Fluch und Segen der „freien Platzwahl“

Viele träumen von der Arbeit ortsungebunden und fernab vom Büro. Doch sind Homeoffice oder digitales Nomadentum für jeden wirklich das Beste?

Von Jens Kügler

Morgens um acht. Ich öffne mein Notebook im Bäckerei-Café. Aktiviere die Hotspot-Funktion meines Handys. Lese meine Mails, formuliere ein Angebot. Trinke dabei gemütlich eine Tasse Kaffee im netten Ambiente mit Aroma-Düften und nehme gleich die Brötchen fürs Büro mit. Nebenan treffe ich um neun einen Kunden. Danach um halb elf geht’s ins Büro. Die Dateien von heute morgen sind über die Cloud längst synchronisiert worden, sodass ich sie am großen Rechner gleich weiter bearbeiten kann.

Mittags um halb eins. Herrlichster Sonnenschein. Statt eine Mittagspause zu machen, verstaue ich mein kleines 10-Zoll-Notebook in der Fahrradtasche und fahre zum Biergarten am See. Für sechs Stunden Arbeit reichen die Akkus dieser kleinen Geräte allemal. Und da es in jedem Hotel längst WLAN gibt, ermöglicht mir das knapp 1 kg leichte „Teil“ das Arbeiten auch beim nächsten Kurzurlaub in Venedig.

Mit dem Büro im Rucksack kann ich mich wohl zu den digitalen Nomaden zählen, die von überall aus arbeiten. Natürlich hat die Sache auch einen Haken. Wer fernab von seinen Kollegen arbeitet und dabei um die Welt jettet – oder auch nur zum See radelt –, verliert die sozialen Kontakte zu den anderen Mitarbeitern im Unternehmen, wenn er nicht ohnehin Freiberufler oder anderweitig „Einzelkämpfer“ ist.

Gleiches gilt für Heimarbeiter: Nicht für jeden von uns ist der Arbeitsplatz im privaten Umfeld außerhalb der Firma das Richtige. Damit meine ich nicht nur diejenigen, bei denen es rein berufsbedingt nicht funktionieren kann – etwa bei Jobs in der Produktion, im direkten Kundenkontakt oder beim Umgang mit geheimen oder sensiblen Daten. Viele Menschen brauchen ganz einfach feste Bezugspunkte. Dazu kann der Büroarbeitsplatz samt Austausch mit den Kollegen zählen. Mir geht es genauso: Um nicht den ganzen Tag lang allein zu sein, habe ich mich in ein Coworking-Office eingemietet. Zuhause in einem reinen Arbeitszimmer hatte ich Schwierigkeiten, Freizeit und Arbeit zu trennen.

Erfolgreich zuhause arbeitet nur, wer diszipliniertes Zeitmanagement praktizieren und seinen Tag perfekt selbst organisieren kann. Arbeit und Freizeit-Beschäftigungen brauchen klare Slots. Und so vorteilhaft wie das Homeoffice für die Work-Life-Balance ist: Es kann Stress verursachen, wenn man sich von Familie, Kindern, Fernsehen und sonstigen Freizeitaktivitäten dazwischen funken lässt.

Für viele Menschen erscheint Heimarbeit natürlich als die perfekteste aller Lösungen. Damit meine ich nicht nur Eltern mit Kindern, sondern gerade die älteren Arbeitnehmer. Menschen ab 50 oder 55 Jahren schätzen Bequemlichkeit, schon alleine aus gesundheitlichen Gründen. E-Mails lassen sich auch auf dem Sofa oder Ruhesessel beantworten. Im Fall von Erkältungskrankheiten kann das eigene Bett mit einem Frühstücks-Tablett den Arbeitstisch ersetzen. Längst stellt sich die Möbelindustrie auf ältere Homeoffice-Arbeiter ein und bietet entsprechend optimierte Sitzgelegenheiten mit Steckdosen fürs Notebook.

Daher das abschließende Fazit zum Thema Home-Office: Es ist wichtig, dass die Ergonomie stimmt. Denn längst nicht jeder Heimarbeitsplatz ist fachgerecht nach der geltenden Arbeitsstättenverordnung eingerichtet.

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Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Digitale Nomaden liegen mit ihrem Notebook lässig in der Sonne. Oder sie sitzen gemütlich im Café, während ihre Kollegen im Büro ackern und schwitzen. Diese Form der Zukunft des Arbeitens ist kein Traum mehr. Sie hat längst begonnen.

Von Jens Kügler

Im Frühjahr 2015 hatte mich ein Kunden-Unternehmen zu einem Seminar in ein schönes, abgelegenes Strandhotel bei Palma de Mallorca eingeladen. Ein anderes Unternehmen benötigte gerade in jenen Tagen regelmäßig Arbeiten von mir, mit etwa zwei bis drei Stunden Aufwand pro Tag. Beides war ohne Weiteres zu erledigen: Nach den Seminarstunden am Vormittag waren die Nachmittage für die Teilnehmer zur „freien Verfügung“. Anfangs hat es mich genervt, dass die anderen am Strand oder Pool lagen oder Rundfahrten über die Insel unternahmen, während ich mit meinem Notebook auf dem Balkon saß und per Word, Web und W-LAN meiner Auftragsarbeit nachging.

Doch mit der Zeit gefiel mir der Gedanke immer besser: Ich sitze hier, bei 22 Grad Celsius (Ende März!) und strahlend blauem Himmel, blicke auf die Bucht von Palma, die Palmen, die Yachten und die Berge … und dies ist mein Arbeitsplatz! Mir wurde klar: Eigentlich muss ich gar nicht ins winterkalte Deutschland zurück. Meine Arbeit erfordert keine Anwesenheit an einem festen Ort. Ohne es geplant zu haben, war ich für einige Tage zum digitalen Nomaden avanciert. So nennt man das heute, wenn sich Menschen aufgrund der elektronischen Verbindungen ortsunabhängig machen und von überall aus arbeiten. Sei es in Palma, Paris oder Pattaya.

War ich „avanciert“ – erst jetzt? Nein, eigentlich hatte ich mich ja schon seit Jahren an schönen Tagen immer in den Englischen Garten begeben, seit es Handy und Laptop gab. Oder ich war mit dem Rennrad Richtung Ammersee-Strand gestartet. Es muss nur ein Mobilfunk-Netz vorhanden sein, dann kann jede Strandliege zum Büroplatz werden. Ein Texter-Kollege von mir lebt und arbeitet im brasilianischen Bahía. Ein Kunde – ebenfalls Deutscher – beauftragt mich von Québec-Stadt aus, ein anderer aus Nîmes in Südfrankreich. Zu beachten ist manchmal nur der Zeitunterschied. Die „Amerikaner“ beantworten ihre E-Mails eben „bei Nacht“.

Ist das ortsunabhängige Arbeiten nur etwas für Freelancer und anderweitig Selbstständige? Nein. Immer mehr Arbeitnehmer wünschen es sich ebenfalls. Und immer mehr Unternehmen bieten ihnen die Möglichkeiten dazu. In deutschen Arbeitsverträgen ist oft von Telearbeit die Rede. „Wertewelten Arbeiten 4.0“ – so heißt eine Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales aus dem Jahr 2016. Darin gaben 93 Prozent der Befragten an, dass es ihr größter Wunsch bei der Arbeitsplatzgestaltung der Zukunft sei, ihre Arbeitszeit und ihren Arbeitsort selbst bestimmen zu können. Laut Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ermöglicht bereits jedes dritte Unternehmen seinen Mitarbeitern die Tätigkeit zuhause oder am Ort ihrer Wahl. Bei den Großbetrieben ist es sogar schon jeder zweite.

Ganz neu ist das ortsunabhängige Arbeiten freilich nicht: So fanden beispielsweise Künstler oder Schriftsteller ihre Inspiration schon immer in Cafés oder in der freien Natur. Über Hemingway sagt man, er schrieb berühmte Werke in seiner Lieblings-Mojito-Bar in Havanna. Das heutige Ausmaß der Arbeitsplatz-Freiheit ist natürlich erst durch die Digitalisierung möglich. Dieses Phänomen sowie die Vor- und Nachteile dieser Freiheit möchte ich in meinem Beitrag nächste Woche etwas näher beleuchten. Nur soviel vorab: Auch als Arbeitnehmer kann man heute eingebunden und finanziell abgesichert und dennoch frei und ortsungebunden sein.

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Glück durch Erfolg – oder Erfolg erst durch Glück?

Eine interessante Frage: Werden wir erst dann glücklich, wenn wir Ziele oder Erfolge erreicht haben? Oder arbeiten wir erfolgreicher, wenn wir vom Start weg zufrieden und „gut drauf“ sind? Und wenn Letzteres gilt – wie können wir „Glück zuerst“ einsetzen?

Von Jens Kügler

Unser letzter Artikel „Ein Märchen namens ‚Alles hart erarbeitet’“ schloss mit einer Feststellung und nannte dafür Beispiele. Nämlich Beispiele, die zeigten, dass Disziplin und harte Arbeit alleine keine Automatismen für Erfolg sind. Wenn wir diesen Gedanken weiter denken, entzaubern sich die sogenannten Erfolgsfaktoren wie „viel Stress, wenig Freizeit“ ganz von selbst als Statussymbole unserer immer scheinbar immer schnelllebigeren Zeit.

Wenn diese Faktoren nicht für Erfolg taugen, dann erst recht nicht für das Glück, das wir durch den Erfolg zu erreichen erhoffen. Im Gegenteil. Wenn wir – wie üblich – nach jedem Erfolg die Zielvorgaben steigern, setzt bei Nichterreichen schnell Frustration ein.

Neulich las ich in der Huffington Post über Shawn Anchor. Er ist Harvard-Professor und beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, was Menschen glücklich und erfolgreich macht. Sein Credo lautet: Unser Gehirn funktioniert genau umgekehrt als nach jener Formel, die besagt, je erfolgreicher, desto glücklicher. Shawn Anchor fand heraus, dass wir Menschen unsere beruflichen Erfolge steigern, wenn wir (bereits) glücklich sind. In einem positiven Zustand sei unser Gehirn produktiver, so der US-amerikanische Professor.

Anchors Studien ergaben, dass die Produktivität des Gehirns in einem von vornherein positiven Zustand um 31 Prozent gegenüber dem Mitteldurchschnitt aller Probanden steigt. Verkäufer steigern ihre Leistung sogar um fast 40 Prozent, fand Anchor heraus. Und Ärzte arbeiten immerhin um fast 20 Prozent schneller und präziser.

