Monthly Archives: Juni 2018

I Don’t Like Mondays

Eine aktuelle Studie scheint zu belegen: In Deutschland grassiert der „Montag-Morgen-Blues“. Fast jeder zweite Deutsche steht zum Wochenbeginn nur sehr widerwillig auf und hasst es, in die Arbeit zu gehen. Grausiger Gedanke.

Von Jens Kügler

„I don’t like Mondays“. Kennen Sie noch den Superhit von Bob Geldof und den Boomtown Rats? Psychologen wissen es: Montags morgens fällt es am schwersten, sich zu motivieren. Eine aktuelle Studie liefert Zahlen dazu. Eine Startup-Initiative namens MondayMakers führte diese Umfrage durch. Das Ergebnis: 42 Prozent gehen montags äußerst ungern zur Arbeit. Die häufigsten Gründe, warum, haben aber komischerweise nichts mit dem Tag zu tun: Die Leute fühlen sich unterbezahlt (rund 35 %), leiden unter zu viel Stress (ca. 33 %), fehlender Wertschätzung (knapp 31 %) oder einem langweiligen Job/Unterforderung (ca. 27 %). Weitere Gründe: Die Chemie mit Chef stimmt nicht und „ich kann mich nicht mit Unternehmenszielen identifizieren“ (je ca. 19 %; Daten laut Statista).

Was, bitteschön, hat all das mit Montag zu tun? All diese Gründe sind Dienstag bis Freitag auch nicht besser! Vielmehr haben deutsche Arbeitnehmer offensichtlich ein Problem mit sich, mit ihren Jobs und ihrer Motivation im Allgemeinen. Offenbar freuen sich alle nur aufs Wochenende und sind frustriert, wenn es vorbei ist und sie nun fünf unendlich lange Tage arbeiten müssen. Demnach müsste sich die Stimmungslage mit jedem folgenden Tag etwas bessern. Um am nächsten Montag wieder ins Tief zu stürzen.

Hey – kann es denn nur vom Wochentag abhängig sein, wie gern und motiviert ich arbeite? Und wie gut?

Klar ist: Hier müssen Hebel angesetzt und in Schalter in den Köpfen umgelegt werden. Arbeitgeber: Überlegt euch mal, wie ihr eure Leute gerade zu Wochenbeginn etwas mehr motivieren könnt. Mehr Motivation heißt: Zufriedenere und produktivere Mitarbeiter. Arbeitnehmer: Denkt mal über den Raubbau an euren eigenen Ressourcen nach. Als Unmotivierte arbeitet ihr nicht nur schlechter, ihr werdet immer unzufriedener und reitet euch Richtung Burnout und Depression. 52 lange Wochen im Jahr, abgesehen vom Urlaub.

Ein paar kleine Anregungen haben wir letztes Jahr schon mal gesammelt, siehe „Bye bye, Montag-Morgen-Blues“ und „Vier produktive Morgen-Routinen“.

Ach ja, ich habe mich am heutigen Montagmorgen auf mein Rennrad gesetzt und bin ins Büro geradelt. Habe dabei ganz nebenbei Punkte für mein Team bei der bundesweiten Online-Initiative „Stadtradeln“ gesammelt. Großer Sport: Meine Stadt München ist auf Platz drei geklettert! Heute Nachmittag, wenn die Sonne durch die Wolken spitzt, packe ich das Notebook mit vollem Akku in den Rucksack und radele hinaus an den See mit dem WLAN-Biergarten. Um dort zu arbeiten. Thema: Tapetenwechsel. Wozu gibt es schließlich Mobilgeräte!

Okay, nicht jeder wird sein Hobby mit seiner Arbeit kombinieren können. Aber denkt doch einfach mal darüber nach, wie viele es könnten. Und wie viele somit schon am frühen Montagmorgen etwas hätten, worauf sie sich im Zusammenhang mit ihrer Arbeit freuten.

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WM: Event am Arbeitsplatz

Gol da Alemanha“: Tor für Deutschland! In Brasilien ist dies ein Schimpfwort – seit dem desaströsen 1:7 vor vier Jahren. Bei uns ist es immer noch ein Jubelschrei. Und wenn man schon nicht unter Freunden jubeln kann –, weil die Spiele zu Arbeitszeiten stattfinden – dann freut man sich umso mehr, wenn man es unter Kollegen tun darf.

Von Jens Kügler

Alle fiebern dem Donnerstag entgegen: WM in Russland, es geht los! Doch 16 Uhr, 17 Uhr – die Anstoß-Zeiten sind nicht eben „arbeitgeberfreundlich“. Nichtsdestotrotz: Millionen von Menschen an Deutschlands Werkbänken werden alleine Gedanken wie diese bewegen: Wie steht’s im Spiel der deutschen Mannschaft? Wie ist das Tor gefallen? Gibt’s Elfmeter – zu Recht? Kurzum: Niemand will NICHT live sehen wollen, was in Moskau, Kasan oder St. Petersburg passiert.

Immerhin: Die Arbeitgeber in Deutschland sehen das Thema WM verfolgen lockerer. Einer aktuellen Studie zufolge haben 57 Prozent keine Einwände gegen das Hören von Radioübertragungen. 38 Prozent finden selbst Fernsehen gucken in Ordnung. Schließlich sind die Chefs nicht weniger fußballbegeistert als ihre Angestellten.

Ich erinnere mich an die WM 2002 in Japan und Korea. Die Spiele fanden oft mittags oder am frühen Nachmittag statt – was laut Ortszeit spätabends war. Im Verlag, in dem ich arbeitete, wurde im Gruppenraum ein Beamer aufgebaut – und es fand eine vom Chef mit Bratwurst und alkoholfreiem Bier gesponserte WM-Party statt. Er selbst stand draußen am Grill. Es gab T-Shirts mit Verlagslogo und Schwarz-Rot-Gold-Aufdruck. Kurzum: Jedes Spiel der deutschen Mannschaft bis ins Finale war ein Teambuilding-Event, das nicht einmal viel kostete. Kunden riefen während der Spiele ohnehin nicht an.

Haben Sie schon einmal einen Kunden-Anruf, einen Besuch oder eine E-Mail während eines „Deutschland“-WM-Spiels erhalten, die sofort beantwortet werden musste? Sicher nicht. Sehen Sie’s gelassen. Angestellte, die „gucken“ dürfen, sind sicherlich nicht die unzufriedensten Arbeitnehmer. Und Mitarbeiter, die ein WM-Spiel als Gruppenerlebnis empfinden, sind sicher dankbar und arbeiten gerne an den folgenden Tagen die 90 Minuten nach. In diesem Sinne: uns allen eine erfolgreiche Weltmeisterschaft. Und: na starowje (es muss ja nicht gleich Wodka sein)!

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