Monthly Archives: Januar 2015

Eine Praktikantin rechnet ab

Oft ist in den Medien von der Ausbeutung der Praktikanten die Rede. Einigen, die das auch immer wieder thematisiert hatten, machte eine Praktikantin aus Österreich kürzlich bitterste Vorwürfe.

Sinah D. ist 23. Ihr Posting auf der Medienplattform TheBlackShirtBlog avancierte vergangene Woche zum Viralhit mit Hunderten von Kommentaren. Wörtlich und wütend schreibt sie, dass sie sich über „all die Unternehmen (aufregt), die Leute Vollzeit für ein Arschloch-Drecks-Praktikumsgehalt arbeiten lassen“ und dann noch erwarten, dass „man schön lächelt und danke sagt“. Und die Namen, die sie aufzählt, sind keineswegs nur klamme No-Names oder Startups: Renommierte Medienadressen wie der Standard oder der öffentlich-rechtliche ORF gehören zu ihren Referenzen. Bei 700 Euro für 40 oder weitaus mehr Wochenstunden sei ihr sogar bewusst, dass sie im Branchenvergleich noch verhältnismäßig viel verdient habe. 400 Euro oder noch weniger seien eher die Regel für die Vollzeit-Schufterei.

In ihrem Beitrag mit dem Titel „ Danke für (fast) nichts“ zieht die Bloggerin noch weiter vom Leder: Sie spricht von jungen Menschen, die motiviert, unvorbelastet und voller Erwartungen in die Unternehmen kämen. Und dann träfen sie dort auf Arbeitgeber, über die sie wettert: „… ihr, die ihr seit 1996 in eure ledernen Chefsessel furzt und von großen Visionen, Teamgeist und Delegation redet (…), ruiniert unsere Erwartungen an das Arbeitsleben“.

Sinah schreibt, dass sie nicht einsehe, warum ihre Arbeit weniger wert sei als die „der anderen“. Vor allem aber habe sie praktisch ihre gesamte Studienzeit in irgendwelchen Praktika statt in der „Bib“ verbracht, ohne sich dadurch auch nur annähernd ernähren zu können. Nicht jeder habe schließlich ein Elternhaus, das den Kindern ein Studium samt Wohnung und Leben finanzieren könne, so die Autorin. Aber jeder mache brav mit bei der „Arbeit zu Dumpingpreisen“ und lächele, aus Angst, später keinen Job zu finden.

„Wir sind nicht geldgeil“, schließt die 23-Jährige, „was vielleicht unser größter Nachteil ist“. Eine typische Generation-Y-Haltung? Vielleicht. Sinah D.’s mutiger Beitrag hat viele wohlwollende Rezensionen bekommen. Aber nicht nur das. Manch andere ehemalige Praktikanten teilen ihre Meinung nicht und feuern zurück. „Runter vom hohen Ross“ fordert zum Beispiel ein gewisser David P., heute 30. Niemand da draußen warte auf einen jungen Bachelor-Studenten, so der Blogger. Vor allem aber argumentiert er, dass Praktikanten nicht nur produktiv seien, sondern auch viel Arbeit erzeugten.

Als Praktikant in einer PR-Agentur habe er beispielsweise lange gebraucht, bis er halbwegs akzeptable Pressemitteilungen schreiben konnte. Seine Betreuerin und einen Volontär habe er gut 30 Prozent ihres Arbeitstages beschäftigt, erinnert er sich. Vollwertige Arbeit sei frühestens nach drei Monaten möglich, wenn überhaupt. Und viel länger dauerten die meisten Praktika gar nicht. David P. kommt schließlich auch aufs Geld zu sprechen und merkt an, dass im ersten Ausbildungsjahr auch oft nicht mehr gezahlt werde.

Ob die junge Studentin nun eine überzogene Erwartungshaltung offenbarte oder nicht, mag jeder selbst für sich entscheiden. Aber wenn renommierte Medien-Unternehmen noch immer das Gefühl vermitteln, ihre Praktikanten nur als Billig-Arbeitskräfte auszunutzen, treffen sie offensichtlich nicht den Nerv der jungen Menschen von heute und offenbaren Defizite als Arbeitgebermarke – in Zeiten des Fachkräftemangels. Sinah D. ist sicher kein Einzelfall.

