Monthly Archives: Juli 2016

In Führung 4.0 versagen die meisten

Je weiter die Digitalisierung voranschreitet, desto mehr scheint eine Schere auseinanderzugehen: die Schere zwischen den Wünschen der Mitarbeiter und dem Verhalten der Chefs. Dabei erfordert die veränderte Technik eine ebenso veränderte Führungskultur …

Die digitale Transformation macht Unternehmen schlagkräftiger – prinzipiell. Doch die wenigsten Unternehmen nutzen die Möglichkeiten wirklich aus. Digitalisierung und Industrie 4.0 sind nämlich nicht nur eine technische Aufgabe, sondern vor allem eine Herausforderung an die Führungskultur. Je häufiger diese These derzeit zu hören ist, desto weniger lässt sie sich in Abrede stellen oder ignorieren. Jüngst wurde sie durch eine Studie bestätigt, die TNS Infratest im Auftrag von Microsoft durchführte.

Befragt wurden über 1000 Beschäftigte. Die wichtigsten Ergebnisse: 85 Prozent aller Angesprochenen wünschen sich einen besseren Zugang zu relevanten Informationen. Ebenso viele – 85 Prozent – möchten mehr selbstständige Entscheidungen treffen können. 84 Prozent hätten gerne regelmäßigere Feedbacks von ihren Vorgesetzten. 71 Prozent äußerten den elementaren Wunsch, den viele mit der Digitalisierung und dem mobilen Internet verknüpfen: Sie möchten zeitlich wie örtlich flexibler arbeiten können. Und wie schätzen sie die Realität ein? Nur rund 20 Prozent gaben an, dass sie trotz moderner IT schneller Feedback bekommen beziehungsweise mehr Flexibilität an Zeit und Ort genießen.

Zweifellos gibt die Digitalisierung die Möglichkeit, das Wissen transparenter und die Arbeit flexibler zu gestalten. Die Technik schreitet aber schneller, deutlich schneller voran als der Wandel in den Köpfen der Manager und Führungskräfte. Offenbar fehlt ihnen die Fähigkeit, mehr Verantwortung und Entscheidungsspielräume an Mitarbeiter und Teams abzugeben, obwohl diese viel näher am Markt sind und das „Ohr am Kunden“ haben. Dabei zeigt die Studie keineswegs, dass die Chefs nicht mehr gebraucht würden. Im Gegenteil. Ihre Rolle muss sich verändern.

In Zahlen? Während 85 Prozent aller Beschäftigten selbstständiger arbeiten wollen, erwarten 60 Prozent mehr Unterstützung vom Chef. Kurzum: Der ideale Vorgesetzte ist Coach, nicht Kontrolleur oder Befehlsgeber. In der Infratest-Studie zeigten sich aber ganze 41 Prozent mit ihrem Chef als Coach oder Mentor zufrieden. Das Fazit lautet: Führungskräfte sind gefragter denn je, denn sie müssen mehr können als ihre Mitarbeiter, nämlich anleiten und unterstützen. Und sie müssen mehr lernen als ihre Mitarbeiter. Sie müssen lernen, zu vertrauen.

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Mobile Recruiting. Bewerber top, Unternehmen: Flop.

Bewerber wünschen sich mobil nutzbare Karriere-Seiten. Doch die wenigsten Unternehmen kommen diesen Wünschen entgegen. Das ist bekannt, wird aber von einer aktuellen Studie bestätigt – und genauer untersucht.

Von Jens Kügler

„Fachkraft? Nein danke“ hieß unser Blogartikel erst vor 14 Tagen. Und schon kommt diese Woche die „Wollmilchsau“ (wer das ist? Siehe nächster Absatz) und bringt eine neue Studie heraus. Diese bestätigt: Bewerber und Unternehmen liegen weit auseinander, was Wünsche und Bedürfnisse im Bewerbungsprozess betrifft. Über 70 Prozent der deutschen Bevölkerung nutzen das mobile Internet inzwischen. Und ständig steigt die Zahl derer, die unterwegs nicht nur googeln, shoppen oder Fußballergebnisse lesen wollen, sondern gerne auch so praktische Dinge wie Bewerbungen erledigen möchten.

Wollmilchsau? So heißt eine Digitalagentur für Personalmarketing und Employer Branding. In der jährlichen Neuauflage ihrer Mobile Recruiting Studie untersucht sie die 160 Unternehmen im Dax, TecDax, MDax und SDax im Bezug auf mobile Nutzbarkeit der Online-Seiten für Karriere und Bewerbung. Während 2015 noch nicht einmal die Hälfte aller Unternehmen optimierte Bewerber-Seiten für Mobilgeräte anbot, stieg die Quote laut aktueller Erhebung immerhin auf 61 Prozent. So weit, so gut.

