Monthly Archives: Juni 2015

Pseudoworkaholics

Viele Angestellte tun nur so, als ob sie mehr arbeiteten als andere. Und sie sind damit meistens sehr erfolgreich.

Kommt er Ihnen bekannt vor: der Kollege Unersetzlich? Der morgens immer als erster am Arbeitsplatz ist? Der zu jeder Zeit so tut, als sei er vielbeschäftigt, und der trotzdem jeden zusätzlichen Job an sich zieht? Sprich, ohne den in der Firma praktisch nichts läuft? Abends verlässt er das Büro als letzter. Und seinem Chef verkündet er, dass er stets auch noch nach Feierabend, ja, rund um die Uhr erreichbar sei. 80 Wochenstunden Arbeit sind für ihn kein Thema. Seinen Jahresurlaub lässt er großenteils verstreichen. Krank ist er nie, und wenn, dann schuftet er trotzdem am Arbeitsplatz, egal wie sehr es ihn quält.

Den Chef freut es. Und wenn es um Beförderungen, Gehaltserhöhungen oder Belobigungen geht, ist Kollege Unersetzlich der Spitzenkandidat. Doch leistet er wirklich doppelt so viel Arbeit – mit entsprechendem Ergebnis?

Eine junge Professorin der Universität Boston wollte es wissen. Sie befragte die 115 Berater einer internationalen Consulting-Firma aus ihrer Stadt. Das Ergebnis enthüllte, dass die Mehrzahl der Mitarbeiter überdurchschnittlich lange arbeitet – also mehr als das „nine to five“ des Klischee-Angestellten. Gut ein Drittel der Mitarbeiter allerdings täuschen nur vor, als stünden sie quasi rund um die Uhr Gewehr bei Fuß. Trotzdem erhalten gerade diese „Scheinworkaholics“ die Bestnoten von ihren Vorgesetzten.

Tatsächlich stellte sich heraus, dass diese Leute Zeit schinden. Beispielsweise vereinbaren sie bevorzugt Termine mit Kunden in der Nähe, die sie quasi auf dem Nachhauseweg besuchen. Sie rechnen drei Stunden ab, sind aber tatsächlich nur eineinhalb Stunden beim Kunden und früh am Abend zuhause. Am Arbeitsplatz machen sie ungewöhnlich viele kreative Pausen und verrichten unerkannt auch ihre privaten Tätigkeiten. Und etwaige weitere Reisen werden unter angeblichen Schwierigkeiten schon mal in die Länge gezogen.

Wie aber sieht es bei jenen aus, die sich nicht voll vereinnahmen lassen? Die auf flexibleren Arbeitszeiten bestehen und tatsächlich ihren Urlaub komplett in Anspruch nehmen? Sie schneiden deutlich schlechter bei den Beurteilungen durch die Chefetage ab. Dabei liegen die Arbeitsergebnisse kaum unter denen der scheinbar Über-Fleißigen. Die Produktivität ist meist sogar höher, da sie in ihren begrenzten Arbeitszeiten konzentrierter zu Werke gehen. Und Sie, der Leser, können es sicher fast mit Händen greifen: Die Letztgenannten sind vor allem Frauen. Den Männern gelingt es, Fleiß vorzutäuschen und wichtig zu wirken. Frauen strafen sich selbst durch ihre Ehrlichkeit und Bescheidenheit ab.

Daran sieht man auch, wie repräsentativ oder besser gesagt typisch und allgemeingültig die Ergebnisse dieser Untersuchung ausgefallen sind. Es handelt sich zwar lediglich um eine einzige, mittelgroße Firma – um eins von tausenden von Consulting-Unternehmen weltweit. Und trotzdem hält sie uns allen den Spiegel vor.

Apropos Schein-Arbeit und Zeit-Schummelei: 60 Prozent aller Online-Einkäufe in den USA werden zwischen 9 und 17 Uhr durchgeführt. Auch bei uns surft fast jeder am Arbeitsplatz auf Facebook & Co. Und achten Sie mal darauf, wann Ihre Freunde die E-Mails oder Whatsapps an Sie absetzen. Die Meisterschaft von Leuten wie dem Kollegen Unersetzlich besteht darin, all das dezent in den Deckmantel des unermüdlichen Einsatzes für die Firma zu hüllen.

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Form-Sache Lebenslauf

Die Do’s and Dont’s bei einem der wichtigsten Dokumente Ihres Lebens.

„Sie haben den Job“ oder „Leider müssen wir Ihnen mitteilen …“. Was Sie als Reaktion auf Ihre Bewerbung erhalten, hängt nicht nur von Ihrer Qualifikation und dem professionellen Gesamt-Erscheinungsbild Ihrer Bewerbung ab. Entscheidend kann auch die Form Ihres Lebenslaufes sein. Nehmen Sie sich also Zeit, den CV so perfekt wie möglich zu gestalten und Ihre Fähigkeiten ins allerbeste Licht zu rücken.

Eine Kontaktadresse gehört in jedem Fall dazu. Denn es könnte sein, dass Ihr Lebenslauf ohne Ihr Bewerbungsanschreiben an einen Entscheider weitergereicht wird. Es muss nicht die vollständige Wohnadresse sein: Setzen Sie einfach eine Telefonnummer hinein, unter der man Sie immer erreichen kann – z.B. die Handynummer – und Ihre E-Mail-Adresse. Die Mailadresse sollte natürlich nicht chaospirat0815@…, schweinchendick@… oder so ähnlich lauten, sondern seriös klingen und idealerweise Ihren Namen enthalten. Das macht das Abtippen leichter. Wenn Sie eine Xing- oder (brauchbare) Facebook-Präsenz haben, fügen Sie gern den Link mit ein. Optional ist ein Foto, das einen guten Eindruck von Ihnen hinterlässt.

Beginnen Sie den Lebenslauf mit einer Überschrift. Sie sollte klarstellen, wer Sie sind und welche Qualität Sie als wichtigste ins Unternehmen einbringen würden. Die Headline kann darüber entscheiden, ob Ihr Lebenslauf überhaupt gelesen wird. Denken Sie dabei an den sogenannten Elevator Pitch: die sekundenschnelle Kurzpräsentation, in der Sie mit wenigen Worten sagen, warum Sie der beste Kandidat sind.

Punkt drei sind Ihre Berufserfahrungen. Listen Sie in chronologisch auf- oder absteigender Reihenfolge auf, bei welchen Unternehmen Sie wie lange und in welcher Position gearbeitet haben. Idealerweise setzen Sie den Text in drei Spalten: Links die Daten/Zeiträume, in der Mitte die Position und Bezeichnung Ihrer Tätigkeit und rechts die besonderen Fähigkeiten, die Sie dabei erworben oder eingesetzt haben.

Ihr schulischer Werdegang interessiert den Arbeitgeber nur, wenn Sie Berufsstarter sind. Nach den ersten Jahren und Erfahrungen als Berufstätiger können Sie diese Passage fast komplett streichen. Erwähnen Sie nur Ihren letzten, höchsten Abschluss, zum Beispiel Abitur oder absolviertes Studium. Was dagegen ausführlich und separat vom Werdegang aufgelistet werden sollte, sind all die Fähigkeiten, die Sie ins Unternehmen einbringen. Auch wenn diese im Prinzip bereits aus dem Werdegang hervorgehen. Doch so ist es übersichtlicher und fällt sofort ins Auge. Diese Passage kann auch ganz vorn unter der Überschrift erscheinen. Hobbys? Private Leidenschaften? Rein damit, wenn Sie Freizeitbeschäftigungen haben, die Ihre beruflichen Fähigkeiten laut der Anforderungen der Stellenbeschreibung ergänzen. Sonst rauslassen.

In einer Rubrik, die Sie „Extras“ oder so ähnlich nennen können, listen Sie gewonnene Preise, absolvierte Fachkurse oder Zertifikate auf. Ist Ihr Lebenslauf jetzt bereits zwei oder mehr Seiten lang: Stopp. Zwei sollte das Maximum sein. Eine bewährte Art, den Lebenslauf kurz zu halten und lesefreundlich zu formatieren, sind Stichworte mit Bullet Points. Sie ermöglichen es dem Leser, Ihren Lebenslauf zu „Überfliegen“ und trotzdem Informationen aufzufangen. Die wichtigsten Schlüsselworte sollten zudem fettgedruckt und/oder unterstrichen erscheinen. Als Schrifttyp empfehlen sich übrigens Serifenschriften wie Times New Roman in Größen von 10 bis 12 Punkt. Das erleichtert die Lesbarkeit.

Last but not least: Checken Sie noch- und nochmal die Grammatik. Lassen Sie mindestens eine weitere, in Puncto Sprache „fitte“ Person Ihren Lebenslauf durchlesen. Denn Sie wissen ja: Für unsere eigenen Fehler sind wir blind. Und der kleinste Rechtschreib- oder Interpunktionsfehler kann wie die Schramme am neuen Auto wirken und das unbewusste „No-go“ im Leser auslösen. Wer Fehler durchgehen lässt, tut dies womöglich auch auf der Arbeit, so der Eindruck mancher Chefs und Personaler. Ist alles rund? Dann viel Glück im neuen Job!

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Welchen Marken vertrauen die Verbraucher?

So viel ist klar: Das Vertrauen in Marken zählt mehr als die vermeintlichen Nutzenvorteile ihrer Produkte. Doch wie entsteht es – und wem vertrauen die Deutschen am meisten?

Es ist Nivea. Und diese Erkenntnis ist nicht unbedingt erstaunlich. Mit dieser Marke verbinden die die Verbraucher Tradition und das Gefühl, ein qualitativ hochwertiges Produkt zu kaufen. Dieses Vertrauen mag das Ergebnis einer über 100 Jahre lang konsequenten Markenführung sein, die Nivea stets mit einem „guten Gefühl“ in Einklang brachte.

Wissen wollten es der Vermarkter MDR-Werbung und das IMK-Institut für angewandte Marketing- und Kommunikationsforschung. Sie baten 3.000 Deutsche, ganz spontan die Marke ihres Vertrauens zu nennen und dies ebenso spontan zu begründen. Auf Platz zwei und drei landeten Samsung und Apple. Konzerne, die sich über Visionen oder Brand Ideals (Markenideale) statt über USPs positionieren – siehe letztes Posting.

Platz vier bis zehn belegen deutsche Klassiker. Es sind Adidas, Maggi, Volkswagen, Miele, Mercedes-Benz, Dr. Oetker und Bosch. Marken also, die seit Generationen fest im Verbraucherempfinden verankert sind und die das Verbrauchervertrauen offenbar selten oder nie missbraucht haben. Was man von der Deutschen Bank, Deutsche Bahn oder Lufthansa nicht behaupten kann: Sie spielen in der Studie keine Rolle.

Der Geschäftsführer der MDR-Werbung, Niels N. Von Haken stellt den Wert der Studie klar: „Die spontane Benennung ist die härteste Währung die es gibt, denn es schaffen nur die Marken in die Köpfe und Herzen der Verbraucher, die über ein Maximum an Strahlkraft verfügen“. IMK-Geschäftsführer Sören Schiller schließlich erklärt: Verbraucher-Vertrauen sei die härteste Währung – und das uneingeschränkte Vertrauen das Größte, was eine Marke erreichen könne.

Fazit: Es zählt nicht die Produktqualität oder der USP. Es zählt vor allem das Markenideal, die Kontinuität und die Ehrlichkeit.

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Manche Marken sind Stars. Der Grund heißt WARUM.

Was macht Apple oder Coca-Cola so erfolgreich, dass wir sie „sexy“ finden und mitunter bereit sind, viel mehr zu bezahlen als für Konkurrenz-Produkte?

Die Produkte selbst sind es jedenfalls nicht. Denn – Hand auf’s Herz – das Smartphone von HTC ist ebenso stylish wie das iPhone und bietet nicht weniger Funktionen. Und die Kola vom Auerbräu aus Rosenheim schmeckt mindestens ebenso prickelnd wie die Brause von der Weltmarke aus Atlanta, die übrigens auf Lizenz in Deutschland produziert wird. Worin also liegt das Erfolgsgeheimnis?

Nehmen wir das Beispiel Apple. Steve Jobs kommunizierte nie mit dem Fokus auf WAS produzieren wir – und WAS ist besser daran. Sprich, die sogenannten USP’s. Geschätzte 99% aller Firmen werben aber mit diesen Vorteilsversprechen und erklären, was ihr Produkt besser kann als andere. Marken wie Apple hingegen kommunizieren eine Vision. Ein „WARUM gibt es uns“. Ein Markenideal. Oder neudeutsch Brand Ideal. Das mag so dann idealistisch, ja manchmal sogar abgehoben klingen wie „wir wollen die Welt verbessern“. Aber genau dazu sind Erfindungen, Produkte und Dienstleistungen ja da.

„Das Brand Ideal ist das, was Kunden inspiriert. Und Inspiration verführt zum Kauf und Loyalität zur Marke“, weiß Ute Hagen und ergänzt: „Ich bin überzeugt, dass kaum Unternehmer seinen Betrieb vollkommen ohne jedes Ideal gegründet hat“. Die Visionen aber, mit denen Gründer oder auch ihre überzeugten und treuen Mitarbeiter täglich ans Werk gehen, reichen über die übliche Denkweise und Kommunikationsform hinaus. Es geht nicht nur darum, die beste oder günstigste Leistung anzubieten. Der Blick dahinter ist wichtig.

„In jedem Unternehmer steckt eine Leidenschaft. Sei es für das Produkt, für seine Kunden oder für beides“, so Ute Hagen. „Im Alltag vergessen aber viele, mit welchem Antrieb sie einmal angefangen hatten“. Die eigenen Visionen sind jedoch nicht der einzige Ansatzpunkt, um das WARUM zu eruieren, verrät die Personal- und Unternehmensberaterin: „Fragen Sie einfach mal Ihre Kunden, welche Gefühle oder vielleicht sogar Begeisterungen sie mit Ihrem Produkt oder verbinden. Besonders jene, die sie bewusst oder unbewusst empfinden, wenn sie das Produkt benutzen“.

Bei solchen Fragestellungen wird klar, dass nicht nur Großunternehmen Beispiele für Brand Ideals bieten können. Ein Café oder ein Systemgastronomie-Restaurant kann ganz einfach ein Ort zum Wohlfühlen, zum sich-Verlieben oder für besondere Momente im Leben sein. Dass dabei die Produkt- und Servicequalität stimmt, wird als selbstverständlich angesehen und muss nicht eigens kommuniziert werden. Ein Pflegeprodukt kann das angenehme Gefühl von Schönheit vermitteln. Und zwar nicht die unrealistische Schönheit der üblichen Werbemodels, sondern die alltägliche Schönheit in uns allen, die zu unserem Selbstwertgefühl beiträgt.

Im Unternehmen Berges Business Facilitation hat Gründerin Christine Berges mit Ute Hagen und weiteren Kolleginnen ein „WHY“-Team gebildet. Die Aufgabe: Gemeinsam mit den Unternehmen deren WARUM’s zu identifizieren, im Team zu verankern und zu kommunizieren. Christine Berges ist überzeugt: „Das WHY oder das Brand Ideal lässt sich für jede Firma und jede Marke eruieren. Es nicht zu tun, heißt, die Chance zu verpassen und das Potenzial, das in jeder Marke steckt, zu verschwenden“. Und das Potenzial ist gewaltig: Laut einer zehnjährigen empirischen Studie hat sich die Rentabilität der 500 Unternehmen im amerikanischen S&P-Index im Mitteldurchschnitt um den Wert -7,9% entwickelt. Bei den Top-50-Brands wie Apple, Starbucks oder Dove hingegen um fast +400%. Was sie gemeinsam haben: Sie kommunizieren ihre Brand Ideals und inspirieren.

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