte. Mit ihrem Spruch signalisierte sie mir: Es hat Zeit bis Montag früh, genieß jetzt Deine Freizeit! Denn der Text sollte ohnehin erst Montag oder Dienstag online gehen. Vielleicht hatte sie die Mail aus der Erkenntnis heraus verfasst, dass der Text umso besser würde, wenn ich ihn Montag früh entspannt statt Freitagabend abgehetzt vollende.

Tatsächlich schaltete ich den Mac am Abend aus – nicht ganz verrichteter Dinge –, und traf mich mit Freunden. Samstag und Sonntag genoss ich mit lieben Menschen ausgiebig das erste frühlingshaft sonnige Wochenende in dieser südlichsten aller deutschen Landeshauptstädte. Der Textauftrag konnte ja bis Montag warten!

Der Text? Ich sollte die Firmengeschichte eines spannenden, weil visionären und innovativen Unternehmens für deren neue Website verfassen. Das Lieblingsthema für einen Hobbyhistoriker und Geschichtenerzähler! Ergo setzte ich mich mit Freuden am heutigen Montag früh an die Vollendung dieser Geschichte. Ich hatte mich während all der Wochenend-Genüsse ein bisschen auch auf diesen Moment gefreut: Montag nach dem Sonnenaufgang unter strahlend blau werdendem Himmel ins Büro gehen. Den Mac mit schöner klassischer Musik hochfahren. Die Espressomaschine mit Bohnen befüllen und ihre duftverströmende und Erfrischendes produzierende Arbeit verrichten lassen. Dann die letzten Sätze dieser spannenden Firmenhistorie vollenden, die Mail abschicken, den Dank entgegennehmen. Den Job vom Kalender streichen – als gelungen und erledigt!

Da fiel mir wieder ein, was mir eine Bekannte einmal geraten hatte. Sie ist von Beruf Psychotherapeutin und ich sprach mit ihr über das Thema, wie ich mich an einem Montagmorgen motivieren könnte. An den potenziell unschönsten Stunden der Woche also. Was sie mir riet? Starte in die Woche, ja am besten jeden einzelnen Arbeitstag, mit einer Arbeit, die Du liebst und die Dir leicht fällt. Sofern möglich! Versuche, jedwede Problemlösungen und alle Entscheidungen mit Tragweite erst dann zu treffen, wenn Du a) in die Arbeitsroutine gefunden hast und b) über die meiste geistige wie körperliche Spannkraft verfügst. Sprich, am Vormittag, nach der Mittagspause, nach den ersten Erfolgserlebnissen des Tages oder der Woche.

Heute früh ist mir klar geworden, wie richtig und wichtig dieser Rat war. Ich habe immer dazu geneigt, das scheinbar Wichtigste und am dringendsten Oktroyierte zuerst vom Tisch zu kriegen. Das, worauf man am wenigsten Lust hat – nach einem Motto wie: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Aber Prioritäten muss man anders setzen, wenn man wirklich motiviert sein will. Gegen den Montag-Morgen-Blues soll bei mir in Zukunft zuerst die Gute-Laune-Tätigkeit auf dem Kalender stehen, wann immer es möglich ist. Was bringt es mir, wenn ich mich zum Sklaven einer Planung nur nach Zwängen mache? Vielleicht den Burnout, irgendwann. Nein, da beherzige ich doch lieber diesen Rat, der funktioniert, wie ich heute morgen festgestellt habe.

Welche weiteren Strategien haben wohl andere Menschen entwickelt, um die Woche mit Motivations-Schüben zu starten?

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Arbeitslosigkeit trotz Job-Rekord. Was tun?

27 Jahre nach der Einheit ist Deutschland geteilt wie nie. Hier ein Fachkräftemangel höher denn je, dort immer noch ein großes Arbeitslosenheer. Ein Paradies für Jobsuchende? Nein, ein gesellschaftliches Paradoxon. Ein Ausweg ist Qualifikation.

Von Jens Kügler

Deutschland 2017: Der Arbeitsmarkt steht Kopf. Auf der einen Seite gibt es – obwohl dies ein historisches Minus darstellt – immer noch 2,7 Millionen Arbeitslose und gut sechs Millionen Hartz-IV-Empfänger. Auf der anderen Seite sind so viele Stellen offen wie noch nie. Für das vierte Quartal 2016 haben Marktforscher aus dem Umkreis der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg die Zahl von über 1,04 Millionen unbesetzten Arbeitsplätzen ermittelt. Ursache ist das starke deutsche Wirtschaftswachstum. Und dieses Wachstum ist durch eben diese unbesetzten Stellen gefährdet. Wie passt das zusammen?

