Monthly Archives: Juli 2017

Statt Porsche Polizeijob: die Generation Z und ihre Ziele

Wie ticken die Teens in Puncto: „Was möchte ich werden“? Wo wollen die künftigen Berufseinsteiger arbeiten? Eine frisch veröffentlichte Studie gibt erstaunliche Antworten.

Von Jens Kügler

Sind es Apple oder Google Deutschland, sind es Daimler-Benz, Porsche oder Lufthansa? Oder ist es das allseits beliebt geglaubte „irgendwas mit Medien“ – in einer hippen Digital Agency? Mitnichten. Fragt man die Generation Z in Deutschland, welches ihre bevorzugten Arbeitgeber wären, tauchen ganz andere Namen und Ziele an erster Stelle auf. Das Marktforschungsinstitut Tendence wollte es genau wissen. Es fragte über 20.000 junge Leute auf allgemein- und berufsbildenden Schulen für sein aktuelles Schülerbarometer.

Nummer eins auf der Wunschliste: die Polizei! Knapp dahinter auf Nummer drei: die Bundeswehr! Als einzige vermeintlich „coole“ Trendmarke schob sich Adidas dazwischen auf Platz zwei. Schon erstaunlich: Die heutige Jugend setzt offenbar mehr auf Sicherheit als auf Traumjob, Selbstverwirklichung und Marken-Fokussiertheit. Rund 30 Prozent bevorzugen den Staatsdienst. So viele wie wohl seit den Vor-68er-Tagen nicht mehr.

Seltsam für uns Ältere: Früher galten Polizisten doch als unbeliebte Vorschriften-Macher. Genauso aber auch als Diejenigen, die für wenig Geld den Kopf hinhalten, Verbrecher jagen und Demonstranten wie Terroristen bekämpfen müssen. Und der Wehrdienst? Trotz Befehl und Gehorsam, trotz Skandalen und Kriegseinsätzen ist er beliebt wie nie zuvor in Deutschland.

Woher der Imagewandel? Haben hier die Werbekampagnen der Bundeswehr ihre Wirkung gezeitigt? Wurde die Polizei immer sympathischer durch die vielen TV-Serien mit menschelnden Beamten – von der Hafenkante bis Rosenheim? Hat der „Bulle von Tölz“ sein Schimpfwort verzaubert? Wir wissen es nicht, denn zum Glück können Marktforscher noch nicht in die Köpfe hineingucken.

Vielleicht hat der Staatsdienst tatsächlich an Vertrauen gewonnen. Möglicherweise liegt es aber auch nur daran, dass die Heranwachsenden von heute, nach den No-Future-Kids, den Yuppies und den Work-Life-Balancern vor ihnen, einfach etwas konservativer denken. Konservativer – aus unserer Sicht, weil die Job-Sicherheit für sie an erster Stelle steht. Vielleicht ist das Ergebnis des Schülerbarometers aber auch ein Amalgam aus beiden Denkansätzen.

Gut: Dass die Autobauer abbauen und nicht mehr wie ewig lang die Pole Position halten, könnte ein hausgemachtes Problem sein. Zwar liegt BMW immer noch auf Platz 4, Audi auf 5, Porsche auf 7 und Mercedes auf 8 der Beliebtheitsskala bei den Schülern. Aber der Größte unter ihnen, VW, verschwindet unter ferner liefen wie im Sumpf von Abgasskandalen. Vielleicht äußert sich hierin ein gewachsenes Verantwortungsbewusstsein der Jugendlichen.

Wächst da etwas heran, dass die übernächste Generation weiter ausbaut? Eine, die wir – mit unserem Latein bei Z alphabetisch am Ende angelangt – vielleicht Generation 1A nennen dürfen? Mich macht all das neugierig auf die Zukunft …

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Digitalfalle im Urlaub oder: Entspannt am Strand bis der Chef whatsappt

Sorry, ich bin im Urlaub. Aber Sie können mich natürlich jederzeit erreichen“. Kennen Sie den Satz? Haben Sie ihn selbst schon zu Chefs, Auftraggebern und Kunden gesagt? Dann sind Sie in bester Gesellschaft – mit über zwei Drittel aller Deutschen. Das ergab eine aktuelle Bitkom-Studie.

Von Jens Kügler

Was ist eigentlich Urlaub? Viele Arbeitgeber verstehen darunter eine Sozialleistung an ihre Mitarbeiter. Ein Zugeständnis aus purer Freundlichkeit. Natürlich liegen sie falsch. Urlaub und Freizeit sind notwendige Erholungsphasen zur Gesunderhaltung und geistigen Frische. Das gilt umso mehr für Menschen, deren Arbeit ein Broterwerb und nicht „die“ Berufung und zu 100 Prozent ihre Herzenssache ist. Kurzum: für die allermeisten Arbeitnehmer.

