Monthly Archives: September 2018

Die Top 10 der „toten Jobs“

Es gibt Berufe, die praktisch ausgestorben sind. Und es gibt die Diskussionen über jene, die akut vom Aussterben bedroht sind – vermeintlich. Doch stimmt das tatsächlich, immer und überall?

Von Jens Kügler

Neulich nahm ich an einer Marktforschungs-Studie eines US-amerikanischen Unternehmens hier in München teil. Eine Übersetzerin war anwesend – für Befragte, die nicht genügend Englisch beherrschen und zur Klärung möglicher Missverständnisse. In einer kurzen Befragungs-Pause kam ich mit ihr ins Gespräch. Sie äußerte die Befürchtung, dass angesichts von Übersetzung-Maschinen im Internet ihr Job bald obsolet sein würde. Ihre Zukunft sei ungewiss.

Ich hielt ihr entgegen, dass Maschinen noch so gut werden könnten (und sie werden ja auch kontinuierlich besser). Aber das zwischen den Zeilen zu Lesende, die Couleur eines Textes, das Gefühl in und zwischen den Worten … das kann nur ein schreibender Mensch erzeugen. So ist es meine Überzeugung. Wer sich dies bestätigen lassen möchte, lasse einfach mal diesen Text durch „Google Translate“ laufen.

Am selben Tag las ich auf dem englischen Jobportal „The Undercover Recruiter“ einen Artikel darüber, welche zehn Berufe in Kürze aussterben würden. Die Top 10 der Zukunfts-Verlierer, quasi. Darunter Taxifahrer, Barista, Paketboten, Verkäufer in Kaufhäusern, Kundendienst-Call-Center-Mitarbeiter und Supermarkt-Kassierer. Okay, Letztere werden hier und da schon durch Express-Kassen „entlastet“. Aber mal ehrlich, wollen Sie sich von einem Roboter beraten oder durch die Stadt kutschieren lassen? Um dann an der Bar von R2-D2 oder C-3PO bedient und unterhalten zu werden?

Es wird Umbrüche geben. Es gibt sie bereits – und gab sie. Vor 150 Jahren „ersetzte“ die Textilfabrik die meisten Schneider. In der Nische hielt sich der Mensch. Gäbe es sonst Maßschneider und Modeschöpfer? Dem totgesagtem Handwerk sagt man nach wie vor auch „goldenen Boden“ nach. Der denkende Mensch wird auch weiterhin gebraucht werden. Vom Künstler ganz zu schweigen.

Eine gute Übersetzerin übersetzt das Menschelnde, das Emotionale des Gesprochenen und Geschriebenen. Und wenn hier eines Tages nicht mehr „Von Jens Kügler“, sondern „von R2-D2“ steht, wird es dann noch Leser geben? Oder ist das ganze „Glump“, wie wir hier in Bayern sagen, dann nur noch als Input für die Google-Crawler relevant?

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Jobwechsel: Wenn nicht jetzt, wann dann!

Was haben Karrierechancen mit Meinungsforschung, Mietpreisbremse und Gründerzahlen zu tun? Es gibt da einige interessante Zusammenhänge – im Deutschland des Jahres 2018.

Von Jens Kügler

Für die deutsche Wirtschaft gibt es im Jahr 2018 eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: Der Trend, dass die Existenzgründungen seit Jahren rückläufig sind, setzt sich fort. Laut KfW-Gründungsmonitor 2018 ging die Zahl derer, die sich selbstständig machten, im Jahr 2017 um 17% gegenüber der Vorjahreszahl zurück. 2018 hält der Sinkflug an, so die Förder-Bankiers.

Ein Grund für diesen Rückgang ist die gute Nachricht. Die Konjunktur in Deutschland brummt. Noch nie in unsrer Geschichte gab es so viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte wie 2018, verkündet die Arbeitsagentur freudig. 44,8 Millionen – diese Zahl nannte das Münchner Ifo-Institut und rechnet für 2019 sogar mit 45,2 Millionen. Gleichzeitig sinkt die Arbeitslosenquote auf einen ebenso historischen Tiefststand.

Fachkräftemangel – so lautet ein weiteres Stichwort mit einer guten und schlechten Seite. Die Fachkräfte fehlen und sind entsprechend begehrt. Was schlecht ist für die Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, ist gut für den einzelnen Arbeitnehmer, die „Fachkraft“. Wer jetzt aber glaubt, automatisch ein höheres Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen herausschlagen zu können, der irrt.

Es verhält sich in etwa so wie mit Mietwohnungen. Stichwort Mietpreisbremse. Nur bei einem Mieterwechsel kann ein Vermieter deutlich mehr Miete verlangen, so ist es gesetzlich vorgeschrieben. Ebenso im Job: Mehr Gehalt ist nur bei einem Jobwechsel zu erwarten. Arbeitgeber, die händeringend Mitarbeiter suchen, zahlen mehr und gehen häufiger auf die Wünsche ihrer Bewerber ein. Flexiblere Arbeitszeiten, Work-Life-Balance, mehr Eigenverantwortung – all das wird häufig allein oder zuallererst den Jobwechslern angeboten.

Kurzum: Wer sich verändern, weiterentwickeln und einen neuen Arbeitgeber suchen möchte, hatte nie so gute Karten wie heute, 2018. Die Meinungsforscher des Instituts Forsa haben herausgefunden, dass 35 % aller Arbeitnehmer genau dies in den nächsten zwölf Monaten vorhaben. Am Ende werden es die wenigsten getan haben, wie immer. Trott bleibt Trott – und Mut die Ausnahme. Ich sage nur, traut Euch! Wenn nicht jetzt, wann dann?

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