Monthly Archives: April 2017

Haben jugendliche Gründer keine Chance?

In Deutschlands Schulen und Elternhäusern herrscht ein eher gründungsfeindliches Klima, wie eine Studie ergab. Teenager mit Geschäftsideen müssen Widerstände überwinden und selbst aktiv werden, wenn sie nach Menschen suchen, die sie unterstützen.

Von Jens Kügler

Der Mittelstand prägt die deutsche Wirtschaft. Wir sind ein Land der KMUs und nicht der Konzerne. Der sogenannte Unternehmergeist muss also weit verbreitet sein – sollte man meinen. Eine Studie des Deutschen Digitalverbandes Bitkom aus dem Herbst 2016 scheint das Gegenteil zu belegen. 64 Prozent aller Lehrer würden ihren Schülern von einer Existenzgründung abraten! Vielleicht ist dies nicht weiter verwunderlich bei Menschen, die sich bewusst für eine Beamtenlaufbahn entschieden haben. Aber bei den Eltern sieht es nicht besser aus, im Gegenteil. Sechs von zehn Eltern würden ebenfalls sagen: Kind, gründe lieber kein eigenes Unternehmen. Such dir einen sicheren Job!

Eine solche Gesellschaft motiviert nicht gerade zum Schritt in die Selbstständigkeit. Immerhin, es gibt vereinzelt Gründer-Planspiele oder Wettbewerbe, aber meist nur auf Schulen. Angesichts der Gründer-Skepsis der Lehrer bleiben diese leider Ausnahmen. Indes: Auf eine hervorragende Initiative bin ich bei der Recherche auf dem Portal Franchise-Treff gestoßen. Dort stellen die Autoren Verena Iking und Steffen Kessler immer wieder interessante KMU-Themen und Artikel zu Geschäftsideen oder Fördermaßnahmen ein, so auch einen Beitrag über die Initiative STARTUP TEENS.

Auf startupteens.de werden 14- bis 19-Jährige gezielt dazu aufgerufen, ihre eigenen Ideen zu verwirklichen und ein Unternehmen zu gründen oder eine Unternehmens-Nachfolge anzutreten. In Online-Trainings und auf Events lernen die Jugendlichen kostenlos, unternehmerisch zu denken und zu handeln. Über 200 Mentoren beraten die Jungunternehmer in spe und stellen ihnen ihr Know-how zur Unternehmensgründung zur Verfügung. Die Berater sind Unternehmer, Manager oder IHK-Vertreter. In einem Business-Plan-Wettbewerb können die Teilnehmer bis zu 10.000 Euro für ihre Geschäftsidee gewinnen. Offensichtlich ist die Anmeldung jedoch auch hier nur über die Schule möglich. Bleibt zu hoffen, so schließt Verena Iking ihren Beitrag, dass möglichst viele Schüler von der Initiative etwas mitbekommen.

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Keine Angst vorm Boss auf Facebook

Eine aktuelle Studie für Bewerber zeigt: Die Auftritte in den sozialen Netzwerken sind den Personalverantwortlichen nicht so wichtig. Jedenfalls – nicht so wie vielfach befürchtet. Noch nicht …

Von Jens Kügler

Hieß es in den letzten Jahren nicht immer wieder: „Bewerber, nehmt Eure peinlichen Party-Bilder raus. Die Chefs spionieren auf Facebook oder Instagram – und dann gute Nacht, Traumjob“. Gut, dass wirklich einmal jemand genauer nachgefragt hat: die Unternehmensberatung Kienbaum und das Staufenbiel Institut für Studien- und Berufsplanung nahmen sich des Themas an. Gemeinsam haben sie Anfang April eine Studie veröffentlicht unter dem Titel „Jobtrends 2017 – was Berufseinsteiger wissen müssen“. Dabei befragten die Marktforscher weltweit rund 300 Unternehmen mit insgesamt über fünf Millionen Mitarbeitern.

Das Ergebnis zum Thema Online-Ckecks? Nur drei Prozent aller Chefs und Personaler sehen sich ihre Bewerber auf Facebook an. Und ganze sechs Prozent gaben an, immer auch zu googeln, wenn eine Bewerbung vorliegt. Bei den Online-Checks liegt Googeln mit knapp 50 Prozent aller Fälle ganz oben – und da mag die eigene Website oder die Präsenz auf Xing oder LinkedIn wichtiger sein als das private Gedöns auf den anderen sozialen Netzwerken. Wer dort nichts absolut Entstellendes zeigt, muss sich wohl keine großen Sorgen machen.

Absolute Entwarnung? Nein, nicht ganz. Denn bei jenen Chefs, die online checken, disqualifiziert sich jeder zehnte Kandidat durch seine digitalen Auftritte. Also im Zweifelsfall doch lieber genauer überlegen, was man postet. Zumal: Die Entgleisungen auf Facebook oder Instagram sieht die mögliche neue Freundin/der neue Freund ja ebenfalls. Und bei den Personalern? Da dürfte die Zahl und Bedeutung der Online-Checks ganz sicher eher zunehmen statt abnehmen.

Natürlich haben sich Kienbaum und Staufenbiel keinesfalls nur mit der Frage der sozialen Netzwerk-Präsenzen befasst. Die Studie hat weitere hochinteressante Ergebnisse hervorgebracht. Zum Beispiel, dass 40 Prozent der Personaler sich für die erste Prüfung einer Bewerbung nur fünf Minuten Zeit nehmen – oder weniger. Ein weiteres Resultat lautet: Praxis schlägt Note – auch bei Studienabsolventen und Berufsstartern. Über 80 Prozent aller Personalverantwortlichen gab an, dass ihnen die Erfahrung aus möglichst vielen Praktika (hört, hört!) wichtiger sei als der Titel und die Abschlussnote des Regelstudiums. Mein Tipp: Einfach mal die Studie „online checken!“.

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Tief abgestürzt und wieder aufgestanden

In Deutschland darf man fast alles. Nur nicht scheitern. Und möglichst auch nicht viel riskieren. Warum nur?

Von Jens Kügler

Es war mitten in der New Economy-Zeit, weit vor dem Zusammenbruch des Marktes, der „Dotcom-Blase“ im Frühjahr 2000. Da hatte mich ein Startup-Unternehmen unter Vertrag genommen, das nichts Geringeres als Weltmarktführer im Online-Shopping werden wollte. Dafür hatten ihm die Banken dreistellige Millionenkredite geliehen. Vor dem geplanten Börsengang konnten wir, die Mitarbeiter der „ersten Stunde“, uns Aktienoptionen sichern. Jedem standen zehntausende von Aktien zum Kaufpreis von rund drei Euro zu. Man rechnete damit, dass sich der Ausgabepreis binnen kürzester Zeit vervielfachen würde – wie damals die Yahoo-Aktie – und wir alle damit reich werden könnten.

Ich in meiner Vorsicht wollte natürlich kein Risiko eingehen und kaufte nur so viele Optionen, dass von meinen liquiden Mitteln noch eine eiserne Notreserve verblieb. Obwohl auch ich vom Erfolg des Unternehmens überzeugt war. Mein geschätzter Kollege und Tischnachbar P. griff zu: nahm sich Kredite auf und kaufte das Gesamtpaket. So wie viele andere „Verrückte“ auch. Damals beneidete ich ihn um seinen Mut. Später bedauerte ich ihn. Denn die Pleite des Unternehmens ließ mich nur in etwa so viel Geld verlieren, wie ich in einem Jahr dort als Gehalt verdient hatte. Er saß mit seiner jungen Familie auf einem Schuldenberg, der manchen in den Suizid getrieben hätte.

Ich weiß nicht, wie er es geschafft hat. Aber seine Schulden konnte er tatsächlich peu à peu mindern. Es gelang ihm sogar, ein Unternehmen in der Kommunikationsbranche aufzubauen, mit dem er heute erfolgreich am Markt agiert. Den Traum vom großen Reichtum erfüllt er sich damit sicher nicht. Aber er hat den Kampf angenommen, als er kämpfen musste. Und offensichtlich hat er gelernt, selbst eine scheinbar aussichtslose Lage zu meistern.

Neulich las ich über eine Studie der Universität Michigan. Die Marktforscher hatten herausgefunden, dass Unternehmen mit einer Kultur der Fehler-Vergebung weniger krisenanfällig sind. Trial and Error ist offensichtlich ein Erfolgsmodell. Wenn die Mitarbeiter etwas wagen und damit auch scheitern dürfen, trauen sie sich, innovativ zu sein. Dies bringt die Unternehmen letztlich voran. Wir Menschen machen Fehler, treffen falsche Entscheidungen, ja, machen vermeintliche „Dummheiten“ – und werden hierzulande dafür nicht selten geächtet. Mein ganzer Respekt gilt einem wie P., der stürzt und wieder aufsteht.

Klar, dass ich zu Leuten aufblicke wie Samuel Koch oder Philippe Pozzo di Borgo. Samuel Koch brach sich bei „Wetten Dass“ das Genick. Als Querschnittsgelähmter fand er sein Glück und wurde Schauspieler und Theaterregisseur. Philippe Pozzo di Borgo war erfolgreicher Unternehmer und erlitt ein ähnliches Schicksal beim Gleitschirmfliegen. Im Film „Ziemlich beste Freunde“ nahm die Welt Anteil an seinem durchaus nicht nur unglücklichen Leben. Meine Bewunderung gilt indes auch Leuten wie P. mit – sagen wir – deutlich kleineren Stürzen.

Übrigens, der Geschäftsführer und einige Management-Mitarbeiter des gescheiterten „Weltmarktführers“ von damals sind ausgewandert. So weit weg von Deutschland, wie es überhaupt nur ging. Sie haben einen der führenden Telekommunikationsanbieter Australiens aufgebaut – und schafften den Börsengang. Hier ganz unten, Down Under ganz oben. Chapeau!

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