Monthly Archives: August 2018

Wie Sie Ihr Unternehmen mit Storytelling erlebbar machen

Storytelling – dies ist doch einer dieser vielen Anglizismen aus der modernen Marketing-Sprache. Menschen erzählen ihre persönlichen Geschichten. Schön und gut … doch steckt wirklich nicht mehr dahinter als ein Modewort?

Von Jens Kügler

Eine Mitarbeiterin saß bei ihrem Chef im Büro. Sie erklärte ihm, dass ihr eine Operation bevorstünde und dass sie Angst davor habe. Tage später: Sie wacht aus der Narkose auf. Ihr Chef steht mit einigen Kollegen an ihrem Krankenbett mit Blumen und Geschenken. Kein Happy End, sondern gelebte Firmenkultur. Dieses Unternehmen wirbt damit, dass in seinem Team eine besonders familiäre Atmosphäre herrsche und dass einer für den anderen einstünde. Was es mit dieser Szene bewiesen hat.

Die Mitarbeiterin erzählt ihr Erlebnis in einem Podcast auf der Homepage – unter einem Punkt, der so ähnlich heißt wie „Warum bei uns arbeiten“. Geschichten wie diese lassen ein Unternehmen und ein Team auf Außenstehende real und lebendig wirken. Es müssen keine so emotionalen Momente wie dieser im Krankenhaus sein. Es kann natürlich auch direkt mit dem Produkt oder der Tätigkeit zu tun haben. Dass jemand stolz darauf ist, Chefdesigner bei BMW zu sein und den i8 mitentwickelt zu haben, liegt auf der Hand. Aber produziert nicht jedes Unternehmen etwas, dass es besser kann als die Konkurrenz – oder vielleicht sogar die ganze Welt? Ich kenne ein Messebau-Unternehmen aus China, dessen Mitarbeiter stolz darauf sind, von den anspruchsvollsten europäischen Ausstellern gebucht zu werden, weil sie Qualität nach Euro-Normen liefern.

Der Autor selbst erzählt übrigens immer wieder gern eine Anekdote. Als junger kaufmännischer Angestellter kam er über die stilistische Verbesserung der überaus langatmig diktierten Geschäftskorrespondenz seines Chefs zum Schreiben und Texten und schließlich zum Journalismus. Der Chef gestand ihm ein: Sie können einfach besser schreiben (by the way: Chefs, die ihren Mitarbeitern etwas eingestehen, werden als kollegial empfunden – keinesfalls als führungsschwach!).

Interviewen Sie doch einmal Ihre Mitarbeiter. Was war Ihr erfolgreichster Tag im Unternehmen? Welches war ihr Lieblingsmoment? Was war ihre Heldentat – im Kundenservice, beim Teambuilding oder bei einer besonders zeitkritischen Projektabwicklung? Wie empfanden sie den Tag, an dem sie eventuell ihre „Komfortzone“ verlassen haben und sich für etwas Neues entschieden haben – hier im Unternehmen? Welche Geschichte haben sie erlebt, die so nur hier oder an wenigen anderen Orten passieren könnte?

Ein Tipp ist, diese kleinen Geschichten als Podcasts zu filmen. Gerne mit fünf oder zehn Sets, bis es „perfekt“ ist und sich der Gefilmte wohl damit fühlt. Natürlich ist nicht jeder zum Filmen und Geschichten Erzählen bereit. Es braucht Anreize. Wenn Sie als Chef vorangehen und eigene, persönliche Geschichten anbieten, kann für den Einen oder Anderen der Bann gebrochen werden. Nach dem Motto: Tell a story to get a story. Das ist Geben und Nehmen. Und haben einmal zwei, drei Kollegen ihre persönlichen Geschichten beigetragen, folgen garantiert weitere. Denn zu erzählen hat jeder. All die Storys rings um die Firma liefern schließlich genügend Stoff für die Diskussionen in der Mittagspause, auf dem Flur oder in der Kaffeeküche.