Anchors sogenannter positiver Zustand lässt sich übersetzen mit Zufriedenheit im Hier und Jetzt. Doch wie ich den weiteren Ausführungen entnehmen konnte, hat „Hier und Jetzt“ nichts mit Esoterik oder fernöstlicher Religiosität zu tun. Und der „positive Zustand“ wohl mehr als eine Weisheit aus den bisher bereits bekannten Philosophien des „Positiven Denkens“ à la Dale Carnegie oder Napoleon Hill. Der Huffington-Post-Beitrag schloss mit einer ganz einfachen Formel.

Ein Glücksempfinden, dass die beschriebene Produktivitätssteigerung ermöglicht, sei bereits in 21 aufeinanderfolgenden Tagen mit jeweils nur zwei Minuten Aufwand zu erreichen. Man müsse einfach nur drei Dinge aufschreiben, für die man dankbar ist. Nach 21 Tagen beginne das Gehirn, die Welt zuerst durch die positive Brille statt durch die negative zu sehen. Das führe zu einem stärkeren Glücksempfinden.

Schade, dass ich den Beitrag nicht schon im Dezember lesen konnte: Er wäre sicher zum Thema eines Gute-Vorsätze-Artikels für das neue Jahr geworden. Immerhin kann er aber noch als guter Vorsatz für Rest-2017 dienen. Ausprobieren? Ausprobieren. 21 Tage …

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Ein Märchen namens „Alles hart erarbeitet“

Talent, Glück und Zufall gehören zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren im Berufsleben. Doch besonders die beiden letzten werden meist unter den Teppich gekehrt. Weil wir nicht ehrlich genug sind.

Von Jens Kügler

Neulich las ich die Geschichte eines Amerikaners, der einstmals durch Überredungskünste einer Bekanntschaft Investment-Banker wurde – mehr oder weniger wider Willen, aber schließlich doch erfolgreich. Jahre später konnte er sich den Ausstieg leisten und folgte seiner wahren Berufung, dem Schreiben. Er wurde einer der erfolgreichsten Sachbuch-Autoren der Welt. Ihm lieferte der Investment-Banker-Job und sein Blick auf die Arbeitswelt, die Kollegen und die Psychologie in der Branche den Stoff für seine gefeierten Bücher.

Das erinnerte mich an eine andere Story aus der Zeit um 1960. An die jenes Milkshake-Maschinen-Vertreters, der einen ganz bestimmten Burger-Grill besuchte. Dieser Grill hatte bei seinem Vertrieb acht statt der üblichen ein oder zwei Milkshake-Maschinen bestellt. Ray Kroc sah, wie die Brüder McDonald ihren Laden organisierten und welche Geschäftsidee dahinter stand: Fabrikproduktion und Tiefkühl-Einlagerung der Zutaten. Minutenschnelle, billige Burger. Publikums-Zulauf ohne Ende. Den Brüdern McDonald zahlte er etwas mehr als zwei Millionen Dollar für ihre Namensrechte. Denn anders als sie erkannte Kroc die Chance: In einem nächtlichen Geistesblitz erfand der kleine Vertreter das größte Franchise- und Gastronomie-Unternehmen der Welt und wurde Multimilliardär.

Viele Menschen verdanken ihre außergewöhnlichen Erfolge nicht nur Disziplin und harter Arbeit. Glück und Zufall sind die wohl am meisten unterschätzten, weil verdrängten Erfolgsfaktoren. Diese mögen dem Kinder-Neurologen Eckart von Hirschhausen ebenso zu Autoren-Ruhm und Entertainer-Erfolg verholfen haben wie dem bis dato unbekannten Provinzkoch Horst Lichter.

Ich höre schon die Einwände, die lauten: Jaja, außergewöhnliche Talente haben es leicht. Mehrere Generationen von Vorfahren von Giacomo Puccini waren erfolgreiche Berufsmusiker. Auch der Sohn des Hofkapellmeisters Leopold M. aus Salzburg „erbte“ das Talent seines Vaters. Er wurde durch den Vater, einen heute noch beachteten Komponisten, gezielt gefördert und hieß Wolfgang Amadeus. Schön und gut – aber auch in unseren kleinen, ganz persönlichen Berufs- und Erfolgsstorys spielen Talent, Berufung und oft auch Glück und Zufall eine Rolle. Mir zum Beispiel verhalf der Zufall der „Entdeckung“ eines Talents durch meinen damaligen Chefs vom kaufmännischen Arbeitsplatz ins Texter-Atelier.

Unsere Doktrin sagt: Nur harte Arbeit, Disziplin und eine exzellente Aus- und Weiterbildung bringen uns weiter. „Ich habe mir das alles hier verdammt hart erarbeitet“, sagt jeder Chef, jeder Manager. Das hieße aber im Umkehrschluss: Erstens müsste jede harte Arbeit zwangsläufig zum Erfolg führen. Zweitens müsse jeder Erfolgreiche hart arbeiten. Das Glück oder der Zufall werden nicht akzeptiert. Tauchen in keinem Lebenslauf auf. Würden ihn abwerten.

Ich bin überzeugt: Kein erfolgreicher Lebenslauf ist ganz ohne Glück zustande gekommen. Und da niemand nur Pech hat, hat jeder eine Chance. Sich alleine darauf zu verlassen wäre zwar töricht. Aber es wäre ebenso töricht, Talente, Sehnsüchte und scheinbar zufällige Chancen bis ans Lebensende niemals ausprobiert zu haben.

