Monthly Archives: Dezember 2017

Schlechte Noten für Deutschlands Bosse

Warum suchen Deutschlands Unternehmer so verzweifelt nach Fachkräften? Vielleicht auch deshalb, weil sie sie vergraulen. Die Stimmung in Deutschen Firmen wird immer schlechter – laut einer aktuellen Studie.

Von Jens Kügler

„Mich wundert hier gar nichts mehr!“ (Betonung auf „gar“). Kennen Sie solche Aussagen? Ich habe sie heute Morgen bei einem Termin in den Fluren einer größeren Firma gehört. Sie kam mir vertraut vor. Wie auch jene Satzfetzen aus den Kaffeepausen: „… wie der die Schmidt wieder rund gemacht hat!“ (Betonung auf „der“), gefolgt vom resignierten: „… aber Sie kennen ja unseren Chef…!“.

Alle deutschen Bosse in einen Topf zu werfen und „draufzuschlagen“, wäre freilich falsch. Viele bemühen sich redlich. Aber heutige Angestellte möchten eben keine Befehlsempfänger mehr sein. Sie wollen mitgestalten, sich einbringen.

Kununu heißt eine Online-Plattform, auf der Arbeitnehmer ihre Chefs beurteilen können. Der Betreiber hat kürzlich über 300.000 Bewertungen aus den letzten zwölf Monaten analysiert. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Kategorie „Vorgesetztenverhalten“. Hier vergeben die Bewertenden ihre Noten von 5 für sehr zufrieden bis 1 für sehr unzufrieden. Lag der Durchschnittswert im letzten Jahr noch bei 3,19, sank er 2017 auf nur noch 3,15. Das ist kein Erdrutsch, aber bedenklich und spricht für keine gute Führungskultur.

Am unzufriedensten sind die Angestellten übrigens im Handwerk und in der Textilbranche. Die besten Bewertungen erhielten die Führungskräfte hingegen in den Geschäftszweigen Personalwesen, Beratung/Consulting und Internet/Multimedia. Auch regionale Unterschiede lassen sich ausmachen. Während sich Hamburger und Berliner Mitarbeiter am wohlsten mit ihren Vorgesetzten fühlen, schneiden die neuen Bundesländer am schlechtesten ab. Schlusslicht: Sachsen-Anhalt.

Noch ein Wert im Sinkflug ist die Empfehlung. 2016 hatten noch über 70 Prozent ihren Freunden und Bekannten empfohlen, sich bei ihrem Unternehmen zu bewerben. Jetzt sind es nur noch 67 Prozent. Dabei schaden sich Deutschlands Vorgesetzte mit ihrem schlechten Führungsstil gleich doppelt. Denn erstens bekommen sie immer größere Probleme, ihre offenen Stellen zu besetzen. Jedes dritte Arbeitsverhältnis kommt nämlich über Beziehungen und Empfehlungen zustande. Zweitens sind unzufriedene Mitarbeiter schlecht motiviert und weitaus öfter krank. Dass damit die Produktivität deutscher Unternehmen schwindet, liegt auf der Hand.

Was wünschen sich die Mitarbeiter? Auch das dürfen sie auf kununu hinterlassen. Sie wollen die Entwicklungen in ihrem Unternehmen „offen diskutieren und beeinflussen“. Kurzum: Sie wünschen sich Mitbestimmung, sie möchten etwas bewegen. Das ist doch Potenzial, das brachliegt, liebe Chefs!

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Deutschland 2017: Eine Gründerwüste?

Der High-Tech-Standort Germany ist in Puncto Wirtschaftsklima eher ein Entwicklungsland. Die Wetterlage: Siehe KfW Gründungsbarometer 2017.

Von Jens Kügler

Überall lesen wir: Es herrscht Fachkräftemangel. Unternehmer suchen händeringend qualifizierte Arbeitskräfte. Alles gut? Vollbeschäftigung, grünes Licht für Wachstum und Wohlstand? Fast. Sicher herrschen vielfach paradiesische Zustände für gut Qualifizierte. Indes – die nicht besetzten Stellen gefährden die Unternehmen und somit ganze Wirtschaftszweige. Aufträge können nicht abgewickelt werden, Kunden gehen verloren. Und das ist nur eine der Schattenseiten der sonnigen Konjunktur.

Ein Blick in die kürzlich erschienene, jährliche Studie Gründungsbarometer 2017 der staatlichen KfW-Förderbanken offenbart noch einen weiteren Tatbestand, der aufhorchen lässt. Die Zahl der Gründer war 2016 wieder einmal rückläufig – wie schon seit Jahren. Die Ursache sehen die Verfasser in der Boom-Konjunktur, dem Fachkräftemangel und der Aussicht möglicher Gründer auf gute Angestellten-Jobs. Wozu auch bei sonnigen Job-Perspektiven auf das feste Gehalt und die günstige Krankenversicherung verzichten? Wozu den Mut zum Risiko aufbringen?

Ein Newsletter der Plattform Franchiseportal verkündete am Wochenende: Selbst Franchisegeber haben immer größere Probleme, Franchisenehmer zu finden. Dabei bietet diese Unternehmensform doch die bestmögliche Sicherheit, ein Geschäft erfolgreich zu starten und zu betreiben. Die Marke, unter der ein Franchisenehmer seine Firma aufbaut, ist bekannt und etabliert. Das Geschäftsmodell ist schon hundertfach erfolgreich erprobt worden. Und die Zentrale greift dem Gründer mit Vielem unter die Arme – von der Finanzierungsplanung der Startinvestitionen über die Kapitalbeschaffung bis zu Einkauf oder Rechnungswesen im laufenden Geschäftsbetrieb.

Und es klafft noch eine Lücke in der mittelständischen Wirtschaft: Familiengeführte KMU finden keine Nachfolger. Die ohnehin viel zu wenigen Existenzgründer möchten wenn, dann lieber neu gründen als das Ruder eines eingefahrenen Schiffes auf festem Kurs zu übernehmen. Bloß – ohne neuen Kapitän läuft auch das sicherste Schiff aufs Riff.

Zählt man alles zusammen, kann es bald sein, dass es immer weniger Unternehmen gibt. Mit den KMU stirbt das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Mitten in der Hochkonjunktur – oder wegen ihr – graben wir uns möglicherweise die Wirtschaftsgrube. Klingt jetzt etwas drastisch, kann aber passieren. Deutschland braucht jedenfalls mehr Gründermut. Es braucht eine Gründerkultur. Was es nicht braucht, sind Lehrer oder Eltern, die den jungen Menschen von der Selbstständigkeit abraten und sagen: Such Dir lieber einen sicheren Job!

Ob „Grokos“, ob Minderheits-Regierende oder doch noch Jamaika-Koalitionäre: Wer immer 2018 regieren wird, bekommt etwas ins Stammbuch geschrieben. Schafft mehr Gründer-Anreize! Gute Beispiele aus dem Ausland gibt’s genug. Ein Blick ins Nachbarland Schweiz reicht: Obwohl es keine staatlichen Fördermittel wie etwa KfW-Kredite gibt, gründen Eidgenossen fleißig Firmen. Die Kantone und Kommunen helfen ihnen auf vielfache Weise – von der Suche und Bereitstellung günstiger Grundstücke bis zu Vergünstigungen bei den ohnehin sehr niedrigen Steuern. Vielleicht ist all dies mit ein Grund dafür, dass das Hochlohnland Schweiz seit Jahren den ersten Platz als produktivstes Land im Global Competitiveness Report belegt.

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Erfolg mit schrägen Geschäftsideen

Das klappt nie. Du bist ja verrückt“. Manch ein Existenzgründer hat solche Aussagen zu hören bekommen – und lachte am Ende als letzter.

Von Jens Kügler

Schon mal was von Kassenbandwerbung gehört? Tatsächlich hat ein Unternehmen ein Patent für ein Klebefoliensystem entwickelt, mit dem sich das laufende Band an der Supermarktkasse als Werbefläche bekleben lässt, wie ein Plakat. Denn: Wo stehen die Kunden am längsten und sind aufmerksam? Richtig, an der Kasse. Schräge Idee, aber beim längeren Nachdenken gar nicht so dumm.

Ein dänisches Franchise vertreibt seit zwei, drei Jahren erfolgreich Verleih-Regenschirme in Fußgängerzonen, wie in diesem Blog bereits thematisiert. Die Schirme dienen ebenfalls als Werbeflächen. In München hat eine Firma aus Singapur gleich 7.000 Leih-Fahrräder platziert. Die Kunden finden und entsperren die Räder per App und GPS und können sie überall wieder stehen lassen und abschließen. Es wird kontrovers diskutiert, ob das ökologisch sei oder die Stadt mit Drahteseln „zugemüllt“ werde. Aber: Ein jeder redet über die „gelben Radln aus Kina“ (also: China. Sprich Asien).

In seinem Blog auf LinkedIn hat der Autor Max Wittrock neulich über vermeintlich schlechte Ideen referiert, die oft die besten seien. Als Beispiel nannte er das Bio-Müsli, das sich die Nutzer online selbst zusammenstellen und per Post zusenden lassen können. Das Gute an der Idee: Ihre „Erfinder“ waren die ersten und brachten ein interessantes Thema in die PR-Tools. Das blieb bei der Netzgemeinde in Erinnerung – und das Müsli-Business läuft. In einer Nische, die klein genug sei, könne man sofort Weltmarktführer werden, so Max Wittrock.

Indes weist der Autor darauf hin, dass eine gute Idee alleine nicht reiche. Erstens müssten die Start-up-Gründer für ihre Idee brennen. Sie müssen so begeistert davon sein, dass sie es nicht erwarten können, sie umzusetzen. Man solle lieber etwas gründen, was man liebt –, auch wenn es zunächst klein und verrückt klingt –, als ohne Begeisterung und den nötigen Elan einer vermeintlich großen Idee nachzugehen.

Schließlich muss die Idee zu einem tragbaren Geschäftskonzept weiterentwickelt werden. Entscheidend ist das Drumherum, die Gedankenarbeit zum Geistesblitz. Der Blogger spricht indirekt von Details wie Preispolitik und Distribution. Erst sie hätten dem Bio-Online-Müsli den Weg geebnet. Was nötig ist, wissen Business-Profis: Es sind Marktrecherchen, Bedarfs-Analysen, Marketing-Strategien, ein Kapitalbedarfsplan, eine Umsatz-, Kosten- und Liquiditätsplanung und – um an das Kapital der Banken und an Fördermittel zu kommen – ein professioneller Businessplan.

Wie aus einem Geistesblitz ein funktionierendes Unternehmen wird, kann jemand nicht wissen, der zum ersten Mal ein Unternehmen gründet. Aber wozu gibt es Gründungsberater? Ein echter Geistesblitz, auch eine verrückte Geschäftsidee, ist es wert, ein paar tausend Euro in eine Gründungsberatung zu investieren, zumal die Beratung öffentlich gefördert werden kann. Es ist besser, als die Idee für immer im Nirvana des nie Verwirklichten versinken zu lassen.

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