Allgemein

Der gute Ton am Telefon

Im Zeitalter von E-Mails, Messaging-Diensten und Handy-Kurznachrichten denkt kaum noch jemand über das gute alte Telefon nach. Dabei sind fast alle davon abhängig: Kaum ein Geschäftsabschluss ohne Telefongespräche. Nicht nur jeder Verkäufer, Anwalt oder Selbstständige, auch jeder, der Kunden betreut oder Mitarbeiter führen muss, ist auf das Telefon angewiesen. Also, warum nicht mal ein paar Gedanken übers „Wie“ machen! Wie telefonieren wir richtig?

Von Jens Kügler

Es klingelt, ich nehme ab. „Guten Tag, Sie sprechen mit der Marketingagentur Müller und Partner, mein Name ist Jens Kügler. Was kann ich für Sie tun?“. So ähnlich klang sie, die Floskel, die wir Mitarbeiter damals nicht nur auswendig lernen, sondern peinlich genau einhalten mussten. Wort für Wort. Vom Chef vorgeschrieben. Und wehe, wenn nicht, und er hörte es…! Sie können sich vorstellen, wie genervt regelmäßige Anrufer waren und uns schon beim dritten Wort mit „jaja … schon gut, Hier Haußmann…“ unterbrachen.

Lange Floskeln, schrieb neulich das Magazin unternehmer.de, sind nicht mehr gefragt. Die Anrufer wollen schnell zu Wort kommen und ihr Anliegen loswerden. Ihnen gehört unsere Aufmerksamkeit! Was die Autoren noch so schrieben? Eigentlich Selbstverständlichkeiten. Aber wert, nochmal drauf einzugehen.

Lächeln am Telefon – das ist wichtig. Und eine uralte Erkenntnis. Schon als in den 80er-Jahren das Telefonmarketing und die Callcenter aufkamen, blickten die Mitarbeiter beim Telefonieren in einen Spiegel. Lächeln sorgt automatisch für bessere Laune und begünstigt eine positivere Wortwahl. Das merkt der Gesprächspartner auch ohne Video und Webcam!

Apropos Aufmerksamkeit: Aktiv zuhören lautet die Zauberformel. Der Gesprächspartner möchte ausreden und nicht unterbrochen werden. Er möchte wissen, dass seine Botschaft ankommt. Daher ist es hilfreich, sich Notizen über seine wichtigsten Aussagen zu machen und diese im Gespräch zu wiederholen. Das offenbart nicht nur Aufmerksamkeit. Es hilft, zu verhindern, dass das Wichtigste vergessen wird. Und es zeigt Interesse.

Müssen Sie eine schlechte Nachricht verkraften? Eine Aussage wie „Tut mir leid, dieses Mal kann ich Ihnen den Auftrag nicht erteilen“ oder „Ihren Urlaubsantrag kann ich leider nicht genehmigen“? Klar: Die Folge kann Frust oder Traurigkeit sein. Selten liegt dies jedoch in der Intention des Anrufers. Im Gegenteil: Oftmals steckt er selbst in einer Zwangslage und ist nur der Überbringer der schlechten Nachricht. Hier empfehlen Kommunikationsprofis: Gefühle „umleiten“. Einfach eine Faust ballen, geräuschlos aufs Kissen hauen, ein Stück Papier zusammenknüllen … und damit ein Frust-Ventil öffnen. So „fassen“ Sie sich schneller wieder und können im normalen Tonfall weitersprechen.

Last but not least: Als aktiver Anrufer haben Sie Vorteile, wenn Sie Ihr Gespräch planen statt es spontan zu führen. Legen Sie fest, was Ihr Ziel ist: einen Geschäftsabschluss herbeizuführen? An eine wichtige Information herankommen? Nehmen Sie sich die Zeit, erstellen Sie einen Gesprächsleitfäden. So wie ihn Call-Center-Agenten nutzen – mit Aussagen zu den Kunden-Vorteilen und mit Einwand-Argumentation! Wenn Sie etwas verkaufen wollen: Stellen Sie dem Angerufenen Fragen, die er nur mit „ja“ beantworten kann wie „Sie kennen doch sicher das Problem, dass Ihr PC abstürzt, wenn Sie große Datenmengen übertragen müssen?!“.

Klingt nach einer abgedroschenen Telemarketing-Strategie? Richtig. Die aggressive Kaltakquise mit massenhaften Anrufen sollte passé sein. Sie nervt die Kunden. Und sie ist laut aktueller Datenschutz-Richtlinien nur noch begrenzt anwendbar. Aber in Situationen, in denen Sie als Verkäufer konkrete Interessenten-Gespräche führen, sind diese Guidelines immer noch sehr hilfreich!

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING

Telco: Klarheit oder Chaos

Telefon- oder Videokonferenzen geben uns die Möglichkeit, im weltweiten Verbund effizient zu kommunizieren – quasi täglich und ohne Reisekosten. Trotzdem können sie schlichtweg kontraproduktiv, ja schädlich sein. Ein paar Beispiele – und wie es besser geht.

Von Jens Kügler

Kat G. kam aus Schottland. Das hörte man auch, wenn sie nur den Mund öffnete und eine Silbe sprach. Was sie indes sprach, blieb mir ob des groben schottischen Akzents in ihrem Englisch stets verborgen. Jedes mal, wenn Kat mich anrief, bat ich sie: Kat, speak slowly please, I’m not a native English speaker. Nun, langsam sprechen konnte sie nicht. Ergo unterbrach ich spätestens nach drei Minuten jedes Gespräch und sagte ihr, sie soll mir eine E-Mail schreiben.

Fragen Sie mal Ihre US-amerikanischen Kollegen, ob sie all das, was „se Dschörmäns“ gesagt haben, wirklich verstanden haben. Oder die Leute aus Dubai, ob sie den Anmerkungen des Vertriebsleiters aus Shanghai oder Mumbai wirklich folgen konnten. Kurzum: Wenn wir eine internationale Telefon- oder Videokonferenz führen, radebrechen wir uns alle irgendwie durch etwas, das keiner von uns wie seine Muttersprache beherrscht: Inglisch. Daher empfiehlt es sich, das einer die Leitung des Gespräches übernimmt und das Gesagte wiederholt und sich bestätigen lässt. Und alle fragt, ob sie verstanden haben.

Sind wir eigentlich globalisiert? Nein – nicht mental. Sie kennen das sicher. „Wir“ Europäer und Amerikaner sind gern etwas vorlaut, besserwisserisch … wir fallen uns gegenseitig ins Wort. Auf einer Telco sieht aber niemand die Mimik der anderen und erkennt daraus die Rolle eines Wortführers. Und die japanischen Kollegen? Aus lauter fernöstlicher Etiketten-Höflichkeit warten sie brav ab, bis sie zu Worte kommen. Und kommen natürlich nie dran. Haben also vermeintlich nichts zu sagen! Kurzum: Jemand muss das Gespräch leiten und alle Teilnehmer nacheinander abfragen, anders gehen viele unter.

Jeden abzufragen – dafür gibt es noch mehrere gute Gründe. Fühlen sich Teilnehmer nicht direkt angesprochen, beschäftigen sie sich oft mit anderen Dingen und schalten geistig ab. Die einen schreiben Mails, die anderen schauen lustige Videos. Und was ist mit Humor? Mit witzigen, vermeintlich auflockernden Bemerkungen? Sie können voll nach hinten losgehen – nicht nur aufgrund kultureller Unterschiede. Sondern auch, weil niemand in dem Augenblick die für Humor unerlässliche Mimik und Gestik erkennt.

Wie sich das alles vermeiden lässt? Einige Dinge wurden bereits im letzten Blogbeitrag angerissen: „Dienstag, 10 Uhr: Video-Konfi!“. Nur ein paar Punkte als Ergänzung. Es sollte einen Gesprächs-Leiter geben, der allen Teilnehmern vorab die Agenda zuschickt, sodass ein Leitfaden besteht und alle gut vorbereitet sind. Dann der Tipp: Am Anfang stellt sich und seine Tätigkeit jeder nacheinander vor. Und in der gleichen Reihenfolge wie bei der Vorstellungsrunde fragt der Gesprächs-Leiter die Teilnehmer ab, sofern alle zum zuletzt Gesagten etwas beitragen sollen. Sonst kann aus einer Telco leicht verschwendete Zeit werden.

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING

Dienstag, 10 Uhr: Video-Konfi!

Wann ist der beste Termin für eine Telefon- oder Video-Konferenz? Dienstag Vormittag. Warum das so ist? Lesen Sie mehr … auch wenn Sie intuitiv schon immer zu dieser Terminierung geneigt haben.

Von Jens Kügler

Herrliche Zeiten bereitet uns die Digitalisierung: Immer mehr flexible Telearbeit ermöglicht uns die Technik via Draht, Funk, Computer und Internet. Nie war es so leicht und kostengünstig wie heute, mit Kollegen und Geschäftspartnern aus aller Welt zu einem Meeting zusammenzukommen. Und das nahezu unabhängig von Ländern, Kontinenten und Zeitzonen.

Schlüpfen wir in die Rolle des Veranstalters, sprich, der Firmenzentrale. Also derjenigen, von der die Telco ausgeht und die den wichtigsten Part darstellt. Und nehmen wir an, diese Zentralstelle befindet sich in Deutschland. Warum sollte die Telco an „unserem“ Vormittag stattfinden?

Vormittags sind wir am produktivsten. Viele Studien haben bewiesen, dass wir unsere höchste Produktivität in der Zeit zwischen 9 und 11 Uhr morgens erreichen.

Aber warum sollte es der Dienstag sein?

Am Dienstag haben wir den „Montag-Morgen-Blues“ bereits überwunden. Ebenso die Folgen des Party- oder Kurzurlaubs-Wochenendes. Wir haben uns mit der Arbeitswoche arrangiert, sind wieder „mittendrin“. Und nach dem Dienstagvormittag bleibt in der restlichen Woche noch genügend Zeit, das Besprochene umzusetzen.

Vor allem aber zählt eins, das ich am Beispiel des Tages Dienstag verdeutlichen möchte: Ein Dienstagvormittag bedeutet für Teilnehmer an der amerikanischen Ostküste, dass sie an „ihrem“ Montagabend noch erreichbar sind, während die chinesischen oder japanischen Kollegen an „ihrem“ Dienstagabend noch eingebunden werden können. Natürlich würde das auch an einem Mittwoch oder Donnerstag funktionieren. Nicht aber an einem Montag – da sind die US-Kollegen noch im Wochenende. Und nicht an einem Freitag, sofern neben den (bereits im Wochenend-Modus befindlichen) Ostasiaten auch Entscheider aus Dubai oder Abu Dhabi dabei sein sollen, wo Freitag ein Feiertag ist. Die übrigen Tage sind indiskutabel, wenn man seinen Angestellten, egal wo auf der Welt, nicht die Freizeit klauen möchte.

Noch ein paar Punkte zum „Wie“ einer Telco:

Sie sollte kurz und bündig sein und nicht länger als 45 Minuten dauern. Erwiesenermaßen können sich Menschen nur für etwa 45 Minuten vollkommen auf ein Thema konzentrieren. Aus genau diesem Grund werden Schulstunden oder Fahrstunden schon seit Ewigkeiten nach 45 statt 60 Minuten beendet. Daher empfiehlt es sich, dass jemand die Konferenz leitet und eine Agenda vorbereitet hat. Im Idealfall hat er die Agenda vorher per E-Mail oder Intranet an alle Teilnehmer versandt, sodass sie sich ihrerseits vorbereiten konnten.

Außerdem sollte die Anzahl der Personen begrenzt bleiben. Laden Sie nur die direkt Involvierten Personenkreise ein – und von denen jeweils nur einen, der entscheidet oder vermittelt. Keinesfalls zehn oder mehr Teilnehmer! In großer Runde wird eine Telco kaum noch zu leiten sein. Und wenn jeder mitreden möchte, wird sie länger und länger und vieles Besprochene geht unter.

Ein Tipp noch: Video- oder Webcam-Meetings sind besser als reine Telefonkonferenzen. Sich zu sehen, erhöht die Vertrautheit. Man sieht anhand der Gestik oder Mimik, ob jemand sich melden möchte oder wie er das Gesagte auffasst oder gemeint hat.

Last but not least empfehlen sich Webcam-Meetings mit Telefon-Einwahl statt mit rein webbasierter Kommunikation. Denn die gute alte Telefonleitung ist meist am zuverlässigsten beim „Halten“ der Verbindung. Fällt – wie so oft – das Webcam-Bild aufgrund von Überlastung des WLAN oder Langsamkeit des Netzes plötzlich aus, kann zumindest weiterhin gesprochen werden.

In einer der nächsten Blog-Beiträge möchte ich näher auf das „Wie“ zum Führen einer Telefon- oder Videokonferenz eingehen. Denn das Wie beeinflusst die Produktivität immens. Et voilà: ein Cliffhanger – ein Grund zum übernächste-Woche-Weiterlesen!

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING

Ja, ist denn schon Weihnachten? (Teil X)

Der überraschend klingende Spruch aus dem alten Werbespot mit Franz Beckenbauer scheint sich Jahr für Jahr zu wiederholen. Stereotyp. Wenn es um die Dienstplanung geht. Und dieser Tage wiederholt er sich oft. Da bin ich mir sicher.

Von Jens Kügler

Heiligabend und Silvester fallen dieses Jahr auf einen Montag. Klar, das wissen Sie schon lange. Aber Hand aufs Herz: Wie lange schon? Sind Sie plötzlich damit konfrontiert worden, dass alle Mitarbeiter in Ihrem Team die kompletten anderthalb Wochen von Heiligabend, erstem und zweitem Feiertag, Silvester und Neujahr einschließlich freinehmen möchten? … und Sie stehen plötzlich vor die Notsituation, dass Ihnen an den Arbeitstagen dazwischen die Leute fehlen könnten – oder Sie jemanden „verpflichten“ müssten? Gegen seinen Willen? Was ganz sicher zu Unzufriedenheit führt?

Schon mal darüber nachgedacht, dass es unangenehm sein könnte, die Mitarbeiter am Heiligabend, der ja strenggenommen gar kein Feiertag ist, „antreten“ zu lassen, für ein paar Stunden am Montagmorgen? Und dasselbe Silvester?

Für die Mitarbeiter ist nicht nur das unter Umständen unangenehm. Wir alle wissen ja, dass die Tage vor Weihnachten auch dienstlich zu den stressigsten des Jahres gehören. Alle Kunden wollen ihre Aufträge noch im alten Jahr abgewickelt haben, bevor sie selbst in den Ski-Urlaub entfliehen. Und alles soll noch auf 2018 gebucht werden. Alle freuen sich auf die wohlverdiente Ruhe, die – gefühlt – immer so um den 20.12. einsetzt und bis Mitte Januar anhält. Dieses Jahr ist es anders. Und gefühlt bleibt gar keine Zeit, Geschenke zu besorgen. Ich bin gespannt, was diesen Samstag in den Kaufhäusern und Fußgängerzonen los sein wird!

Rückblende. Im September herrschten hochsommerliche Temperaturen. Niemand – wirklich niemand – hat da schon an Weihnachten und Silvester, an Schichtzeiten und Urlaubstage gedacht. Wirklich niemand? Ich bin mir sicher, dass die Unternehmer und Teamleiter, die genau zu dieser Zeit bereits ehrliche und offene Gespräche mit ihren Mitarbeitern gesucht haben, jetzt, wo es drauf ankommt, über die zufriedensten Mitarbeiter verfügen. Oder zumindest: über die wenigsten Unzufriedenen. Wir wissen ja: zufriedene Mitarbeiter sind stets produktiver.

Wer sich in den ehrlichen und offenen Gesprächen freiwillig für die unangenehmen Tage eingetragen hat, erntet das Wohlwollen und den Dank der Kollegen und Vorgesetzten. Und er wird beim nächsten Mal der Nutznießer sein. Nächstes Jahr wird nicht einfacher zu planen sein – mit Heiligabend und Silvester an einem Dienstag und völlig zerrissenen Festtags-Wochen.

Ach ja: Ein besonderes Geschenk kann ein weiterer Anreiz sein. Kein Kollege wird neidisch darauf sein, dass der, der Weihnachten und Silvester „Dienst schiebt“, etwas Spezielles kredenzt bekommt – sei es ein Essens- oder Event-Gutschein oder ein Paket mit edlen Köstlichkeiten. Dies ist nicht nur eine Frage der Wertschätzung. Vielmehr steigt die Bereitschaft aller, beim nächsten Mal selbst einzuspringen.

Kurzum: Weihnachten zu planen beginnt spätestens im September, wenn nicht zum Frost auch noch der Frust dazukommen soll. Auch das kann ein guter Vorsatz fürs neue Jahr sein. Ich wünsche allen schöne Feiertage und ein glückliches Händchen!

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING

Engelberg Reloaded – oder: Teambuilding Weihnachtsfeier

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt … ja, es brennt. Sprichwörtlich! Denn eigentlich ist es viel zu spät, sich jetzt erst Gedanken über die Firmen-Weihnachtsfeier zu machen. Aber so etwas wie diesen Beitrag möchte niemand bereits im Juli lesen. Ergo: Man nehme ihn als Anregung fürs nächste Jahr.

Von Jens Kügler

Es war einmal im schweizerischen Wintersportparadies Engelberg. Ein Münchner Unternehmen hatte seinen Mitarbeitern ein kleines Hotel reserviert. Bus gemietet, Hinfahrt – weihnachtlicher Abend in der geschmückten Hotellobby – erste Übernachtung – ab Vormittags Skitag, gestaltet als Team-Olympiade – anschließend Après-Ski-Hüttenabend mit Glühwein, Live-Musik und Partystimmung – dann unterm Sternenhimmel eine Fackel-Schlittenfahrt hinab von der Piste zum Hotel – „Olympia“-Siegerehrung in der Lobby – lange Tanznacht in der Lobby – zweite Übernachtung, Frühstück, Heimfahrt. Ist fast 20 Jahre her. Aber die dabei waren, sprechen bis heute darüber. Das Unternehmen tat Ähnliches jedes Jahr – sozusagen: Engelberg reloaded – und galt als beliebter Arbeitgeber.

„Das können wir uns gar nicht leisten“, höre ich da manchen KMU-Boss stöhnen. Stellen wir mal eine Gegenrechnung auf: Können Sie es sich leisten, Ihren Mitarbeitern in Zeiten des Fachkräftemangels und der drohenden Abwanderungen etwas vergleichbar Schönes nicht einmal im Jahr zu bieten? Oder zumindest ab und zu einmal?

Neulich las ich ein Interview mit dem Glücksforscher Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel. Er sagte, Weihnachtsfeiern können einen wichtigen Beitrag zur guten Unternehmenskultur leisten. Kollegen können sich jenseits des – in der Vorweihnachtszeit oft sehr stressigen – Alltags treffen, um über Privates zu reden und einander näher kennenzulernen. Und gerade bei einem Anlass wie der Weihnachtsfeier kann ein Unternehmer zeigen, was ihm seine Mitarbeiter wert sind, so der Professor weiter. Denn offen gezeigte Wertschätzung seitens des Unternehmens trage dazu bei, dass man gern auf die Arbeit geht und sich bei Wohlfühlen nachweislich umso stärker engagiert.

Für Weihnachtsfeiern schlägt der Glücksforscher konkret vor, die Location zu wechseln und einen interessanten Ort anzubieten. Außerdem sollte mehr geboten werden als die klassische Ansprache und die immer gleichen, langweiligen Rituale. Die Mitarbeiter sollten sich auf ein Highlight freuen können. Sie sollten eine Botschaft oder ein Geschenk mit nach Hause nehmen. Etwas, das, wie er sagt, „hängen bleibt“ und die Bindung an das Unternehmen stärkt. Auf diese Weise avanciert die „Pflichterfüllung“ Weihnachtsfeier zur Kür. Oder wie Professor Ruckriegel es nennt, zu einer Investition in ein gutes Betriebsklima.