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Gesuchter denn je: die gute Idee

Sie möchten endlich Ihr eigener Chef werden, wissen aber noch nicht, mit welchem Geschäftsmodell? Lassen Sie sich ein bisschen inspirieren …

Was kostet ein weltweit einzigartiger Babyname? Für 28.000 Schweizer Franken können sich Mütter oder Väter von der Textagentur Erfolgswelle einen eigenen Vornamen für ihr Kind kreieren lassen. Der Agenturgründer, Werbetexter und Naming-Spezialist Marc Hauser hatte schon seit über zehn Jahren Produkt- oder Markennamen für Konzerne wie Nestlé oder Alstom entwickelt. Da kam ihm beim Namensstreit eines befreundeten Paares die Idee zu diesem Geschäftsmodell. Eine Pressemitteilung Anfang des Jahres genügte, und schon schrieben Zeitungen aus ganz Europa über das Angebot und führten Interviews mit Marc Hauser – von Paris über London bis Moskau. Die ersten Anfragen haben den Schweizer längst erreicht. Sein Team aus 13 freien Kreativen, Historikern und Marketingleuten entwickelt Ideen und checkt Datenbanken weltweit ab, um zu prüfen, ob die Namensschöpfungen wirklich einzigartig sind. Sie kümmern sich auch um die Zulassung bei den jeweiligen Landesbehörden. Alles im Pauschalpreis inklusive.

Es muss ja nicht gleich eine solch ausgefallene Geschäftsidee sein. Und die vielleicht beste Nachricht ist die, dass Sie als angehender Unternehmer Ihre Idee nicht einmal selbst entwickeln müssen. Auf virtuellen Franchise-Messen bieten Hunderte von Unternehmern ihre Modelle an. Sie suchen Partner, die ein solches Geschäft in einem geschützten Vertriebsgebiet aufbauen. Franchise-Nehmer zu sein hat Vorteile: so profitiert der Gründer von einer etablierten Marke und kann sich vornehmlich auf den Verkauf vor Ort konzentrieren. Denn viele administrative Aufgaben, die überregionale Werbung und oft auch den Einkauf übernimmt die Franchise-Zentrale. Außerdem sind Produkt und Geschäftsabläufe erprobt und haben den Markttest längst bestanden.

Häufig bieten Franchise-Unternehmen zudem sehr schlanke und effiziente Betriebsabläufe. Beispielsweise gibt es Restaurant-Ketten, die sich auf ein beliebtes Produkt in vielen Varianten spezialisieren – seien es Burger, Schnitzel, Flammkuchen oder Fladenbrote mit allerlei Be- und Beilagen. Ähnlich wie in einem Schnellrestaurant ist die Zubereitung standardisiert und es ist noch nicht einmal ein Koch nötig. Innovative Franchise-Ideen gibt es auch außerhalb der Gastronomie. Etwa die mobile Matratzenreinigung für Hotels, Kliniken und Allergiker-Haushalte. Oder die Autoreinigung mit der umweltfreundlichen, wasserlosen Spezial-Reinigungslösung für Freiluft-Autohändler und Werkstätten. Sie alle bieten eine hochspezialisierte Dienstleistung an, die aber schnell erlernbar und auch für Quereinsteiger geeignet ist.

Einer meiner Geschäftspartner besitzt eine kleine Werbeagentur. Er hat festgestellt, dass mittelständische und größere Unternehmen oft mehrere Agenturen beschäftigen und diese umständlich koordinieren müssen: eine Internet-Agentur, eine für Print, eine für Marketing-Strategien und so weiter. Wieder andere kreieren den Messestand oder die Schilder- und Leuchtreklame. Für ein Großunternehmen übernahm er selbst diese Koordinationsfunktion als Dienstleister und gründete eine eigene, zweite Agentur dafür. Sie ist praktisch die Marketingleitung im Outsourcing.

Um das eigene, bestehende Geschäft anzukurbeln oder sich ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen, genügen oft schon kleinere Besonderheiten. Ein befreundetes Hotelier-Paar besitzt ein Vier-Sterne-Hotel in den Alpen, das sich auf Familien mit Kindern spezialisiert hat. Sie haben ein Problem vieler Eltern in Familienhotels erkannt: meistens gibt es Buffet-Restaurants. Und wenn die Kinder ständig zum Buffet laufen, gibt es ein „Verkehrschaos“ und fast nie sitzt die ganze Familie still und gemütlich beisammen. In seinem Hotel führte das Paar ein Familien-Restaurant mit Bedienung ein und erntet dafür viel Dankbarkeit von den Gästen. Die Familien erzählen sich das Erlebte am Tag oder spielen am Tisch, während sie auf das Essen warten. So einfach kann es sein, sich vom Wettbewerb abzuheben.

