17 Jahre und schon ganz schön weise

Die Älteren unter uns erinnern sich bestimmt an den Chanson „60 Jahre und kein bisschen Weise“. Eine aktuelle Studie über Teenager und ihre Erwartung an die Zukunft legten den Rückgriff auf den alten, selbstkritischen Curd-Jürgens-Titel nahe – in umgekehrter Form natürlich.

Von Jens Kügler

Chillen, Spaß haben, sich selbst verwirklichen? – und sonst nichts? Wer glaubt, dass die „Jugend von heute“ so ticke, liegt offenbar falsch. Was das Thema eigene Zukunft betrifft, da tragen sich die Schüler der höheren Jahrgänge und zukünftigen Berufstätigen mit vernünftig-konservativen, ja nahezu Lieblings-Schwiegersohn-artigen Gedanken – aus Sicht ihrer Eltern. Dies ergab die jüngst veröffentlichte „Jugendstudie #2“ des Datendienstes Statista und des digitalen Jugendmagazins Celepedia. Darin gaben 12.000 Jugendliche aus Deutschland im von 14 bis 17 Jahren Auskunft über ihre Träume, Wünsche und Ängste. Es sind die Angehörigen der sogenannten Generation Z – und ihre Vorstellungen sind erstaunlich „weise“ und realistisch.

Denn, siehe da: Diese Teenager träumen nicht vom Starrummel oder einem Justin-Bieber-Konzert. Sie träumen vom Studieren oder einer Ausbildung. Und sie möchten später einmal eine Familie gründen. 61 Prozent gaben an, dass sie auf jeden Fall heiraten wollen, ganz klassisch. 67 Prozent wünschen sich nicht eines, sondern gleich zwei Kinder. Aber in einem Punkt sind sie ganz sicher moderner als ihre Vorgänger-Generationen. 86 Prozent ließen die Marktforscher wissen, dass jeder auf seine Art leben und lieben dürfen soll, ohne dafür diskriminiert zu werden.

Während also die Schüler von Studium und Ausbildung träumen, hat sich eine andere Umfrage mit den Erwartungen derer beschäftigt, die dieses Ziel bereits verwirklicht haben. In der „World of Work“-Studie ermittelten das Jobportal Monster und die Online-Community Yougov die Wünsche der Generation Y in der Arbeitswelt. Dabei gaben die 18- bis 36-Jährigen ganz konkrete Vorstellungen an. 70 Prozent sagten, sie wissen ganz genau, was sie beim nächsten Jobwechsel suchen. 53 Prozent suchen nach etwas Neuem, Anderen und sind davon überzeugt dass sie dieses Ziel erreichen. Bei einem Jobwechsel wollten sich rund 25 Prozent nicht nur für eine neue Firma, sondern auch für eine neu Branche und einen anderen Aufgabenbereich entscheiden. 13 Prozent spielen sogar mit dem Gedanken, sich als Existenzgründer selbstständig zu machen.

Wer unterstützt die Generation-Y-Arbeitnehmer, auch Millennials genannt, bei ihrer Jobsuche? Das wollten Monster und Yougov ebenfalls wissen. Bei 28 Prozent sind es die besten Freunde, bei 26 Prozent die Partner. Jeweils 23 Prozent setzten ihr Kreuz bei aktuellen und ehemaligen Kollegen. Knapp dahinter folgten bereits die Eltern – mit 22 Prozent. Dies zeigt, dass viele junge Erwachsene auch heute noch den Rat ihrer Mütter und Väter schätzen.

Fazit: Jahrzehnte nach der Zeit der 68er spielt Rebellion gegen Eltern und Establishment offenbar keine Rolle mehr. Und „No Future“ ist auch schon sehr lange passé. Die jungen Menschen setzen sich sehr realistische Ziele, statt die Welt aus den Angeln heben zu wollen. Und was kommt nach den Generationen Y und Z? Da wird unsere Gesellschaft ganz sicher wieder bei einer Generation A beginnen, deren Angehörige auf einer vorgezeichneten Schiene „nach B“ gelangen, um einen alte Werbeslogan der Bahn zu zitieren.

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