Neben dem Export boomt in Deutschland auch die Binnennachfrage. Das heißt, viele Unternehmen bleiben förmlich auf Aufträgen sitzen, die sie nur mit zusätzlichem Personal bewältigen könnten. Übrigens nimmt „uns Deutschen“ auch kein Immigrant irgendwelche „Arbeitsplätze weg“, wie Rechtspopulisten gern schimpfen. Im Gegenteil. Die Flüchtlinge sorgen sogar für einen Boom, anstatt der Untergang des Abendlandes zu sein. Um sie zu betreuen, sind zehntausende an Stellen geschaffen worden.

Doch in der Tat bremst der Fachkräftemangel das Wirtschaftswachstum aus. Denn während eine offene Stelle Anfang 2010 im Mittel nach 70 Tagen besetzt war, benötigten die Unternehmen im vierten Quartal 2016 durchschnittlich 85 Tage dazu. Nur spekulieren lässt sich darüber, wie hoch die Mehrkosten der Bewerbersuche und vor allem der betriebs- und volkswirtschaftliche Schaden durch die Auftragsverluste ausfallen.

Für viele Bewerber klingt das alles zunächst gut. Selbst die Zweitbesten haben plötzlich eine Chance. Und Menschen über 50 sehen wieder Perspektiven. Denn im High-Tech-Land Deutschland werden gut ausgebildete und erfahrene Fachleute gesucht. Nur sie können die immer komplexeren Dienstleistungen für immer anspruchsvollere Kunden durchführen. Langzeitarbeitslose werden durch diese Entwicklung umso weiter abgehängt. Ihre Chancen sinken.

Dazu passt auch eine andere Zahl, quasi die Kehrseite der Jobwunder-Medaille. Tatsächlich war im Jahr 2015 nur jede zweite ausgeschriebene Stelle wegen Mehrbedarfs neu geschaffen worden. Rund ein Drittel aller offenen Stellen waren durch den Abgang der bisherigen Mitarbeiter neu zu besetzen. Denn in Boomzeiten nutzen die Angestellten ihre höheren Aufstiegschancen und wechseln deshalb häufiger den Job. Für die neu zu besetzenden Stellen suchten die Arbeitgeber natürlich nur Menschen mit entsprechender Qualifikation.

Ergo sind es nicht die Arbeitslosen, die um die offenen Stellen konkurrieren. Im Rennen bleiben allein die Berufskollegen. Sprich, die Qualifizierten, die Joberfahrenen. Übrigens galt Ähnliches schon in der Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er-Jahre, die in Deutschland bekanntermaßen in die Nazidiktatur mündete. Die Masse der über sechs Millionen Arbeitslosen des Jahres 1932 bildeten die ungelernten Arbeiter an den Fließbändern. Die verhältnismäßig wenigen Facharbeiter und Angestellten waren weitaus weniger betroffen.

Heute gilt nach wie vor und umso mehr: Ausbildung, Weiterbildung, Lernen. Wir müssen heute das ganze Leben lang lernen. Auch der 60-Jährige muss seinen PC beherrschen und das Internet nutzen. Das ist nicht nur seine Chance. Das ist die Chance für uns alle. Ein Plädoyer für die Bildung.

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Wie wird man Unternehmenskulturschaffender?

Eine Firma ist mehr als die Summe ihrer Köpfe. Sie muss Werte verkörpern. Und diese Werte entstehen keinesfalls zufällig. Sie sind „machbar“.

Von Jens Kügler

Wie vorletzte Woche bereits thematisiert, steht die Unternehmenskultur laut einer aktuellen Glassdoor-Studie an erster Stelle der Arbeitnehmerwünsche. Sie beeinflusst die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter am allermeisten – noch vor Gehalt oder Work-Life-Balance. Doch damit ist auch klar: Wer keine positiv gelebte Unternehmenskultur pflegt, muss sie schaffen, um die besten Köpfe zu gewinnen. Nur wie?

