Monthly Archives: Mai 2017

Den Wechsel gewagt, ein neues Leben gewonnen

Millionen Menschen arbeiten in Jobs, die sie weder lieben noch wollen. Ihre Träume bleiben außen vor und werden als Hobbys emsig in der Freizeit gepflegt. Doch was nutzt es, dass diese Leute nach Feierabend aufleben und aufblühen, während der eigentliche Job sie krank macht? Hier sind zwei Beispiele von Menschen, die sich ihre Träume erfüllt haben – vielleicht als Denkanstoß.

Von Jens Kügler

Millionen Menschen … kennen Ingo Anderbrügge. Der ehemalige Profifußball-Star kickte unter anderem für Borussia Dortmund und holte mit Schalke 04 den Europapokal. 2001 hängte er die Fußballschuhe an den Nagel, wurde zunächst Profitrainer – und ist heute Unternehmer. Auf seine Geschichte stieß ich durch ein Interview, das er kürzlich für Franchiseportal gab, eine Plattform voller Geschäftsideen. Als Kind hatte sich Ingo Anderbrügge von jedem Sportgeschäft magisch angezogen gefühlt. Er bewunderte stets das neueste Equipment. Noch während seiner Profilaufbahn erfüllte er sich seinen Kindheitstraum und eröffnete ein Sportgeschäft mit Schwerpunkt Fußball-Ausstattung. Damit hatte er sein sportliches Hobby neben der Profikarriere quasi zum zweiten Mal zum Beruf gemacht.

Die Ware aus seinem Sportgeschäft verkaufte Ingo Anderbrügge an viele Dorf- und Stadtteil-Clubs in der Umgebung. Gern übergab der Star die Einkäufe bei den Vereinen persönlich, begleitet von der Lokalpresse. Und als „Bonus“ schenkte er den Nachwuchsmannschaften kleine Trainingsstunden und brachte ihnen Profi-Tricks bei. Dabei entdeckte er eine dritte Leidenschaft rings um den Fußball: Der Familienvater arbeitet gern mit Kindern und Jugendlichen. So entstand die Idee zu seiner Firma namens Fußballfabrik. Mit seiner Fußballfabrik organisiert er bei kleinen Vereinen mehrtägige Camps und Seminare, in denen er und sein Team den Kindern nicht nur Profi-Tricks beibringen. In kindgerechten Workshops vermittelt er den Teilnehmern auch Themen wie Teamgeist, Motivation, Konfliktbewältigung, Integration oder Umgang mit Niederlagen. Die Fußballfabrik startete erfolgreich und sucht heute über das Franchiseportal Partner, die das Konzept in ihren Regionen umsetzen wollen.

Auf Zeit Online stieß ich kürzlich auf die Rubrik „Chancen zum Wechsel“. Hier werden berufstätige porträtiert, die einen radikalen Bruch im Lebenslauf und einen völligen Neuanfang vollzogen haben. Sei es, weil der bisherige Job sie nicht befriedigen konnte oder weil sie oft erst nach jahrelangem Zögern den Schritt in die Selbstständigkeit wagten. Aufgefallen ist mir die Geschichte von Mr. Niceguy alias Dennis Tjoeng. Heute gehört er zu den erfolgreichsten DJ’s in Deutschland. Lange aber hatte er geglaubt: DJ kann nur ein Hobby sein. Davon zu leben gelingt nur wenigen, also warum ausgerechnet mir?

So studierte Dennis Tjoeng BWL und quälte er sich durch Jobs – vom mehr oder weniger erfolglosen und unterbezahlten Werbetexter mit wahnsinnig vielen Überstunden bis zum Marketingassistenten in einer Personalagentur mit Anzug und Krawattenzwang … bis fast zum Burnout mit knapp über 30 Jahren. Nach einem Coaching mit einer renommierten Berufsberaterin stand für ihn fest: Ich muss es als Profi-DJ probieren. DJ zu sein ist, „was mein Herz sagt“, so zitiert ihn das Magazin.

Das ganze Equipment hatte er, denn er legte ja seit Jahren bereits in seiner Freizeit in kleinen Clubs und auf Partys auf. So hielt sich die Investitionssumme in Grenzen. Er nahm Mixes auf, schickte sie an Freunde und stellte sie ins Netz. Er verteilte CDs mit seiner Musik in Bars. Nach und nach erhielt er Aufträge, wenn auch zunächst noch wenig lukrative. Doch allmählich machte er sich bekannt. Wie fast jeder Selbstständige musste er eine karge Anfangszeit überbrücken. Heute aber wird Mr. Niceguy – so sein Künstlername – deutschlandweit und international gebucht und zählt zu den Stars der Szene.

Was wäre aus geworden, wenn er sich diesen Traum nicht erfüllt hätte? Womöglich ein Burnout-Büromensch wie Millionen andere.

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Mehr Frauenpower bitte!

Dem Autor als Mann könnte es ja egal sein, dass es bisher unterdurchschnittlich wenige Frauen in Führungspositionen gibt. Ist es aber nicht, denn: Ihr Potenzial nicht zu nutzen, schadet unserer gesamten Wirtschaft.

