Monthly Archives: Januar 2016

Land der Beflissenen. Land der Befristeten?

Mehr als die Hälfte aller jungen deutschen Arbeitnehmer hat lediglich Zeitverträge und keine langfristige Jobsicherheit. Klingt nach Perspektivlosigkeit im Wirtschaftswunderland. Doch die Statistik scheint einen Haken zu haben. Alles halb so schlimm mit der „Hälfte“?

Von Jens Kügler

Der Konjunkturmotor brummt. Deutschland verzeichnet die höchste Beschäftigtenrate denn je und die niedrigste Arbeitslosigkeit seit der Zeit nach der Wiedervereinigung. Und doch sorgten die jüngsten Arbeitsmarktdaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für einen gewissen Wirbel. Sie veranlassten einige Medien wie das Portal karriere.de zu Beiträgen, die zu alarmieren schienen. Auf den ersten Blick jedenfalls. Denn – Trick geglückt – die Schlag- und Betreffzeilen zu diesen Beiträgen animierten den Newsletter-Empfänger zum Öffnen und Weiterlesen. Da relativierte sich manches Alarmierende, teilweise …

Der erste Blick: Über 50 % aller Deutschen bis 24 Jahren habe keinen unbefristeten Job, so wird die Studie der OECD zitiert. Nur in den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Portugal sei der Prozentsatz höher. Verwiesen wird auch auf eine Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes, derzufolge die grundsätzlich positive Arbeitsmarktlage für die Jugendlichen nicht zuträfe. Unter ihnen sei die Stimmung entsprechend schlecht. In diesem Zusammenhang ist die Rede vom „Hangeln von einem befristeten Arbeitsvertrag zum nächsten“.

Doch wer weiterliest, erhält auch Aufklärung über diese erstaunlich negativ erscheinenden Zahlen und Aussagen. Als Grund wird das duale Ausbildungssystem in Deutschland angeführt, was zunächst einmal erstaunt: Gilt doch gerade dieses System als weltweit vorbildlich mit seiner Mischung aus Berufsschule und betrieblicher Ausbildung. Wo liegt nun der Haken an Statistik und Lamenti?

Da es weltweit nichts Vergleichbares zum dualen Ausbildungssystem gäbe, würden internationale Erhebungen deutsche Ausbildungsverhältnisse oft mit befristeten Verträgen gleichsetzen, schreiben die Kollegen. Ausbildungsverhältnisse sind in Deutschland jedoch naturgemäß vertraglich befristet. Somit schade der deutschen Wirtschaft auf dem Papier, was in Wirklichkeit gut für sie sei. Zu anderen Ergebnissen komme das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Agentur für Arbeit. Laut ihres Forschungsberichtes sei ohne die Azubis nur noch 7,4 % der Gesamtheit aller deutschen Arbeitnehmer ab dem Alter von 15 Jahren befristet beschäftigt. Genauer betrachtet seien es rund 21 % bei den 15- bis 24-Jährigen, 12,4 % bei den 25- bis 34-Jährigen und nur noch 6,9 % bei den bis zu 44-Jährigen.

Also alles halb so schlimm? Da sieht sicher nicht so, wer um einen unbefristeten Arbeitsvertrag kämpft (wer sich also „hangelt“). Vor allem aber sehen es die Gewerkschaften und jene Parteien nicht so, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, Arbeitnehmervertreter zu sein. Doch andererseits – auch das muss so sein. Denn diese Verbände und Institutionen kämpfen für unbefristete Arbeitsverträge und für Übernahmesicherheiten nach der Ausbildung. Erst ihr Kampf sichert vielen Arbeitnehmern ein Einkommen und eine Zukunft. Außerdem garantiert er dem Land sozialen Frieden und der Wirtschaft Stabilität.

Jede Medaille hat zwei Seiten. Und wer dieses „duale System“ bedenkt, wer dieses Schwert als zweischneidig erkennt, sollte auch einmal über das schlechte Image der Zeitarbeit diskutieren. Positiv gesehen, erweitern häufige Arbeitsplatzwechsel den Wissens- und Erfahrungshorizont.

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Davos an Frauen fehlt (oder: reine Männersache auf dem Gipfel)

Dieses Mal ein kleines Wortspiel im Header: „Da wo’s“ zu wenig Frauen gab. Auf dem Weltwirtschaftsgipfel im Schweizer Wintersportparadies Davos (ausgesprochen Da-Woos) waren ganze 18 Prozent der Teilnehmer Frauen. Und dies ist nur eine weitere Statistik zu einer Diskussion, die wohl noch lange kein Ende findet: Viel zu selten bekleiden Frauen Führungspositionen.