Übrigens: Eine unvergessliche Feier muss nicht teuer sein. Letztes Jahr lud ein kleiner Starnberger Verlag, für den der Autor als freier Redakteur arbeitet, sein Team wie jedes Jahr zum traditionellen Weihnachtsessen ein. Zur einzigen Gelegenheit im Jahr, bei der das kleine Team aus ganz Deutschland zusammentrifft. Letztes Jahr war die Location eine auf Gegengeschäftsbasis reservierte, neu eröffnete Eismanufaktur in Starnberg. Zur Einführung und zum Schluss gab es das göttlich gute, handgemachte Speiseeis aus kreativen Rezeptideen samt Produktions-Einführung zum Selbermachen. Dann: eine Fischplatte – herrlich frisch und abwechslungsreich, vom örtlichen Fischereiverein. Und eine Geflügelplatte eines mehrfach ausgezeichneten Metzgermeisters der Stadt. Ich freue mich schon auf die diesjährige Feier.

PS: Ideen für Locations und Feier-Tipps bieten Portale wie event-locations.de. Ein Tipp sind auch Freizeitanlagen wie der Europapark Rust, der Heidepark oder die Center Parcs, die Firmen eigene Event-Pakete schnüren.

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING

Wofür hätten Sie gern mehr Zeit?

diese Frage steht über einem Video auf den Internetseiten des Bundesarbeitsministeriums. Interviewte Passanten geben Antworten. Es geht darum, wie sie ihr Leben gern gestalten würden – oder sogar dringend müssten. Der Anlass: Der Bundestag hat das Gesetz zur Brückenteilzeit beschlossen.

Von Jens Kügler

„Arbeitszeit ist Lebenszeit. Man bekommt sie nicht auf ein anderes Konto überwiesen“, so lautet die Zusammenfassung einer interviewten Frau in obigem Video. Mit der neuen Regelung zur Brückenteilzeit soll offensichtlich Zeit geschenkt werden, die bisher vielen Menschen verloren ging. Lebenszeit.

Ab 2019 können Arbeitnehmer in Deutschland ihre Arbeitszeit vorübergehend individuell auf Teilzeit reduzieren – und sie nach einer Phase von bis zu fünf Jahren wieder auf Vollzeit aufstocken. Dies garantiert ihnen der Gesetzgeber. Gedacht ist das Gesetz vor allem für Mütter. Sie reduzieren ihre Arbeitszeit häufig nach der Geburt und landeten bisher danach in er sogenannten „Teilzeitfalle“. Das heißt, ihre Arbeitgeber boten ihnen nicht die Möglichkeit, wieder in Vollzeit zu wechseln. Oder, wie es der Arbeitsminister selbst ausdrückte, die Arbeit wieder dem Leben anzupassen.

Fast 80 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Teilzeit-Jobs werden von Frauen ausgeübt, ein Großteil von Müttern. Sie senken damit ihren Rentenanspruch und erhöhen ihre „Chance“ auf Altersarmut. Ein „gutes Gesetz“ also, wenn sich ab jetzt alles ändert.

Es ändert sich aber nicht alles – und für jeden. Es gelten nämlich Einschränkungen. Erstens können nur Angestellte von Betrieben mit mehr als 45 Arbeitnehmern die Brückenteilzeit in Anspruch nehmen. Zweitens: In Unternehmen von 46 bis 200 Mitarbeitern muss der Arbeitgeber nur einem von 15 Mitarbeitern die Brückenteilzeit gewähren. Außerdem können dringende betriebliche Gründe ein Aufstocken auf Vollzeit verhindern.

Will heißen: Für einen Großteil aller Arbeitnehmer-Innen gilt der gesetzliche Anspruch nicht. Von bestimmten Seiten der Politik wird das Gesetz daher als unzureichend kritisiert. Und Kritik kommt auch von den Arbeitgeberverbänden. Sie befürchten, das Gesetz würde für zu viel bürokratische Mehrbelastungen sorgen. Aber hört man Klagen wie diese nicht immer von Arbeitgeberverbänden?

Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren, Mitte November 1918, kam es zum sogenannten Stinnes-Legien-Abkommen. Erstmals in der deutschen Geschichte hatten sich Arbeitgeberverbände mit Gewerkschaften auf Lohnvereinbarungen und Arbeitnehmervertretungen geeinigt. Warum? Weil Revolution herrschte, die Macht kurzfristig bei Arbeiterräten lag und die Großunternehmen um ihre Existenz fürchteten. Hat das Abkommen der Wirtschaft geschadet? Nicht wirklich, im Gegenteil. Soziale Sicherheit ist ein wichtiger Standortvorteil.

Mit dem neuen Gesetz wird die Bürokratie ganz sicher nicht überborden und die Wirtschaft nicht ernsthaft belastet werden. Dafür dürfen immerhin ein Teil aller Mütter zukünftig der Teilzeitfalle ausweichen. Gut für jede Einzelne und ihre Familie.

