Bye bye, Montag-Morgen-Blues

Heute früh bleib die Unlust einfach aus. Und statt mit Wehmut übers vergangene Wochenende an die Arbeit zu gehen, freute ich mich nur darauf. Wie das passierte?

Von Jens Kügler

„Hoch die Hände, Wochenende!“. Dies hatte mir eine Kundin gemailt, nachdem ich am Freitag – einem außergewöhnlich turbulenten Freitagnachmittag – Ihren Text-Auftrag nicht mehr rechtzeitig bis zu ihrem Feierabend fertigstellen könnte. Mit ihrem Spruch signalisierte sie mir: Es hat Zeit bis Montag früh, genieß jetzt Deine Freizeit! Denn der Text sollte ohnehin erst Montag oder Dienstag online gehen. Vielleicht hatte sie die Mail aus der Erkenntnis heraus verfasst, dass der Text umso besser würde, wenn ich ihn Montag früh entspannt statt Freitagabend abgehetzt vollende.

Tatsächlich schaltete ich den Mac am Abend aus – nicht ganz verrichteter Dinge –, und traf mich mit Freunden. Samstag und Sonntag genoss ich mit lieben Menschen ausgiebig das erste frühlingshaft sonnige Wochenende in dieser südlichsten aller deutschen Landeshauptstädte. Der Textauftrag konnte ja bis Montag warten!

Der Text? Ich sollte die Firmengeschichte eines spannenden, weil visionären und innovativen Unternehmens für deren neue Website verfassen. Das Lieblingsthema für einen Hobbyhistoriker und Geschichtenerzähler! Ergo setzte ich mich mit Freuden am heutigen Montag früh an die Vollendung dieser Geschichte. Ich hatte mich während all der Wochenend-Genüsse ein bisschen auch auf diesen Moment gefreut: Montag nach dem Sonnenaufgang unter strahlend blau werdendem Himmel ins Büro gehen. Den Mac mit schöner klassischer Musik hochfahren. Die Espressomaschine mit Bohnen befüllen und ihre duftverströmende und Erfrischendes produzierende Arbeit verrichten lassen. Dann die letzten Sätze dieser spannenden Firmenhistorie vollenden, die Mail abschicken, den Dank entgegennehmen. Den Job vom Kalender streichen – als gelungen und erledigt!

Da fiel mir wieder ein, was mir eine Bekannte einmal geraten hatte. Sie ist von Beruf Psychotherapeutin und ich sprach mit ihr über das Thema, wie ich mich an einem Montagmorgen motivieren könnte. An den potenziell unschönsten Stunden der Woche also. Was sie mir riet? Starte in die Woche, ja am besten jeden einzelnen Arbeitstag, mit einer Arbeit, die Du liebst und die Dir leicht fällt. Sofern möglich! Versuche, jedwede Problemlösungen und alle Entscheidungen mit Tragweite erst dann zu treffen, wenn Du a) in die Arbeitsroutine gefunden hast und b) über die meiste geistige wie körperliche Spannkraft verfügst. Sprich, am Vormittag, nach der Mittagspause, nach den ersten Erfolgserlebnissen des Tages oder der Woche.

Heute früh ist mir klar geworden, wie richtig und wichtig dieser Rat war. Ich habe immer dazu geneigt, das scheinbar Wichtigste und am dringendsten Oktroyierte zuerst vom Tisch zu kriegen. Das, worauf man am wenigsten Lust hat – nach einem Motto wie: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Aber Prioritäten muss man anders setzen, wenn man wirklich motiviert sein will. Gegen den Montag-Morgen-Blues soll bei mir in Zukunft zuerst die Gute-Laune-Tätigkeit auf dem Kalender stehen, wann immer es möglich ist. Was bringt es mir, wenn ich mich zum Sklaven einer Planung nur nach Zwängen mache? Vielleicht den Burnout, irgendwann. Nein, da beherzige ich doch lieber diesen Rat, der funktioniert, wie ich heute morgen festgestellt habe.

Welche weiteren Strategien haben wohl andere Menschen entwickelt, um die Woche mit Motivations-Schüben zu starten?

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