Ein toller Slogan, ein paar schön arrangierte Teamfotos und Bekenntnisse in der Imagebroschüre – all das reicht definitiv nicht aus. Der gute Wille leider auch nicht. Basis ist eine Unternehmensvision, die „gelebt“ wird. In einem KMU – und das sind 99 Prozent aller deutschen Betriebe – muss der Gründer, Chef oder Inhaber die Vorbildfunktion persönlich einnehmen und seine Begeisterung auf die Mitarbeiter übertragen.

Nehmen wir das Beispiel einer nicht mal durchgängig positiv beleumundeten Branche: der Makler. Ich kenne Makler, die stolz auf ihren Beruf sind. Weil sie mit ihrer Tätigkeit, passende Häuser und gesuchten Wohnraum zu vermitteln, ihren Kunden Lebensträume erfüllen. Zumindest aber ihre Lebenssituation verbessern. Und weil sich diese Makler durch Redlichkeit und überdurchschnittliche Kundenorientierung bewusst und deutlich von ihren manchmal mit dem Ruf des Abzockens belasteten Berufskollegen abheben. Ich kenne von der eigenen Wohnungssuche her Maklerbüro-Mitarbeiter, die mir den Eindruck vermittelt haben, sie könnten der Chef persönlich sein, so begeistert schilderten sie mir die Vorzüge der gezeigten Wohnungen. Warum kann das nicht auch der Sanitärinstallateur „leben“, der mir mein schönes neues Bad eingerichtet hat?

Stolz, Überzeugung und Unternehmensvision und die Antwort auf die Frage: Warum tun wir, was wir tun? – das ist die wichtigste Basis für eine Unternehmenskultur. Aber es gibt auch konkrete Maßnahmen, um eine Kultur zu verankern. Mitarbeiter lieben das Gefühl, in die Entscheidungsfindung involviert, zumindest aber um ihre Meinung gefragt zu werden. Sprich, durch Einbindungen oder Feedback-Gespräche fühlen sich die meisten Arbeitnehmer deutlich mehr wertgeschätzt als mit „einsamen Entscheidungen“ über ihre Köpfe hinweg, selbst wenn dies das gute Recht eines Firmeneigentümers oder Existenzgründers und damit das gute Recht des unternehmerischen Risiko-Trägers ist.

Wie die bereits erwähnte Glassdoor-Studie offenbarte, liegen Karrieremöglichkeiten ebenfalls ganz vorne in der Beliebtheitsskala der Arbeitnehmer. Wer seinen Mitarbeitern Fortbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten gibt, fördert ihre Loyalität und stärkt somit das Wir-Gefühl seines Teams. Was sich auch immer wieder als wirksam erwiesen hat, sind Anerkennungen, die nicht zwangsläufig mit Aufstiegen oder Gehaltserhöhungen einhergehen müssen. Jede Form der persönlich ausgesprochenen und ehrlich gemeinten Anerkennung durch den Chef gibt dem Mitarbeiter das Gefühl, wichtig zu sein. Wer ist schon gern entbehrlich?

Ist der „Boss“ als Vorbild wirklich alles? Keineswegs. Ebenso wichtig sind die Mitarbeiter selbst. Sie müssen die Werte des Unternehmens teilen. Bei der Mitarbeiter-Rekrutierung sollte nicht nur auf Lebenslauf und Fachkenntnisse geachtet werden. Psychometrische Persönlichkeits-Tests lassen Rückschlüsse auf Charaktereigenschaften, persönliche Haltungen und Ziele zu. Es ist wesentlich, dass Kandidat und Kultur zueinanderpassen. Denn wer die Werte des Unternehmens nicht teilt, wird keine Loyalität entwickeln können. Nach drei, spätestens sechs Monaten ist der Mitarbeiter weg oder gekündigt und die Position wieder vakant. Was können Unternehmer tun, die sich die ständige intensive Suche ersparen und ihr Team vor ständigen Rückschlägen bewahren möchten? Sie sollten in Recruitment und Fortbildung ebenso wie in Marketing oder Forschung und Entwicklung investieren.

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Gleichberechtigung ist machbar

Zu wenig Frauen in Führungspositionen – das ist Realität 2017. Aber nicht für die Ewigkeit zementiert. Das zeigt ein kleiner Blick über den Tellerrand.

Von Jens Kügler

Reykjavik, Island, 9. März 2017. Keine Finanzkrise, kein Asche speiender Vulkan mit unaussprechlichem Namen: Es war etwas Fortschrittliches, ja Vorbildliches, das aus dem kleinen, rund 330.000 Einwohner zählenden Inselstaat in die Welt drang. Eine Nachricht – fast so sensationell wie der Erfolg der isländischen Herren bei der Fußball-Euro 2016. Diesmal aber für Frauen.

An diesem Mittwoch beschloss die isländische Regierung ein Gesetz. Es zwingt öffentliche wie private Unternehmen dazu, Männern wie Frauen – und überhaupt allen Arbeitnehmer/innen – in gleicher Position exakt den gleichen Lohn zu zahlen. Bis 2022 soll diese Gleichheit vollständig verwirklicht sein. Island ist damit der erste Staat der Welt, der gleiche Löhne per Gesetz einführt. Schon seit Jahren liegt das Vorreiterland im hohen Norden ständig ganz oben – auf Platz eins des Global Gender Gap Index. Frauen verdienen auf Island derzeit „nur“ 14 bis 19 Prozent weniger als Männer. In Deutschland liegt dieser Wert mit rund 21 Prozent deutlich höher.

Der Zeitpunkt des isländischen Regierungsbeschlusses war kein Zufall. Er fiel praktisch mit dem Weltfrauentag am 8. März zusammen. An diesem Tag wird alljährlich auf die Ungleichbehandlung hingewiesen – vor allem durch die Veröffentlichung von Studien. Eine aktuelle Umfrage von Ipsos ergab, dass rund 63 Prozent aller Deutschen einen Mangel an sozialer, politischer und wirtschaftlicher Gleichberechtigung für Frauen erkennen. Eine andere Studie legte die Wirtschafts-Auskunftei Bürgel vor. Sie analysierte mehr als 2,8 Millionen Führungspositionen in rund 800.000 deutschen Unternehmen. Dabei handelte es sich um Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichtsräte und Firmeninhaber. Das Ergebnis: Nur 22,5 Prozent dieser Positionen werden von Frauen bekleidet. Dies sind kaum mehr als im Vorjahr 2015: Damals waren es 22,4 Prozent.

Zwei Hauptgründe nennt die Studie für die geringe Frauenquote. Einmal die Dominanz der Männer in den entscheidenden Gremien. Dann die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dabei zeigt das Beispiel Island, dass diese Probleme offensichtlich lösbar sind. Selbst in Deutschland tun sich regionale Unterschiede auf, wie die Bürgel-Studie ebenfalls offenbart hat. Hier liegt nämlich der Osten klar vor dem Westen! Spitzenreiter ist das Bundesland Brandenburg mit über 26 Prozent Frauen in Führungspositionen. Alle anderen ostdeutschen Länder liegen mit 24 bis 26 Prozent ebenfalls deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Letzter in der Liste ist übrigens das wirtschaftlich so starke Baden-Württemberg im Südwesten mit gerade einmal 20 Prozent.

Sicher hängt dieses bessere Abschneiden Ostdeutschlands immer noch damit zusammen, dass in diesen Bundesländern schon seit DDR-Zeiten eine hundertprozentige Versorgung mit Kindergartenplätzen staatlich gewährleistet war und dadurch bis heute praktisch ist. Diese „Errungenschaft des Sozialismus“ war freilich dem eklatanten Fachkräftemangel geschuldet, den der SED-Staat hatte. Hochqualifizierte Personen hatten in dem Staat mit seinem Ideal einer klassenlosen Gesellschaft kaum große Karriere- und Verdienstchancen. Gerade die „Besten“ waren deshalb massenhaft in den Westen geflüchtet. Der Staat brauchte die Arbeiterinnen und schuf ihnen die Infrastruktur zur Versorgung ihrer Familien.

Dies zeigt aber doch erst recht, dass die Ursachen für die Un-Gleichberechtigung lösbar sind … mit ein bisschen mehr Ostdeutschland für den Westen und ganz viel Island für die Welt.

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Das Wichtigste im Job ist die Chemie

Eine aktuelle Studie offenbart, was für Arbeitnehmer wirklich zählt. An erster Stelle stehen Unternehmenskultur und Management, sprich Führungsqualität.

Von Jens Kügler

Prolog:

„Montag früh ist meine Furie von Chefin wieder da. Puuh … Da kann ich nur sagen: Augen zu und durch. Mund halten, durchhalten bis zum Feierabend“ (eine Bekannte, derzeitige Jobsituation). „Wisst ihr schon? Freitag ist der Chef in Frankfurt! Den ganzen Tag unterwegs. Hurra, kein Brüllen! Kein Anschiss! Den ganzen Tag ruhig und entspannt arbeiten können. Ein Traum …“ (meine Kollegen und ich vor vielen Jahren über einen Choleriker von Chef). „Ich muss mich nur mit der Glocke auf die Straße stellen und läuten, schon habe ich hundert Jobsuchende an der Hand“ (selbiger Chef, unverhohlen drohend).

Hauptteil:

Was macht aus Arbeitnehmern zufriedene Mitarbeiter? Eine kürzlich veröffentliche Studie von Glassdoor offenbarte Unerwartetes. Könnte man meinen. Nicht das Gehalt ist das wichtigste Kriterium für die Arbeitnehmer von heute. Auch nicht die in den jüngsten Jahren so viel beschworene Work-Life-Balance. Es ist die Unternehmenskultur. Sie liegt auf Platz eins. Dicht gefolgt vom Verhalten von Management und Vorgesetzten. Dies sind die wichtigsten Faktoren fürs Arbeitsklima.

Wer sich in den Szenen vom Prolog wiedererkennt, wird sich gar nicht darüber wundern. Für ein besseres Arbeitsklima sind sicherlich viele Menschen bereit, gewisse Abstriche bei Geld und Vergütung sowie Vereinbarkeit mit Privat- und Familienleben zu machen. Trotzdem ist es noch gar nicht so lange her, da galt die schwarze Zahl auf der Gehaltsabrechnung als das wichtigste Auswahl-Kriterium für den Job. Und in jüngsten Jahren hörten wir immer mehr von der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie oder Freizeit, der Work-Life-Balance. Insofern ergab die Studie also doch Erstaunliches. Offenbar hat sich ein Wertewandel eingestellt oder verstärkt.

Die Studie wurde Anfang Februar 2017 veröffentlicht. Ihr Name: „The Workplace Factors That Matter Most to Employees“, zu deutsch – frei übersetzt – die stärksten Faktoren für die Mitarbeiter-Zufriedenheit. Analysiert wurden die Daten von über 600.000 Nutzern der Job-, Recruiting- und Bewertungs-Plattform Glassdoor. Die Nutzer hatten dort zwischen 2014 und Anfang 2017 ihre Arbeitgeber bewertet und Angaben zu ihrem Gehalt hinterlassen.

Das Ergebnis? Unternehmenskultur und Werte führten die Skala mit über 22 Prozent Anteil an der Gesamtzufriedenheit an. An zweiter Stelle lagen mit 21 Prozent Management und Vorgesetzte, von denen man sich nicht nur Sach-, sondern auch Sozialkompetenz wünscht. Platz drei: die Karrieremöglichkeiten mit knapp 19 Prozent. Nach Punkten weit abgeschlagen – auf Platz vier – die Geschäftsaussichten (Business Outlook) mit rund 14 Prozent. Und mit nur jeweils knapp 12 Prozent landeten Work-Life-Balance sowie Vergütung und Zusatzleistungen auf den Plätzen fünf und sechs der wichtigsten Faktoren. Es waren die unwichtigsten.

Im Übrigen spielte die Höhe des Gehaltes eine Rolle bei den Bewertungsergebnissen. Je höher das Gehalt, desto unbedeutender erscheint dieser Faktor den Arbeitnehmern. Sicherlich spielt hier das Gefühl der wirtschaftlichen Sicherheit eine Rolle, das mit besserer Bezahlung steigt. Doch gerade bei den Gutverdienern zählt umso mehr: Die Unternehmenskultur, die Führungsqualität und die Chemie müssen absolut stimmen.

Epilog:

Deutschland in wenigen Jahren. Furien und Choleriker haben nicht nur Unzufriedenheit geerntet. Sie erlebten eine Steigerung – und zwar bei der Fluktuation. Den Kampf um die besten Köpfe haben sie längst verloren. Der Drachen ist tot, die Glocke an der Hand verstummt …

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Zeittöter dingfest machen und verbannen

Die E-Mail-Flut, der falsche Perfektionismus, der unstrukturierte Arbeitsplatz – sie alle bringen uns aus dem Arbeitstakt. Dabei ist Abhilfe so einfach – und die Methoden längst bekannt!

Von Jens Kügler

Lassen Sie sich nicht mehr von E-Mails ausbremsen! Sie kennen das: Sie kommen eine halbe Stunde später ins Büro, halb zehn, und der wichtige Herr Dr. Klöbner hat da „ein paar Unklarheiten zu Ihrer Vorgehensweise“, wie die Betreffzeile verrät. Sofort suchen Sie sich die Argumentationen und Rechtfertigungen heraus, schicken sie raus, vergessen natürlich ein Argument, schicken dies nach, nein, Stopp, Sie halten kurz mit Frau Schwan Rücksprache … und sind dann erst mal völlig aufgekratzt. Obwohl Dr. Klöbner gar nicht am Arbeitsplatz ist und die Beantwortung bis heute Mittag Zeit gehabt hätte. Sie schauen auf die Uhr: 45 Minuten Zeitverlust. Vom eigentlichen Plan für heute Vormittag ist noch nichts erledigt.

Nichts Neues? Na klar: Die Beiträge aus diesem Blog zum Thema „Geben Sie Ihren E-Mails einen klaren Slot“ dürften bald ein Whitebook füllen. Doch sie verlieren nichts von ihrer Richtigkeit. Im Gegenteil. Die „Mailflut“ nimmt zu. Zumal: E-Mails sind immer noch eines der wirksamsten, weil günstigsten Kommunikationsmittel, gerade in Marketing und Werbung. Die zwei oder drei festen Slots von 20 bis 30 Minuten pro Tag für die Mailbearbeitung reichen, da keiner erwartet, dass Sie direkt reagieren. Sonst griffe er zum Hörer.

Gehen Sie in den Mail-Zeitfenstern effizient vor: Öffnen und überfliegen Sie jede Mail nur einmal – und zwar ERST während der Slotphase. Sonst lesen Sie doppelt und verschwenden Minuten. Löschen Sie gleich, was Sie nicht brauchen. Den Newsletter, das Sonderangebot und Anna Blumes Facebook-Status. Leiten Sie gleich weiter, was nicht in erster Linie an Sie gerichtet war. Archivieren Sie, was Sie später noch bearbeiten können. Tragen Sie alles, was länger als fünf Minuten Bearbeitungszeit benötigt, als „to do“ auf Ihren Kalender ein. Übrigens: Was für E-Mails gilt, gilt natürlich auch für Whatsapps und andere Smartphone-Piepser.

Ein kaum weniger bekannter Zeitkiller ist die berühmte 80-20-Regel. Sie besagt, dass wir mit nur 20 Prozent unseres Zeiteinsatzes rund 80 Prozent unserer Aufgaben erledigen. Umgekehrt widmen wir also 80 Prozent unserer Zeit den unproduktiven 20 Prozent „Performance“. Was kann man tun? Einen Prozess zum Delegieren bestimmter Tätigkeiten einführen – zum Beispiel. Ein Visionär ist kein Erbsenzähler, ein Verkäufer kein Buchhalter. Allzu häufig ist der gesamte Perfektionismus bis ins Detail auch gar nicht notwendig.

Einen weiteren Tipp hat uns schon die Lehrerin in der ersten Klasse mitgegeben. Auf dem Schreibtisch, am Arbeitsplatz, hat „alles an seinem Platz“ zu liegen. Taichii Ohno, Erfinder des Lean Management, hat dieser Methode die Bezeichnung 5S gegeben und sie mit in seinen Katalog an Empfehlungen für die schlanke Produktion aufgenommen. 5S wird im Deutschen mit Sortieren, Systematisieren, Säubern, Standardisieren und Selbstdisziplin übersetzt. Es betrifft die Anordnung und den Zustand aller Arbeitsgeräte und Papiere – vom Kugelschreiber bis zur Eingangsrechnung. Was für Desktop gilt, zählt hier natürlich ebenso für Ablage, Werkzeuge und PC-Verzeichnisse. Wer nur daran denkt, wie lange er letzte Woche nach Dr. Klöbners Lieferscheim vom August gesucht hat, ahnt, wie wie Zeit sich allein durch 5S und Disziplin gewinnen (und wie viel unnötiger Stress sich abbauen) lässt!

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Fluch und Segen der „freien Platzwahl“

Viele träumen von der Arbeit ortsungebunden und fernab vom Büro. Doch sind Homeoffice oder digitales Nomadentum für jeden wirklich das Beste?

Von Jens Kügler

Morgens um acht. Ich öffne mein Notebook im Bäckerei-Café. Aktiviere die Hotspot-Funktion meines Handys. Lese meine Mails, formuliere ein Angebot. Trinke dabei gemütlich eine Tasse Kaffee im netten Ambiente mit Aroma-Düften und nehme gleich die Brötchen fürs Büro mit. Nebenan treffe ich um neun einen Kunden. Danach um halb elf geht’s ins Büro. Die Dateien von heute morgen sind über die Cloud längst synchronisiert worden, sodass ich sie am großen Rechner gleich weiter bearbeiten kann.

Mittags um halb eins. Herrlichster Sonnenschein. Statt eine Mittagspause zu machen, verstaue ich mein kleines 10-Zoll-Notebook in der Fahrradtasche und fahre zum Biergarten am See. Für sechs Stunden Arbeit reichen die Akkus dieser kleinen Geräte allemal. Und da es in jedem Hotel längst WLAN gibt, ermöglicht mir das knapp 1 kg leichte „Teil“ das Arbeiten auch beim nächsten Kurzurlaub in Venedig.

Mit dem Büro im Rucksack kann ich mich wohl zu den digitalen Nomaden zählen, die von überall aus arbeiten. Natürlich hat die Sache auch einen Haken. Wer fernab von seinen Kollegen arbeitet und dabei um die Welt jettet – oder auch nur zum See radelt –, verliert die sozialen Kontakte zu den anderen Mitarbeitern im Unternehmen, wenn er nicht ohnehin Freiberufler oder anderweitig „Einzelkämpfer“ ist.

Gleiches gilt für Heimarbeiter: Nicht für jeden von uns ist der Arbeitsplatz im privaten Umfeld außerhalb der Firma das Richtige. Damit meine ich nicht nur diejenigen, bei denen es rein berufsbedingt nicht funktionieren kann – etwa bei Jobs in der Produktion, im direkten Kundenkontakt oder beim Umgang mit geheimen oder sensiblen Daten. Viele Menschen brauchen ganz einfach feste Bezugspunkte. Dazu kann der Büroarbeitsplatz samt Austausch mit den Kollegen zählen. Mir geht es genauso: Um nicht den ganzen Tag lang allein zu sein, habe ich mich in ein Coworking-Office eingemietet. Zuhause in einem reinen Arbeitszimmer hatte ich Schwierigkeiten, Freizeit und Arbeit zu trennen.

Erfolgreich zuhause arbeitet nur, wer diszipliniertes Zeitmanagement praktizieren und seinen Tag perfekt selbst organisieren kann. Arbeit und Freizeit-Beschäftigungen brauchen klare Slots. Und so vorteilhaft wie das Homeoffice für die Work-Life-Balance ist: Es kann Stress verursachen, wenn man sich von Familie, Kindern, Fernsehen und sonstigen Freizeitaktivitäten dazwischen funken lässt.

Für viele Menschen erscheint Heimarbeit natürlich als die perfekteste aller Lösungen. Damit meine ich nicht nur Eltern mit Kindern, sondern gerade die älteren Arbeitnehmer. Menschen ab 50 oder 55 Jahren schätzen Bequemlichkeit, schon alleine aus gesundheitlichen Gründen. E-Mails lassen sich auch auf dem Sofa oder Ruhesessel beantworten. Im Fall von Erkältungskrankheiten kann das eigene Bett mit einem Frühstücks-Tablett den Arbeitstisch ersetzen. Längst stellt sich die Möbelindustrie auf ältere Homeoffice-Arbeiter ein und bietet entsprechend optimierte Sitzgelegenheiten mit Steckdosen fürs Notebook.

Daher das abschließende Fazit zum Thema Home-Office: Es ist wichtig, dass die Ergonomie stimmt. Denn längst nicht jeder Heimarbeitsplatz ist fachgerecht nach der geltenden Arbeitsstättenverordnung eingerichtet.

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