Von Jens Kügler

Alle reden über den Fachkräftemangel und den drohenden wirtschaftlichen Schaden. Doch kaum einer, so scheint’s, hebt das brachliegende Potenzial hunderttausender, ja Millionen möglicher weiblicher Führungskräfte. Sie selbst übrigens am Allerwenigsten.

Dabei geht es oft nicht nur darum, dass Frauen häufig durch den Karriere-Knick der Kindererziehung zurückfallen. Vielmehr herrscht in den Führungsetagen unserer Unternehmen nach wie vor eine Ellenbogen-Mentalität vor. Und mit ausgefahrenem Ellenbogen möchten die meisten Frauen schlicht und ergreifend nicht arbeiten. Es liegt nicht in ihrer Mentalität. Die Aufstiegs-Attribute Aggressivität und Durchsetzungsvermögen werden von Psychologen klar der männlichen Seite zugerechnet.

Was können Frauen besser? Der Evolutionsbiologe Axel Meyer hat 2015 Studien zu diesem Thema zusammengefasst. Sein Fazit: Frauen verfügen über mehr sprachliche Eloquenz und ein umfangreicheres Vokabular. Sie sind empathischer und feinfühliger für Emotionen ihrer Gegenüber. Als praktische Vorteile gegenüber Männern verfügen die Frauen über eine bessere Feinmotorik, schnellere Auffassungsgabe und ein besseres Vorstellungs-Vermögen. Reicht nur nicht, um die gläserne Kuppel zu den Männer-Domänen zu sprengen.

Wie lässt sich der Schatz der weiblichen Führungskräfte heben? Dafür liefern viele Airlines ein gutes Beispiel. Bei ihnen finden regelmäßig die sogenannten Crew-Resource-Management-Trainings statt. Dabei wird geübt, absolut offen und ohne jede Schuldzuweisung Probleme auf den Tisch zu bringen. Der Flugkapitän darf nicht dominant sein, befehlen und herrschen. Er moderiert vielmehr. Frauen, das weiß man, neigen deutlich mehr zu dieser Art von Offenheit. Anders als Männer agieren sie nicht politisch-hierarchisch, was dem Fehler-Management zugute kommt.

Heißt es nicht von ungefähr immer wieder, dass Manager von Piloten eine Menge lernen können? Dies wäre sicherlich nur ein Ansatz, um mehr Frauen und ihre Fähigkeiten als Führungskräfte zu gewinnen. Denn Frauen wollen nicht kämpfen, sondern gestalten. Männer hingegen kämpfen um ihre verkrusteten Strukturen und Hierarchien. Das bringt uns nur leider volkswirtschaftlich nicht weiter. Das ist Stillstand, 19. Jahrhundert.

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Nicht ohne meine Life-Balance!

Brauchen Selbstständige den Freizeit-Ausgleich? Ein Privatleben? Eine Work-Life-Balance – ähnlich wie ein Arbeitnehmer? Ja, selbstverständlich doch!

Von Jens Kügler

Wer selbstständig oder freiberuflich tätig ist, arbeitet in seinem Traumberuf. Heißt es. Und: Er wird nicht bevormundet, ist sein eigener Chef. Heißt es auch. Schön und gut. Bevormundung ist die antieuphemistische Formel für „der Kunde hat immer recht“. Und der Kunde gibt die Deadline vor – mithin in gewisser Weise auch die Arbeitszeiten. Damit ist schon mehr als angedeutet: Auch die Selbstständigkeit erlegt Zwänge auf. Und zwar nicht nur finanzielle. Es geht nicht nur um die Existenzsicherung – und mit ihr um Tätigkeiten, die kein Arbeitnehmer tun muss, nämlich unter anderem Akquise und Buchführung.

Am Anfang einer Selbstständigkeit steht oft eine gewisse Euphorie. Ich weiß, wovon ich spreche. Der erste erledigte Kundenauftrag. Das ganz eigene Arbeitsergebnis in den Händen. Wer sich davon anstecken lässt und das Dollar-Zeichen in den Augen hat, arbeitet leicht mal ganze Abende, Nächte und Wochenenden durch. Das mag eine Zeitlang gut gehen. Indes leidet das Privatleben, leidet die Familie. Und nicht wenige erleben einen klassischen Burn-out.

Für mich als Selbstständigen konnte es nur eine Lösung gehen: Ich brauchte ein separates Büro. Außerhalb des Hauses. Dort, wo Privat- und Geschäftsleben komplett voneinander getrennt sind. Wo ich mich voll und ganz auf meine Arbeit konzentrieren kann. Eine Coworking-Lösung entpuppte sich als ideal: Hier habe ich „menschliche Ansprache“ in Form von Kollegen in den benachbarten Büros und Schreibtischen – aber auch meine Ruhe. Und: Hier nutze ich die komplette Infrastruktur eines Büros inklusive Telefon und IT.

Gut: Jeder ist anders. Eine befreundete selbstständige Grafik-Designerin liebt ihre Freiheit. Und Freiheit heißt für sie, den ganzen Tag von zuhause, vom Wohnzimmer oder Balkon aus zu arbeiten und nicht aus dem Haus zu müssen. Weg zum Büro? Bus, U-Bahn, Auto, Fahrrad, Regen, Eis oder Schnee? Alles nicht nötig, meint sie. Wie gesagt, jeder muss in sich hineinhorchen.

Hier im „Coworking“ machen wir unsere Pausen – und die braucht ein Jeder. Mehr als 45 Minuten am Stück können wir Menschen uns nicht konzentrieren. Dieser alten Weisheit verdanken Schul- oder Fahrstunden ihre Länge. Wenn Kollege L. mit seiner Zigarettenschachtel in der Hand Richtung Terrasse geht, greife ich als Nichtraucher einfach zu meinem Kaffeebecher mit und gehe mit – auf ’nen lässigen Smalltalk, Klönschnack oder wie man hier in Bayern sagt, ratschen. Dabei wird auch noch ganz entspannt „genetzwerkt“.

Was ich mir sonst noch genehmige? Klare Slots für E-Mails und Anrufe, sofern möglich. In der Zwischenzeit kann ich meine Jobs ungestört abarbeiten. Dem „Montag-Morgen-Blues“ arbeite ich gerne – wie beschrieben – mit anfänglichen Lieblingsaufgaben entgegen. Und mein Wochenende ist mir prinzipiell so heilig wie das eines Arbeitnehmers. Denn dann kann ich auch ganz frustfrei mal am Sonntag ranklotzen – wenn es sein muss. Oder wenn ich Lust habe. Zwanglos eben.

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Frühling für Gründer

Selbstständig machen? Nichts schwerer als das in einem gründerfeindlichen Klima. Doch Bevor eine gute Geschäftsidee ins Nirvana eingeht, sollte sie eine Chance auf ein Publikum und ein fundiertes Urteil erhalten. Eine solche Chance bieten die aktuellen Gründerwettbewerbe.

Von Jens Kügler

„Mach Dich ja nicht selbstständig“ – diesen Satz geben die meisten Eltern ihren Kindern und Lehrer ihren Schülern mit auf den Lebensweg. Siehe Studien-Ergebnisse in unserem letzten Blog-Beitrag. Doch auch unter Arbeitskollegen gilt: Fast jeder rät vom Gründen ab, niemand steht helfend zur Seite. Und der Kreditberater von der Hausbank? Der lächelt nur müde. Was sagte eine Kollegin zu mir, als ich kündigte, um freiberuflich zu arbeiten? „Ich bewundere dich für deinen Mut“. Sie wollte damit sagen: Ich hätte ihn nicht.

Fast überall gilt Bangemachen. Doch es geht auch anders. Die Initiative Startup Teens aus dem letzten Beitrag zeigt das. Und was Jugendlichen hilft, können Erwachsene erst recht in Anspruch nehmen – als Startup-Gründer. Denn gerade die fortschreitende Digitalisierung bietet neue Chancen und ermöglicht die Umsetzung ganz neuer Geschäftsideen.

Wer startet, braucht Geld und Aufmerksamkeit. Gründerwettbewerbe bieten dafür ein Podium. Hier werden Geschäftsideen bewertet, prämiert und veröffentlicht. Derzeit läuft für viele Startup-Contests die Bewerbungsphase. Es lohnt sich, die eigene Idee einzureichen. Denn wer Publikum und Jury begeistert, hat auch auf dem Markt gute Chancen. Die Preisgeld-Spanne reicht von unter 10.000 bis über 50.000 Euro – für die Sieger eine erste Anschubfinanzierung. Doch was noch viel wichtiger ist: Eine gute Idee überzeugt auch die Kreditgeber. Voraussetzung ist zumeist ein umfassend ausgearbeiteter Businessplan.

Nur – welche Gründerwettbewerbe gibt es, und wo besteht Aussicht auf Annahme oder Preisgewinn? Im Jahr 2016 wurden über 160 Wettbewerbe ausgerichtet. 2017 sollen es rund 190 sein. Die durchschnittliche Teilnehmerzahl lag letztes Jahr bei etwa 120 pro Ausschreibung. Und jeder Dreißigste gewann einen Preis. In den meisten Fällen erhalten die Gewinner dazu Coaching-Seminare, Management-Mentoring und Zugang zu den Kapitalgebern.

Eine unübersichtliche Zahl an Wettbewerben? Nein, denn die meisten sind nur regional oder auf Branchen bezogen. Beispiele: die Hamburg Innovation Awards, der Gründerpreis DurchSTARTer des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums oder der StartUp-Impuls der Region Hannover. Überregional und branchenübergreifend sind zum Beispiel die KfW Gründer Champions und start2grow. Wer sich eingehender über die Gründerwettbewerbe informiert, trifft sicher seine „engere Wahl“ und sollte seine Unterlagen einreichen. Und – wie gesagt: Für die meisten Contests läuft jetzt im Frühling die Bewerbungsphase. Im Gründer-Frühling 2017.

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