Monthly Archives: Februar 2017

Das Wichtigste im Job ist die Chemie

Eine aktuelle Studie offenbart, was für Arbeitnehmer wirklich zählt. An erster Stelle stehen Unternehmenskultur und Management, sprich Führungsqualität.

Von Jens Kügler

Prolog:

„Montag früh ist meine Furie von Chefin wieder da. Puuh … Da kann ich nur sagen: Augen zu und durch. Mund halten, durchhalten bis zum Feierabend“ (eine Bekannte, derzeitige Jobsituation). „Wisst ihr schon? Freitag ist der Chef in Frankfurt! Den ganzen Tag unterwegs. Hurra, kein Brüllen! Kein Anschiss! Den ganzen Tag ruhig und entspannt arbeiten können. Ein Traum …“ (meine Kollegen und ich vor vielen Jahren über einen Choleriker von Chef). „Ich muss mich nur mit der Glocke auf die Straße stellen und läuten, schon habe ich hundert Jobsuchende an der Hand“ (selbiger Chef, unverhohlen drohend).

Hauptteil:

Was macht aus Arbeitnehmern zufriedene Mitarbeiter? Eine kürzlich veröffentliche Studie von Glassdoor offenbarte Unerwartetes. Könnte man meinen. Nicht das Gehalt ist das wichtigste Kriterium für die Arbeitnehmer von heute. Auch nicht die in den jüngsten Jahren so viel beschworene Work-Life-Balance. Es ist die Unternehmenskultur. Sie liegt auf Platz eins. Dicht gefolgt vom Verhalten von Management und Vorgesetzten. Dies sind die wichtigsten Faktoren fürs Arbeitsklima.

Wer sich in den Szenen vom Prolog wiedererkennt, wird sich gar nicht darüber wundern. Für ein besseres Arbeitsklima sind sicherlich viele Menschen bereit, gewisse Abstriche bei Geld und Vergütung sowie Vereinbarkeit mit Privat- und Familienleben zu machen. Trotzdem ist es noch gar nicht so lange her, da galt die schwarze Zahl auf der Gehaltsabrechnung als das wichtigste Auswahl-Kriterium für den Job. Und in jüngsten Jahren hörten wir immer mehr von der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie oder Freizeit, der Work-Life-Balance. Insofern ergab die Studie also doch Erstaunliches. Offenbar hat sich ein Wertewandel eingestellt oder verstärkt.

Die Studie wurde Anfang Februar 2017 veröffentlicht. Ihr Name: „The Workplace Factors That Matter Most to Employees“, zu deutsch – frei übersetzt – die stärksten Faktoren für die Mitarbeiter-Zufriedenheit. Analysiert wurden die Daten von über 600.000 Nutzern der Job-, Recruiting- und Bewertungs-Plattform Glassdoor. Die Nutzer hatten dort zwischen 2014 und Anfang 2017 ihre Arbeitgeber bewertet und Angaben zu ihrem Gehalt hinterlassen.

Das Ergebnis? Unternehmenskultur und Werte führten die Skala mit über 22 Prozent Anteil an der Gesamtzufriedenheit an. An zweiter Stelle lagen mit 21 Prozent Management und Vorgesetzte, von denen man sich nicht nur Sach-, sondern auch Sozialkompetenz wünscht. Platz drei: die Karrieremöglichkeiten mit knapp 19 Prozent. Nach Punkten weit abgeschlagen – auf Platz vier – die Geschäftsaussichten (Business Outlook) mit rund 14 Prozent. Und mit nur jeweils knapp 12 Prozent landeten Work-Life-Balance sowie Vergütung und Zusatzleistungen auf den Plätzen fünf und sechs der wichtigsten Faktoren. Es waren die unwichtigsten.

Im Übrigen spielte die Höhe des Gehaltes eine Rolle bei den Bewertungsergebnissen. Je höher das Gehalt, desto unbedeutender erscheint dieser Faktor den Arbeitnehmern. Sicherlich spielt hier das Gefühl der wirtschaftlichen Sicherheit eine Rolle, das mit besserer Bezahlung steigt. Doch gerade bei den Gutverdienern zählt umso mehr: Die Unternehmenskultur, die Führungsqualität und die Chemie müssen absolut stimmen.

