Monthly Archives: Juli 2018

Motivation statt Marketing

Welche Instrumentarien machen ein Unternehmen effizienter und erfolgreicher? Das Controlling? Die Prozessoptimierungen? Die neue Marketing-Strategie? Möglicherweise. Aber Führungskräfte-Schulungen zur Mitarbeiter-Motivation können am wirkungsvollsten sein.

Von Jens Kügler

Voll motiviert: so arbeiten rund ein Drittel aller Angestellten. Voll motiviert klingt gut. Ein Drittel ziemlich ernüchternd. Will heißen: Zwei Drittel arbeiten wenig bis null motiviert. So die Zahlen einer Studie von Dale Carnegie Training. Viele Mitarbeiter haben im Kopf längst gekündigt. Sie und ihre Arbeitgeber schöpfen ihr Potenzial nicht aus. Sie verlassen das Unternehmen früher oder später. Ihr Know-how fließt ab. Die Fluktuation steigt, das Unternehmen muss wieder und wieder in den Rekrutierungsprozess investieren.

Das Institut Dale Carnegie fand heraus, dass bestimmte Emotionen die Motivation beeinflussen. 28 positive wie negative Emotionen konnten „isoliert“ und identifiziert werden. Fünf davon motivieren, zwölf demotivieren, der Einfluss der restlichen war marginal. Die fünf Motivierenden? In die Arbeitswelt „übersetzt“ lauten sie: sich wertgeschätzt fühlen, selbstsicher am Arbeitsplatz zu sein, inspiriert zu sein, begeistert zu sein (heißt: sich dem Unternehmen zugehörig zu fühlen) und sich zu selbstständigem Handeln ermutigt zu fühlen.

Zu den negativen Gefühlen zählen Angst, Verletzlichkeit, Ausgeliefertsein, Geringschätzung, Apathie und Langeweile. Sie hängen zusammen mit Desinteresse, Unwohlsein und Verärgerung. Letzteres spürten die Probanden vor allem im Umgang ihrer Vorgesetzten mit ihnen. Negative Emotionen verankern sich tendenziell viel stärker als positive. Sie werden auch von der Umwelt stärker wahrgenommen und übertragen sich schneller auf andere Mitarbeiter. In jede Fall, so das Whitebook zur Studie, ist der direkte Vorgesetzte der Hauptverantwortliche für die Gefühle am Arbeitsplatz.

Kurzum: Motivierende Vorgesetzte begeistern und inspirieren. Sie geben ihren Mitarbeitern das Gefühl, ein Teil von etwas Größerem zu sein. Ihre Mitarbeiter sind stolz auf ihr Unternehmen und ihre sinnvolle Arbeit. Sie zeigen mehr Engagement. Sie sind bereit, fürs gleiche Gehalt mehr zu arbeiten und zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Demotivierende Führungskräfte sind hingegen für die schlechte Wirtschaftlichkeit und Ineffizienz ihrer Teams selbst verantwortlich.

Der Herausgeber veröffentlicht seine Whitebooks als Werbung für seine Management- und Führungskräfte-Trainings. Es kostet weniger, in solche Kurse zu investieren, als ineffizient weiterzuarbeiten – so die Botschaft zwischen den Zeilen. Für die Erkenntnis indes braucht man kein Whitebook. Der pure Menschenverstand reicht. Führungskräfte-Schulungen zum Umgang mit Mitarbeitern zählen sicher zu den wirtschaftlich sinnvollsten Maßnahmen. Vielleicht noch vor Strategie, Business Development, Controlling oder Marketing.

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Muss jeder plötzlich „Chief“ sein?

In deutschen Stellenbeschreibungen greifen Anglizismen um sich. Für manche Unternehmen mag dies vorteilhaft sein und für manche Angestellte aufwertend klingen. Anderenorts führt es zunehmend zur Verwirrung und schießt oft am Ziel vorbei.

Von Jens Kügler

„Guten Tag, ich bin der neue Chief Financial Officer!“. Ich stelle mir vor, wie sich Hansi Müller – stolz wie Oskar – in der Buchhaltung vorstellt. Bei Leuten, die jetzt „Assistant“ heißen – und nicht mehr Sachbearbeiter. Geschäftsführer Finanzen? Das war gestern. Unternehmen pflegen, ihre Berufsbezeichnungen aufzuwerten, wie sie glauben. Was anhand unbeliebter Berufe wie „Versicherungskaufmann“ sogar verständlich erscheint. Tatsächlich aber folgen sie einem teilweise peinlichen Anglizismus-Trend, wie er sich im Deutschen immer weiter ausbreitet. Bisweilen nehmen die Stellenbezeichnungen alberne Formen an. Oft sind sie für Bewerber kaum bis gar nicht verständlich.

Wenn ich meinen Hausmeister, Slobodan K., einen freundlichen, deutsch radebrechenden älteren Herren serbischer Herkunft, fragen würde, ob er sich als „Facility Manager“ wichtiger fühlte, würde er sicherlich mit dem Kopf schütteln und mich mit fragenden Augen ansehen. Wie wäre es denn mal, aus dem Blockchain Developer einen Datensatz-Entwickler zu machen? Dann wüssten zumindest diejenigen, für die diese Tätigkeit nicht infrage kommt, dass sie sich mit dieser Stellenanzeige und ihrer Dechiffrierung nicht weiter beschäftigen müssten.

Weiß hingegen jeder Logistiker, dass er sich als „Area Supply Manager“ angesprochen fühlen sollte? Ich kolportiere mal: Die eine Hälfte aller Logistiker schrammt kilometerweit an der Stellenanzeige vorbei. Die andere (und nicht unbedingt die besser qualifizierte) Hälfte findet es toll, auf einmal Manager zu sein und sich zum Herren über Gabelstapler- und Fuhrpark-Armeen aufzuschwingen. Genau jener Typus wird es an anderer Stelle lieben, „Account Manager“ statt nur Kundenbetreuer zu sein. Wer jahrzehntelang Kunden betreut hat, braucht solcherlei Pseudo-Aufwertungen nicht.

Findet sich der Online-Redakteur – was ja auch schon halb englisch ist – als „Web Content Strategist“ wieder? Und, wie war das jetzt, steht der CEO in der Hierarchie wirklich höher als der COO? Oder, anders gefragt, wer ist hier der Chef oder Geschäftsführer?

Stopp: Wir leben in einer globalisierten Welt! Okay, Einwand stattgegeben. In international tätigen Unternehmen mögen diese Stellenbezeichnungen die Zusammenarbeit vereinfachen und fürs Organigramm sogar nötig sein. Dem Boss aus den USA möchte ich nicht zumuten, sich mit Begriffen wie Personalsachbearbeiter oder Bäckereifachverkäuferin herumschlagen zu müssen (… aber wer weiß, vielleicht keimt ja eines Tages eine „Old-Germany“-Welle jenseits des großen Teiches auf und plötzlich wundern sich Amerikaner über lauter für sie kryptische Stellenanzeigen;).

Nein, ernsthaft: Beim Autohaus Fritz Schneider oder dem Versicherungsbüro Meier & Müller muss nicht jeder Sachbearbeiter mit dem Titel „Chief“ oder „Manager“ vor der Brust herumlaufen. Eben, weil es bisweilen alberne Formen annimmt. So –, das musste mal ge-published werden. Hoffentlich erzeugt es keinen … Shitstorm (ein Wort, bei dem ich dann doch froh bin, es nicht einzudeutschen).

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