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING

Das Gebot der Zeit heißt Freiheit

Knebeln? Das war gestern. Wer heute seine Mitarbeiter halten und neue gewinnen will, muss ihnen Wertschätzung entgegenbringen – und mehr denn je Luft zum Atmen bieten. In Sachen Arbeitszeit.

Von Jens Kügler

Schön, wenn Mitarbeiter unentbehrlich sind. Und zwar gleich so unendlich unentbehrlich, dass sie genau deswegen unermesslich schuften dürfen. Meine Bekannte B. hat sich krankschreiben lassen müssen, weil sie völlig erschöpft war. Erschöpft nach zwei Wochen fast ununterbrochener Früh- und Nachtschichten im pausenlosen Wechsel – und nachdem ihr ihre Schichtleiterin gleich noch einmal elf Tage ohne einen Tag Pause aufbrummte. Und … weil die Auseinandersetzungen mit der Schichtleiterin an B’s Psyche nicht spurlos vorübergehen.

Die Folgen? Die Schichtleiterin verliert B’s Arbeitskraft. Nicht nur jetzt, wegen der Krankheit, sondern grundsätzlich. Denn B. hat im Kopf längst gekündigt. Sie wird es angesichts des Fachkräftemangels in ihrem sozialen Beruf nicht schwer haben, eine neue Stelle zu finden. Größer werden die Probleme der Schichtleiterin sein, Ersatz für R. zu rekrutieren und einzuarbeiten. Das hat sie nun von ihrer „Planung“.

Kaum erzählte mir B. ihre Geschichte, da flatterte eine Pressemitteilung eines Catering-Verbandes in meine Mailbox. Der Verband – wohlgemerkt: ein Arbeitgeberverband – verlangt vom Gesetzgeber flexiblere Arbeitszeiten für seine Mitarbeiter. Früher identifizierte man Unternehmen aus dem Bereich Groß-Gastronomie oder Event-Catering nicht eben mit Arbeiterparadiesen. Aber dieser Verband hat offensichtlich Sensibilität dafür entwickelt, wie man sich die Loyalität seiner Mitarbeiter in der „Arbeitswelt 4.0“ sichert, wie er sie in seiner Mitteilung wörtlich nennt.

Die gesetzliche Höchstarbeitszeit von acht oder bis zu zehn Stunden täglich hält der Verband für starr und nicht mehr zeitgemäß. Die moderne Lebenswirklichkeit setzt neue Maßstäbe. Das Arbeitszeitgesetz soll keine tägliche, sondern eine wöchentliche Höchstarbeitszeit festlegen, fordern die Branchenvertreter. Und dabei gehe es ihnen explizit nicht um längere, sondern flexiblere Arbeitszeiten. Für andere Branchen gebe es dies bereits. Und die Europäische Arbeitszeitrichtlinie sehe sie vor, wie die Pressemitteilung weiter ausführt.

Die Rede ist ferner von Mindest-Ruhezeiten, Gesundheitsschutz und Jugendschutz. Jeder Mitarbeiter soll selbst entscheiden können, an wie vielen Tagen er wie viel arbeitet. So kann jeder sein Leben nach seinem Bedarf an Freizeit und seinen individuellen Wünschen anpassen.

Geht doch, liebe Schichtleiterin: Ein bisschen mehr Lebenswirklichkeit in die Arbeitsplanung, bitte!

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING

Niemals aufgeben!

Wer sich Ziele setzt, kann mal verlieren, kommt aber meistens weiter. Und wer sich von Rückschlägen nicht entmutigen lässt, erst recht. Das habe ich selbst sprichwörtlich am „eigenen Leib“ erfahren.

Von Jens Kügler

War das ein Sommer letztes Jahr! – Fast jeden Tag habe ich mittags das Netbook in den Rucksack verfrachtet, mich auf mein Rennrad gesetzt (ich liebe es, die Geschwindigkeit, den „Rausch“!) und bin mit bis zu 40 km/h zum Starnberger- oder Ammersee gesaust, den Wind um die Ohren, den Kopf „frei gespült“ – und habe dort nach rund einer Stunde Fahrt mit neuen, frischen Ideen meine Arbeit mit dem Notebook fortgesetzt. Am See, unterm sonnigen Himmel, mit dem Wettersteinmassiv im Fernblick. Schöner arbeiten geht nicht.

Jetzt, in der kalten Jahreszeit, wird mittags eine Stunde gejoggt und dann geduscht und wieder gearbeitet. Im Home-Office – oder zum kreativen Tapetenwechsel im gemütlichen WLAN-Café nebenan. Zum Joggen bietet der nahe Nymphenburger Schlosspark im Herbst und Winter ein zauberhaftes Bild. Wie die bunten Blätter fallen, so wachsen die Ideen in allen leuchtenden Farben.

Warum ich mein Rennrad und mein Jogging so liebe? Es teilt meinen Arbeitstag in zwei übersichtliche Hälften. Es gibt mir die Gelegenheit, mich physisch zu erfühlen und zu verausgaben – wichtig als Abwechslung. Wichtig als „frischer Wind“. Wichtig für neue, frische und freie Gedanken. Und gut fürs Körpergefühl und Selbstbewusstsein.

