Monthly Archives: November 2016

17 Jahre und schon ganz schön weise

Die Älteren unter uns erinnern sich bestimmt an den Chanson „60 Jahre und kein bisschen Weise“. Eine aktuelle Studie über Teenager und ihre Erwartung an die Zukunft legten den Rückgriff auf den alten, selbstkritischen Curd-Jürgens-Titel nahe – in umgekehrter Form natürlich.

Von Jens Kügler

Chillen, Spaß haben, sich selbst verwirklichen? – und sonst nichts? Wer glaubt, dass die „Jugend von heute“ so ticke, liegt offenbar falsch. Was das Thema eigene Zukunft betrifft, da tragen sich die Schüler der höheren Jahrgänge und zukünftigen Berufstätigen mit vernünftig-konservativen, ja nahezu Lieblings-Schwiegersohn-artigen Gedanken – aus Sicht ihrer Eltern. Dies ergab die jüngst veröffentlichte „Jugendstudie #2“ des Datendienstes Statista und des digitalen Jugendmagazins Celepedia. Darin gaben 12.000 Jugendliche aus Deutschland im von 14 bis 17 Jahren Auskunft über ihre Träume, Wünsche und Ängste. Es sind die Angehörigen der sogenannten Generation Z – und ihre Vorstellungen sind erstaunlich „weise“ und realistisch.

Denn, siehe da: Diese Teenager träumen nicht vom Starrummel oder einem Justin-Bieber-Konzert. Sie träumen vom Studieren oder einer Ausbildung. Und sie möchten später einmal eine Familie gründen. 61 Prozent gaben an, dass sie auf jeden Fall heiraten wollen, ganz klassisch. 67 Prozent wünschen sich nicht eines, sondern gleich zwei Kinder. Aber in einem Punkt sind sie ganz sicher moderner als ihre Vorgänger-Generationen. 86 Prozent ließen die Marktforscher wissen, dass jeder auf seine Art leben und lieben dürfen soll, ohne dafür diskriminiert zu werden.

Während also die Schüler von Studium und Ausbildung träumen, hat sich eine andere Umfrage mit den Erwartungen derer beschäftigt, die dieses Ziel bereits verwirklicht haben. In der „World of Work“-Studie ermittelten das Jobportal Monster und die Online-Community Yougov die Wünsche der Generation Y in der Arbeitswelt. Dabei gaben die 18- bis 36-Jährigen ganz konkrete Vorstellungen an. 70 Prozent sagten, sie wissen ganz genau, was sie beim nächsten Jobwechsel suchen. 53 Prozent suchen nach etwas Neuem, Anderen und sind davon überzeugt dass sie dieses Ziel erreichen. Bei einem Jobwechsel wollten sich rund 25 Prozent nicht nur für eine neue Firma, sondern auch für eine neu Branche und einen anderen Aufgabenbereich entscheiden. 13 Prozent spielen sogar mit dem Gedanken, sich als Existenzgründer selbstständig zu machen.

Wer unterstützt die Generation-Y-Arbeitnehmer, auch Millennials genannt, bei ihrer Jobsuche? Das wollten Monster und Yougov ebenfalls wissen. Bei 28 Prozent sind es die besten Freunde, bei 26 Prozent die Partner. Jeweils 23 Prozent setzten ihr Kreuz bei aktuellen und ehemaligen Kollegen. Knapp dahinter folgten bereits die Eltern – mit 22 Prozent. Dies zeigt, dass viele junge Erwachsene auch heute noch den Rat ihrer Mütter und Väter schätzen.

Fazit: Jahrzehnte nach der Zeit der 68er spielt Rebellion gegen Eltern und Establishment offenbar keine Rolle mehr. Und „No Future“ ist auch schon sehr lange passé. Die jungen Menschen setzen sich sehr realistische Ziele, statt die Welt aus den Angeln heben zu wollen. Und was kommt nach den Generationen Y und Z? Da wird unsere Gesellschaft ganz sicher wieder bei einer Generation A beginnen, deren Angehörige auf einer vorgezeichneten Schiene „nach B“ gelangen, um einen alte Werbeslogan der Bahn zu zitieren.

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Gerechtigkeit statt Lehrgeld

Der Lehrling von einst heißt heute Azubi – und das aus gutem Grund. In der modernen Ausbildungswelt hat er Rechte wie ein Arbeitnehmer. Der junge Mensch wird deutlich mehr respektiert und anerkannt als in den sogenannten guten alten Zeit.

Von Jens Kügler

Ein Aufsteiger in die Bundesliga kassiert gegen eine etablierte Mannschaft eine hohe Niederlage. Man spricht in diesem Fall davon, dass er „Lehrgeld zahlen“ musste. Neben dieser Metapher gibt es ein Sprichwort mit Bezug auf die Lehrzeit: Es heißt „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. Nun geht Ersteres auf eine Zeit zurück, in welcher Lehrlinge oder ihre Eltern tatsächlich dafür zahlen mussten, dass sie vom „Meister“ ausgebildet wurden. So, als hätten sie ihn für die Aufsicht und die entgangene Produktivzeit entschädigen müssen. Zum Glück hat sich die Situation verbessert. Lehrlinge werden als produktive Mitarbeiter und angehende Fachkräfte gesehen. Sie werden motiviert und für ihr Engagement entlohnt.

Doch dass „Lehrjahre keine Herrenjahre“ sind, gilt heute wie ehedem. Nur ist es nicht mehr mit Rechtlosigkeit oder sklavischem Unterwürfigkeitsverhältnis gleichzusetzen. Um dies zu verdeutlichen, haben wir im Deutschen das negativ behaftete Wort „Lehrling“ durch den Kunstbegriff „Azubi“ ersetzt. Die Azubis von heute haben Rechte. Und die sollten sie kennen, bevor sie den „geschützten Raum“ Schule verlassen und in die ungewohnte Welt des Arbeitslebens eintreten.

Für jeden staatlich anerkannten Ausbildungsberuf gilt eine bundesweit einheitliche Ausbildungsordnung. Sie schreibt nicht nur vor, welche Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt und erlernt werden müssen. Vielmehr legt sie auch die Rahmenbedingungen fest, unter denen das zu geschehen hat. Diese Regelungen müssen im Ausbildungsvertrag detailliert enthalten sein.

So hat der Azubi das Recht darauf, alle für seinen späteren Berufsstart nötigen Abteilungen zu durchlaufen. Ebenso muss die Dauer der Ausbildung festgelegt sein. In der Regel beträgt sie zwei bis drei Jahre. Selbstverständlich wird auch die Vergütung festgeschrieben. Und wenn der Azubi an einem anderen Ort als dem festgelegten Ausbildungsbetrieb eingesetzt wird, so hat der Arbeitgeber selbstverständlich die Fahrtkosten zu erstatten – gegebenenfalls auch Spesen und Unterbringung.

Welche Regelung wird den Auszubildenden am meisten interessieren – neben dem zu vermittelnden Fachwissen? Natürlich die Arbeitszeiten. Und auch die sind ganz und gar nicht willkürlich! Volljährige Azubis dürfen nicht länger als acht Stunden am Tag arbeiten – zumindest im mittelfristigen Durchschnitt von sechs Monaten. Im Einzelfall darf bis auf zehn Arbeitsstunden verlängert werden, zum Beispiel auftrags- oder saisonbedingt. Das absolute Maximum aber sind 48 Wochenstunden.

Noch nicht volljährig? Da gelten schonendere Konditionen. Minderjährige dürfen nur von montags bis freitags und maximal 40 Stunden die Woche arbeiten. Eine Ausnahme sind Branchen mit Schichtdienst. In denen darf der Azubi auch am Wochenende ran, wenn er den entsprechenden Ausgleich erhält. Und dann wäre da noch die wichtige Frage: Wie viel Urlaub gibt es? Ein Volljähriger hat auf mindestens 24 Werktage pro Jahr Anspruch. Ein 17-jähriger mindestens 25 Tage, mit 16 sind es 27 und unter 16 Jahren 30 Tage. Auch ein Azubi muss sich schließlich regenerieren können. Denn Erholung ist in den Lehrjahren ebenso physisch wie psychisch notwendig wie in den „Herrenjahren“.

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Schaffen „sie“ das nie?

Keine Missis President: Dienstagnacht zerplatze auch ein Frauen-Traum.

Wie sicher wir uns doch waren – bis Dienstag. Waren ins Bett gegangen in dem sicheren Glauben, dass eine Frau bald die mächtigste Position der Welt bekleiden wird. Den Präsidenten-Amtssitz im Weißen Haus! Wir sahen Hillary strahlen und dachten uns: Nach Maggie Thatcher und Angela Merkel lassen jetzt auch die Amerikaner eine Lady ans Ruder. Und dann? Das unerwartete Erwachen. „Er“ ist’s geworden. Einer jener Männer, die scheinbar vor nichts zurückschrecken, wenn es darum geht, sich in den Mittelpunkt zu rücken. Die sich zum Fixstern machen und die Welt um sie herum drehen lassen. Ob diese Wahl einen Fortschritt mit sich brachte, lasse ich mal dahingestellt. Die berühmte „gläserne Decke“, an der Frauen bei ihrem beruflichen Aufstieg oftmals scheitern, hat Hillary jedenfalls nicht gesprengt.

Drehen wir das Rad der Geschichte mal ein ganzes Stück zurück. Etwas sehr Fortschrittliches fand im Januar 1919 statt. Da wurde in Deutschland zum ersten mal ganz frei und demokratisch gewählt. Das Volk stimmte über die verfassunggebende Nationalversammlung ab, die hinterher in Weimar zusammentraf. Daher der Name Weimarer Republik. Das Neue daran: An jenem 19. Januar 1919 durften erstmals auch die Frauen wählen und gewählt werden – davor gingen nur Männer an die Urnen. Und immerhin: Schon fast 10 Prozent aller Weimarer Abgeordneten waren Frauen. Heute besetzen die Frauen übrigens 36,5 Prozent aller Bundestagsplätze. Das ist mehr – aber gerade einmal das Dreieinhalbfache gegenüber dem Parlament von vor fast 100 Jahren. Aber immerhin: bei uns ist die Chefin weiblich. Angela Merkels Kanzlerschaft ist weltweit viel beachtet und damit wohl ein Imagegewinn für Deutschland.

Noch weitaus schlechter als in der Politik sieht es mit Frauen in der Wirtschaft aus. Immer noch. Laut Statista betrug der Frauenanteil in Führungspositionen bei Unternehmen ab 10.000 Mitarbeitern im Juni 2016 nur 16,9 Prozent. Bei Unternehmen mit 101 bis 500 Mitarbeitern waren sogar nur 12,5 Prozent der Vorgesetzten weiblich. Am bestens sieht’s bei den Kleinunternehmen bis 50 Mitarbeitern aus – mit 25,3 Prozent. Der Durchschnitt liegt übrigens bei 22,5 Prozent. Da bleibt noch eine Menge Luft für Fortschritt.

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