Von Jens Kügler

Vom 20. bis 23. Januar 2016 tagten fast 3.000 Personen aus Politik und Wissenschaft und vor allem aus der Wirtschaft auf dem World Economic Forum im Schweizer Kanton Graubünden. Dabei waren die Männer unter den Magnaten mit 82 Prozent wieder einmal fast allein unter sich. All all die Firmeninhaber und Vorstandsvorsitzenden, all die Menschen mit den oft endlos langen Berufsbezeichnungen wie Chief Executive Officer World Finance and Business Development – fast ausschließlich „Herren der Schöpfung“.

Die kleine gute Nachricht dazu: Der Prozentsatz der Frauen beim Weltforum steigt kontinuierlich. 2014 betrug er gerade einmal 16 Prozent, 2015 bereits 17. Dass überhaupt so „viele“ Frauen anwesend waren, lag indes wohl auch an einer Quote: Seit 2011 gilt, dass alle Teilnehmer, die mit fünf oder mehr Delegierten nach Davos reisen, mindestens eine Frau mitbringen sollen.

Eine ähnlich ernüchternde Statistik über weibliche Führungskräfte erschien kürzlich mit dem Deutschem Startup-Monitor 2015, herausgegeben u.a. von der Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungs-Gesellschaft KPMG und dem Bundesverband Deutsche Startups. Laut dieser Erhebung wurden 2015 immerhin über 43 Prozent aller neuen Firmen in Deutschland von Frauen gegründet. Doch der Anteil der Startup-Unternehmerinnen lag bei lediglich 13 Prozent.

Für diese unterschiedlichen Zahlen führt der Deutsche Startup-Monitor Begründungen an. Danach konzentrierten sich die Existenzgründerinnen im Wesentlichen auf die klassischen Frauenberufe. Sie eröffnen Kosmetikstudios oder Modeboutiquen. Sie bauen einen Online-Geschenkversand auf oder bieten Tätigkeiten im Sozial- und Gesundheitswesen an. Doch das boomende Bauwesen, das verarbeitende Gewerbe, die Technik-Berufe … das und vieles Weitere bleibt eine Männerdomäne. Wie schon in anderen Artikeln beschrieben: Frauen haben gleiche Chancen. Im Prinzip. Doch sie nutzen sie zu selten.

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Power-Plus statt Januar-Blues (2): Wie wir uns selbst motivieren können

Den angeblich schneeweißen Januar sehen wir in Wirklichkeit meist grau. Die Zeit der Feiertage ist vorbei. Urlaub ist nicht mehr in Sicht. Es gibt kaum noch Anlässe, auf die sich die meisten Menschen freuen. Und außerdem ist das Geld knapp nach all den Geschenk- und Reisekosten. Keine gute Zeit also, um die jährlich neu gefassten „guten Vorsätze“ zu verwirklichen? Doch. Lesen Sie Teil zwei der Tipps Tipps gegen den „Januar-Blues“.

Von Jens Kügler

Was können Sie, ich, Ihre Mitarbeiter – ja, wir alle – tun, um sich und uns gerade jetzt zu motivieren? Ein paar Beispiele.

Schieben Sie sich selbst an. Denken Sie an das Auto, das nur mit Ihrer Hilfe aus der verschneiten Parklücke herauskommt. Geben Sie sich den Ruck und blenden Sie bewusst für einige Zeit alle Zweifel, negativen Gedanken und abwertenden Feedbacks aus. Denn Negatives bremst aus. Setzen Sie ruhig einmal Scheuklappen auf und fokussieren Sie sich auf alles Positive an Ihnen und Ihrer Arbeit. Vielleicht eine Woche, vielleicht zwei Wochen lang – und Sie schwimmen mental wieder soweit obenauf, dass Sie auch Rückschläge und Durststrecken verkraften.

Machen Sie sich ein Bild von Ihrem Ziel. Wie würden Sie im Spiegel mit zehn Kilo weniger aussehen? Wie fühlt sich das Produkt an, dass Sie in zwei, drei Wochen fertiggestellt haben sollen oder möchten? Stellen Sie sich das Vorhaben, das Arbeitsergebnis einfach bildlich statt abstrakt vor. Bilder erzeugen Emotionen. Emotionen setzen Energien frei.

Bauen Sie Druck auf und kanalisieren Sie ihn. Kennen Sie das heimliche Leitmotiv aller Menschen, die nicht durch übermäßig eiserne Disziplin geprägt sind? Es lautet in etwa „Druck erzeugt Arbeit“ und erklärt, warum wir am Anfang eines Projektes gern lässig trödeln und am Ende oftmals schuften. Dann kennen Sie vielleicht auch das Gefühl, dass Zeitdruck und Deadlines durchaus motivierende Momente erzeugen können. Wieso? Weil wir mit jeder einzelnen Hürde vor der Deadline, die wir erfolgreich nehmen, an „Fahrt“ und Selbstvertrauen gewinnen. Deshalb kann es sinnvoll sein, durchaus erst dann zu starten, wenn der Druck langsam spürbar wird, – und sich die Arbeitsstrecke in kleine, erreichbare Etappenziele einzuteilen.