Jeder, der seinen Job liebt, hat so ein „Rennrad“. Also etwas, das ihm Motivationsschübe gibt und seinen Arbeitsalltag auflockert, ob es etwas Sportliches oder Virtuelles ist. Davon bin ich überzeugt. Aber damit käme ich auch direkt zum Thema Rückschläge. Auch die können direkt mit dem individuellen Motivator verbunden sein.

Vor genau einem Jahr zwang mich ein Bandscheibenvorfall ins Krankenhaus und unters OP-Messer. Lendenwirbel: keine Kraft und kein Gefühl mehr im rechten Bein! OP geglückt – aber bis Weihnachten lief ich auf Krücken. Danach: Reha, langsame Kräftigung des Beines, allmähliches „Wieder-heran-Trainieren“, fern, fernab von meinen gewohnten Leistungswerten.

Jetzt hätte man denken können: Ich war frustriert, weil erst mal nur so wenig ging und ich eine gefühlte Wahnsinns-Geduld brauchte mit meiner Schwäche und den Krücken. Doch das Gegenteil war der Fall. Ich hatte ein klares Ziel. Im Sommer wieder rennradeln können wie gewohnt. Jeder kleine Fortschritt motivierte mich ungemein! Und? Es wurde wieder so ein Traum-Sommer mit Rennrad, Notebook, Sonne und Seen!

Kurzum: Rückschläge dürfen uns nicht zur Aufgabe zwingen. Wie heißt es so schön: Wenn du aufgibst, kapitulierst du. Wenn du nicht aufgibst, wirst du niemals geschlagen. Neulich las ich ein Interview mit einem ehemaligen Spitzensportler, der heute im Beruf sehr erfolgreich ist. Er wurde gefragt, ob er eine Parallele zwischen Durchhaltevermögen im Job und im Sport sähe. Seine Antwort: Ja, denn wer sich große Ziele stecke, müsse bereit sein, die – wie er sagte – „Extra-Meile“ zu gehen. Und sich weder von Herausforderungen noch Rückschlägen aufhalten zu lassen. Nur so werde er am Ende gewinnen.

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING

Kündigen. In aller Freundschaft.

Geht das: einen Mitarbeiter kündigen – und er bedankt sich? Natürlich nicht. Das wäre eine Szene für ein Satire-Programm. Was aber geht, ist, dass er „geht“ und sich mit Handschlag und einem einigermaßen guten Gefühl verabschiedet – dem Umständen entsprechend.

Von Jens Kügler

Für einen Mitarbeiter mit meinen guten Fähigkeiten und meiner hohen Qualität sei derzeit in diesem Unternehmen keine Aufgabe frei, sagte der Chef eines Verlages zu mir. Er verdeutlichte mir das mit den Aufgaben glaubhaft anhand der derzeitigen Kundenstruktur und Auftragslage. Sobald sich dies ändere, käme er sofort wieder auf mich zu, versprach er. Er kam in der Tat – aber zu dem Zeitpunkt hatte ich längst eine Anstellung in einem anderen Unternehmen gefunden. Eine Anstellung, die er mir prophezeit und empfohlen hatte.

Ich verließ das Chefbüro jedenfalls erhobenen Hauptes. Noch besser ist ein Berufskollege von mir verabschiedet worden: Sein Ex-Chef hat ihn sogar an das neue Unternehmen vermittelt. Klar: So kann es nicht immer funktionieren. Wie aber kündigt man, ohne den Gekündigten zu demütigen? Wie, damit er keinen Groll auf das Unternehmen hegt? Und ohne dass er schlechte Mund-zu-Mund-Propaganda betriebt oder seinen Arbeitgeber in sozialen Netzwerken verunglimpft?

Grundsätzlich gilt: Die Kündigung muss in einem würdigen Umfeld und in respektvollem Umgang ausgesprochen werden. Wer demütigt, erntet Frust und unter Umständen einen Sturm der Entrüstung unter den Kollegen, in der Branche oder im Netz. Wer das nicht beherrscht, den respektvollen Umgang und das Krisenmanagement auch im zwischenmenschlichen Bereich, hat auf dem Posten einer Führungskraft nichts und rein gar nichts verloren.

Versetzen wir uns nun aber gleich in die schwierigste Position, die ein Kündigender einnehmen kann: die Rolle dessen, der auf Weisung eines Anderen handelt. Also zum Beispiel der eines Abteilungsleiters, der anstelle seines Chefs die Kündigungen ausspricht. Er handelt allein im Namen des Unternehmens. Seine private Meinung à la „ich verstehe Sie. Aber Sie wissen ja, wie man hier mit uns umgeht“ spielt keine Rolle.

Der Betroffene muss erfahren, warum die Entscheidung gegen ihn getroffen wurde. Gibt es betriebliche Gründe? Erklären – so wie im Beispiel oben. Ist die Abteilung oder die Chefetage mit den Leistungen unzufrieden? Dann heißt es, mitteilen, welches Verbesserungspotenzial der Entlassene hätte. Sei es, um dem Gekündigten vielleicht doch eine zweite Chance einzuräumen. Oder als Optimierungs-Hinweis für seine zukünftige Laufbahn. Es ist auch klar, dass einer Kündigung aus Unzufriedenheit mindestens eine Warnung vorausgegangen sein muss.

Ganz wichtig: niemals „die Spatzen pfeifen es von den Dächern“ zulassen! Will heißen: Der Chef oder Abteilungsleiter muss sicherstellen, dass der Betroffene von ihm und nicht vorab schon durch Andere von seiner Kündigung erfährt. Ein schlechtes, aber häufig auftretendes Beispiel aus dem Profifußball sind Trainer, die aus der Zeitung von ihrer Entlassung erfahren. Wie sich jemand fühlt, dem dies widerfährt, kann sich jeder denken.

Die Führungskraft sollte sich auf das Kündigungsgespräch detailliert vorbereiten. Sie muss aus dem Stegreif alle denkbaren Fragen beantworten können. Etwa, wie viel Urlaubstage dem Gekündigten noch zustehen. Oder ob er etwa eine Abfindung erhält – und wenn ja, wie viel.

Bei aller Vorbereitung, bei aller Freundlichkeit: Es kann sein, dass der Gekündigte der Führungskraft mit Wut entgegnet, ja sie anschreit. Eine zweite Person im Kündigungsgespräch kann entkrampfen, unterstützen und vermitteln, etwa eine Teamleitung oder Chefassistenz. Erfahrungsgemäß beherrschen diese Soft Skills eher Frauen als Männer.

Last but not least: die Kündigungsfristen beachten! Klingt banal, muss aber erwähnt werden. Wer dies übersieht, riskiert Anfechtbarkeit. Übrigens: Als demütigend wird schon empfunden, wenn die Kündigung am letztmöglichen Tag vor Ende der Kündigungsfrist ausgesprochen wird. Nach dem Motto: nicht noch einen Monat länger Gehalt zahlen. Leider habe ich auch das schon einmal erlebt. Sie können sich denken, welche Emotionen dies zurücklässt. Das vergessen Sie ein Leben lang nicht!

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING

Die Top 10 der „toten Jobs“

Es gibt Berufe, die praktisch ausgestorben sind. Und es gibt die Diskussionen über jene, die akut vom Aussterben bedroht sind – vermeintlich. Doch stimmt das tatsächlich, immer und überall?

Von Jens Kügler

Neulich nahm ich an einer Marktforschungs-Studie eines US-amerikanischen Unternehmens hier in München teil. Eine Übersetzerin war anwesend – für Befragte, die nicht genügend Englisch beherrschen und zur Klärung möglicher Missverständnisse. In einer kurzen Befragungs-Pause kam ich mit ihr ins Gespräch. Sie äußerte die Befürchtung, dass angesichts von Übersetzung-Maschinen im Internet ihr Job bald obsolet sein würde. Ihre Zukunft sei ungewiss.

Ich hielt ihr entgegen, dass Maschinen noch so gut werden könnten (und sie werden ja auch kontinuierlich besser). Aber das zwischen den Zeilen zu Lesende, die Couleur eines Textes, das Gefühl in und zwischen den Worten … das kann nur ein schreibender Mensch erzeugen. So ist es meine Überzeugung. Wer sich dies bestätigen lassen möchte, lasse einfach mal diesen Text durch „Google Translate“ laufen.

Am selben Tag las ich auf dem englischen Jobportal „The Undercover Recruiter“ einen Artikel darüber, welche zehn Berufe in Kürze aussterben würden. Die Top 10 der Zukunfts-Verlierer, quasi. Darunter Taxifahrer, Barista, Paketboten, Verkäufer in Kaufhäusern, Kundendienst-Call-Center-Mitarbeiter und Supermarkt-Kassierer. Okay, Letztere werden hier und da schon durch Express-Kassen „entlastet“. Aber mal ehrlich, wollen Sie sich von einem Roboter beraten oder durch die Stadt kutschieren lassen? Um dann an der Bar von R2-D2 oder C-3PO bedient und unterhalten zu werden?

Es wird Umbrüche geben. Es gibt sie bereits – und gab sie. Vor 150 Jahren „ersetzte“ die Textilfabrik die meisten Schneider. In der Nische hielt sich der Mensch. Gäbe es sonst Maßschneider und Modeschöpfer? Dem totgesagtem Handwerk sagt man nach wie vor auch „goldenen Boden“ nach. Der denkende Mensch wird auch weiterhin gebraucht werden. Vom Künstler ganz zu schweigen.

Eine gute Übersetzerin übersetzt das Menschelnde, das Emotionale des Gesprochenen und Geschriebenen. Und wenn hier eines Tages nicht mehr „Von Jens Kügler“, sondern „von R2-D2“ steht, wird es dann noch Leser geben? Oder ist das ganze „Glump“, wie wir hier in Bayern sagen, dann nur noch als Input für die Google-Crawler relevant?

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING