Monthly Archives: März 2017

Bye bye, Montag-Morgen-Blues

Heute früh bleib die Unlust einfach aus. Und statt mit Wehmut übers vergangene Wochenende an die Arbeit zu gehen, freute ich mich nur darauf. Wie das passierte?

Von Jens Kügler

„Hoch die Hände, Wochenende!“. Dies hatte mir eine Kundin gemailt, nachdem ich am Freitag – einem außergewöhnlich turbulenten Freitagnachmittag – Ihren Text-Auftrag nicht mehr rechtzeitig bis zu ihrem Feierabend fertigstellen könnte. Mit ihrem Spruch signalisierte sie mir: Es hat Zeit bis Montag früh, genieß jetzt Deine Freizeit! Denn der Text sollte ohnehin erst Montag oder Dienstag online gehen. Vielleicht hatte sie die Mail aus der Erkenntnis heraus verfasst, dass der Text umso besser würde, wenn ich ihn Montag früh entspannt statt Freitagabend abgehetzt vollende.

Tatsächlich schaltete ich den Mac am Abend aus – nicht ganz verrichteter Dinge –, und traf mich mit Freunden. Samstag und Sonntag genoss ich mit lieben Menschen ausgiebig das erste frühlingshaft sonnige Wochenende in dieser südlichsten aller deutschen Landeshauptstädte. Der Textauftrag konnte ja bis Montag warten!

Der Text? Ich sollte die Firmengeschichte eines spannenden, weil visionären und innovativen Unternehmens für deren neue Website verfassen. Das Lieblingsthema für einen Hobbyhistoriker und Geschichtenerzähler! Ergo setzte ich mich mit Freuden am heutigen Montag früh an die Vollendung dieser Geschichte. Ich hatte mich während all der Wochenend-Genüsse ein bisschen auch auf diesen Moment gefreut: Montag nach dem Sonnenaufgang unter strahlend blau werdendem Himmel ins Büro gehen. Den Mac mit schöner klassischer Musik hochfahren. Die Espressomaschine mit Bohnen befüllen und ihre duftverströmende und Erfrischendes produzierende Arbeit verrichten lassen. Dann die letzten Sätze dieser spannenden Firmenhistorie vollenden, die Mail abschicken, den Dank entgegennehmen. Den Job vom Kalender streichen – als gelungen und erledigt!

Da fiel mir wieder ein, was mir eine Bekannte einmal geraten hatte. Sie ist von Beruf Psychotherapeutin und ich sprach mit ihr über das Thema, wie ich mich an einem Montagmorgen motivieren könnte. An den potenziell unschönsten Stunden der Woche also. Was sie mir riet? Starte in die Woche, ja am besten jeden einzelnen Arbeitstag, mit einer Arbeit, die Du liebst und die Dir leicht fällt. Sofern möglich! Versuche, jedwede Problemlösungen und alle Entscheidungen mit Tragweite erst dann zu treffen, wenn Du a) in die Arbeitsroutine gefunden hast und b) über die meiste geistige wie körperliche Spannkraft verfügst. Sprich, am Vormittag, nach der Mittagspause, nach den ersten Erfolgserlebnissen des Tages oder der Woche.

Heute früh ist mir klar geworden, wie richtig und wichtig dieser Rat war. Ich habe immer dazu geneigt, das scheinbar Wichtigste und am dringendsten Oktroyierte zuerst vom Tisch zu kriegen. Das, worauf man am wenigsten Lust hat – nach einem Motto wie: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Aber Prioritäten muss man anders setzen, wenn man wirklich motiviert sein will. Gegen den Montag-Morgen-Blues soll bei mir in Zukunft zuerst die Gute-Laune-Tätigkeit auf dem Kalender stehen, wann immer es möglich ist. Was bringt es mir, wenn ich mich zum Sklaven einer Planung nur nach Zwängen mache? Vielleicht den Burnout, irgendwann. Nein, da beherzige ich doch lieber diesen Rat, der funktioniert, wie ich heute morgen festgestellt habe.

Welche weiteren Strategien haben wohl andere Menschen entwickelt, um die Woche mit Motivations-Schüben zu starten?

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Arbeitslosigkeit trotz Job-Rekord. Was tun?

27 Jahre nach der Einheit ist Deutschland geteilt wie nie. Hier ein Fachkräftemangel höher denn je, dort immer noch ein großes Arbeitslosenheer. Ein Paradies für Jobsuchende? Nein, ein gesellschaftliches Paradoxon. Ein Ausweg ist Qualifikation.

Von Jens Kügler

Deutschland 2017: Der Arbeitsmarkt steht Kopf. Auf der einen Seite gibt es – obwohl dies ein historisches Minus darstellt – immer noch 2,7 Millionen Arbeitslose und gut sechs Millionen Hartz-IV-Empfänger. Auf der anderen Seite sind so viele Stellen offen wie noch nie. Für das vierte Quartal 2016 haben Marktforscher aus dem Umkreis der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg die Zahl von über 1,04 Millionen unbesetzten Arbeitsplätzen ermittelt. Ursache ist das starke deutsche Wirtschaftswachstum. Und dieses Wachstum ist durch eben diese unbesetzten Stellen gefährdet. Wie passt das zusammen?

Neben dem Export boomt in Deutschland auch die Binnennachfrage. Das heißt, viele Unternehmen bleiben förmlich auf Aufträgen sitzen, die sie nur mit zusätzlichem Personal bewältigen könnten. Übrigens nimmt „uns Deutschen“ auch kein Immigrant irgendwelche „Arbeitsplätze weg“, wie Rechtspopulisten gern schimpfen. Im Gegenteil. Die Flüchtlinge sorgen sogar für einen Boom, anstatt der Untergang des Abendlandes zu sein. Um sie zu betreuen, sind zehntausende an Stellen geschaffen worden.

Doch in der Tat bremst der Fachkräftemangel das Wirtschaftswachstum aus. Denn während eine offene Stelle Anfang 2010 im Mittel nach 70 Tagen besetzt war, benötigten die Unternehmen im vierten Quartal 2016 durchschnittlich 85 Tage dazu. Nur spekulieren lässt sich darüber, wie hoch die Mehrkosten der Bewerbersuche und vor allem der betriebs- und volkswirtschaftliche Schaden durch die Auftragsverluste ausfallen.

Für viele Bewerber klingt das alles zunächst gut. Selbst die Zweitbesten haben plötzlich eine Chance. Und Menschen über 50 sehen wieder Perspektiven. Denn im High-Tech-Land Deutschland werden gut ausgebildete und erfahrene Fachleute gesucht. Nur sie können die immer komplexeren Dienstleistungen für immer anspruchsvollere Kunden durchführen. Langzeitarbeitslose werden durch diese Entwicklung umso weiter abgehängt. Ihre Chancen sinken.

Dazu passt auch eine andere Zahl, quasi die Kehrseite der Jobwunder-Medaille. Tatsächlich war im Jahr 2015 nur jede zweite ausgeschriebene Stelle wegen Mehrbedarfs neu geschaffen worden. Rund ein Drittel aller offenen Stellen waren durch den Abgang der bisherigen Mitarbeiter neu zu besetzen. Denn in Boomzeiten nutzen die Angestellten ihre höheren Aufstiegschancen und wechseln deshalb häufiger den Job. Für die neu zu besetzenden Stellen suchten die Arbeitgeber natürlich nur Menschen mit entsprechender Qualifikation.

Ergo sind es nicht die Arbeitslosen, die um die offenen Stellen konkurrieren. Im Rennen bleiben allein die Berufskollegen. Sprich, die Qualifizierten, die Joberfahrenen. Übrigens galt Ähnliches schon in der Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er-Jahre, die in Deutschland bekanntermaßen in die Nazidiktatur mündete. Die Masse der über sechs Millionen Arbeitslosen des Jahres 1932 bildeten die ungelernten Arbeiter an den Fließbändern. Die verhältnismäßig wenigen Facharbeiter und Angestellten waren weitaus weniger betroffen.

Heute gilt nach wie vor und umso mehr: Ausbildung, Weiterbildung, Lernen. Wir müssen heute das ganze Leben lang lernen. Auch der 60-Jährige muss seinen PC beherrschen und das Internet nutzen. Das ist nicht nur seine Chance. Das ist die Chance für uns alle. Ein Plädoyer für die Bildung.

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Wie wird man Unternehmenskulturschaffender?

Eine Firma ist mehr als die Summe ihrer Köpfe. Sie muss Werte verkörpern. Und diese Werte entstehen keinesfalls zufällig. Sie sind „machbar“.