Meistens müssen die Bewerber aber noch erhebliche Barrieren überwinden. Nur bei 56 Prozent der Unternehmen ist die Stellenbörse auf Smartpone-Nutzer angepasst. Die Bewerbungsformulare sind es sogar nur bei 31 Prozent. Und ganze 16 Prozent der Unternehmen bieten Social-Connect-Möglichkeiten. Mit Social Connect stellen die Bewerber Verknüpfungen zu ihren Xing- oder LinkedIn-Profilen her. Statt langer Formulare auszufüllen und Dokumente hochzuladen, können sie ihre persönlichen Kontakt-, Kompetenz- und Lebenslauf-Informationen einfach zum Einlesen freigeben. Mit einem Wisch und Fingertipp.

Viele Online-Karriere-Seiten erleichtern die sogenannte Orientierungsphase mit gut zugänglichen Informationen zu Unternehmen oder Positionen. Aber für die Bewerbungsphase und ihre Prozessschritte sind viele dieser Seiten von der mobilen Nutzerfreundlichkeit noch meilenweit entfernt. Und während diese „halben Sachen“ auf rund 25 Prozent aller Unternehmen zutreffen, die überhaupt mobile Karriere-Seiten anbieten, ist es bei knapp fünf Prozent sogar umgekehrt. Kurioserweise. Bewerbungsformularseiten hui, Orientierungsseiten pfui.

27 Prozent aller Unternehmen mit Mobil-Bewerber-Seiten stuft die „Wollmilchsau“ als Vorreiter ein. Hier fiel alles zur besten Zufriedenheit aus. Die größte Gruppe bilden aber die Nachzügler mit großem Optimierungsbedarf: 30 Prozent. Es wäre interessant, wenn einmal erhoben werden könnte, wie viele potenzielle Bewerber all den Unternehmen verloren gehen … und erst recht denen, die gar nichts von alledem mobil anbieten!

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Die Deutschen: Mit dem Job verheiratet?

Diese Woche wurde eine Studie veröffentlicht. Ihr Thema: Das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Job. Einige Zahlen sind durchaus verblüffend …

Von Jens Kügler

Die Einen quälen Tastaturen, wälzen Akten, bewegen Maschinen oder schrauben Autos zusammen. Andere bauen Bäder, stehen am Herd oder retten sogar Leben. Was sie alle gemeinsam haben: Sie tun dies nicht rein freiwillig. Es sind ihre Jobs. Und die nehmen die Deutschen offenbar tatsächlich so ernst, wie ihnen die Welt im Klischee vom Arbeitstier gern nachsagt.

Genau wissen wollte es ein Personaldienstleistungs-Unternehmen mit dem schönen deutschen Namen ManPowerGroup. Im April befragte es über tausend Personen und veröffentlichte seine Studie jetzt. Welches ist die größte Zahl, die daraus bekanntgegeben wurde?

68 Prozent fänden ihr Leben ohne eine berufliche Aufgabe langweilig. Ein Ausrufungszeichen. Das zweite? Für 59 Prozent aller Befragten sind die Kollegen ein Stück weit „berufliche Familie“. Da erinnere ich mich an einen Schlager aus den 70ern, gesungen von einer Frau: „Dann heirat‘ doch dein Büro. Du liebst es ja sowieso“. Hat sich seitdem nichts geändert? Lebt der Deutsche für seine Arbeit, statt zu arbeiten, um zu leben?

Nicht ganz. 56 Prozent kreuzten an: „Mein wirkliches Leben beginnt nach Feierabend“. Und fast schon südländisch-leger klingt, was 52 Prozent angaben: Wenn ich nicht arbeiten müsste, würde ich morgen aufhören. Morgen aufhören … soso (ich bin gespannt, wie die Studie in Spanien ausgegangen wäre. Dort heißt morgen mañana und bedeutet immer so viel wie: „Morgen komme ich, um Ihren Wasserhahn zu reparieren“, und heißt in Wirklichkeit, er kommt nach Wochen. Oder nie).

51 Prozent aller Deutschen unternehmen nach Feierabend hin und wieder etwas mit den Kollegen. Also doch dem Job treuer als der Familie? Oder gar der Firma treu? Nein. Zumindest nicht alle. 38 Prozent gaben an, sie könnten sich nicht vorstellen, 30 Jahre im selben Unternehmen zu arbeiten, auch wenn der Job Spaß mache. Das ist immerhin gewaltig anders als zu Vaters Zeiten. Bei ihm hängt noch immer der blitzblank gewienerte Zinnteller von Chef und Belegschaft mit der Danksagung zu 50 Jahren Werksangehörigkeit (und er war immer stolz darauf).

Und noch eine Zahl zum Schluss. Für nur 29 Prozent aller Befragten hat Berufliches immer Vorrang. Das Fazit: Bei uns Deutschen geht nichts ohne unseren Job. Aber auch nichts ohne das Freizeitleben. Am Ende sind wir Deutschen widersprüchlicher als wir dachten: ganz normale Menschen eben, die in keine Klischee-Schublade passen. Vielleicht können wir ja darauf ein bisschen stolz sein.

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