Epilog:

Deutschland in wenigen Jahren. Furien und Choleriker haben nicht nur Unzufriedenheit geerntet. Sie erlebten eine Steigerung – und zwar bei der Fluktuation. Den Kampf um die besten Köpfe haben sie längst verloren. Der Drachen ist tot, die Glocke an der Hand verstummt …

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Zeittöter dingfest machen und verbannen

Die E-Mail-Flut, der falsche Perfektionismus, der unstrukturierte Arbeitsplatz – sie alle bringen uns aus dem Arbeitstakt. Dabei ist Abhilfe so einfach – und die Methoden längst bekannt!

Von Jens Kügler

Lassen Sie sich nicht mehr von E-Mails ausbremsen! Sie kennen das: Sie kommen eine halbe Stunde später ins Büro, halb zehn, und der wichtige Herr Dr. Klöbner hat da „ein paar Unklarheiten zu Ihrer Vorgehensweise“, wie die Betreffzeile verrät. Sofort suchen Sie sich die Argumentationen und Rechtfertigungen heraus, schicken sie raus, vergessen natürlich ein Argument, schicken dies nach, nein, Stopp, Sie halten kurz mit Frau Schwan Rücksprache … und sind dann erst mal völlig aufgekratzt. Obwohl Dr. Klöbner gar nicht am Arbeitsplatz ist und die Beantwortung bis heute Mittag Zeit gehabt hätte. Sie schauen auf die Uhr: 45 Minuten Zeitverlust. Vom eigentlichen Plan für heute Vormittag ist noch nichts erledigt.

Nichts Neues? Na klar: Die Beiträge aus diesem Blog zum Thema „Geben Sie Ihren E-Mails einen klaren Slot“ dürften bald ein Whitebook füllen. Doch sie verlieren nichts von ihrer Richtigkeit. Im Gegenteil. Die „Mailflut“ nimmt zu. Zumal: E-Mails sind immer noch eines der wirksamsten, weil günstigsten Kommunikationsmittel, gerade in Marketing und Werbung. Die zwei oder drei festen Slots von 20 bis 30 Minuten pro Tag für die Mailbearbeitung reichen, da keiner erwartet, dass Sie direkt reagieren. Sonst griffe er zum Hörer.

Gehen Sie in den Mail-Zeitfenstern effizient vor: Öffnen und überfliegen Sie jede Mail nur einmal – und zwar ERST während der Slotphase. Sonst lesen Sie doppelt und verschwenden Minuten. Löschen Sie gleich, was Sie nicht brauchen. Den Newsletter, das Sonderangebot und Anna Blumes Facebook-Status. Leiten Sie gleich weiter, was nicht in erster Linie an Sie gerichtet war. Archivieren Sie, was Sie später noch bearbeiten können. Tragen Sie alles, was länger als fünf Minuten Bearbeitungszeit benötigt, als „to do“ auf Ihren Kalender ein. Übrigens: Was für E-Mails gilt, gilt natürlich auch für Whatsapps und andere Smartphone-Piepser.

Ein kaum weniger bekannter Zeitkiller ist die berühmte 80-20-Regel. Sie besagt, dass wir mit nur 20 Prozent unseres Zeiteinsatzes rund 80 Prozent unserer Aufgaben erledigen. Umgekehrt widmen wir also 80 Prozent unserer Zeit den unproduktiven 20 Prozent „Performance“. Was kann man tun? Einen Prozess zum Delegieren bestimmter Tätigkeiten einführen – zum Beispiel. Ein Visionär ist kein Erbsenzähler, ein Verkäufer kein Buchhalter. Allzu häufig ist der gesamte Perfektionismus bis ins Detail auch gar nicht notwendig.

Einen weiteren Tipp hat uns schon die Lehrerin in der ersten Klasse mitgegeben. Auf dem Schreibtisch, am Arbeitsplatz, hat „alles an seinem Platz“ zu liegen. Taichii Ohno, Erfinder des Lean Management, hat dieser Methode die Bezeichnung 5S gegeben und sie mit in seinen Katalog an Empfehlungen für die schlanke Produktion aufgenommen. 5S wird im Deutschen mit Sortieren, Systematisieren, Säubern, Standardisieren und Selbstdisziplin übersetzt. Es betrifft die Anordnung und den Zustand aller Arbeitsgeräte und Papiere – vom Kugelschreiber bis zur Eingangsrechnung. Was für Desktop gilt, zählt hier natürlich ebenso für Ablage, Werkzeuge und PC-Verzeichnisse. Wer nur daran denkt, wie lange er letzte Woche nach Dr. Klöbners Lieferscheim vom August gesucht hat, ahnt, wie wie Zeit sich allein durch 5S und Disziplin gewinnen (und wie viel unnötiger Stress sich abbauen) lässt!

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Fluch und Segen der „freien Platzwahl“

Viele träumen von der Arbeit ortsungebunden und fernab vom Büro. Doch sind Homeoffice oder digitales Nomadentum für jeden wirklich das Beste?

Von Jens Kügler

Morgens um acht. Ich öffne mein Notebook im Bäckerei-Café. Aktiviere die Hotspot-Funktion meines Handys. Lese meine Mails, formuliere ein Angebot. Trinke dabei gemütlich eine Tasse Kaffee im netten Ambiente mit Aroma-Düften und nehme gleich die Brötchen fürs Büro mit. Nebenan treffe ich um neun einen Kunden. Danach um halb elf geht’s ins Büro. Die Dateien von heute morgen sind über die Cloud längst synchronisiert worden, sodass ich sie am großen Rechner gleich weiter bearbeiten kann.

Mittags um halb eins. Herrlichster Sonnenschein. Statt eine Mittagspause zu machen, verstaue ich mein kleines 10-Zoll-Notebook in der Fahrradtasche und fahre zum Biergarten am See. Für sechs Stunden Arbeit reichen die Akkus dieser kleinen Geräte allemal. Und da es in jedem Hotel längst WLAN gibt, ermöglicht mir das knapp 1 kg leichte „Teil“ das Arbeiten auch beim nächsten Kurzurlaub in Venedig.

Mit dem Büro im Rucksack kann ich mich wohl zu den digitalen Nomaden zählen, die von überall aus arbeiten. Natürlich hat die Sache auch einen Haken. Wer fernab von seinen Kollegen arbeitet und dabei um die Welt jettet – oder auch nur zum See radelt –, verliert die sozialen Kontakte zu den anderen Mitarbeitern im Unternehmen, wenn er nicht ohnehin Freiberufler oder anderweitig „Einzelkämpfer“ ist.

Gleiches gilt für Heimarbeiter: Nicht für jeden von uns ist der Arbeitsplatz im privaten Umfeld außerhalb der Firma das Richtige. Damit meine ich nicht nur diejenigen, bei denen es rein berufsbedingt nicht funktionieren kann – etwa bei Jobs in der Produktion, im direkten Kundenkontakt oder beim Umgang mit geheimen oder sensiblen Daten. Viele Menschen brauchen ganz einfach feste Bezugspunkte. Dazu kann der Büroarbeitsplatz samt Austausch mit den Kollegen zählen. Mir geht es genauso: Um nicht den ganzen Tag lang allein zu sein, habe ich mich in ein Coworking-Office eingemietet. Zuhause in einem reinen Arbeitszimmer hatte ich Schwierigkeiten, Freizeit und Arbeit zu trennen.

Erfolgreich zuhause arbeitet nur, wer diszipliniertes Zeitmanagement praktizieren und seinen Tag perfekt selbst organisieren kann. Arbeit und Freizeit-Beschäftigungen brauchen klare Slots. Und so vorteilhaft wie das Homeoffice für die Work-Life-Balance ist: Es kann Stress verursachen, wenn man sich von Familie, Kindern, Fernsehen und sonstigen Freizeitaktivitäten dazwischen funken lässt.

Für viele Menschen erscheint Heimarbeit natürlich als die perfekteste aller Lösungen. Damit meine ich nicht nur Eltern mit Kindern, sondern gerade die älteren Arbeitnehmer. Menschen ab 50 oder 55 Jahren schätzen Bequemlichkeit, schon alleine aus gesundheitlichen Gründen. E-Mails lassen sich auch auf dem Sofa oder Ruhesessel beantworten. Im Fall von Erkältungskrankheiten kann das eigene Bett mit einem Frühstücks-Tablett den Arbeitstisch ersetzen. Längst stellt sich die Möbelindustrie auf ältere Homeoffice-Arbeiter ein und bietet entsprechend optimierte Sitzgelegenheiten mit Steckdosen fürs Notebook.

Daher das abschließende Fazit zum Thema Home-Office: Es ist wichtig, dass die Ergonomie stimmt. Denn längst nicht jeder Heimarbeitsplatz ist fachgerecht nach der geltenden Arbeitsstättenverordnung eingerichtet.