Von Jens Kügler

Wie vorletzte Woche bereits thematisiert, steht die Unternehmenskultur laut einer aktuellen Glassdoor-Studie an erster Stelle der Arbeitnehmerwünsche. Sie beeinflusst die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter am allermeisten – noch vor Gehalt oder Work-Life-Balance. Doch damit ist auch klar: Wer keine positiv gelebte Unternehmenskultur pflegt, muss sie schaffen, um die besten Köpfe zu gewinnen. Nur wie?

Ein toller Slogan, ein paar schön arrangierte Teamfotos und Bekenntnisse in der Imagebroschüre – all das reicht definitiv nicht aus. Der gute Wille leider auch nicht. Basis ist eine Unternehmensvision, die „gelebt“ wird. In einem KMU – und das sind 99 Prozent aller deutschen Betriebe – muss der Gründer, Chef oder Inhaber die Vorbildfunktion persönlich einnehmen und seine Begeisterung auf die Mitarbeiter übertragen.

Nehmen wir das Beispiel einer nicht mal durchgängig positiv beleumundeten Branche: der Makler. Ich kenne Makler, die stolz auf ihren Beruf sind. Weil sie mit ihrer Tätigkeit, passende Häuser und gesuchten Wohnraum zu vermitteln, ihren Kunden Lebensträume erfüllen. Zumindest aber ihre Lebenssituation verbessern. Und weil sich diese Makler durch Redlichkeit und überdurchschnittliche Kundenorientierung bewusst und deutlich von ihren manchmal mit dem Ruf des Abzockens belasteten Berufskollegen abheben. Ich kenne von der eigenen Wohnungssuche her Maklerbüro-Mitarbeiter, die mir den Eindruck vermittelt haben, sie könnten der Chef persönlich sein, so begeistert schilderten sie mir die Vorzüge der gezeigten Wohnungen. Warum kann das nicht auch der Sanitärinstallateur „leben“, der mir mein schönes neues Bad eingerichtet hat?

Stolz, Überzeugung und Unternehmensvision und die Antwort auf die Frage: Warum tun wir, was wir tun? – das ist die wichtigste Basis für eine Unternehmenskultur. Aber es gibt auch konkrete Maßnahmen, um eine Kultur zu verankern. Mitarbeiter lieben das Gefühl, in die Entscheidungsfindung involviert, zumindest aber um ihre Meinung gefragt zu werden. Sprich, durch Einbindungen oder Feedback-Gespräche fühlen sich die meisten Arbeitnehmer deutlich mehr wertgeschätzt als mit „einsamen Entscheidungen“ über ihre Köpfe hinweg, selbst wenn dies das gute Recht eines Firmeneigentümers oder Existenzgründers und damit das gute Recht des unternehmerischen Risiko-Trägers ist.

Wie die bereits erwähnte Glassdoor-Studie offenbarte, liegen Karrieremöglichkeiten ebenfalls ganz vorne in der Beliebtheitsskala der Arbeitnehmer. Wer seinen Mitarbeitern Fortbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten gibt, fördert ihre Loyalität und stärkt somit das Wir-Gefühl seines Teams. Was sich auch immer wieder als wirksam erwiesen hat, sind Anerkennungen, die nicht zwangsläufig mit Aufstiegen oder Gehaltserhöhungen einhergehen müssen. Jede Form der persönlich ausgesprochenen und ehrlich gemeinten Anerkennung durch den Chef gibt dem Mitarbeiter das Gefühl, wichtig zu sein. Wer ist schon gern entbehrlich?

Ist der „Boss“ als Vorbild wirklich alles? Keineswegs. Ebenso wichtig sind die Mitarbeiter selbst. Sie müssen die Werte des Unternehmens teilen. Bei der Mitarbeiter-Rekrutierung sollte nicht nur auf Lebenslauf und Fachkenntnisse geachtet werden. Psychometrische Persönlichkeits-Tests lassen Rückschlüsse auf Charaktereigenschaften, persönliche Haltungen und Ziele zu. Es ist wesentlich, dass Kandidat und Kultur zueinanderpassen. Denn wer die Werte des Unternehmens nicht teilt, wird keine Loyalität entwickeln können. Nach drei, spätestens sechs Monaten ist der Mitarbeiter weg oder gekündigt und die Position wieder vakant. Was können Unternehmer tun, die sich die ständige intensive Suche ersparen und ihr Team vor ständigen Rückschlägen bewahren möchten? Sie sollten in Recruitment und Fortbildung ebenso wie in Marketing oder Forschung und Entwicklung investieren.

