Monthly Archives: September 2017

Ja, ist denn schon Weihnachten?

Kaum, dass einem im Biergarten die Kastanien ins Glas platschen, fängt der Blogger mit Weihnachten an. Wieso? Selbst Aldi und Lidl führen doch noch keine Lebkuchen!

Von Jens Kügler

Nein, der berühmte alte Werbespot mit dem verwunderten Satz von Franz Beckenbauer ist auch nicht wieder aufgelegt worden. Aber heute morgen kam diese E-Mail: „Liebes Team, es ist schon wieder an der Zeit … ich möchte Sie und Euch zu unserem traditionellen Weihnachtsessen einladen!“. Na klar. Der Verfasser möchte die Location rechtzeitig buchen und wissen, wie viele kommen. Er muss es –, denn jene fernen kalten Wochen, die wir hier unten in Bayern die staade (stille) Zeit nennen, sind in Wirklichkeit die Heißesten und Hektischsten. Alle „gescheiten“ Lokale sind dann schon lange ausgebucht, besonders an den beliebten Donnerstagen und Freitagen. Und ein jeder hat dann an den Tagen vorm Fest schon andere Pläne.

Jetzt muss organisieren, wer seinen Mitarbeitern, Kunden und Partnern etwas Besonderes bieten möchte und sicher sein will, dass sie teilnehmen. Im oben beschriebenen Fall nennt sich die Eventlocation Eiswerkstatt am Starnberger See. Ich bin gespannt! Warum nicht auch mal etwas karibisches Flair? In Düsseldorf-Lörick bewirbt sich ein Veranstaltungsort mit solch einem Angebot. Auf Schloss Rheinfels kann man eine „Magie des Winters“ erleben. Im Elbsandsteingebirge lässt sich das „große Weihnachtsspektakel auf der Festung Königstein“ buchen. Und in Hamburg gibt es den Weihnachtszauber in der Speicherstadt. Auch die Boxenstopp-Räume der Rennstrecke Nürburgring, das schicke Münchner Varieté-Theater … all das ist jetzt buchbar. Einfach mal nach Eventlocation-Online-Katalogen googeln!

Soll es mal ein Dinner in intimer Club-Ambiente sein? Kann nicht auch mal ein Themenabend in einer denkmalgeschützten, dezent-hübsch geschmückten und charmanten Industriehalle sein – mit Bühnenshow und interaktiven Wettbewerben? Alles ist möglich, wenn die Zahl der Einzuladenden entsprechend groß ist. Wichtig nur, dass es zur Zielgruppe passt. Die Generation Y amüsiert sich anders als eine 50+-Gesellschaft. Ein paar Tipps entnehme ich aus einem Blogbeitrag, den mein Kollege Hans Schriever neulich veröffentlichte (ja, auch andere Journalisten „weihnachten“ schon!). Statt der typisch pompösen Deko mit Kugeln, Lametta und Glitzerkram empfiehlt er modernen und reduzierten Weihnachtsschmuck. Ein paar pfiffig platzierte Zweige etwa, die den Christbaum ersetzen. Dazu puristisch anmutendes Geschirr in gedeckten Farben wie Erdtönen.

Sein weiterer Tipp: Betreiben Sie „Event-Management“ mit den Kommunikationsmitteln des Digitalzeitalters. Verschmelzen Sie die Kanäle. Planen Sie eine Kampagne schon im Vorfeld, dann sichern Sie sich werbliche Aufmerksamkeit bei der Zielgruppe. Versehen Sie die Veranstaltung mit einem Hashtag. Geben Sie ihr eine eigene Homepage oder Landingpage. Befragen Sie nach der Veranstaltung die Gäste, wie es war, was ihnen am besten gefallen hat und was nicht. Geben Sie ihnen die Möglichkeit zu Kommentaren, denn damit generieren Sie auch kostenlosen Content für Ihr eigenes Google-Ranking. Und Sie wissen, wie Sie Weihnachten 2018 noch besser und erfolgreicher feiern. Last but not least: Die eigene Weihnachtsfeier-Homepage verschwindet nicht aus dem Netz. Auf ihr lassen sich auch lange nach der Feier noch schöne Erinnerungs-Fotos und Videos posten und anklicken.

Soviel zum Thema Weihnachten. Ganz ehrlich: Es ist doch auch ein schöneres Thema als das, worüber am heutigen Tag, dem 25. September 2017, fast alle anderen Kanäle berichten. Finstere Wahlergebnisse von gestern.

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Mehr Flexibilität: die Soft Skills der Zukunft

Wen suchen Unternehmen in zehn Jahren? Es sind Mitarbeiter, die technisch wie kulturell „switchen“ können. Die funktionsübergreifend denken und handeln können statt fachlich fokussiert zu sein. Das ergab eine Studie, die letzte Woche veröffentlicht wurde.

