Monthly Archives: Mai 2018

Interview mit Christine Berges

Lesen Sie hier das Interview der Benefit mit Christine Berges zu ihrer neuen Publikationsreihe.
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Interview_Berges

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Mama ist Chefin

Immer mehr Mütter gründen Unternehmen. Und das nicht, obwohl sie Kinder haben. Sondern weil.

Von Jens Kügler

Klingt schon fast wie ein Klassiker: die Kleinen wurden allmählich größer – und ihre Mutter begann, all die Kleidung und das Spielzeug auf eBay zu verkaufen, das sie nicht mehr brauchte. Andere Artikel, die sie brauchte, besorgte sie sich abends im Netz, mangels Zeit für den Shopping-Bummel. Der Schritt zur Geschäftsidee war nicht mehr fern: zur Online-Tausch- und Shopping-Plattform für Kleinkind-Artikel.

Frauen gründen aus anderen Gründen – das haben Studien längst ergeben. Häufig liefern persönliche Bedürfnisse die Initialzündung für die Unternehmensgründung, während männliche Existenzgründer oft nach Geschäftsideen suchen, die am meisten Gewinn versprechen. Bei Müttern aber spielt noch ein anderer Faktor eine Rolle. Sie müssen häufig Geld verdienen und finden schwierig Teilzeitjobs, bei denen sie Job und Familie zeitlich in Einklang bringen können. Ihnen bleiben bestimmte Zeitfenster für berufliche Tätigkeiten, die sich am besten durch flexible selbstständige Arbeit belegen lassen. Der Online-Shop ist nur ein Beispiel: Die Betreiberin versendet ihre Artikel, wenn die Kinder schlafen oder in Betreuung sind.

Laut KfW-Gründungsmonitor machen sich Mütter besonders häufig im Bereich Dienstleitung, Gastronomie, Steuer- oder Unternehmensberatung, Werbung/Marketing, Reinigungsdienste sowie häusliche Betreuungsangebote selbstständig – und bei letzterem bevorzugt als Tagesmütter. Aber auch gerade der Bereich Online-Medien spielt eine immer größere Rolle. Und der Anteil der Mutter-Unternehmerinnen steigt:

Die jüngsten Zahlen der KfW-Förderbank belegen es. Während die Zahl der Existenzgründungen insgesamt rückläufig ist, stieg der Anteil der Frauen unter den Firmengründern in Deutschland von 34 Prozent im Jahr 2002 auf zuletzt 40 Prozent. Und wiederum rund 40 Prozent dieser Gründerinnen haben minderjährige Kinder. Das heißt, jede sechste Firmengründung in Deutschland geschieht durch junge Mütter. Es ist sogar bereits eine Bezeichnung für Mütter-Unternehmerinnen im Umlauf: Mompreneurs.

Offenbar besinnen sich immer mehr Frauen jener Stärken, die weiblichen Führungskräften nachgesagt werden – und wagen damit den Schritt in die Selbstständigkeit. Sie sind kommunikationsfähiger, führen kooperativer, bringen Kunden wie Geschäftspartnern mehr Empathie entgegen, vernetzten sich und arbeiten gern im Team. Was gerade Mütter betrifft: Geschäfte bahnen sich oft im Smalltalk an, wodurch Sympathie entsteht. Frau spricht die gleiche Sprache über dasselbe Thema – die Kinder. Smalltalk ist etwas, das Männer oft erst in Seminaren lernen müssen.

Ein typisches Merkmal von Gründerinnen ist laut Marktforschung die Angst vor finanziellen Risiken. Frauen gründen oft in kleineren Dimensionen – jedoch meist mit positiven Folgen. Nämlich erst wenn die Finanzierung wirklich gesichert und durch Fördermittel aufgestockt ist. Frauen gehen seltener pleite. Und sie vernetzen sich im Allgemeinen lieber als Männer. Diese Eigenschaft macht sie für Franchise-Systeme interessant: Viele Franchisenehmer-Firmen lassen sich in Teilzeit gründen. Außerdem kommt die lokale Ausrichtung und begrenzte Größe von Franchisenehmer-Betrieben ihrem Minimal-Risiko-Denken entgegen.

Last but not least: Viele Franchise-Netzwerke suchen gezielt nach Müttern. Vor allem solche, deren Gründerinnen und Franchisegeberinnen ebenfalls Frauen sind. Warum sind selbstständige Mütter dort begehrt? Sie haben das Thema Zeitmanagement im Griff, denken „mehrgleisig“ und sind routinierte Multi-Taskerinnen.

Gibt es noch einen Grund für Mütter, zu gründen? Klar. Die Kinder sind stolz auf ihre Mama, die erfolgreiche Unternehmerin. Und je mehr weibliche Vorbilder es gibt, desto mehr Frauen trauen sich, zu gründen. Deutschland braucht euch, Mompreneurs!

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Unternehmen übernehmen. Warum nicht?

Wer sich selbstständig machen will, denkt meistens an eine Existenzgründung. Ein Start-up. Dabei suchen Alt-Unternehmer händeringend Nachfolger – mehr denn je. Eine Chance, die viel zu wenige nutzen.

Von Jens Kügler

Ist „Übernehmen“ das Gegenteil von „Unternehmen“? Man könnte das jetzt einfach als Wortspiel stehen lassen. Es spiegelt aber ein Stück traurige Realität in Deutschland wider. Die Zahl der Existenzgründer hierzulande ist seit Jahren rückläufig – und ebenso die derjenigen, die ein bestehendes Unternehmen – Achtung: kein Wortspiel –: übernehmen wollen.

Der „KfW-Gründungsmonitor 2017“ ist die jüngste Ausgabe der jährlichem Marktforschungs-Publikationen der Förderbank. Ihr aktueller Titel lautet „Beschäftigungsrekord mit Nebenwirkung: So wenige Gründer wie nie“. In Zeiten des Fachkräftemangels halten die vielen zu besetzenden Arbeitsplätze die Gründer vom Sprung in die Selbstständigkeit ab. Dieses Phänomen macht sich auf dem Markt der Unternehmen, die zur Übernahme anstehen, umso stärker bemerkbar.

Laut „DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2017“ suchten knapp 6.700 Alt-Inhaber ihre IHKs zwecks Nachfolger-Suche auf. Fast 3.000 von ihnen fanden keinen passenden Nachfolger. Der Höchststand seit Beginn der jährlichen Erhebung durch den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Dabei sinkt gleichzeitig die Zahl der Übernahme-Interessierten. „Die Schere“, so der Report, „geht von Jahr zu Jahr immer weiter auseinander“.

Wo die Gründe liegen? Zehntausende deutscher Unternehmer erreichen das Ruhestands-Alter. Sie möchten oder müssen aus Alters- oder Gesundheitsgründen verkaufen, das „Ruder“ übergeben und in Rente gehen. Natürlich ist deren zunehmende Zahl auch eine Folge des demografischen Wandels und der alternden Gesellschaft. Die prozentual abnehmende Zahl der jungen Menschen beantwortet die Frage nach dem Warum natürlich nur zum Teil.

Ein wichtiges Indiz liefert der zuerst genannte KfW-Gründungsmonitor. Es gibt grundsätzlich zu Wenige mit dem Mut zum Unternehmer-Sein. Hinzu kommt, dass viele dieser kleinen, zur Nachfolge anstehenden Unternehmen Familienbetriebe sind. Und wenn es über Generationen üblich gewesen sein mag, dass der Sohn oder die Tochter das Handwerk des Vaters oder der Eltern übernahm: Die Generation Y hat meistens andere Vorstellungen vom Berufsleben als die harte Arbeit eines Kleinunternehmers in einer uncoolen Branche wie Friseur, Klempner, Malermeister oder Schreibwarenhändler.

Ein weiterer Grund: Es erscheint vielen potenziellen Unternehmenskäufern und -verkäufern zu schwierig, einen realistischen Kaufpreis für ein bestehendes Unternehmen zu ermitteln. Vor allem dann, wenn es für den Verkäufer um sein „Lebenswerk“ geht. Viele fürchten auch die Erbschaftssteuer. Wieder Andere möchten ungern Strukturen übernehmen, die sie vielleicht als verkrustet wahrnehmen. Last but not least: Existenzgründer möchten sich oft selbst verwirklichen mit ihrem eigenen Namen und ihrer eigenen Geschäftsidee. Am liebsten in einem innovativen Start-up mit stylischen Büro statt muffiger Werkstatt.

Was heißt das? Zehntausende deutscher Unternehmen müssen in den nächsten Jahren voraussichtlich schließen. Damit sind Hunderttausende von Arbeitsplätzen in Gefahr – und mehr noch, in schlimmsten Szenarien: der gesamte Mittelstand. Das Rückgrat unserer Wirtschaft.

Der Appell an die junge Generation kann nur lauten: Habt Mut zur Übernahme. Ihr müsst keine eigene Marke kreieren, kein Geschäft aufbauen, keinen Bekanntheitsgrad schaffen, keinen „eigenen Namen“ machen, keine Kundschaft von null auf gewinnen. Ihr übernehmt ein gesundes Geschäft. Ein Großteil der Risiken einer Existenzgründung entfallen, wenn ihr ein bestehendes Unternehmen weiterführt. Fragt einfach bei euren IHKs nach, welche Unternehmen einen Nachfolger suchen. Ihr findet sicher das passende Geschäft. Und an die Adresse der Alt-Unternehmer: Macht euer Angebot attraktiv und lasst los. Die junge Generation möchte nicht „weiter wie bisher“ machen – und das dürfte das Geschäft nur beleben.

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