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Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Digitale Nomaden liegen mit ihrem Notebook lässig in der Sonne. Oder sie sitzen gemütlich im Café, während ihre Kollegen im Büro ackern und schwitzen. Diese Form der Zukunft des Arbeitens ist kein Traum mehr. Sie hat längst begonnen.

Von Jens Kügler

Im Frühjahr 2015 hatte mich ein Kunden-Unternehmen zu einem Seminar in ein schönes, abgelegenes Strandhotel bei Palma de Mallorca eingeladen. Ein anderes Unternehmen benötigte gerade in jenen Tagen regelmäßig Arbeiten von mir, mit etwa zwei bis drei Stunden Aufwand pro Tag. Beides war ohne Weiteres zu erledigen: Nach den Seminarstunden am Vormittag waren die Nachmittage für die Teilnehmer zur „freien Verfügung“. Anfangs hat es mich genervt, dass die anderen am Strand oder Pool lagen oder Rundfahrten über die Insel unternahmen, während ich mit meinem Notebook auf dem Balkon saß und per Word, Web und W-LAN meiner Auftragsarbeit nachging.

Doch mit der Zeit gefiel mir der Gedanke immer besser: Ich sitze hier, bei 22 Grad Celsius (Ende März!) und strahlend blauem Himmel, blicke auf die Bucht von Palma, die Palmen, die Yachten und die Berge … und dies ist mein Arbeitsplatz! Mir wurde klar: Eigentlich muss ich gar nicht ins winterkalte Deutschland zurück. Meine Arbeit erfordert keine Anwesenheit an einem festen Ort. Ohne es geplant zu haben, war ich für einige Tage zum digitalen Nomaden avanciert. So nennt man das heute, wenn sich Menschen aufgrund der elektronischen Verbindungen ortsunabhängig machen und von überall aus arbeiten. Sei es in Palma, Paris oder Pattaya.

War ich „avanciert“ – erst jetzt? Nein, eigentlich hatte ich mich ja schon seit Jahren an schönen Tagen immer in den Englischen Garten begeben, seit es Handy und Laptop gab. Oder ich war mit dem Rennrad Richtung Ammersee-Strand gestartet. Es muss nur ein Mobilfunk-Netz vorhanden sein, dann kann jede Strandliege zum Büroplatz werden. Ein Texter-Kollege von mir lebt und arbeitet im brasilianischen Bahía. Ein Kunde – ebenfalls Deutscher – beauftragt mich von Québec-Stadt aus, ein anderer aus Nîmes in Südfrankreich. Zu beachten ist manchmal nur der Zeitunterschied. Die „Amerikaner“ beantworten ihre E-Mails eben „bei Nacht“.

Ist das ortsunabhängige Arbeiten nur etwas für Freelancer und anderweitig Selbstständige? Nein. Immer mehr Arbeitnehmer wünschen es sich ebenfalls. Und immer mehr Unternehmen bieten ihnen die Möglichkeiten dazu. In deutschen Arbeitsverträgen ist oft von Telearbeit die Rede. „Wertewelten Arbeiten 4.0“ – so heißt eine Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales aus dem Jahr 2016. Darin gaben 93 Prozent der Befragten an, dass es ihr größter Wunsch bei der Arbeitsplatzgestaltung der Zukunft sei, ihre Arbeitszeit und ihren Arbeitsort selbst bestimmen zu können. Laut Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ermöglicht bereits jedes dritte Unternehmen seinen Mitarbeitern die Tätigkeit zuhause oder am Ort ihrer Wahl. Bei den Großbetrieben ist es sogar schon jeder zweite.

Ganz neu ist das ortsunabhängige Arbeiten freilich nicht: So fanden beispielsweise Künstler oder Schriftsteller ihre Inspiration schon immer in Cafés oder in der freien Natur. Über Hemingway sagt man, er schrieb berühmte Werke in seiner Lieblings-Mojito-Bar in Havanna. Das heutige Ausmaß der Arbeitsplatz-Freiheit ist natürlich erst durch die Digitalisierung möglich. Dieses Phänomen sowie die Vor- und Nachteile dieser Freiheit möchte ich in meinem Beitrag nächste Woche etwas näher beleuchten. Nur soviel vorab: Auch als Arbeitnehmer kann man heute eingebunden und finanziell abgesichert und dennoch frei und ortsungebunden sein.

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