Der Vorteil? Garantiert wächst der innere Zusammenhalt, das Wir-Gefühl im Team. Geschichten machen ein Unternehmen und ein Team aber auch für Außenstehende real erlebbar. Bewerber zum Beispiel. Die in den Zeiten des Fachkräftemangels so heiß umworbenen Kandidaten erhalten ein klareres Bild davon, was sie erwartet und was die Arbeit in dem Unternehmen bedeutet. Wenn Mitarbeiter beispielsweise ihre ganz persönlichen Beweggründe schildern, warum sie in dieses Unternehmen eingetreten sind, mögen diese Gründe manchmal banal erscheinen. Aber andere können sich garantiert damit identifizieren. Es wäre Verschwendung, diese Storys in Flur und Kantine verhallen zu lassen.

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING

Digital Natives in einer Welt technologischer Immigranten

Junge Arbeitnehmer wollen nicht mehr so arbeiten wie ihre Mütter und Väter. Und auch wenn es uns „Oldies“ schwerfällt: es ist gut so.

Von Jens Kügler

Nine to five-Jobs – so nennt man in den USA den klassischen Arbeitnehmeralltag. Nine to five ist out. Die sogenannten Millennials – bei uns eher Generation Z genannt – haben mit restriktiven Regelungen von anno dazumal nichts mehr im Sinn. Und wir müssen auf sie hören, denn demografisch sind sie als Arbeitnehmer unverzichtbar. Wer sie gewinnen will, die besten Köpfe unter ihnen, muss ihren Wünschen entgegenkommen.

Wie sieht die Generation Z unsere Welt? Ganz einfach. Sie sind mit dem Bewusstsein aufgewachsen, dass moderne Technologie unseren Alltag zuhause revolutioniert und erleichtert. Damit ist längst nicht mehr die Waschmaschine gemeint, die Ur-Omas Waschbrett ersetzt hat. Sondern zum Beispiel die Tatsache, dass eine virtuelle weibliche Stimme namens „Alexa“ auf Zuruf sowohl das Licht als auch die Musik einschaltet, die Rollos hochfährt und die Heiztemperatur regelt. Warum, so fragen sich die „Digital Natives“, sollten solche smarten Technologien nicht auch die Arbeitswelt verbessern?

Noch krasser ausgedrückt, fühlen sich diese „digital Geborenen“ als in einer Welt digitaler Immigranten lebend, die mit neuester Technologie fremdeln. Dazu zählen wir, sprich, ihre älteren Kollegen – und erst recht ihre Arbeitgeber. Als die eigentlichen „Einheimischen“ in der digitalen Welt von heute sehen die Jungen sich selbst. Generation Z – das unverstandene Wesen. Muss da noch die Frage geklärt werden: Wer muss sich anpassen, die oder wir? Wir sind es, weil wir die Jungen brauchen. Und weil wir selber wissen: Zufriedene Mitarbeiter sind produktiver.

Was wünschen sich die Generation-Z-Menschen? Vor allem flexiblere Arbeit. Im Zeitalter der mobilen Kommunikation via Cloud können sie ihre Arbeit zu jeder Zeit und von überall aus erledigen. In diesem Punkt haben sie die volle Zustimmung des Autors, der einen Großteil seiner Texte bei Sonne am See oder bei Regen im Café schreibt. Weil die Orte einfach inspirieren. Die Millennials können zum Beispiel von zuhause aus arbeiten – und dabei die berühmte Work-Life-Balance genießen. Berufswelt kollidiert nicht mehr mit Familienleben. Beides ergänzt einander.

Mehr noch: Dank Cloud-Technologien und mobiler Portale können auch die Arbeitgeber anhand von An- und Abmeldungen und dem Datenaustausch erkennen, wer wann und wie lange arbeitet und wer gerade erreichbar ist. Kurzum: Sie haben sogar einen besseren Zugriff auf ihre Mitarbeiter als im klassischen Büro. Neben der Technologie-Einführung müssen lediglich Rahmen-Vereinbarungen getroffen werden. Und was das Allerwichtigste ist: Die Arbeitgeber müssen lernen, ihren bisweilen fernen Mitarbeitern zu vertrauen. Ihnen Verantwortung zu übertragen. Das befähigt sie nicht nur, ihre Jobs zu einem gewissen Grad mobil auszuführen. Es motiviert sie auch und gibt ihrer Tätigkeit Sinn.

Kurzum: Wer die besten Köpfe gewinnen will, muss verkrustete Denkstrukturen durchbrechen und über seinen Schatten springen. Nicht weil es einfach ist. Sondern notwendig.

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING