Monthly Archives: März 2018

Fünf Gründe, warum Angestellte kündigen

Achtung, Binsenweisheit: Jedes Unternehmen funktioniert nur so gut, wie seine besten Mitarbeiter – wenn sie denn treu bleiben! Sie zu halten sei wichtiger, als neue Talente zu suchen, meinen die Autoren des Undercover Recruiter. Fünf typische Kündigungsgründe zählten die Londoner HR-Blogger kürzlich auf. Und wie man als Arbeitgeber gegenzusteuern habe.

Von Jens Kügler

Erstens: das liebe Geld. Okay, wir hören zwar von den Generationen Y und Z, das ihnen Anerkennung, sinnvolle Tätigkeiten und die Work-Life-Balance wichtiger seien als das Gehalt. Aber wer will bestreiten, dass die Frage „Wovon lebe ich – und wie gut?“ zu den wichtigsten aller Interessen gehört? Wer seine Spitzenkräfte halten will, muss mindestens soviel zahlen wie der Wettbewerb. Besser mehr. Wer unterdurchschnittlich bezahlt, wird auf die Dauer das Nachsehen haben. Der Verlust des besten Mitarbeiters, der Kompetenz-Ausfall und die Suche nach adäquatem Ersatz dürfte teurer kommen.

Kündigungsgrund zwei: fehlende Entwicklungsmöglichkeiten. Gerade junge Leute möchten sich fortbilden und ihre Fähigkeiten ausbauen. Daher ist es wichtig, einen konstanten Dialog mit ihnen zu führen, um zu erfahren, ob sie in ihrer Jobsituation glücklich sind und wenn nicht, was zu tun wäre. Grund drei ist das Fehlen sinnvoller Tätigkeiten. Wer sich selbst die Frage „Warum arbeite ich eigentlich hier?“ nicht überzeugend beantworten kann, hat im Kopf längst gekündigt. Daher müssen Chefs von ihren Angestellten wissen, was sie zum Arbeiten inspiriert, was sie glücklich macht – und was sie über das Produkt und die Firmenphilosophie denken.

Ein vierter Grund, zu gehen, ist Unselbstständigkeit und fehlende Verantwortlichkeit. Wer sich an seinen stressigen Arbeitstagen auch noch gegängelt fühlt, kann in seinem Job nicht glücklich sein. Daher sollten die Chefs ihren Arbeitnehmern mehr Vertrauen entgegenbringen, ihnen mehr zutrauen – und ihnen Entscheidungsspielräume übertragen.

Grund Nummer fünf ist der Mangel an Anerkennung und Wertschätzung. Die Londoner sprechen sogar vom „lack of love“. Damit ist nicht nur das fehlende Dankeschön oder Schulterklopfen gemeint – oder die Ignoranz und Respektlosigkeit des Führungspersonals. Sondern auch so Einzelheiten wie ein miserabel ausgestatteter oder eingerichteter Arbeitsplatz und natürlich eine schlechtere Bezahlung gegenüber den Kollegen. Das Gespräch darüber, ob sich die Mitarbeiter wertgeschätzt fühlen, sollte offen sein – und vor allem: stattfinden.

Wohlgemerkt: Diese fünf Kündigungsgründe sind weder eine Rangliste noch das Ergebnis irgendeiner Umfrage. Sondern rein aus Erfahrung geschrieben.

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING

PR-Trulla gesucht – für Kollegen aus der Hölle

Konventionelle Stellenanzeigen zünden kaum noch. Im Gegenteil: sie langweilen. Einige Unternehmen probieren daher etwas, das bisher niemand gewagt hat. Sie beweisen Humor, ja Ironie.

Von Jens Kügler

Dieses Facebook-Video wurde vor ca. zwei Wochen ins Netz gestellt: Ein Glasermeister aus Cuxhaven tritt vor den Eingang seines Ladens. In der Hand hält er eine riesige Glasscheibe. Er zerdeppert sie auf dem Asphalt – klirr! Da liegt sie vor ihm in tausend Scherben. Jetzt erklärt er, dass er „Dich“ als Azubi braucht, damit so etwas nicht noch einmal passiert. Und wie viel er zahlen würde – als Bonus-Geld für Ausbildungsbeginn. Und für den erfolgreichen Abschluss obendrauf.

Ob er seinen Azubi gefunden hat, weiß ich nicht, aber Bewerbungen gab es sicher. Denn das Video wurde zum Viral-Hit, millionenfach angeklickt.

Bayern, letzte Woche. Die Leser der Passauer Neuen Presse machten Augen, als sie die Stellenanzeige einer Brandschutzfirma aus Niederbayern lasen. „Grantler und Taugenichtse“ suchte das Unternehmen. Leute, die „keinen Bock auf Großkonzerne haben“ und für einen „inkompetenten und planlosen Chef“ arbeiten möchten!

Fast Zeitgleich setzte eine Münchner PR-Agentur eine Stellenanzeige ins Netz mit dem Wortlaut: „Zum nächstmöglichen Zeitpunkt suchen wir jetzt: einen PR-Fuzzi/eine PR-Trulla“. Was Trulla oder Fuzzi mitbringen sollten? Top-Referenzen? Mitnichten. Sondern unter anderem 150.000 Instagram-Follower, einen chilligen Lebenslauf und Erfahrung mit üblen Kantinen. Was sie erwartet: KollegInnen aus der Hölle und „weitgehend stupide Aufgaben, die sich aber oft wiederholen“.

Eins haben der Glaser von der Waterkant, die niederbayerischen Brandschützer und die selbst-erklärten Münchner PR-Stümper gemeinsam: Aufmerksamkeit für ihre Stellenangebote. In einem Bewerbermarkt, in dem Fachkräftemangel herrscht, stoßen „… konventionelle Stellenanzeigen auf null Resonanz …“, wie der niederbayerische Mittelständler in einem Zeitungsartikel über seine Such-Aktion erklärte.

Kurzum: Mit Humor und Ironie werden die Anzeigen zu Blickfängen. Sicherlich kann dies nicht der Idealtypus künftiger Stellenanzeigen sein. Und falls jetzt eine Humor-Anzeigen-Welle einsetzen sollte, verpufft der Effekt sicher schnell. Doch außer Aufmerksamkeit gelingt diesen Anzeigen noch etwas:

Sie konterkarieren erfrischend den Einheitsbrei auf den Stellenmärkten. Diese übertrieben euphemistischen oder sogar lügenden Selbstdarstellungen all dieser Top-Unternehmen mit ihren erstklassigen Karrierechancen, ihrem tollen Kollegium, das „nur auf Sie wartet“, und ihrer überdurchschnittlichen Vergütung. All diese Unternehmen müssen sich nicht wundern, wenn viele ihrer Bewerber selbst heute noch mit ebenso glänzend übertriebenen Lebensläufen prahlen. Die Humor-Anzeigen sind im Zweifelsfall ehrlicher, meint der Autor :-)

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING