Monthly Archives: September 2015

10 Tipps zur Jobsuche, wenn Sie einen Job haben

Den Arbeitgeber wechseln zu wollen kann ein sensibles Thema sein. Was sollten Sie tun und lassen, wenn Sie sich verändern, aber nicht alles Bestehende verlieren wollen?

Einen Job zu haben ist nicht alles. Viel wichtiger ist, darin glücklich zu sein. Und was, wenn nicht? Klar: neuen Job suchen. Und das ist natürlich bequemer, solange das Gehalt noch regelmäßig fließt. Es gibt bloß zwei Nachteile: Erstens bleibt neben der Arbeit und der Freizeit oder Familie oft nur wenig Zeit zur Job-Neusuche übrig (und es kann schon mal eng werden, die Termine für Vorstellungsgespräche zu finden). Zweitens heißt es, unterm Radar hindurch zu fliegen: Schließlich darf niemand in Ihrer Firma spitzkriegen, dass Sie vorhaben, ihr untreu zu werden. Zumindest nicht der Chef. Was also tun? Hier ist der Zehn-Punkte-Plan der „Do’s and Dont’s“.

Tipp eins: Profile aktualisieren – vor allem auf Xing, aber auch z.B. LinkedIn. Natürlich darf alles drinstehen, was Sie in Ihrem aktuellen Unternehmen machen und welche Position Sie bekleiden. Ob Ihr Chef Verdacht schöpfen könnte, dass Sie sich abwerben lassen möchten? Kaum ernsthaft, denn die eigene Position und Tätigkeiten zu „posten“ ist unverdächtig und kann auch für Geschäftspartner eine Informationsquelle sein. Außerdem soll Ihr Chef doch wissen, was er an Ihnen hat. Und last but not least: es kann ihm ja auch zur Freude gereichen, dass Sie stolz auf das sind, was Sie bei ihm, mit ihm und vielleicht sogar nur durch ihn erreicht haben!

Tipp zwei: „Netzwerken“ Sie. Intensivieren oder reaktivieren Sie den Kontakt zu Geschäftspartnern, Ex-Kollegen oder Kommilitonen. Besuchen Sie Fachmessen, Kongresse und Business-Network-Events in Ihrer Region. Die Small Talks dort sind meist zwanglos, unterhaltsam – aber sie bringen Ihnen Verbindungen ein, die Ihnen nach Jahren noch helfen und eine neue Stelle oder eine Empfehlung besorgen können.

Tipp drei: kein Portal-Posting. Natürlich suchen Sie NICHT aktiv auf einem Jobportal! Verzichten Sie lieber auf diesen vermeintlichen Vorteil. Die Gefahr ist zu groß, dass es in Ihrer Firma entdeckt und verraten wird. Online auf Stellen bewerben: kein Problem.

Tipp vier: nichts in den sozialen Netzwerken posten. Facebook & Co sind für Urlaubsgrüße da und nichts seriös genug für die Jobsuche. Aber Vorsicht: kein zu abgefahrenes Bild online stellen. Den feucht-fröhlichen Party-Prinz „surft“ auch der zukünftige Arbeitgeber.

Tipp fünf: nicht während der Arbeit suchen. Versteht sich von selbst: Ihr Chef zahlt Ihnen die Stunden für seine Arbeit, nicht für Ihre Privatzwecke. Daher Vorsicht beim online Suchen, E-Mails Schicken oder Anrufen beim fremden Arbeitgeber. Nicht wenige Firmen überwachen das Online- und Telefon-Verhalten Ihrer Mitarbeiter.

Tipp sechs: nicht mit Kollegen darüber reden. Psst, Feind hört mit: Sie wissen nicht, wer hinter der Tür steht. Und Sie wissen nicht, wer zu wem loyaler ist: Selbst der netteste Kollege kann vorm Chef sich selbst der Nächste und im Ernstfall ein Schwätzer sein. Je mehr Mitarbeiter es wissen, desto wahrscheinlicher erfährt es auch der Chef.

Tipp sieben: Vorstellungsgespräche nach Feierabend. Wer immer wieder ganz kurzfristig Urlaub braucht oder sich krank meldet, erzeugt nicht nur Unmut, sondern auch Verdacht. Jeder zukünftige Arbeitgeber versteht es dagegen sehr gut, wenn Sie sich Ihre Zeit noch nicht frei für ihn einteilen können. Es wäre eine Katastrophe, ihm das Gefühl zu vermittelten: sobald Sie bei ihm sind, würden Sie sich auch andauernd „frei nehmen“ wollen.

Tipp acht: anziehen wie jeden Tag. Wenn Sie für alle scheinbar aus heiterem Himmel im Bewerbungskostüm oder -anzug erscheinen, wecken Sie automatisch die Neugier und Spekulationen warum. Versuchen Sie, es so einzurichten, dass Sie sich unterwegs oder unauffällig umziehen können.

Tipp neun: richtig (an)kündigen. Sobald Sie den neuen Job sicher haben: Weihen Sie Ihren Vorgesetzten rechtzeitig ein. Nicht nur, weil Sie ohnehin Ihre Kündigungsfrist einhalten müssen. Sondern auch, weil Sie ja sicher eine Lücke hinterlassen und er einen Nachfolger suchen und einarbeiten muss.

Tipp zehn: in Würde verabschieden. Ganz gleich ob Sie eine gute oder schlechte Zeit hatten: Nachtreten hilft keinem. Lassen Sie Ihren Chef und Ihre Kollegen mit einem guten Eindruck von Ihnen zurück. Denn wie heißt es so schön: Man trifft sich zweimal im Leben. Und das kann als Geschäftskontakt, als Netzwerker, oder, wer weiß, wieder als möglicher Mitarbeiter sein.

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10 do’s and dont’s for job hunting when you do have a job

Changing the employer can be a sensitive issue. What should you do (and what not) when you are looking for a new job but you don’t want to lose the current?

Having a job is not everything. It’s much more important to be happy in it. And what if not? Of course: Try to find a new job. In a way, looking for a new job is easier as long as you’re still working. There are only two drawbacks: First, your occupation and private life give you little time for searching a job. Sometimes it will be hard to even find the dates for interviews. Second, you’ve got to fly below the radar as no one in your company—especially your boss—should have any idea about your ambitions. So what to do? Here’s the ten-point plan of „do’s and don’ts“.

1. Update profiles on platforms like LinkedIn and Xing. Everything that you do in your company should be written there as well as your current position. May your boss get suspicious and be afraid that you would like to leave when you write about all this? Hardly, because posting your own position and activities is common and can be a source of information for business partners. Anyway, it’s not bad to let your boss, too, read about your qualities. Maybe he’ll be delighted about the fact that you are proud of what you do and what you have achieved with him and his company!

2. Practice regular networking. Intensify or reactivate the contacts with business partners, colleagues or ex-students. Visit trade fairs, congresses and business network events in your region. The small talks there are usually informal and entertaining. Most of all, you will gain connections that may help you in the future e.g. to organize a new job or a recommendation.

3. No portal postings. Leave your note on a blackboard? No, of course you should not actively post your job hunting anywhere! The danger is too big that anyone discovers and whistle-blows this in your company. Only apply for jobs that are offered but don’t offer yourself.

4. Don’t “facebook” your job search. Avoid to mention it in the typical private social networks. Platforms like Facebook are okay for holiday greetings but not reliable enough for the job search. But don’t forget to delete your most funky photographs there. The boozy party prince picture will be surfed and seen by the prospective employer, too.

5. Don’t search while you work. Needless to say: your boss pays you for his work, not for your private purposes. Be careful with surfing, emailing or telephone calls. Some companies monitor the online and telephone use of their employees.

6. Don’t talk to colleagues about it. Shhh, the enemy is listening, too! You never know who stands behind the door. And you do not know who is loyal to whom: Even the nicest colleague can be a whistle-blower when the boss asks him questions. The more people know about your plans, the more likely it is that the boss gets to know it, too.

7. Schedule interviews after work. You cause suspicion and resentment when you frequently need holidays or quit earlier. On the other hand, each prospective employer understands it very well if you are not yet available for him at any possible time. It would be a disaster to make him feel: once you are his employee, you would also constantly want to take time off.

8. Dress like every day. If you arrive in your company wearing your finest suit, you may automatically cause curiosity and speculation why. Try to organize a way to change your dress on the way to your interview.

9. Terminate correctly. Once you have the new job safe, inform your boss as soon as possible. Not only because you have to respect your notice period. Also consider that you probably leave a void and your boss needs time to find and incorporate a successor.

10. Say goodbye in dignity. Regardless of whether you had a good or bad time: Leave your boss and your colleagues back with a good impression of you. As the saying goes: You meet twice in life. And that second time can be as business contact or, who knows, as a potential employee.

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„Meistens motiviert“? Sehr selten.

Motivation am Arbeitsplatz lautete ein Kernthema einer aktuellen Studie von Oracle in Europa. Ein Ergebnis: Die Chefs sind die wesentlich unwichtigeren Motivatoren als die Kollegen. Wohlgemerkt: die unwichtigeren – und damit die weitaus weniger erfolgreichen. Doch was noch viel nachdenklicher stimmt: Nur jeder vierte Deutsche zeigt eine durchgängig engagierte Arbeitseinstellung. Warum?

Eins ist mit Zahlen schwer belegbar, aber unstrittig: Mit der Motivation der Mitarbeiter steht und fällt der Unternehmenserfolg. Überprüfen kann dies jeder an sich selbst und aus eigener Erfahrung: Wer mit Eifer, Überzeugung und Freude an einen Job geht, zeigt einen spürbar stärkeren Tatendrang. Leider liegen keine Vergleichszahlen aus Produktivität und Grad der Motivation vor. Dafür müssten ähnliche Unternehmen und Abteilungen untersucht werden. Und doch gibt es eine aktuelle Zahl: 61 Prozent aller Deutschen sind davon überzeugt, dass jeder freiwillig mehr leistet, der „für seine Arbeit brennt“. So weit, so gut?

Nein. Diese Zahl stammt aus einer Studie, die ansonsten nicht viel Erbauliches zum Thema Motivation offenlegt. Ihr Name: „Simply Talent“, Auftraggeber Oracle. Befragt wurden mehr als 1.500 Mitarbeiter großer Unternehmen in Europa. Nicht viel Erbauliches? Nur etwa 25 Prozent der Deutschen haben bei der Frage, wie sie sich am Arbeitsplatz fühlen, „meistens motiviert“ angegeben. Das ist nur jeder Vierte. In ganz Europa waren es immerhin 35 Prozent. Will heißen: Dreiviertel aller Deutschen bremsen sich und ihr Unternehmen durch mehr oder weniger unmotivierte Arbeit aus.

Wichtig für die innere Einstellung ist Stimulanz von außen. Wer aber motiviert die Mitarbeiter? In rund 40 Prozent aller Fälle sind es die Kollegen, so die Studie. Und die Vorgesetzten? Die, deren Aufgabe es wäre? Nur etwa 20 Prozent aller Befragten fühlt sich von ihnen zu besonderer Leistung angespornt. Sprich: Die Quote der Ausfälle bei den Chefs ist mit vier Fünfteln höher als die der Kollegen mit drei Vierteln. Und die Kollegen sind die doppelt so guten Motivatoren.

Was vermissen die Mitarbeiter an den Vorgesetzten? Jeder Zweite fühlt sich und seine Leistung nicht ausreichend gewürdigt. In Deutschland gaben dies sogar 60 Prozent an – so viele wie nirgends sonst in Europa. Und die Gegenprobe? Gerade einmal 28 Prozent registrierten überhaupt eine Anerkennung ihrer individuellen Leistungen seitens der Firma in irgendeiner Form. 35 Prozent wünschten sich eine transparentere Darstellung ihrer eigenen Leistungen am Unternehmenserfolg. Und etwa genau so viele ließen die Meinungsforscher wissen, dass sie sich durch spannendere Projekte motivierter fühlen würden.

Wer übrigens glaubt, dass Personalverantwortliche eine positive Wirkung auf die Mitarbeitermotivation erzielen würden, irrt leider. Ganze drei Prozent aller Befragten fühlten sich von ihnen in ihrer Arbeitsstimmung beflügelt. Das bedeutet 97 Prozent Ausfallquote für HR.

Stellen wir den negativen Resultaten eine prinzipiell positive Zahl gegenüber. Knapp die Hälfte aller Deutschen glaubt, in einem motivierenderen Umfeld kreativere Ideen entwickeln zu können. Ein gewaltiges, brachliegendes Potenzial! Während also Manager über Rationalisierungen, neue Maschinen und schlankere Produktion nachdenken, übersehen allzu viele offensichtlich den Prozessoptimierungs-Faktor Mensch. Welche Verluste, ja Verschwendungen dies verhindern könnte, verdeutlicht ein letzter Wert aus der Studie. Danach hören 37 Prozent aller deutschen Arbeitnehmer auf, den Arbeitsmarkt zu sondieren, sobald sie sich in einem Umfeld wohl und motiviert fühlen. Ist nicht die Loyalität in Zeiten des Fachkräftemangels eines der vielversprechendsten Investments?

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Scheitern verboten

Wer pleite geht, ist selber schuld: Entweder war er zu naiv oder einfach nicht gut genug. Bei dem kauft man auch nicht noch einmal ein – und in den investiert man nicht. Typisch deutsch? Ja, leider …

Seltsam. Drei Viertel aller Deutschen findet, dass Unternehmer, die einmal gescheitert sind, eine zweite Chance verdient hätten. Aber wie sieht es mit den eigenen Lieferanten oder Dienstleistern aus? Da äußern über 40 Prozent aller Deutschen Bedenken: Bei einem vormals erfolglosen Neustarter bestellen? Nein. Fast jeder Zweite würde seinen Einkauf oder Auftrag dann doch lieber anderswo platzieren. Diese Rechnung geht natürlich nicht auf – und doch steht sie schwarz auf weiß in der Studie „Gute Fehler, schlechte Fehler – wie tolerant ist Deutschland im Umgang mit gescheiterten Unternehmern“, die die Universität Hohenheim vor Kurzem publiziert hat. Die Studie offenbarte noch weitere widersprüchliche Zahlen. Zum Beispiel diese: 80 Prozent unserer Landsleute halten Misserfolge für lehrreich und sind bereit, sie zu akzeptieren. Wohlgemerkt: allgemeine Misserfolge in allen Lebensbereichen. Warum dies aber nicht für Unternehmen gilt, darauf liefern die Meinungsforscher keine Antwort.

Weshalb dürfen scheinbar alle Menschen Fehler machen, nur Unternehmer nicht? Politiker, Presseschreiber und natürlich sehr viele Selbstständige sind sich einig: In Deutschland fehle die oft beschworene sogenannte „Kultur des Scheiterns“. Und diese Kultur wird umso schmerzlicher vermisst, je schnelllebiger der Markt ist. Nur mit kreativen Start-ups scheinen sich all die Trends bedienen und Ideen liefern zu lassen, die der Kunde und Konsument von heute so einfordert. Nur mit allen Gründern zusammengenommen ist dies möglich – mit den immer erfolgreichen wie den einmal gescheiterten. Misserfolge müssten also wie selbstverständlich erlaubt, ja in einer gewissen Quote sogar gefordert sein!

Stattdessen herrscht offenbar immer noch die ebenso vielbeschworene Angestelltenmentalität vor. Und diese Haltung zeigen umso mehr die Systemrelevanten. Nämlich jene, deren „Ok“ die Wirtschaftspumpe überhaupt erst laufen lässt: die Banken! Fast kein Unternehmensaufbau ist ohne Fremdkapital in Form von Krediten möglich. Das lernt jeder Existenzgründer, der spätestens beim ersten größeren Kundenansturm expandieren, Personal einstellen, Raum oder Geräte anschaffen muss – und kein Geld von der Bank dafür bekommt. Nichts geht ohne ausgeklügelten Businessplan, ohne Investitions-, Umsatz- und Kostenplan für mehrere Jahre, ohne aufwändige Markt- und Standort-Studien – und zwar am besten bitteschön vor der Gründung! Ohne all das vermag kein Bankangestellter mehr seine Unterschrift unter die Kreditbewilligung setzen. Erst recht nicht in Zeiten von Basel III und den wohl konservativsten und restriktivsten Kreditvergabe-Richtlinien aller jüngeren Dekaden.

