Monthly Archives: September 2014

Frauen an den Grill

Männer bauen, Frauen pflegen: Diese alten Rollenklischees wanken. Doch während immer mehr Frauen Berufe ergreifen, die einst als klassische Männerdomänen waren, stagniert die Zahl der Männer in sogenannten Frauenberufen.

Letztes Wochenende fand ich im Stellenmarkt der Süddeutschen Zeitung eine wunderbare Anzeige von BMW. Die Headline: „Frauen an den Grill“. Sie spielte provokant und selbstironisch („Männerwelt“ BMW) mit dem alten Stereotyp, wonach Frauen an den Herd gehörten. Warum Grill? Nun, auf dem Foto blickte eine junge Frau, vielleicht Ingenieurin, vielleicht Designerin, nachdenklich auf den typischen nierenförmigen Kühlergrill eines BMW. Im Text war die Rede davon, dass gute Ideen völlig unabhängig vom Alter und den kulturellen Wurzeln, vor allem aber unabhängig vom Geschlecht entstehen. „Einer Innovation ist es egal, ob sie von Frauen oder Männern geschaffen wurde“, so die Subline. Ferner spricht der Autobauer in der Anzeige von Innovationskultur und individueller Talentförderung. Man biete „Mobilarbeit zur flexiblen Gestaltung der Arbeitszeit“ für optimale Work-Life-Balance, hohe Zufriedenheit und beste Motivation.

Die Anzeige spiegelt einen Trend wider. Frauen erobern nicht nur klassische Männer-Domänen. Sie werden offenbar umworben. Und sie bauen sicher nicht nur deshalb jetzt auch Autos, weil männliche Fachkräfte fehlen. Sondern weil man weiß, dass gemischtgeschlechtliche Teams meist die besseren Lösungen entwickeln. Eine Frau als Bauunternehmerin? Auch nichts Außergewöhnliches mehr. In einem Interview auf Franchiseportal.de (http://www.franchiseportal.de/franchise-franchising/Article/ID/615/Session/1-ai7bwP5t-0-IP/guidObject/019973-20140702-120119-01/Beruflich_angekommen_Verena_Hirte,_Franchise-Partnerin_im_Hausverkauf_bei_Town_Country_Haus.htm) verrät Verena Hirte, wie sie mitten in ihrer Elternzeit erfolgreiche Franchise-Nehmerin des Systemhausanbieters Town & Country Haus wurde. Auf dem Truppenübungsplatz grüßt die Frau Oberleutnant die Frau Bundeskanzlerin. Die Job-Revolution findet langsam statt, vielleicht sogar zu langsam. Aber immerhin: sie findet statt.

Doch wie sieht es umgekehrt aus? Mit Männern in klassischen Frauenberufen? Da hat sich in den letzten 25 Jahren vergleichsweise wenig geändert. Sehr wenig. Laut Spiegel Online haben 2009 knapp 50 Prozent aller berufstätigen Männer und fast 40 Prozent aller Frauen Berufe ausgeübt, bei denen sie unter mehr als 80 Prozent Kollegen gleichen Geschlechts waren. Und bei Grundschullehrern, Alten- und Krankenpflegern, Erziehern, Frisören und Floristen liegt die Männerquote weit unter 20 Prozent.

Warum? Nur weil diese Berufe chronisch unterbezahlt sind? Vielleicht. Zum männlichen Prestige gehört der Erfolg, der sich im Verdienst und in der Rolle des Versorgers und Ernährers der Familie manifestiert. Kosmetiker, die Frauen die Nägel lackieren, passen offenbar noch nicht in unser Bild. Ebenso wenig der Arzthelfer, der Frau Doktor zur Hand geht. Doch gerade in manchen Berufen bilden Männer eine perfekte Ergänzung für Frauen. Beispielsweise als Kindergärtner, Grundschullehrer oder – schöner Begriff – Tagesvater. Schließlich rundet erst das männliche Element und Rollenspiel die Kindeserziehung ab. Tatsächlich aber berichten Männer in klassischen Frauenberufen, dass sie sich häufig von Kolleginnen wie von der Gesellschaft diskriminiert fühlten. Hört, hört … Und den Kindergarten-Betreuer fragen ungläubig die Leute auf der Straße, ob all diese Kinder seine eigenen seien. Oft vernehme ich aber auch, dass Männer ein Problem damit haben, die Führungsrolle weiblicher Vorgesetzter anzuerkennen, erst recht, wenn diese womöglich jünger sind. Hier müssen wohl Männer wie auch Frauen umdenken …

Wann lese ich: Männer an die Krippe? Wann erhalten die Krankenschwestern Brüder? Vielleicht nie … es sei denn, dass sich an der Selbstwahrnehmung unserer Geschlechterrollen sowie am Image und der Bezahlung dieser Berufe Grundlegendes ändert.

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Auf dem Balkon, im Café oder am See

Moderne IT befreit Mitarbeiter vom Arbeitsplatz-Zwang – prinzipiell. Denn mit Notebook, Surfstick, WLAN-Hotspots und den Daten auf der Cloud ist Arbeit überall möglich. Die Kommunikation mit den Kollegen funktioniert schließlich auch via Handy, Intranet, Social-Tools oder E-Mail. Außerdem schafft die freie Arbeitsplatz-Wahl Abwechslung: Sie fördert Motivation, Leistung und Kreativität. Darum wird es Zeit, dass auch die Unternehmen ihre Mitarbeiter vom Arbeitsplatz-Zwang befreien. Das Motto der Zeit heißt sprichwörtlich Freiräume schaffen.

Bei Microsoft hat man das Potenzial erkannt. „Anwesenheit sagt nichts über die Qualität der Leistung von Mitarbeitern aus“. Mit diesen Worten zitierte das Online-Magazin LEAD Digital Anfang letzter Woche Elke Frank, Personalchefin und Mitglied der Microsoft Deutschland-Geschäftsleitung. Der Magazin-Beitrag beschreibt eine neue, richtungsweisende Betriebsvereinbarung, die das Software-Unternehmen kürzlich eingeführt hat. Durch diese Vereinbarung rechtlich abgesichert, können Microsoft-Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze frei wählen und ihr Arbeitsumfeld individuell ausgestalten.

Vorbei die Zeit der Nine-to-five-Jobs unter der immer gleichen Bürofunzel. Auch im Bereich Arbeitsplatzwahl ist Flexibilität gefragt. Vor allem dann, wenn es dem Leistungspotenzial der Mitarbeiter förderlich erscheint. Aber erst recht natürlich dann, wenn es darum geht, die wählerischen Köpfe der Generation Y zu gewinnen. Denn für Jenny, Jan, Tobias und Julia gehören eine gewisse Bewegungsfreiheit und eine „chillige“ Atmosphäre zum Leben. Weit über 80 Prozent aller Arbeitnehmer bevorzugen heute Unternehmen mit flexiblen Modellen, so hat das Centre of Human Resources Information Systems in einer Studie ermittelt. Und so wie es vielerorts bereits eine Vertrauens-Arbeitszeit statt einer Stechuhr gibt, führen Unternehmen wie Microsoft vermehrt auch „Vertrauens-Arbeitsorte“ ein. Bei Microsoft, so ist in dem LEAD Digital-Artikel weiterhin zu lesen, nutzen schon rund 90% aller Mitarbeiter die Möglichkeiten, flexibel zu arbeiten.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Studie des Bürodienstleisters Regus, auf die der Magazinartikel ebenfalls verweist. Regus habe herausgefunden, dass man in über drei Viertel aller deutschen Unternehmen davon überzeugt sei, dass die Mitarbeiter-Produktivität durch flexibles Arbeiten gesteigert werde. Das IfW Institut für Weltwirtschaft aus Kiel untermauere diese These mit konkreten Zahlen zur Ertragssteigerung. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern individuelle Freiräume geben, hätten im Durchschnitt elf bis 14 Prozent mehr an verbesserten oder neuen Produkten entwickelt.

Freiräume sind angenehm und förderlich. Doch nicht nur das: Sie sind unerlässlich für eine Work-Life-Balance, wie sie beispielsweise alleinerziehende Mütter/Väter oder Familien mit beiden arbeitenden Elternteilen brauchen. Einziger Nachteil: Den persönlichen Kontakt zu Mitarbeitern und Führungskräften können auch modernste Kommunikationsformen wie externe Netzzugänge oder Skype-Videokonferenzen nicht ganz ersetzen. Zum Meeting oder zum Gespräch beim Chef gilt nach wie vor Anwesenheitspflicht. Zumindest aber müssen klare Strukturen und Vereinbarungen geschaffen werden, wann und wo man zu erscheinen hat.

Doch auch das hat man bei Microsoft erkannt. In Coachings lernen Führungskräfte, wie sie ihre Teams auch dann effizient leiten und delegieren, wenn nicht alle persönlich vor Ort verfügbar sind. Die Mitarbeiter erfahren, wie sie extern am besten mit den Kollegen kommunizieren und wie sie es erreichen, dass ihre Leistung gleichermaßen wahrgenommen und gewürdigt wird. Und zwar so, als ob sie im Büro säßen.

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