Urlaub ist Urlaub – und wer weg ist, ist „dann mal weg“. So war es – bis zu den segensreichen Erfindungen der mobilen digitalen Kommunikationstechnik. Allen voran das Handy. Der Digitalverband Bitkom veröffentlichte jüngst, exakt zur Urlaubszeit, eine Studie. In der Umfrage hatten 71 Prozent der deutschen Berufstätigen angekreuzt, dass sie im Urlaub für ihre Chefs erreichbar seien.

Will heißen, 71 Prozent schalten auch am Strand, am Pool und auf der Sonnenliege nicht richtig ab, um ihre physischen wie psychischen Akkus wieder aufzuladen. Das Ladegerät fürs Handy ist zum ständigen Begleiter geworden, nicht aber das für die mentale Fitness. Geladen werden die falschen Akkus. Per Anruf erreichbar sind 58 Prozent der Umfrage-Teilnehmer. 38 Prozent beantworten die dienstlichen E-Mails – ob auf „Malle“ oder Malediven. Ganze 28 Prozent tauchen wirklich ab und lassen sich im Urlaub vom Dienstherren nicht stören. Mutige 28 Prozent. Oder solche mit Chefs, wissen wofür das Urlaubsrecht erkämpft wurde und dass der Mensch die Ruhe braucht.

Was versteht der Verband Bitkom eigentlich selbst unter ständiger Erreichbarkeit? Der Infodienst Statista.de zitiert den Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder mit den Worten: „Digitale Technologien ermöglichen ein flexibles und selbstbestimmtes Arbeiten – zu jeder Zeit und an jedem Ort“. Korrekt. Und es besteht kein Zweifel daran, dass die Flexibilität ein Gewinn an Produktivität und Lebensqualität sein kann. Das beweist sich jeder selbst, der wie ich regelmäßig mit dem Notebook am Strand in der Sonne, entspannt im Café oder im Zug zum Geschäftstermin arbeitet. Wer hingegen einen Chef hat, der Freizeit nicht von Arbeitszeit trennen kann, landet statt in der digitalen Freiheit in einer wahren Gefangenschaft. In der Digitalfalle.

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… und plötzlich ist das alte Eisen Gold wert

Jugendwahn am Arbeitsmarkt? Von wegen! Immer mehr Chefs bitten ihre älteren Arbeitnehmer: Bleibt, statt in Rente zu gehen! Und letzte Woche vermeldeten die Medien, dass immer mehr Ältere einwilligen. Klar: Ihre Renten sinken. Und die Unternehmen möchten dem drohenden Fachkräftemangel entgegenwirken. Doch sind die Gründe alleine demografisch?

Von Jens Kügler

Ab 50 Jahren altes Eisen: Vorbei sind diese Zeiten! Von den Morgenmagazinen im Fernsehen bis hin zu Fachpublikationen wie der Wirtschaftswoche klang kürzlich etwas Anderes unisono. Nämlich Etwas, wofür die Redakteure auf wiwo.de eine schöne Formel fanden: „Wertschätzung für alte Hasen: Erfahrung ist Gold wert“. Will heißen, die Firmen brauchen ihre „alten Hasen“ nicht nur wegen des demografischen Wandels. Sie schätzen sie auch. Auf einmal – oder endlich wieder. Die alten Hasen sind auf einmal die Füchse!

Vergessen erscheinen die Vorurteile: Ältere Leute sind dauernd krank und weniger leistungsfähig. Und allem voran: Ältere Leute sind nicht mehr lernfähig. Was hören wir stattdessen? Wir Menschen können ein ganzes Leben lang lernen! Die heutigen „Alten“ sind andere als die vor 20 Jahren. Früher kamen über 60-Jährige nicht mit dem Computer klar. Heute bedienen sie ihre Smartphones wie die Jungen. Was hören wir noch? Die Alten sind unverzichtbar! Woher dieser Bewusstseinswandel? Konservativen Schätzungen zufolge verliert Deutschland bis 2030 sechs bis sieben Millionen Fachkräfte aus der Regelbeschäftigung in die Rente, so stand auf wiwo.de zu lesen. In vielen Branchen nimmt der Mangel an Qualifizierten schon jetzt beängstigende Formen an.

Nun aber entdecken die Unternehmen nicht nur, dass ihre Werkbänke bald verwaisen könnten. Auf einmal erkennen auch viele, was sie an ihren Altgedienten haben. In ihren jahrzehntelangen Berufserfahrungen liegt Riesen-Potenzial. Warum erkennt man es erst jetzt? Es ist doch logisch, dass jahrzehntelang Beschäftigte die Prozesse und Strukturen in den Unternehmen ihrer Branchen wie ihre Westentasche kennen. Sie wissen genau, wo sie andocken müssen, um ein Projekt erfolgreich durchzuziehen. Die Alten stehen zudem loyal zum Unternehmen. Jobwechsel aus Karrieregründen erscheint für sie nicht mehr notwendig. Und ihre Coolness und Souveränität in Kundengesprächen und Verhandlungen? Da sind die Jungen noch lange Greenhorns dagegen!

Spät erkennen viele Unternehmen dies, hoffentlich nicht zu spät. Es sind vor allem die Konzerne, die das Demografie-Problem verstanden haben. Bei der Deutschen Bahn zum Beispiel gibt es seit einigen Jahren einen „Demografie-Tarifvertrag“. Ältere Arbeitnehmer mit belastenden Tätigkeiten können ihre Arbeitszeit auf 81 Prozent verringern und erhalten dafür 90 Prozent ihres Gehaltes. Seit Ende 2015 hat sich die Zahl der Nutzer dieses Tarifvertrages verdreifacht.

Schlechter sieht es im Mittelstand aus, dem Motor der deutschen Wirtschaft. Hier steht das operative Geschäft stets im Vordergrund. Ressourcen wie eine vorausplanende Personalabteilung sind die Ausnahme. Gehandelt wird oft erst aus der Not heraus.

Dabei genügen oft nur Kleinigkeiten, um die Arbeitsbedingungen so gestalten, dass die Älteren gesund und motiviert weiterarbeiten möchten. Die Möglichkeiten reichen von der Altersteilzeit über Home-Office-Arbeit, Work-Life-Balance und Sport- oder Gesundheits-Angeboten bis hin zur ergonomischen Arbeitsplatz-Gestaltung. Sei es mit höhenverstellbaren Arbeitstischen, rückenfreundlichen Stühlen oder größeren Computerbildschirmen.

Mit etwas gutem Willen kann man ältere Fachkräfte nicht nur im Unternehmen halten, sondern auch ältere Arbeitswillige und Renten-Unwillige hinzugewinnen. Kurzum, der Mittelstand muss Fischen lernen: Fachkräfte-Angeln statt Fachkräfte-Mangel!

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Kulturrevolution der arbeitenden Jugend

Deutschen Unternehmen steht eine Revolution der Firmenkultur bevor. Die Generation Y stellt die traditionelle Arbeitswelt in Frage – und sie kann es sich leisten. Denn auf die Jugend können die Unternehmen nicht verzichten. Was sich ändern wird? Eine aktuelle Studie deutet es an.

Von Jens Kügler

Jeden Monat veröffentlicht das Karriereportal Stepstone seinen „Fachkräfteatlas“. Für ihn wertet es nach eigenen Angaben mehr als zwei Millionen Stellenanzeigen des deutschen Arbeitsmarktes aus. In die Version aus dem Mai 2017 flossen auch die Ergebnisse einer Studie mit mehr als 25.000 Fach- und Führungskräften ein. Unter ihnen befanden sich rund 3.000 Absolventen und Berufseinsteiger. Was diese jungen Leute zu sagen haben, wird angesichts des prognostizierten Fachkräftemangels für ihre Arbeitgeber immer relevanter.

Schon seit einigen Jahren hören wir, dass den jungen Berufsstartern die Faktoren Freizeit, Familie und Leben wichtiger sei als die Höhe des Gehaltes. Und richtig: Die aktuelle Stepstone-Studie bestätigt dies. 81 Prozent gaben an, dass die Work-Life-Balance für sie entscheidender zur Wahl eines Unternehmens beiträgt. Doch das ist noch nicht einmal die Top-Position in der Hitliste der Wünsche der Millennials. Noch höher – mit 83 Prozent – bewerten sie die Wertschätzung ihrer Arbeit. Aufhorchen lässt die Nummer eins ihrer Anforderungen. 89 Prozent legen am meisten Wert auf die gute Beziehung zu ihren Kollegen.

Wenn ein menschlicheres Arbeitsklima darüber entscheidet, wer die Köpfe im War for Talents gewinnt, wird sich in vielen Unternehmen Vieles ändern müssen. Aber in diesen Veränderungen liegt ein noch viel größeres wirtschaftliches Potenzial als das, was die jungen Fachkräfte selbst bieten. Denn vom „besseren Verhältnis“ untereinander profitieren alle Mitarbeiter – von der Generation Y bis 50 Plus, vom Chef bis zum Azubi. Bekanntlich arbeiten Teams mit gutem Betriebsklima motivierter und produktiver. Die Millennials werden die Firmenkultur zu ihren Gunsten und zugunsten ihrer Unternehmen verändern. Das ist die Kulturrevolution der jungen Arbeiter. Eine Chance für unsere Wirtschaft.

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Arbeit im sozialen Jetlag

Starre Arbeitszeiten sind unproduktiv, ja ungesund. Sie zwingen die Menschen, gegen ihre innere Uhr zu arbeiten. Mit ihnen schädigen Unternehmen sich und ihre Mitarbeiter. Eine zu gewagte These? Nicht, wenn man die Ergebnisse von Forschern interpretiert …

Von Jens Kügler

Eine Forscher-These lautet: Mindestens die Hälfte aller Deutschen leben in einem permanenten sozialen Jetlag. Ihre innere Uhr tickt anders als es die Arbeitszeiten erzwingen wollen. Diese Feststellung stammt von Till Roenneberg, Professor am Institut für Medizinische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Auf ihn hatte mich eine Kollegin aufmerksam gemacht, kurz nachdem der Artikel von letzter Woche mit dem Thema „innere Uhr“ online gegangen war. Veröffentlicht wurden seine Erkenntnisse unter anderem auf Focus Online.

Was bedeutet sozialer Jetlag? Zwei Beispiele machen dies deutlich. Beispiele, in denen sich fast alle von uns wiederfinden dürften. Die Einen stehen frühmorgens lustlos auf und fühlen sich wie aus dem Tiefschlaf gerissen. Bis vormittags vegetieren und arbeiten sie in einer Art Halbschlaf. Erst kurz vor Feierabend laufen sie zur Hochform auf. Bei den Anderen ist es genau umgekehrt: Sie sind morgens früh fit, haben trotzdem meinetwegen Spätschicht, ermüden aber bereits am Nachmittag und müssen womöglich bis spätabends krampfhaft konzentriert an Sitzungen teilnehmen.

Professor Roenneberg vergleicht diesen Zustand mit dem eines Menschen, der in München leben, aber nach Moskauer Zeit arbeiten muss. Sprich, er hat drei Stunden früher aufzustehen. Seine innere Uhr geht nach. Der Wecker jagt ihn aus dem Bett, während sein Körper noch schläft. Der Stoffwechsel, die Hormonproduktion – alles befindet sich noch im Sleep-Modus. „Jeder ist ein anderer Chrono-Typ“, erklärt der Forscher. Und er unterscheidet bei den Chrono-Typen zwei Extreme: Eulen und Lerchen. Lerchen sind die Frühaufsteher. Wie die meisten Kinder und älteren Menschen schlafen sie abends früh ein und sind morgens früh fit. Die Eulen sind wie die meisten Jugendlichen, Spät-Typen. Im Erwachsenenalter – ab etwa 20 Jahren – bestimmen die Gene, ob jemand zur Eule oder zur Lerche tendiert. Ihre innere Uhr wird in jedem Fall molekularbiologisch gesteuert.

Wie sehr quälen wir uns? Wie sehr werden wir von unseren Arbeitgebern gequält? Das kann am intensivsten nachempfinden, wer ständig zwischen Früh- und Spätschicht oder Tag- und Nachtschicht wechseln muss. Wie beim Jetlag braucht der Körper mehrere Tage zum Umstellen, doch man gibt ihm diese Tage kaum. Und dann kennen wir alle dieses Wochenend-Feeling: Schnell taktet sich der Körper besonders der Eulen wieder in einen gesunden Biorhythmus ein. Umso schwerer hat er es dafür am Wochenstart, siehe Artikel Montag-Morgen-Blues.

Die Folgen sind nicht nur Müdigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsschwäche an der Arbeit. Auch erhöht sich das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweislich. Ebenso von Burnout. Was heißt das? Arbeit macht tatsächlich krank – wenn sie biologisch falsch getaktet ist!

Selbstverständlich kann nicht jedes Unternehmen, nicht jede Abteilung von Mitarbeitern leben, deren Arbeitszeiten sich nur marginal oder gar nicht überschneiden. Aber ich bin mir sicher: Viele, ja sehr viele Unternehmen könnten die Gesundheit und die Produktivität ihrer Mitarbeiter fördern, wenn sie mehr auf die biologischen Gesetzmäßigkeiten eingingen.

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