Monthly Archives: Juni 2017

Vier produktive Morgen-Routinen

Wir alle wissen es: Der Start am frühen Morgen beeinflusst den Ablauf des ganzen Arbeitstages. Und zwar positiv oder negativ. Gut ist, dass wir selbst unseren Start weitgehend „manipulieren“ können.

Von Jens Kügler

Sicher, nicht vor jedem schlechten Start ist man gefeit. Ein Beispiel: Wenn morgens früh um acht in der Eingangspost ganz oben die Anwalts-Drohung eines Kunden liegt, sind die „guten Vorsätze“ natürlich obsolet. Doch … die wenigsten Tage starten mit so schlechten Nachrichten. Die allermeisten bedeuten „Business as usual“. Und diese Tagesstarts kann man – sagen wir – im Kopf optimieren.

Auf die innere Uhr hören, nicht auf die Stechuhr.

Eine US-amerikanische Studie hat unlängst herausgefunden, dass Frühaufsteher produktiver sind – aber nur in Unternehmen mit festen Arbeitszeiten und frühem Arbeitsbeginn. Klar: Wer nicht vor Mitternacht einschlafen kann, wird nicht Tag für Tag um sechs Uhr früh so fit sein wie jemand, der früh zu Bett geht. Der beste Wecker für Produktivität ist die innere Uhr. Und wer später startet, hält auch länger durch. So gesehen können starre Arbeitszeiten einem Unternehmen sogar schaden, denn sie bremsen das Potenzial zum Beispiel von Spätstartern aus. Denn jeder braucht genügend Schlaf, aber nicht jeder schläft zur gleichen Zeit.

Den Arbeitsbeginn so leicht wie möglich gestalten.

Ein mulmiges Gefühl hat, wer morgens mit der Gewissheit in die Arbeit geht, sofort die wichtigste Entscheidung des Tages treffen zu müssen. Den Tag stattdessen mit einfachen, gern gemachten Tätigkeiten zu beginnen, bringt einen „Flow“ und ermöglicht ein paar erste kleine Erfolgserlebnisse nach dem Motto: Ja, wieder etwas geschafft! Nach eins, zwei Stunden ist man „drin“ in der Routine und dadurch auch aufnahmefähiger.

Vor allem aber gilt es, den Tag nicht unvorbereitet zu starten. Viele erfolgreiche Manager sorgen bereits am Abend für den Morgen vor. Sie schreiben sich beispielsweise die drei wichtigsten Tätigkeiten auf, die sie am folgenden Tag erledigt haben wollen. Sie legen zuhause ihre Kleidung zurecht und packen ihre Aktentasche fertig. Wenn sie ihren Tag mit einer Runde sportlichen Trainings beginnen möchten, schlafen sie sogar in ihrer Sportkleidung. Im Sportdress aufzuwachen spornt zum Training an.

Vorgehen nach dem Motto: Design Your Wake-up

Es muss nicht der ewig gleiche „I got you babe“-Radiowecker aus dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ sein. Bewährt hat sich aber bei vielen Menschen eine Morgenroutine. Die einen praktizieren Yoga. Andere nehmen sich ihr Viertelstündchen, um Zeitung zu lesen. Für wieder andere ist der gemütliche Kaffee am Frühstückstisch ein liebgewordenes Ritual. All diese Rituale sind kleine Morgenhelfer. Sie erden uns, sie minimieren den Stress, sie lassen wenig Platz für negative Gedanken.

Bewegen. Denn das befreit auch den Kopf.

Es ist nicht jedermanns Sache, morgens eine Stunde früher aufzustehen, um beispielsweise zu joggen. Anderen Leuten wiederum hilft dieses sportliche Vergnügen am Tagesstart. Warum? Weil Sport mit einem gewissen Leistungsanspruch auch für das Ausschütten von Glückshormonen sorgt. Wer kann, sollte mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Ich selbst genieße die tägliche halbe Stunde auf dem Rad in der frischen Luft. Im Büro angekommen, bin ich eins ganz sicher: wach und fit.

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Sofort abstellen: die drei größten Motivations-Töter!