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Das Zeug zum Unternehmer – Teil 2

Sind Sie auf dem Sprung in die Selbstständigkeit? Oder träumen Sie nur davon? Hier sind fünf weitere Fragen, die Ihnen helfen können, herauszufinden, ob Sie ein Unternehmertyp sind. Die ersten fünf Fragen finden Sie im Beitrag von letzter Woche.

6. Sind Sie bereit, länger und härter zu arbeiten?

Wenn Sie glauben, als Chef genießen Sie die freie Zeiteinteilung als puren Luxus – vergessen Sie’s. Von der 40-Stunden-Woche und dem Wort Feierabend müssen Sie sich verabschieden, erst recht in der Startphase. Sie müssen von morgens früh bis abends spät ran. Und natürlich auch am Wochenende und an Feiertagen. Sie tragen die Verantwortung. Und viele Probleme, die Sie zu lösen haben, tauchen nicht zwischen 9 und 18 Uhr auf oder sind pünktlich zum regulären Ladenschluss gemeistert. Deshalb werden Sie – anders als ein Angestellter – auch in Ihren Privatleben immer an Ihr Geschäft denken.

7. Sind Sie kritikfähig?

Ob Kunden, Geschäftspartner oder Investoren: Nicht jeder wird von Anfang an begeistert von Ihrem Produkt sein. Jedenfalls nicht annähernd so wie Sie. Viele Ihrer Entscheidungen werden hinterfragt werden. Wer dabei dünnhäutig reagiert oder sich entmutigen lässt, hat es schwer als Unternehmer. Denken Sie daran, dass keine Firma und kein Produkt perfekt und unschlagbar ist. Lassen Sie immer Spielraum für Optimierungen. Auch die harschste Kritik birgt eine Chance zur Innovation. Und ohne Innovation gibt es keine Weiterentwicklung.

8. Wie lange hält Ihr Finanzpolster?

Erfolgreiche Unternehmensgründer verstehen es, zu haushalten. Denn die Anfangsinvestitionen in ein Unternehmen übersteigen stets die anfänglichen Gewinne. Also muss Ihr Startkapital Ihre Lebenshaltungskosten so lange wie möglich decken können, vielleicht weit mehr als ein Jahr. Wenn es in dieser Zeit um Finanzentscheidungen geht: Vergleichen Sie akribisch Preise und Leistungen.

9. Haben Sie den Mut zum Scheitern?

„Scheitern ist keine Option“ hatte Margaret Thatcher auf die Frage geantwortet, was wäre, wenn der Falklandkrieg verloren ginge. Hier irrte die Eiserne Lady. Als Unternehmer müssen Sie damit leben können, dass Sie Schlachten verlieren, Irrwege gehen, Projekte in den Sand setzen oder das Unternehmen im schlimmsten Fall vor die Wand fahren. Doch aus nichts lässt sich so gut lernen wie aus Fehlern. Die Angst davor ist aber der wichtigste Grund, der die meisten Menschen vom Schritt in die Selbstständigkeit abhält. Haben Sie den Mut zum Scheitern, aber gehen Sie strategisch an Risiken heran – beispielsweise über klare Kosten-Nutzen-Analysen oder Umsatz- und Kostenpläne. Dann treffen Sie Ihre Entscheidungen gut informiert und aus klarer Berechnung heraus.

10. Was ist Ihr Plan B?

Natürlich schmerzt es, wenn Sie erleben müssen, dass Ihre mit Herzblut verfolgten Pläne nicht so laufen wie gewünscht. Welche Alternativen haben Sie zu Ihrer ursprünglichen Geschäftsidee? Lässt sie Variationen zu? Und wenn Sie scheitert: Welche Möglichkeiten halten Sie sich offen? Gibt es Reserven für einen „zweiten Versuch“? Oder wäre Plan B die Rückkehr in den alten Job? Halten Sie sich die Türen auf jeden Fall einen Spaltweit offen. Gehen Sie entschlossen Ihren Weg, aber reißen Sie nicht alle Brücken hinter sich ab.

Frei nach Taylor Johnson/theundercoverrecruiter.com

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Haben Sie das Zeug zum Unternehmer?

Möchten Sie sich dieses Jahr den Traum vom eigenen Unternehmen erfüllen – oder doch lieber Angestellter bleiben? Zehn Fragen können Ihnen die Entscheidung erleichtern. Hier finden Sie die ersten fünf. Frage sechs bis zehn folgen nächste Woche.

Gute Gründe für Gründer gibt es jede Menge. Schließlich wären wir alle gern unser eigener Boss. Aber Unternehmer zu sein bedeutet mehr als nur das zu wollen und den Markt mit einer großartigen Geschäftsidee zu beglücken. Seien Sie ehrlich zu sich selbst und beantworten Sie für sich diese Fragen:

1. Warum möchten Sie ein Unternehmen gründen?

Gründer starten ihr Unternehmen aufgrund sehr unterschiedlicher Motive. Aber zwei Beweggründe zählen bei den meisten erfolgreichen Unternehmern definitiv nicht dazu: mehr Geld und freie Arbeitszeit-Einteilung. Schlechte Erfolgsaussichten hat, wer einfach nur berühmt, reich oder wohlhabend werden und dazu weniger als bisher arbeiten möchte. Erfolgversprechendere Ziele sind, etwas neues zu schaffen, Kundenwünsche zu erfüllen, kreative Freiheit zu haben und etwas zu tun, das Sie wirklich lieben.

2. Lieben Sie die Herausforderung?

Als Unternehmer müssen Sie hart arbeiten, meist viel härter sogar wie als Angestellter. Doch nicht nur das: Sie müssen vor allem viel mentale Stärke mitbringen. Denn keinem Unternehmer wird der rote Teppich ausgelegt: Sie werden immer wieder Hindernissen begegnen und Felsen aus dem Weg räumen müssen. Mal ehrlich: Sind Sie auch bisher immer eher der Mensch gewesen, der Schwierigkeiten aus dem Weg und lieber den Weg des geringsten Widerstandes geht? Oder zeigen Sie üblicherweise die „Ich pack’s an – ich geb’ mich nicht zufrieden oder geschlagen – ich möchte dieses verdammte Problem lösen“-Mentalität? Nur wenn letzteres der Fall ist, sind Sie Unternehmertyp.

3. Haben Sie Geduld, Nervenstärke und Ausdauer?

Es dauert meist Jahre, bis ein Unternehmen erfolgreich arbeitet. Am Anfang sind die meisten Unternehmensgründer mit Begeisterung bei der Sache, doch viele verlässt nach einigen Monaten bereits der Schwung. Zu all den Prüfungen, die auf Sie zukommen, gehören Geduld und die vielen kleinen wie großen frustrierenden Rückschläge. Wenn Sie wissen, dass Sie ein Mensch sind, der auch im Sinkflug die Kontrolle behält und durchhält, haben Sie gute Chancen.

4. Sind Sie ein Mensch mit Führungsqualitäten?

Die meisten Unternehmen sind keine Ich-AGs oder One-Man-Shows. Auch Ihres sicher nicht. Vielmehr benötigen Sie ein Team aus spezialisierten Fachkräften. Diese müssen Sie auswählen. Ihnen müssen Sie vertrauen können. Geben Sie ihnen klare Ziele und Richtungen vor. Setzen Sie realistische Erwartungen voraus – auch bei dem Können und der Leistung jedes einzelnen Mitarbeiters. Geben Sie Ihren Mitarbeitern Anreize und ermutigen Sie sie zu ehrlichem und konstruktivem Feedback. Und wenn es zu Konflikten kommt, lösen Sie diese umsichtig. Kurzum: Als Unternehmer benötigen Sie ein Höchstmaß an sozialen Kompetenzen.

5. Wie gut können Sie planen und organisieren?

Die meisten Firmenneugründungen scheitern an mangelnder Planung – vor allem im finanziellen Bereich. Beispielsweise häufen sich Lieferantenrechnungen, während wichtige Kunden über Monate heraus keine Zahlungen leisten. Für längere Perioden mit finanziellen Engpässen müssen Absicherungen geschaffen werden. Risiken müssen vorhersehbar sein. Ein einfacher Schutzmechanismus ist ein gut ausgearbeiteter Businessplan, den Sie mit Hilfe eines Unternehmensberaters erstellen. Solch ein Businessplan ist oft auch die Voraussetzung für Bankkredite und Födergelder.

Frei nach Taylor Johnson/theundercoverrecruiter.com

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