Sorgen Sie für Wettbewerb untereinander. Orientieren Sie sich an jenen Kollegen unter Ihnen, die heimliche Vorbilder oder stille Motivatoren für Sie sind. Jene, mit denen Sie sich in guten Zeiten gerne messen. Tauschen Sie sich über Erreichtes aus und lassen Sie sich mitreißen. Haben Sie bereits geschafft, woran Ihr Kollege noch zu arbeiten hat? Weiter so!

Zelebrieren Sie jeden einzelnen Erfolg. Machen Sie es wie das „Tier im Tor“: Klaus Thomforde. Der erfolgreiche Bundesliga-Torwart des FC St. Pauli aus den 90er-Jahren reckte bei jedem gehaltenen Ball die Faust in den Himmel und führte Gesten aus, die dem Jubel von Torschützen glichen. Jeder Erfolg – und sei er noch so selbstverständlich – ist eine Leistung, für die wir uns selbst belohnen sollten. Die geballte Faust hat die Kraft der Suggestion. Immer wieder angewendet, wird sie verinnerlicht und geht mit Glückshormonen einher. Machen Sie es wie Klaus Thomforde, das „Tier im Tor“!

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Power-Plus statt Januar-Blues (1): Die Mitarbeiter-Monats-Motivation

Da ist sie: die erste Arbeitswoche nach zwei bzw. drei Wochen Weihachten, Silvester und – sofern in katholischen Gefilden – Heilige Drei Könige. Mit der Arbeitslust steht es im grauen Monat Januar häufig nicht zum Besten. Nicht ganz so trüb sieht es aus, wenn man im Netz nach Tipps gegen den „Januar-Blues“ fischt. Hier ist Teil eins einer kleinen Serie. Fortsetzung: nächste Woche.

Von Jens Kügler

Mitarbeitern fällt es oft schwerer, wieder in den üblichen Trott zu kommen, als meisten ihrer Chefs ahnen. Schätzungen zufolge fällt die Produktivitätskurve im ganzen Januar oft beträchtlich. Was also können Führungskräfte tun, um ihren Mitarbeitern den notwendigen Schub und die Freude an der Arbeit zurückzugeben?

Lassen Sie die einst langersehnte „frohe Zeit“ nicht so abrupt abreißen! Zu keiner Zeit im Jahr haben Ihre Mitarbeiter weniger Geld in der Tasche als jetzt, nach all den Partys, Reisen und Weihnachtsgeschenken. Und mehr noch: Selten haben sie so wenig in Aussicht, worauf sie sich freuen! Jetzt sind Sie dran: Ein geselliges Belegschafts-Abendessen, eine After-Work-Party, ein Vor-Karnevals-Fest, ein früherer Feierabend … Ideen gibt es genug.

Lassen Sie Ihre Mitarbeiter Ziele setzen! Setzen Sie sich mit ihnen zusammen und fragen Sie: Wie verlief das letzte Jahr und was lässt sich daraus lernen? Was würden Sie (Ihr Mitarbeiter) gern in diesem Jahr erreichen – für sich selbst und für das Unternehmen? Nichts spornt mehr an als ein gemeinsames Ziel. Ach ja, und natürlich ein kleiner finanzieller Bonus bei Zielerreichung!

Involvieren Sie Ihre Mitarbeiter mehr in Ihre Entscheidungen! Zumindest „gefühlt“, denn: Ihre Mitarbeiter sind dankbar dafür, wenn sie wissen: Meine Meinung wird wertgeschätzt. Ich kann zum Geschäftserfolg selbst sehr viel beitragen. Mein Beitrag wird gewürdigt.

Gehen Sie voran mit einem „Fit & Gesund“-Programm! Nutzen und fördern Sie die guten Vorsätze wie Abnehmen, mehr Sport Treiben oder Fitnesstraining Starten. Beispiele: Stellen Sie Ihren Leuten kostenlos gesunde Snacks zur Verfügung. Bieten Sie Bewegungs-Programme am Arbeitsplatz an. Motivieren Sie zu Spaziergängen und geben Sie die Zeit dafür – nie ist frische Luft wichtiger als jetzt! Oder: Vereinbaren Sie für Ihre Belegschaft Rabatte fürs Fitnessstudio. Gesündere Mitarbeiter sind glücklicher und produktiver.

Bieten Sie Ihren Mitarbeitern Fortbildungs-Möglichkeiten! Für das neue Jahr nehmen sich Mitarbeiter oft vor: Ich möchte dazulernen. Ich möchte mich verbessern – in Puncto Karriere und Einkommen. Mit einen entsprechenden Programm von Angeboten ausgestattet, steigt ihre Zufriedenheit mit sich und ihrem – Ihrem – Unternehmen. Es gibt schließlich nichts Wichtigeres für Ihre Arbeitgebermarke als zufriedene Mitarbeiter …

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