Deutschland, Europa – das ist „old economy“. Stein auf Stein, nur wer ein solides Fundament hat, darf planen. Große Träume bleiben Luftschlösser. Dass es auch anders geht, beweisen die USA, beweist Silicon Valley seit Jahrzehnten. Trial and error heißt das Zauberwort: Nur aus Fehlern kann wirklich gelernt werden. Menschen mit Ideen sind nicht „crazy“, sondern „cool“. Es herrscht eine viel höhere Bereitschaft, in Innovationen zu investieren, als bei uns. Ob Banken, Investoren oder Beteiligungsgesellschaften: Die Geldgeber sind dort lieber die ersten, die investieren und im Erfolgsfall verdienen wollen, statt Zeit zu verlieren.

Einen guten Wert, immerhin, hat die Studie der Uni Hohenheim ermittelt. Einen Wert, der positiv in die Zukunft weist. Die Toleranz gegenüber Unternehmern, die einmal gescheitert sind und ein zweites Mal starten, ist bei jungen Leuten wesentlich höher als bei Älteren. Klingt auf dem geduldigen Papier schön, heißt aber im Umkehrschluss auch: Auf lange Zeit hin werden Neustarter immer noch ausgebremst. Denn das nötige Kapital hüten im Allgemeinen die Älteren. Seien es die Bankbosse oder auch die Spitzenreiter der nationalen Forbes-Listen, die ihre Milliarden lieber in abgeschottete Privatvillen und -Yachten oder künstlich gezüchtete Fußballclubs investieren, statt Vorbilder und Wegbereiter einer dynamischen Wirtschaft zu sein.

Internet, Smartphone, Communities, Social Media: Warum kommen die Trends unseres Zeitalters fast immer aus den USA, obwohl weder Einkommen noch Kaufkraft dort viel größer sind als hier? Weil bei uns nur nachweislich als erprobt abgezeichnete Konzepte eine Chance bekommen. Weil fast ausschließlich Unternehmer mit makellosen Bilanzen und Referenzen gefördert werden. Dabei kopieren die Deutschen auch die meisten scheiternden Konzepte aus Übersee. Immer noch besteht zu viel Misstrauen gegenüber den eigenen Fähigkeiten.

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Flüchtlinge: eine Riesenchance für Deutschland

Nicht eine Flüchtlingswelle, sondern eine Welle der Hilfsbereitschaft erfasst das Land. Und siehe da: Während Zigtausende von Menschen den Ankommenden ehrenamtlich helfen, beginnt die Wirtschaft, die Einwanderung im großen Stil als Potenzial zu erkennen. Wann sehen es auch die Politiker so?

Deutschland im Februar 2015. In den Nachrichten spielte die sogenannte Flüchtlingswelle nach Europa nur eine Nebenrolle – noch, angesichts IS, Ukraine-Krieg und Griechenlandkrise. Da postete der Boss der Werbeagentur Uniclube aus dem Ruhrgebiet auf Facebook: Biete zwei Flüchtlingen eine Berufsausbildung. Was er erntete? Kaum Lob oder Anerkennung, von Hilfsbereitschaft ganz zu schweigen. Stattdessen nutzten Massen von Rechtsradikalen sein Posting, um in ihren Antworten Hass, Fremdenfeindlichkeit und Angst zu schüren. In den folgenden Monaten sahen wir Bilder von geplanten Asylbewerberheimen, die brannten. Und wir lernten im Fernsehen Städte wie Freital oder Heidenau kennen, in denen ein nationalistischer Mob gewaltsam gegen „Überfremdung“ protestierte.

Deutschland im September 2015. Inzwischen rollt die sogenannte Welle in einem nie gekannten Ausmaß nach Mitteleuropa. Auf den Bahnsteigen von Budapest, wo sie bisweilen von der ungarischen Polizei festgehalten werden, rufen die Menschen „Freedom, Freedom“. Und: „Germany, Germany!“. Und die, die es schaffen, sich unter Lebensgefahr und gegen Polizeigewalt durchzuschlagen, kommen inzwischen zu Zehntausenden erschöpft, aber glücklich, in München und Passsau an.

Und das Bild hat sich gewandelt – zum Glück für unser „Land of Freedoom“ und für die Flüchtlinge! Es zeigt sich, dass ein Großteil der Deutschen Ungeahntes an Hilfsbereitschaft zeigt. Unzählige Freiwillige versorgen die Flüchtlinge, die oft nichts als ihr nacktes Leben und ein paar Fetzen Kleidung gerettet und sich für verbrecherische Schlepper verschuldet haben. Die vielen Helfer verabreichen Mahlzeiten, Babynahrung und sonstiges dringend Benötigtes. Plötzlich mehren sich aber auch Stimmen aus der Wirtschaft, die bisher Ungeahntes sagen oder schlichtweg geschwiegen haben.

„Die aktuelle Flüchtlingswelle ist eine riesige Chance für Deutschland“, verkündet Sven Gábor Jánszky, Direktor des Trendforschungsinstitutes 2b Ahead Think Tank. Er spricht sogar von einem unerwarteten Geschenk. Es werde unserer Gesellschaft helfen, den Fachkräftemangel durch den demografischen Wandel auszugleichen und somit unseren Lebensstandard auf Jahrzehnte hinaus zu sichern. Die alten einheimischen Arbeitskräfte gehen in Rente, es kommen nicht genügend Junge nach – und schon in zehn Jahren, prophezeit Zukunftsforscher Jánszky, leben die Deutschen von der Leistung dieser Menschen. Denn als Arbeitnehmer von morgen würden die Flüchtlinge von heute durch ihre Zahlungen die finanziellen Lücken in der Rentenversicherung schließen.

Der Trendscout bleibt kein einsamer Rufer im Walde. Ingo Kramer, seines Zeichens Arbeitgeberpräsident, schließt sich an. In der Süddeutschen Zeitung stand dieser Tage zu lesen, dass auch er auf die „große Chance“ hinweise. Von der Politik verlange er sogar schnellere Asylverfahren. Pro Asylbewerber, versteht sich.

Was Unternehmen heute schon für ihre Facharbeiter von morgen tun können? Die Agentur Unicblue ist hier nur ein Musterbeispiel. In der Anfangsphase ist sicherlich praktische Lebenshilfe das Wichtigste, was Unternehmen und ihre Mitarbeiter leisten können, z.B als Paten für Kinder oder Jugendliche. Als Mentoren oder Pädagogen. Als Übersetzer oder Rechtskundige für Menschen, die hierzulande ohne Deutschkenntnisse und Behördenerfahrung klarkommen müssen. Als ehrenamtliche Helfer, denen ihre Unternehmen dafür einen Teil der Arbeitszeit zur Verfügung stellen. Aber durchaus auch von Fall zu Fall eben schon als Arbeitgeber.

Unicblue jedenfalls suchte Bewerber, die motiviert sind. Will heißen: junge Menschen, die noch wirklich Lust haben, hier – in „Germany! Germany!“ – etwas zu erreichen und ihren Lebensunterhalt zu sichern. Wenn sie noch kein Deutsch können? Dann, so die Agentur, nutze am Anfang auch Englisch. Die Flüchtlinge können zum Beispiel Schreiner werden – die Firma arbeitet unter anderem im Messebau –, Mediengestalter oder Bürokauffrau.

Übrigens: Die Agentur hat tatsächlich bereits im Sommer Flüchtlinge eingestellt. Die Facebook-Kommentare von heute? Wie verwandelt. Kein Hass mehr, sondern Lob und Tipps. Von der Politik erfuhr der Arbeitgeber indes laut eigener Angaben noch keine Hilfestellungen. Aber während die Eurokraten in Brüssel noch über Umverteilung in andere Länder diskutieren (und ein ungarischer Ministerpräsident die Flüchtlinge gar zu einem „deutschen statt europäischen Problem“ erklärt), scheinen zumindest die Mehrheit der anständigen Bürger und manche Wirtschaftsentscheider wach geworden zu sein. Eine gute Nachricht …

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