Wähne ich da ein Gähnen? Ein „schon wieder dieses Thema …!“? Möglicherweise. Schließlich werden die „Do’s and Dont’s“ der Mitarbeiterführung überall wie Mantras herunter gebetet. Führungskräfte lernen sie in den ersten Lektionen ihrer Personalentwicklungs-Seminare. Doch beim Blick in die Praxis vieler Unternehmen wird klar: Sie können nicht oft genug wiederholt werden.

Von Jens Kügler

Motivations-Killer Nummer eins von Führungskräften: Nur meine Meinung zählt (denn nur ich hab genug Ahnung)!

Hand auf’s Herz: Wer mag schon nix zu sagen haben? Jeder wünscht, dass seine Meinung ernst genommen wird – Fachkompetenz und Erfahrung hin oder her. Kaum zu motivieren sind Teams, in dem jeder das Gefühl hat, dass der Boss über seinen Kopf hinweg entscheidet, einfach so. Anders sieht es aus, wenn der Chef seine Mitarbeiter in die Entscheidungsprozesse einbezieht und ihnen ein Stück weit Mitverantwortung überträgt. Einzelkämpfer-Chefs rackern sich ab. Ihr Team zieht nicht mit. Teamplayer holen mehr heraus. Sie verbessern das Betriebsklima und machen ihre Mannschaft produktiver.

Motivations-Killer Nummer zwei: Fehler sind verboten – und Strafe muss sein!

Hand auf’s Herz: Wer macht schon absichtlich Fehler? Niemand – außer er möchte die Firma absichtlich schädigen, vielleicht als Rache für Meinungs-Missachtung oder aus Schadenfreude wegen einer im Kopf längst erfolgten Kündigung. Eine konstruktive Fehlerkultur muss her, Trial und Error müssen möglich sein. Mitarbeiter sollten in die Lage versetzt werden, jeden Fehler selbst zu analysieren und daraus lernen zu können. Mehr noch: Die Fehlerbehebung und damit die Fehler selbst sind als Schritt nach vorne zu begreifen. Liebe Chefs: Seht euch die Entwicklungen epochaler Produkte wie Ford T, VW-Käfer oder Europarakete Ariane an: Jeder Fehlstart war ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Perfektion. Ersetzt die Furcht vor Strafe durch eine konstruktive Kultur des Lernens!

Motivations-Killer Nummer drei: ein Danke? Nein danke! Alles Gute ist doch selbstverständlich!

Hand auf’s Herz – ein letztes Mal: Wem schmeichelt nicht ein ehrliches Dankeschön – auch für eine Kleinigkeit? Bedanken darf freilich nicht inflationär und verräterisch sein. Aber wer seinen Mitarbeitern jedwedes Zeichen der Wertschätzung verweigert, wird gute Arbeit nicht als Selbstverständlichkeit ernten. Ein höflicher, respektvoller Umgang ist das Minimum. Und ein ehrlicher, ausgesprochener Dank? Er kostet nichts und ist mit Geld gar nicht aufzuwiegen, wie ein Autor neulich schrieb. Ein Dankeschön ist eine Gratis-Investition, die sich in Motivation und Produktivität mehr als auszahlt.

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Vom Supermarkt lernen

Quereinsteiger gelten hierzulande bisweilen als „im eigenen Beruf Gescheiterte“. Dabei verwirklichen diese Menschen häufig ihre wahren, heimlichen Träume. Oder sie probieren nach Jahren oder Jahrzehnten auf ausgetretenen Berufs-Pfaden einfach etwas Neues, Spannendes aus.

Von Jens Kügler

„Ich kann vom Supermarkt lernen“ – sagte Holger Stanislawski kürzlich in einem Interview auf dem Sport-Portal Spox. Holger Stanislawski? Fußballfans wissen: Das war der für seine unkonventionellen Entscheidungen bekannte Trainer des FC St. Pauli. Er hatte sein ganzes Profi-Leben lang dort als Verteidiger gespielt und den Club dann als Coach von der Regionalliga in die Bundesliga geführt. Später zog er sich ein Jahr lang aus der Öffentlichkeit zurück, man munkelt wegen Burnout. In dieser Zeit blieb er aber nicht tatenlos: Gemeinsam mit einem anderen befreundeten Ex-Fußballprofi erwarb er eine Franchise-Lizenz. Heute betreibt er einen REWE-Supermarkt, den größten in Hamburg mit 130 Angestellten und 30 Millionen Euro Jahresumsatz.

Seine größte Herausforderung beim Wechsel vom Profifußball zum Supermarkt-Besitzer und -Manager beschreibt Holger Stanislawski mit „unheimlich viel Logistik“. Es gehe um die kontinuierliche Verfügbarkeit von Waren bei 50.000 Artikeln. Um Gespräche mit Lieferanten, um Kundenwünsche und das ständige Hinterfragen des eigenen Sortiments. Und um Personalplanung. „Man arbeitet sich Tag für Tag ein Stückchen weiter. Es macht wirklich großen Spaß“.

Der Wechsel von der Trainerbank habe sicherlich viele erstaunt, erklärt Stani, wie er bei den Fans heißt, in dem Interview weiter. Doch wer ihn kenne, wisse, dass ihm „schräge Sachen“ zuzutrauen seien. Er sieht sich heute als Herr seiner selbst und ist nicht mehr abhängig von einem plötzlichen Trainer-Rauswurf, wie er im Profifußball üblich ist. „Herr seiner selbst“ zu sein … Es gibt wohl kaum ein besseres Argument für Stanis „schrägen“ Quereinstieg in ein vollkommen neues Arbeitsfeld.

Quereinsteiger – laut Wikipedia sind es Personen, die aus fremden Sparten oder Branchen in ein neues Betätigungsfeld wechseln. Und zwar ohne die dafür übliche Ausbildung wie Lehre oder Studium absolviert zu haben. Gibt man den Begriff „Quereinsteiger“ ins deutschsprachige Google ein, erscheint eine endlos lange Liste an Jobangeboten. Vom Assistent der Betriebsleitung bei einem Catering-Unternehmen über den Tester für Automobil-Elektronik-Systeme bis hin zum Sachbearbeiter für Markenrecht und Markenpflege bei einer Unternehmensberatung. Sprich: Jobs, für die es keine klassische Lehre gibt. Ein typischer Quereinsteiger ist der Ingenieur, der zum Vorstand einer Aktiengesellschaft berufen wird, aber dort aufgrund gesammelter Praxiserfahrungen ein nicht-technisches Ressort betreut. Oder der Jurist, der in die freie Wirtschaft wechselt, um seine Rechtskenntnisse in den Dienst eines Unternehmens zu stellen. Einer meiner Freunde tat dies – als Fachanwalt für Kapitalrechtswesen in einer Investment-Firma statt, wie üblich, in einer Kanzlei.

Ein weiteres Beispiel: Derzeit sucht das Unternehmen Vodafone Kabel Deutschland „Berater Multimedia“ auf freiberuflicher Basis. Bewerben können sich Menschen, die verkaufsstark sind und den Kontakt zu Kunden lieben. Die flexibel über ihre Zeit bestimmen möchten. Und – die eine gewisse Begeisterungsfähigkeit für Technologie mitbringen. Das professionelle Wissen über die Breitband-Kabelanschlüsse, die sie anbieten und betreuen, erhalten sie in Form von Schulungen, Weiterbildungen und Support durch die Zentrale.

In Ländern wie Australien oder Neuseeland wird der akute lokale Fachkräftemangel durch Quereinsteiger teilweise bereits ausgeglichen – schreibt wiederum Wikipedia. Kurzum: Es lohnt sich, darüber nachzudenken, was man im Leben immer wieder gern gemacht hat, was aber nicht zum Beruf wurde. Und wo einem immer wieder leicht Lösungen eingefallen waren: Sei es beim Tüfteln, im Teamwork, beim Planen, bei der Logistik oder durch die Begeisterung für den Umgang mit Kunden. Es lohnt sich, den Schritt zum Quereinstieg zumindest zu wagen, statt der Chance ewig nachzutrauern. Mut macht die vielleicht prominenteste Quereinsteigerin unseres Landes – vom kleinen ostdeutschen Physiklabor auf die große politische Weltbühne.

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