Von Jens Kügler

Das Institut Bitkom Research und das Karriere-Portal Linkedin haben bei den Vorständen und Personalern deutscher Unternehmen nachgefragt. Sie wollten wissen, welche Hard- und Soft Skills heute bei ihnen gefragt sind – und welche es ihrer Meinung nach in zehn Jahren sein werden. Die Annahmen basieren auf den erwarteten Anforderungen der fortschreitenden Digitalisierung.

Bei den Hard Skills ist heute Datenanalyse und Daten-Interpretationsfähigkeit die Fähigkeit Nummer eins auf der Wunschliste. In zehn Jahren sehen sie die Chefs und Personaler auf Platz zwei. Nummer eins wird die jetzige zweitplatzierte Fähigkeit sein, das Wissensmanagement. Drei und vier bleiben unverändert: Projektmanagement und Change-Management. Für etwas Erstaunen sorgt lediglich, dass der Punkt Unternehmensführung von sieben auf fünf vorrücken soll – und damit Social-Media-Kenntnisse und Allgemeine Digitalkompetenz auf die Plätze verweist.

Viel größere Verschiebungen ergeben sich bei den Soft Skills. Kritikfähigkeit – heute auf Platz eins – wandert auf vier. Interkulturelle Kompetenz springt in zehn Jahren von acht auf fünf, so die Befragten. Den größten Sprung macht die Fähigkeit Funktionsübergreifende Kompetenzen – von heute sieben auf eins! Will heißen, bald sind vor allem Mitarbeiter gefragt, die gut kommunizierten können, fachbereichsübergreifend, in mehreren Sprachen und auch mit Kollegen aus anderen Kulturkreisen.

Gesprächs- und Verhandlungsführung steigen ebenfalls auf – von drei auf zwei. Mitarbeiterführung klettert von vier auf drei. Und – man höre und staune – die Entscheidungsfähigkeit fällt von heute zwei auf morgen sechs! Man darf gespannt sein, ob die Damen und Herren Personalentscheider in zehn Jahren ihre Kandidaten tatsächlich so beurteilen werden, wie sie heute vermuten …

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Die Arbeitszeit-Revolution hat begonnen

und die Stechuhr hat ausgedient. Unternehmer erkennen, dass starre Arbeitszeiten an den heutigen Lebensrealitäten vorbeigehen. Und zwar nicht nur an denen der Arbeitnehmer, sondern im globalen Wettbewerb auch an denen ihrer Kunden.

Von Jens Kügler

Ausgerechnet Bayern. Man verbindet dieses traditionell sehr konservative und bäuerlich geprägte Land nicht unbedingt mit Modernität, Revolution und gesellschaftlichen Umbrüchen. Aber zu unrecht. Schon vor zwanzig Jahren bewarb das Land seine wirtschaftliche Innovationsfähigkeit mit dem Slogan „Laptop und Lederhosen“. Heute sehe ich auf Großflächenplakaten, auf Online-Bannern und Bierdeckeln einen neuen Slogan. Er lautet „So möchte ich arbeiten! Mehr Flexibilität in der Arbeitszeit“. Es handelt sich um eine Werbekampagne. Abgebildet werden Arbeitnehmer, die erklären, warum sie flexiblere Arbeitszeiten benötigen. Sie erläutern auch, welche Vorteile eine individuellere Zeiteinteilung für ihr Unternehmen und letztlich auch für Kunden und Verbraucher bringt.

Klingt nach einer Gewerkschafts-Initiative? Mitnichten! Hinter der Kampagne steht die vbw Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. Ein Verband von Arbeitgebern. Ihr Präsident lässt sich mit den Worten zitieren, die deutschen Arbeitszeitregelungen aus den 70er- und 80er-Jahren brauchen in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung dringend ein Upgrade. Dabei geht es dem Verband nicht um die Erhöhung des Arbeitszeit-Volumens. Die Kampagnen-Macher rechnen sich ökonomische Vorteile aus, wenn sie ihren Mitarbeitern Flexibilität, Work-Life-Balance, mobiles Arbeiten und mehr Eigenverantwortung durch flachere Hierarchien bieten. Vor allem aber möchten sie sich und ihre Betriebe für junge Leute attraktiver machen. Bayern sucht händeringend Fachkräfte – der Verband hat’s erkannt.

Nicht nur Verbände, auch einzelne Unternehmen gehen voran. Letzte Woche las ich in der Fachzeitschrift w&v Werben & Verkaufen: Die Marketing-Agenturgruppe Dentsu Aegis schafft in Deutschland die Kernarbeitszeiten ab. Ihre rund 1.300 Mitarbeiter an allen fünf deutschen Standorten von Hamburg bis München können sich ihren Arbeitsbeginn und ihr Arbeitsende im Rahmen individueller Wochenstunden selbst aussuchen. Sie sind auch nicht mehr an einen Arbeitsort gebunden. Verfügen sie über technisch adäquates Equipment, können sie überall arbeiten – zuhause, am Strand, im Café, unterwegs …

Ulrike Handel, CEO von Dentsu Aegis Network in Deutschland, erklärt den Grund. „Um unser Geschäft nachhaltig weiterzuentwickeln, ist ein kultureller Wandel essentiell“, so die Agenturchefin in w&v. „Wir wollen die besten Talente – unsere Mitarbeiter und potenzielle Neueinsteiger – für unsere Arbeit und Herausforderungen begeistern“.

Fazit: Die Arbeitswelt von morgen wird täglich ein Stück mehr Realität. Unternehmen müssen reagieren und tun es vermehrt. Und – wie sagte ausgerechnet einmal ein Sowjetführer so treffend: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

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Hilfe, keine Azubis!

September 2017. Inzwischen dürfte so gut wie überall in Deutschland das Ausbildungsjahr begonnen haben. Und spätestens jetzt offenbart sich, dass wieder einmal zahlreiche Werkbänke und PC-Tische unbesetzt bleiben werden. Der Fachkräftemangel beginnt beim Ausbleiben der Azubis.

Von Jens Kügler

Eine Statistik des Deutschen Industrie- und Handelskammer-Tags (DIHK) belegt, das im Jahr 2016 jedes dritte deutsche Unternehmen seine Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzten konnte. Fast jeder zehnte Ausbildungsbetrieb erhielt nicht eine einzige Bewerbung. „Uns geht der Nachwuchs aus“, klagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Seit 2008 übersteigt die Zahl der Ausbildungs-Stellen die Zahl der Bewerber in Deutschland.

Herrscht statt Vollbeschäftigung sozusagen Über-Beschäftigung? Könnte das ein Grund zur Freude sein – während in Ländern wie Spanien eine horrende Jugendarbeitslosigkeit herrscht? Nein, denn unbesetzte Stellen schaden der Wirtschaft. Die betroffenen Unternehmen können weniger produzieren und müssen gegebenenfalls Aufträge stornieren. Und fehlende Azubis von heute sind fehlende Fachkräfte von morgen. Eric Schweitzer erklärt, dies sei eine gefährliche Entwicklung für die gesamte Gesellschaft. Bedeuteten doch fehlende Fachkräfte weniger Wachstum und Wohlstand.

Seltsam erscheint dagegen, dass nicht alle fündig werden, die einen Ausbildungsplatz suchen. Kurios ist dies aber nur auf den ersten Blick. Denn es gibt einen triftigen Grund für die Diskrepanz. Nämlich beliebte und unbeliebte Jobs. Die jungen Männer wollen am liebsten Kraftfahrzeugmechatroniker und die Frauen Kauffrau für Büromanagement werden. Am wenigsten gefragt ist das Gastgewerbe. Hier liegt die Zahl der Betriebe mit fehlenden Azubis bei 58 Prozent. Gefolgt vom Baugewerbe – mit 42 Prozent.

Warum wurden ihre Ausbildungsplätze konkret nicht besetzt, wollte der DIHK von den befragten Unternehmern wissen. Als häufigsten Grund dafür nannten diese das Fehlen geeigneter Bewerbungen – mit fast 70 Prozent. Aber zu 26 Prozent blieben die Stellen unbesetzt, weil die Unternehmen gar keine Bewerbungen dafür erhielten, null. Und in 22 Prozent aller Fälle traten die Azubis ihre Ausbildungsplätze gar nicht an.

Sollte man deshalb der Jugend Vorwürfe machen wie: Ihr wollt nur tun, wozu ihr Lust habt? Ihr seid faul? Ihr möchtet gar nicht arbeiten? Oder – im Bezug auf die ungeeigneten Bewerbungen: Ihr könnt nichts, seid dumm, habt nichts gelernt? Das dürfte kaum zutreffend und erst recht nicht zielführend sein. Vielmehr sollten sich die Branchen und Unternehmen, die am meisten unterm Azubi-Mangel leiden, überlegen, wie sie sich und ihr Angebot attraktiver machen können. Gehalt, Work-Life-Balance oder flexible Arbeitszeiten sind Stichworte. Es gibt ein Zauberwort für Unternehmen, und das heißt Arbeitgebermarke oder Employer Branding. Und sicherlich müsste auch am Image des einen oder anderen Berufsfeldes werblich etwas verändert werden. Klagt nicht, lernt, Euch zu vermarkten!

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