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Gleichberechtigung ist machbar

Zu wenig Frauen in Führungspositionen – das ist Realität 2017. Aber nicht für die Ewigkeit zementiert. Das zeigt ein kleiner Blick über den Tellerrand.

Von Jens Kügler

Reykjavik, Island, 9. März 2017. Keine Finanzkrise, kein Asche speiender Vulkan mit unaussprechlichem Namen: Es war etwas Fortschrittliches, ja Vorbildliches, das aus dem kleinen, rund 330.000 Einwohner zählenden Inselstaat in die Welt drang. Eine Nachricht – fast so sensationell wie der Erfolg der isländischen Herren bei der Fußball-Euro 2016. Diesmal aber für Frauen.

An diesem Mittwoch beschloss die isländische Regierung ein Gesetz. Es zwingt öffentliche wie private Unternehmen dazu, Männern wie Frauen – und überhaupt allen Arbeitnehmer/innen – in gleicher Position exakt den gleichen Lohn zu zahlen. Bis 2022 soll diese Gleichheit vollständig verwirklicht sein. Island ist damit der erste Staat der Welt, der gleiche Löhne per Gesetz einführt. Schon seit Jahren liegt das Vorreiterland im hohen Norden ständig ganz oben – auf Platz eins des Global Gender Gap Index. Frauen verdienen auf Island derzeit „nur“ 14 bis 19 Prozent weniger als Männer. In Deutschland liegt dieser Wert mit rund 21 Prozent deutlich höher.

Der Zeitpunkt des isländischen Regierungsbeschlusses war kein Zufall. Er fiel praktisch mit dem Weltfrauentag am 8. März zusammen. An diesem Tag wird alljährlich auf die Ungleichbehandlung hingewiesen – vor allem durch die Veröffentlichung von Studien. Eine aktuelle Umfrage von Ipsos ergab, dass rund 63 Prozent aller Deutschen einen Mangel an sozialer, politischer und wirtschaftlicher Gleichberechtigung für Frauen erkennen. Eine andere Studie legte die Wirtschafts-Auskunftei Bürgel vor. Sie analysierte mehr als 2,8 Millionen Führungspositionen in rund 800.000 deutschen Unternehmen. Dabei handelte es sich um Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichtsräte und Firmeninhaber. Das Ergebnis: Nur 22,5 Prozent dieser Positionen werden von Frauen bekleidet. Dies sind kaum mehr als im Vorjahr 2015: Damals waren es 22,4 Prozent.

Zwei Hauptgründe nennt die Studie für die geringe Frauenquote. Einmal die Dominanz der Männer in den entscheidenden Gremien. Dann die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dabei zeigt das Beispiel Island, dass diese Probleme offensichtlich lösbar sind. Selbst in Deutschland tun sich regionale Unterschiede auf, wie die Bürgel-Studie ebenfalls offenbart hat. Hier liegt nämlich der Osten klar vor dem Westen! Spitzenreiter ist das Bundesland Brandenburg mit über 26 Prozent Frauen in Führungspositionen. Alle anderen ostdeutschen Länder liegen mit 24 bis 26 Prozent ebenfalls deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Letzter in der Liste ist übrigens das wirtschaftlich so starke Baden-Württemberg im Südwesten mit gerade einmal 20 Prozent.

Sicher hängt dieses bessere Abschneiden Ostdeutschlands immer noch damit zusammen, dass in diesen Bundesländern schon seit DDR-Zeiten eine hundertprozentige Versorgung mit Kindergartenplätzen staatlich gewährleistet war und dadurch bis heute praktisch ist. Diese „Errungenschaft des Sozialismus“ war freilich dem eklatanten Fachkräftemangel geschuldet, den der SED-Staat hatte. Hochqualifizierte Personen hatten in dem Staat mit seinem Ideal einer klassenlosen Gesellschaft kaum große Karriere- und Verdienstchancen. Gerade die „Besten“ waren deshalb massenhaft in den Westen geflüchtet. Der Staat brauchte die Arbeiterinnen und schuf ihnen die Infrastruktur zur Versorgung ihrer Familien.

Dies zeigt aber doch erst recht, dass die Ursachen für die Un-Gleichberechtigung lösbar sind … mit ein bisschen mehr Ostdeutschland für den Westen und ganz viel Island für die Welt.

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