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Ist es preiswert – oder seinen Preis wert?

Prozente, Rabatte, Preisnachlässe … Sie können den Verkauf ankurbeln. Doch oft sind sie absolut kontraproduktiv. Manchmal rennen die Käufer vor „billig“ regelrecht davon. Einige Beispiele.

Von Jens Kügler

Es war einmal in einer Agentur für Telefonmarketing. Mein Ausbildungsbetrieb. Jahrelang hatte die Agentur ihre Angebote für einen Großkunden streng nach ihrer Einheits-Preisliste erstellt. Eines schönen Tages ließ der Großkunde meinen Chef wissen, dass der erwartete erneute Auftrag ausbleiben würde, weil ein Mitbewerber dieselbe Leistung rund ein Drittel günstiger angeboten hätte. Wie reagierte mein Chef? Schickte erneut ein Angebot. Im Preis um just ein Drittel reduziert. Die Reaktion des Kunden? „Herr S., das ist ja unverschämt. Dann haben wir jahrelang Ihre überhöhten Preise bezahlt!“. Der Kunde – bis dahin unser wichtigster – meldete sich nie wieder. Warum? Nicht nur, weil er sauer war ob des zuviel Gezahlten. Sondern auch, weil mein Chef unser hohes, „teures“ Qualitätsversprechen mit der Preissenkung abgewertet hat.

Gut, die Geschichte ist über 25 Jahre alt. Aber heute gilt mehr denn je: Verkauft wird nicht nur über den Preis. Verkauft wird in vielem Bereichen nach wie vor über Qualität. Wir leben in einer Gesellschaft der zweigeteilten Preis- und Konsum-Politik. Einerseits sind wir Smart-Shopper und Discounter-Käufer und halten unser sauer verdientes Geld zusammen, wo wir nur können, wie wir glauben. In der Lidl-Duschgel-Flasche für 69 Cent versteckt sich ohnehin vermutlich ein Markenartikel aus irgendeiner überschüssigen Produktionskapazität. Und meine Herzensdame? Sie kauft, was sie sich wünscht – aber als Anreiz für ihren guten Duft oder ihr Wellness-Wochenende braucht sie ein Goodie oder einen Rabatt.

Andererseits sind wir Lidl- und Ebay-Shopper fast immer auch Luxusliebhaber. Wer es sich irgendwie leisten kann, legt bei ganz bestimmten Artikeln Wert auf „seine“ Marke. Bei mir sind es Sportkleidung, Fahrräder und Rennrad-Komponenten wie die Felge XY und die bewährte 27-Gänge-Schaltung aus Japan. Was verschwindet, ist das Mittelmaß. Für die Hersteller und Produktanbieter heißt das: Entweder produzieren sie Artikel mit geringer Sortimentstiefe und minimaler Marge, die nur über Massen Gewinne abwerfen – wie etwa die Wurstfabrik des Herrn Hoeneß, der exklusiv Aldi beliefert. Oder sie bieten geringere Mengen hochwertiger, meist hochspezialisierter Artikel und Serviceleistungen zu Verkaufspreisen, die sich schon beim Einzelstück bezahlt machen.

Der erfolgreiche Slogan „Geiz ist geil“ konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Wort billig im Deutschen nicht nur günstig, sondern auch minderwertig bedeutet. Und wie sagte der irische Dichter Oscar Wilde so treffend: „Ein Zyniker ist ein Mensch, der von allem den Preis und von nichts den Wert kennt“.

Zurück zum Beispiel meines Chefs. Gewann das „Produkt“, sprich die Serviceleistung der Agentur, in den Augen des Kunden an Qualität? Im Gegenteil. Schätzte der Kunde den Verkäufer – sprich Chef – noch als kompetenten Partner und Berater ein? Sicher nicht. Sonst hätte mein Chef den ursprünglichen Preis rechtfertigen und den Qualitätsunterschied zum Wettbewerb herausstellen können. Ein allzu schneller Preisnachlass verunsichert die Kunden. Man stelle sich nur vor, es wäre um einen Autokauf gegangen. Da würde jeder vermeintliche Freund des Käufers womöglich etwas kommentieren wie: „Na, wenn der Verkäufer im Preis sofort so schnell so weit einknickt, hätte ich noch viel mehr Prozente ausgehandelt als du“.

Es gibt sehr wohl Möglichkeiten, die Kunden, die ein Produkt für zu teuer halten, umzustimmen. Eine davon ist ein Upgrade, ein Extra, eine Zusatzleistung. Beim Autokauf etwa eine Zusatz-Ausstattung oder ein umfangreiches Service-Paket. Beim Telefonmarketing-Angebot wäre dies vielleicht ein Service-Plus wie eine detailliertere Erfolgsdokumentation, zusätzlich eingekaufte Kundenadressen, Mailings oder Mehrfach-Anrufe gewesen. Oft wissen die Kunden höhere Preise erst dann wirklich zu schätzen, wenn sie sehen, wie viel menschlichen Einsatz sie mit-erwerben. Über ein „Extra“ zu Wellness-Arrangement freut sich auch die Herzdame, und sei es die verlängerte Thai-Massage und der edle Prosecco.

Last but not least kaufen Kunden im höheren Preissegment kein Produkt, sondern die Kultur, das Lebensgefühl eines stimmigen Markenumfeldes. Von meiner italienischen Rennradmarke könnte ich mir zehnmal so teure und edlere Bikes kaufen als meines. Aber meins gibt mir das gute Gefühl, in genau der gleichen Liga mitzuspielen. Auch ich fahre schließlich ein „B…“! Und dann gibt es das Beispiel eines britischen Parfum-Herstellers. Er wirbt damit, das „teuerste Parfum der Welt“ anzubieten. Mag das auch kaum jemand kaufen: Die günstigeren Produkte der Marke gehen dafür umso besser über den Ladentisch. Denn sie sind „vom Besten“.

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Woran scheitern Gründer? Drei häufige Gründe …

Etwa die Hälfte aller Unternehmensgründungen überlebt keine fünf Jahre. Doch warum? Ganz einfach: Viele berechnen Kapitalbedarf, Kennzahlen und Leistungsfähigkeit falsch.

Eine gute Geschäftsidee, ein Alleinstellungsmerkmal – das ist das Fundament für ein erfolgversprechendes Unternehmen. Doch das Fundament allein ist kein Garant für den Erfolg. Und es bietet erst recht kein „Dach“ und keine „Schutzwände“ gegen hausgemachte Krisen.

Eine erste große Fehlerquelle droht bereits vor dem Geschäftsstart und in der ersten Zeit danach. Es ist die mangelhafte Unternehmensfinanzierung. Verständlicherweise möchten sich Existenzgründer nicht überschulden und daher das eingesetzte Fremdkapital so gering wie möglich halten. Was viele dabei unterschätzen, ist die Anlaufphase, in der üblicherweise Verluste entstehen. Denn bei keinem Gründer stehen die Kunden schon ab dem Eröffnungstag Schlange. Und der operative Break-even ist noch lange nicht der Punkt, an dem sich alle Anlage-Investitionen amortisiert haben. Kurzum, es wird meist mehr Geld benötigt.

Immer wieder weisen Finanz- und Unternehmensberater auch auf falsch strukturierte Gründerkredite hin. So machen zum Beispiel mangelnde Sicherheiten oder der Verzicht auf Fördermittel die Kredite teurer. Oft gehen auch ihre Zinsbindungen und Laufzeiten nicht mit der Amortisation einher. Werden aber die tilgungsfreien Zeiten zu lange gestreckt, belasten die Rückzahlungen das spätere Betriebsergebnis. Kurzum: Wer sich keinen präzisen Businessplan und eine sichere Finanzplanung durch erfahrene Unternehmensberater leistet, spart von Anfang an am falschen Ende.

Fehlerquelle Nummer zwei ist die mangelnde Kenntnis von branchenüblichen Kennzahlen wie Umsätzen, Produktivität oder Deckungsbeiträgen. Wer sich zu Beispiel allein an den sogenannten regulären Verkaufspreisen orientiert und sich entsprechend positioniert, kalkuliert seine Umsätze in Wirklichkeit zu hoch. Schließlich wünschen Gruppen oder Großkunden Nachlässe, gibt es saisonale Rabatte oder Sonderpreise für Ladenhüter.

Der Durchschnitts-Preis-Umsatz ist also weitaus tiefer anzusetzen. Auf Nummer sicher geht nur, wer präzise vorausberechnet, wie viel Jahresumsatz pro Quadratmeter oder Verkäufer realistisch sind oder wie viel Produktivität eine Arbeitsstunde tatsächlich erwirtschaftet. Ein Vergleich mit ähnlichen Betrieben in einem vergleichbaren Marktumfeld ist daher unerlässlich – ebenso wie eine lokale Markt- und Bedarfsanalyse. Doch was ist mit den Kosten für Ladenmiete, Fuhrpark, Geschäftsausstattung, Personal oder eigene Lebenshaltung? Diese rechnen die Gründer meist gegen die unrealistischen Maximalwerte. So werden aus den schönen schwarzen Zahlen auf dem Finanzplan schnell tiefrote auf den Kontoauszügen.

Last but not least stimmt häufig die Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit nicht mit der tatsächlichen überein. Rechnet beispielsweise ein einzelner Selbstständiger seinen Jahresumsatz nach den maximal möglichen rund 2.500 Jahres-Arbeitsstunden hoch, verschätzt er sich gewaltig. Setzt er noch dazu – sagen wir – 100 Euro Abrechnung pro Stunde an, träumt er von einem Jahresumsatz von einer Viertelmillion. Doch da hat er sich zu früh gefreut: Rund ein Drittel seiner Zeit wird er für Akquisition und Kundengespräche, Geschäftsanbahnung und Geschäftsabschlüsse benötigen. Hinzu kommt der Zeitbedarf für administrative Tätigkeiten, sprich Bürokram.

Tatsächlich wird er seinen Kunden kaum mehr als 1.000 Jahres-Arbeitsstunden anbieten können. Deren Auslastung? Vielleicht 70 Prozent, wenn es gut geht. Darauf – nicht auf seinen Fantasiewert – muss er Einkommens- und Kostenkalkulation abstimmen. Gleiches gilt für die Berechnung von Verkaufsflächen-Größen oder Personalbedarf etwa bei Einzelhändlern. Kurzum: Wer falsch kalkuliert oder die Zahlen etwa für schnellere Bankkredite schönrechnet, tappt in die Kostenfalle.

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Bewerber-Bashing in Gold

Eine aktuelle Studie von Monster deckt die häufigsten Schwachstellen aus Sicht der Bewerber auf: Was machen die Unternehmen falsch mit ihren Recruiting-Methoden? Wer und was ist „Nummer eins“ in Sachen schlechter Stil?

Von Jens Kügler

Ständig wird über die No-Go’s und Must-Do’s von Kandidaten bei Bewerbungen und Bewerbungsgesprächen philosophiert. Ein Arbeitsvertrag kommt aber nur zustande, wenn beide Seiten ja sagen, der Arbeitgeber und der Bewerber. Und auch die Unternehmen machen Fehler im Prozess des Recruitings. Dies beweist eine Studie des Karriere-Portals Monster. Zusammen mit der Universität Bamberg haben die Online-Jobvermittler knapp 5.000 Jobsuchende interviewt und das Ergebnis ihrer Studie in der vergangenen Woche veröffentlicht.

Woran stören sich Kandidaten am allermeisten? Gehen wir die Mängelliste ausnahmsweise von unten nach oben durch. Für etwas mehr als ein Drittel aller Bewerber sind die Job-Anforderungen zu streng und starr, sodass Quereinsteiger kaum Chancen haben. Dabei wird vergessen, dass Quereinsteiger sich selbst weiterentwickeln wollen, lernmotiviert sind und mit ihrem Erfahrungsschatz neue, nützliche Expertisen einbringen.

Rund 50 Prozent aller Befragten ärgern sich über schlecht geführte Bewerbungsgespräche seitens der Personaler. Damit landete dieser Beanstandungs-Punkt auf Platz drei der Mängelliste. Etwa 60 Prozent gaben sogar an, mindestens einmal nach ihren Eindrücken aus dem persönlichen Gespräch abgewunken zu haben. Als Gründe werden unprofessionelle Auftritte auf der Arbeitgeberseite genannt, aber auch organisatorische Mängel, Unpünktlichkeit oder zu oberflächliche Gesprächsinhalte.

Platz zwei der No-Go’s aus Sicht der Bewerber belegt der schlechte oder halbherzige Umgang mit ihnen. Rund 75 Prozent gaben an, sie stören sich an zu langen Wartezeiten, hinhaltenden Antworten oder komplett fehlendem Feedback. Negativ fallen auch die weitverbreiteten inhaltslosen Standard-Antwortschreiben ohne ausreichend nachvollziehbare Begründungen auf. Kurzum: Personalverantwortliche finden keinen Zuspruch unter den Kandidaten, wenn sie sich nicht in die Lage eines Bewerbers hineinversetzen können oder wenn dies sie sogar kalt zu lassen scheint.

Den imaginären Preis „Bewerber-Bashing in Gold“ – sprich Platz eins – erhielten in der Studie die inhaltlich unpassenden Unternehmens-Präsentationen. Genannt wurde dieser Punkt von 80 Prozent aller Jobsuchenden. Was sie damit konkret meinen, sind oberflächliche Beschreibungen des Unternehmens oder der Stelle sowie unehrliche, übertriebene oder sogar als falsch empfundene Angaben über die Firma. Auch das Erscheinungsbild spielt eine Rolle. „Kandidaten-Bremser“ sind hier schlechtes Design, unübersichtliche Unternehmens- oder Job-Beschreibungen oder zu langsame und technisch unzureichende Karriere-Websites.

Es scheint, als müssen seitens der Unternehmer und Personalverantwortlichen manch alte, eingefahrene Methoden und verkrustete Praktiken überdacht werden. Und zwar sowohl bei der Jobausschreibung als auch der Bewerber-Auswahl und dem Umgang mit den Kandidaten.

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Zeit für neue Zeugnisse

Worauf schauen Firmen bei Bewerbern? Die Berufserfahrung. Sie wird weitaus wichtiger genommen als klassische Zeugnisse, so eine aktuelle Studie. Nur wird sie bisher in Bewerbungen kaum dokumentiert und für Bewertungen und Bewerber-Vergleiche selten klar ersichtlich gemacht.

Von Jens Kügler

Womit kann sich ein Arbeitgeber am besten ein Bild seines Bewerbers machen: Die Schulzeugnisse? Der Uni-Abschluss? Das IHK-Ausbildungs-Zertifikat? Oder das Arbeitszeugnis des letzten Arbeitgebers? All das ist wichtig, vermittelt aber kein geschlossenes Bild der tatsächlichen Kenntnisse und Fähigkeiten des Bewerbers.

Berufserfahrung schlägt Schulbank – so steht es in einem Kommentar über eine aktuelle Studie der Denkfabrik Bertelsmann-Stiftung zu lesen. Darin gaben 78 Prozent aller Personalverantwortlichen an, dass ihnen das informelle Lernen, sprich das im Berufsalltag erworbene praktische Know-how, „wichtig“ oder „sehr wichtig“ ist. Dagegen bewerteten sie Schul- und Uni-Abschlüsse sowie Weiterbildungs-Zertifikate nur mit 57 beziehungsweise 63 Prozent als relevant.

Doch wie lässt sich praktische Berufserfahrung benoten oder bewerten? Referenzen von Wissen aus der Berufspraxis sind nicht standardisiert und werden nicht zertifiziert. Praktische Erfahrungen und erworbene Kenntnisse bleiben für den Arbeitgeber oder Personaler in einer Bewerbungsmappe oftmals unsichtbar. Für den Teamleiter Auftragsabwicklung, den Rationalisator, den Messe- und Event-Organisator oder den Problemlöser für Logistik vor allem jenseits des Kerngeschäftes gibt es sie nicht: weder die „Note eins“ oder die Standard-Formulierung „… Prüfung mit sehr gut bestanden“ oder ähnlich bewertende Formeln wie „… stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ wie aus Arbeitszeugnissen.

Neue Zeugnisse braucht das Land – so titelt der Kommentar zur Bertelsmann-Studie ferner. Doch wie lassen sich diese neuen Zeugnisse gestalten?

„Mein Tipp an alle Kandidaten lautet: Stellen Sie sich ein Kompetenzprofil zusammen. Dies gilt besonders für Menschen mit zehn, fünfzehn oder mehr Jahren Berufserfahrung“, erklärt Ute Hagen aus ihrer Praxis der Personalberatung. Sie empfiehlt eine Aufstellung, in der der Bewerber seinem zukünftigen Arbeitgeber, Personalleiter oder Personalvermittler zu erkennen gibt: Was kann ich für das Unternehmen tun? Wie können welche Erfahrungen von mir zum Erfolg des Unternehmens beitragen?

Als Vorbilder können Texte mit Fallbeispielen dienen, wie sie viele Unternehmen werblich nutzen, um Kunden zu überzeugen. Solche „Case Studies“ beginnen meist mit wenigen Sätzen über das Problem oder die Herausforderung. Danach stellen sie die Lösungsidee dar. Im Fall einer Bewerbung hieße dies: den Beitrag des Bewerbers zu dieser Lösung. Die Fallbeispiele schließen mit dem Resultat fürs Unternehmen – seien es gewonnene Aufträge, gesteigerte Umsätze, mehr Produktivität in der Abteilung oder gesenkte Kosten.

„Ein Kompetenzprofil stellt sozusagen die Eintrittskarte ins Unternehmen dar“, wie Ute Hagen ergänzt. „Und im Lebenslauf ist es am wichtigsten, darzustellen, welche Beiträge ich in meinen bisherigen Positionen zu Unternehmenserfolg geleistet habe. Und das heißt nicht, WAS habe ich getan, sondern WIE habe ich meine Aufgaben erfüllt und wie sahen die Ergebnisse für das Unternehmen aus“.

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Consulting kontra „Gründerkrise“

Selbstständigkeit braucht Mut – und nicht jeder Mensch bringt die Kraft auf. Doch kann ein Unternehmensberater einem potenziellen Gründer die Angst davor nehmen?

Jeder von uns kennt sie persönlich: den geborenen Handwerker. Die geniale Organisatorin. Den außerordentlich begabten Grafik-Designer. Es sind jene Leute, denen jeder im Bekanntenkreis immer wieder sagt: „Warum machst du dich mit deinen Fähigkeiten nicht selbstständig? Du wärst dein eigener Chef, würdest arbeiten, wann du Lust hast und würdest viel mehr Geld verdienen!“.

Bei manchen Menschen wecken solche Worte Wünsche oder entfachen sogar ein leidenschaftliches Feuer. Oft muss dies Feuer gar nicht erst von Dritten entfacht werden: es lodert in dem Menschen selbst. Im Auftrag eines Kunden habe ich kürzlich ein neueröffnetes, familiengeführtes Wellness-Hotel in den Alpen getestet. Sein Inhaber und Erbauer widmete sich jedem Tisch mit Gästen im Restaurant mindestens zehn Minuten lang mit einem persönlichen Gespräch darüber, ob alles recht sei oder dass er noch dies und jenes für sie tun könne. Mit mir sprach er sogar gefühlte zwei Stunden lang – über sein Herzblut, seine Leidenschaft und seine Traumerfüllung mit diesem Hotel. Ich hatte ihn auf seine Philosophie als Gastgeber angesprochen.

An vielen Menschen aber scheinen solche „Warum“-Fragen wie eingangs beschrieben regelrecht abzuperlen. Ja, sie sorgen sogar für Schamgefühle. „Ich kann das nicht, selbstständig sein. Ich brauche die Sicherheit meines Jobs und mein regelmäßiges Einkommen. Und meinen Dienstplan fehlt mir die Struktur…“.

Als Sachargumente lassen sich all diese Aussagen klar entkräften. Die „Sicherheit des Jobs“ gibt es nicht – angesichts von Firmenpleiten, Arbeitsplatzabbau oder möglichen Krankheiten. Das „regelmäßige Einkommen“ besteht dann nur noch aus Arbeitslosengeld und Hartz IV. Es sind letztendlich also diffuse Ängste, die hier einer Selbstständigkeit im Weg stehen. In seinem Video für das Branchenforum Franchiseportal spricht der Franchise-Berater Reinhard Wingral von zwei Ebenen der Angst – und die hier angesprochene erste Ebene sei die persönlich-emotionale. In ihr bewegen sich all die rational nicht erklärbaren Gefühle wie zum Beispiel die Flugangst vieler Menschen angesichts der Tatsache dass – so Reinhard Wingral wörtlich – die Fahrt zu Flughafen deutlich gefährlicher als der Flug sei.

In einer zweiten Ebene der Angst sind die faktischen Bedenken angesiedelt. Sie beinhalten die Angst vor sachlichen Risiken, die mit Worten ausgedrückt werden wie: „Ich kann die Finanzierung einer Gründung gar nicht stemmen, ich möchte nicht in die Schuldenfalle stürzen“ oder „Ich habe Angst vor den klassischen Anfänger-Fehlern, an denen viele Start-ups scheitern“.

Hier aber macht Reinhard Wingral mit seinem Video Mut. Im Greifbaren, sagt er, werde der Berater tätig. Er kann Daten und Fakten systematisch aufbereiten und erläutert Zusammenhänge. Er erstellt Marktanalysen, Geschäftspläne, Finanzierungskonzepte und Ansätze fürs Marketing. Schließlich lässt ein Berater den Existenzgründer in spe abschätzen: Überwiegen die Risiken oder Chancen meiner Geschäftsidee? Und – last but not least – an Geschäftsideen sollte es einem erfahrenen Berater ebenso wenig mangeln wie am kaufmännischen Know-how zu deren Umsetzung.

Fazit: Ein Unternehmensberater ist kein Therapeut für unterschwellige Ängste. Aber er kann helfen, wenn es nur die Angst vor der falschen Entscheidung ist, die den Menschen an der Firmengründung hindert.

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17 Jahre und schon ganz schön weise

Die Älteren unter uns erinnern sich bestimmt an den Chanson „60 Jahre und kein bisschen Weise“. Eine aktuelle Studie über Teenager und ihre Erwartung an die Zukunft legten den Rückgriff auf den alten, selbstkritischen Curd-Jürgens-Titel nahe – in umgekehrter Form natürlich.

Von Jens Kügler

Chillen, Spaß haben, sich selbst verwirklichen? – und sonst nichts? Wer glaubt, dass die „Jugend von heute“ so ticke, liegt offenbar falsch. Was das Thema eigene Zukunft betrifft, da tragen sich die Schüler der höheren Jahrgänge und zukünftigen Berufstätigen mit vernünftig-konservativen, ja nahezu Lieblings-Schwiegersohn-artigen Gedanken – aus Sicht ihrer Eltern. Dies ergab die jüngst veröffentlichte „Jugendstudie #2“ des Datendienstes Statista und des digitalen Jugendmagazins Celepedia. Darin gaben 12.000 Jugendliche aus Deutschland im von 14 bis 17 Jahren Auskunft über ihre Träume, Wünsche und Ängste. Es sind die Angehörigen der sogenannten Generation Z – und ihre Vorstellungen sind erstaunlich „weise“ und realistisch.

Denn, siehe da: Diese Teenager träumen nicht vom Starrummel oder einem Justin-Bieber-Konzert. Sie träumen vom Studieren oder einer Ausbildung. Und sie möchten später einmal eine Familie gründen. 61 Prozent gaben an, dass sie auf jeden Fall heiraten wollen, ganz klassisch. 67 Prozent wünschen sich nicht eines, sondern gleich zwei Kinder. Aber in einem Punkt sind sie ganz sicher moderner als ihre Vorgänger-Generationen. 86 Prozent ließen die Marktforscher wissen, dass jeder auf seine Art leben und lieben dürfen soll, ohne dafür diskriminiert zu werden.

Während also die Schüler von Studium und Ausbildung träumen, hat sich eine andere Umfrage mit den Erwartungen derer beschäftigt, die dieses Ziel bereits verwirklicht haben. In der „World of Work“-Studie ermittelten das Jobportal Monster und die Online-Community Yougov die Wünsche der Generation Y in der Arbeitswelt. Dabei gaben die 18- bis 36-Jährigen ganz konkrete Vorstellungen an. 70 Prozent sagten, sie wissen ganz genau, was sie beim nächsten Jobwechsel suchen. 53 Prozent suchen nach etwas Neuem, Anderen und sind davon überzeugt dass sie dieses Ziel erreichen. Bei einem Jobwechsel wollten sich rund 25 Prozent nicht nur für eine neue Firma, sondern auch für eine neu Branche und einen anderen Aufgabenbereich entscheiden. 13 Prozent spielen sogar mit dem Gedanken, sich als Existenzgründer selbstständig zu machen.

Wer unterstützt die Generation-Y-Arbeitnehmer, auch Millennials genannt, bei ihrer Jobsuche? Das wollten Monster und Yougov ebenfalls wissen. Bei 28 Prozent sind es die besten Freunde, bei 26 Prozent die Partner. Jeweils 23 Prozent setzten ihr Kreuz bei aktuellen und ehemaligen Kollegen. Knapp dahinter folgten bereits die Eltern – mit 22 Prozent. Dies zeigt, dass viele junge Erwachsene auch heute noch den Rat ihrer Mütter und Väter schätzen.

Fazit: Jahrzehnte nach der Zeit der 68er spielt Rebellion gegen Eltern und Establishment offenbar keine Rolle mehr. Und „No Future“ ist auch schon sehr lange passé. Die jungen Menschen setzen sich sehr realistische Ziele, statt die Welt aus den Angeln heben zu wollen. Und was kommt nach den Generationen Y und Z? Da wird unsere Gesellschaft ganz sicher wieder bei einer Generation A beginnen, deren Angehörige auf einer vorgezeichneten Schiene „nach B“ gelangen, um einen alte Werbeslogan der Bahn zu zitieren.

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