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Die einzig Wa(h)re

Produkte sind immer austauschbarer. Aber niemand will austauschbare Produkte. Ein Dilemma? Beispiele zeigen, wie sich auch heute Unternehmen und Menschen als einzigartig positionieren können.

„Sie gewinnen mehr loyale Kunden, wenn Sie für eine spezifische Teil-Zielgruppe eine WOW-Lösung anbieten, statt zu probieren, es allen recht zu machen“, erklärt Ute Hagen. „Sie erfüllen damit die Wünsche Ihrer Kunden so gut, dass Sie deren Erwartungen weit übertreffen“. So weit, so gut. Doch was wünschen sich Kunden und wie reagieren Unternehmen darauf?

Einer der elementarsten Bedürfnisse sind Nahrungsmittel in guter Qualität und zu erschwinglichen Preisen. In den 70er-Jahren revolutionierte ein Unternehmen die deutsche und wie sich später zeigte auch europäische Supermarkt-Landschaft: Es bot ausschließlich Eigenmarken-Artikel an, die es günstig und in Massen produzieren ließ – von Markenartiklern in Top-Qualität, aber mit eigenem Label. Die Produkte wurden praktisch nicht beworben und standen in Kisten auf dem Boden, statt in Regale eingeräumt zu werden. Die superbilligen Supermärkte fanden ihr Publikum auch in wohlhabenderen Schichten, wurden „Kult“, verbreiteten sich europaweit und machten ihre Gründer zu den reichsten Deutschen. Als auch Mitbewerber eine solche Handelsmarken-Strategie zu fahren begannen und sich die Kunden andererseits neben Billigprodukten auch immer mehr Frischwaren wünschten, diversifizierte das Unternehmen sein Sortiment. Aber mit Erfolg. Denn noch heute fahren die Kunden in die Supermärkte dieser Kette mit dem Gefühl, dort gut und am sparsamsten einzukaufen.

Aber Vorsicht: In den seltensten Fällen liegt die Nische im Preis. Es kommt auf das Besondere an, auf Produkte oder Serviceleistungen, die andere so nicht bieten. Um ein weiteres Beispiel aus dem Handel zu nennen: Die Masse aller Kunden von Möbelhäusern wünscht sich günstige Preise und akzeptiert Modelle von der Stange nach allgemeinem Modetrend. Ein Münchner Unternehmen stieß jedoch erfolgreich in eine Marktlücke: Seine Gründer nannten sich im Slogan „Die Wohnsinnigen“ und eröffneten ein Geschäft für absolut ausgefallene Möbel und Wohnaccessoires. Inzwischen gibt es ihre einzigartigen Möbelhäuser auf der ganzen Welt. Auch Nischenmärkte können global sein.

Das Gute an uns Menschen ist, dass fast jeder von uns Fähigkeiten aufweist, die in ihrer Kombination einzigartig sind. Gerade ein „Patchwork-Lebenslauf“ bietet beste Voraussetzungen, unverwechselbare Geschäftsideen oder Nischenstrategien zu entwickeln. Mir selbst verhalfen Kenntnisse im kaufmännischen Bereich und im Marketing verbunden mit der Erfahrung als Texter und Journalist bereits häufig zu Aufträgen – etwa dem Verfassen von PR-Texten und Fachartikeln für Messen und Events. Und was für Unternehmer oder Selbstständige zählt, gilt auch für Arbeitnehmer. Wer etwa eine bauhandwerkliche und eine kaufmännische Ausbildung genossen hat, kann mit seinen Kenntnissen auch im Management eines Immobilienverwaltungs-Unternehmens eine Lücke füllen.

Das Beste ist, dass Sie als Gründer nicht zwangsläufig eine eigene WOW-Lösung brauchen. Profitieren Sie doch einfach von den erprobten Erfolgskonzepten anderer und eröffnen Sie ein Franchise- oder Lizenznehmer-Unternehmen! So können Sie sich zum Beispiel als „Partner vor Ort“ den Exklusiv-Vertrieb für eine bereits bekannte Marke in Ihrer Region sichern. Dadurch verringert sich das Risiko beim Geschäftsaufbau erheblich. Und Ihr Franchise- oder Lizenzgeber hat den Vorteil, nicht selbst eine lokale Filiale aufbauen und führen zu müssen. Ute Hagen ist selbst Franchise-Partnerin einer weltweiten Personalberatung und gibt ihre Erfahrungen gern an Gründer weiter.

Eines der erfolgreichsten deutschen Franchise-Netzwerke vertreibt Massivbau-Fertighäuser nach standardisierten Architekturmodellen und mit umfangreichen Finanzierungshilfen und Sicherheiten. Es erfüllt den Wunsch von Hunderttausenden von Menschen, in einem für sie finanzierbaren Eigenheim zu leben. Ein anderes, sehr junges und erfolgreiches Franchise-Unternehmen aus Österreich hat sich eine gänzlich neue Marktnische erschlossen: Es fokussiert sich auf vegetarische Burger und bedient damit den Bio- und den Fastfood-Trend gleichermaßen. Märkte, die sich bisher gegenseitig scharf abgrenzten. Also: Warum nicht von den einzigartigen Ideen anderer profitieren?

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