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Das Zeug zum Unternehmer – Teil 2

Sind Sie auf dem Sprung in die Selbstständigkeit? Oder träumen Sie nur davon? Hier sind fünf weitere Fragen, die Ihnen helfen können, herauszufinden, ob Sie ein Unternehmertyp sind. Die ersten fünf Fragen finden Sie im Beitrag von letzter Woche.

6. Sind Sie bereit, länger und härter zu arbeiten?

Wenn Sie glauben, als Chef genießen Sie die freie Zeiteinteilung als puren Luxus – vergessen Sie’s. Von der 40-Stunden-Woche und dem Wort Feierabend müssen Sie sich verabschieden, erst recht in der Startphase. Sie müssen von morgens früh bis abends spät ran. Und natürlich auch am Wochenende und an Feiertagen. Sie tragen die Verantwortung. Und viele Probleme, die Sie zu lösen haben, tauchen nicht zwischen 9 und 18 Uhr auf oder sind pünktlich zum regulären Ladenschluss gemeistert. Deshalb werden Sie – anders als ein Angestellter – auch in Ihren Privatleben immer an Ihr Geschäft denken.

7. Sind Sie kritikfähig?

Ob Kunden, Geschäftspartner oder Investoren: Nicht jeder wird von Anfang an begeistert von Ihrem Produkt sein. Jedenfalls nicht annähernd so wie Sie. Viele Ihrer Entscheidungen werden hinterfragt werden. Wer dabei dünnhäutig reagiert oder sich entmutigen lässt, hat es schwer als Unternehmer. Denken Sie daran, dass keine Firma und kein Produkt perfekt und unschlagbar ist. Lassen Sie immer Spielraum für Optimierungen. Auch die harschste Kritik birgt eine Chance zur Innovation. Und ohne Innovation gibt es keine Weiterentwicklung.

8. Wie lange hält Ihr Finanzpolster?

Erfolgreiche Unternehmensgründer verstehen es, zu haushalten. Denn die Anfangsinvestitionen in ein Unternehmen übersteigen stets die anfänglichen Gewinne. Also muss Ihr Startkapital Ihre Lebenshaltungskosten so lange wie möglich decken können, vielleicht weit mehr als ein Jahr. Wenn es in dieser Zeit um Finanzentscheidungen geht: Vergleichen Sie akribisch Preise und Leistungen.

9. Haben Sie den Mut zum Scheitern?

„Scheitern ist keine Option“ hatte Margaret Thatcher auf die Frage geantwortet, was wäre, wenn der Falklandkrieg verloren ginge. Hier irrte die Eiserne Lady. Als Unternehmer müssen Sie damit leben können, dass Sie Schlachten verlieren, Irrwege gehen, Projekte in den Sand setzen oder das Unternehmen im schlimmsten Fall vor die Wand fahren. Doch aus nichts lässt sich so gut lernen wie aus Fehlern. Die Angst davor ist aber der wichtigste Grund, der die meisten Menschen vom Schritt in die Selbstständigkeit abhält. Haben Sie den Mut zum Scheitern, aber gehen Sie strategisch an Risiken heran – beispielsweise über klare Kosten-Nutzen-Analysen oder Umsatz- und Kostenpläne. Dann treffen Sie Ihre Entscheidungen gut informiert und aus klarer Berechnung heraus.

10. Was ist Ihr Plan B?

Natürlich schmerzt es, wenn Sie erleben müssen, dass Ihre mit Herzblut verfolgten Pläne nicht so laufen wie gewünscht. Welche Alternativen haben Sie zu Ihrer ursprünglichen Geschäftsidee? Lässt sie Variationen zu? Und wenn Sie scheitert: Welche Möglichkeiten halten Sie sich offen? Gibt es Reserven für einen „zweiten Versuch“? Oder wäre Plan B die Rückkehr in den alten Job? Halten Sie sich die Türen auf jeden Fall einen Spaltweit offen. Gehen Sie entschlossen Ihren Weg, aber reißen Sie nicht alle Brücken hinter sich ab.

Frei nach Taylor Johnson/theundercoverrecruiter.com

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Haben Sie das Zeug zum Unternehmer?

Möchten Sie sich dieses Jahr den Traum vom eigenen Unternehmen erfüllen – oder doch lieber Angestellter bleiben? Zehn Fragen können Ihnen die Entscheidung erleichtern. Hier finden Sie die ersten fünf. Frage sechs bis zehn folgen nächste Woche.

Gute Gründe für Gründer gibt es jede Menge. Schließlich wären wir alle gern unser eigener Boss. Aber Unternehmer zu sein bedeutet mehr als nur das zu wollen und den Markt mit einer großartigen Geschäftsidee zu beglücken. Seien Sie ehrlich zu sich selbst und beantworten Sie für sich diese Fragen:

1. Warum möchten Sie ein Unternehmen gründen?

Gründer starten ihr Unternehmen aufgrund sehr unterschiedlicher Motive. Aber zwei Beweggründe zählen bei den meisten erfolgreichen Unternehmern definitiv nicht dazu: mehr Geld und freie Arbeitszeit-Einteilung. Schlechte Erfolgsaussichten hat, wer einfach nur berühmt, reich oder wohlhabend werden und dazu weniger als bisher arbeiten möchte. Erfolgversprechendere Ziele sind, etwas neues zu schaffen, Kundenwünsche zu erfüllen, kreative Freiheit zu haben und etwas zu tun, das Sie wirklich lieben.

2. Lieben Sie die Herausforderung?

Als Unternehmer müssen Sie hart arbeiten, meist viel härter sogar wie als Angestellter. Doch nicht nur das: Sie müssen vor allem viel mentale Stärke mitbringen. Denn keinem Unternehmer wird der rote Teppich ausgelegt: Sie werden immer wieder Hindernissen begegnen und Felsen aus dem Weg räumen müssen. Mal ehrlich: Sind Sie auch bisher immer eher der Mensch gewesen, der Schwierigkeiten aus dem Weg und lieber den Weg des geringsten Widerstandes geht? Oder zeigen Sie üblicherweise die „Ich pack’s an – ich geb’ mich nicht zufrieden oder geschlagen – ich möchte dieses verdammte Problem lösen“-Mentalität? Nur wenn letzteres der Fall ist, sind Sie Unternehmertyp.

3. Haben Sie Geduld, Nervenstärke und Ausdauer?

Es dauert meist Jahre, bis ein Unternehmen erfolgreich arbeitet. Am Anfang sind die meisten Unternehmensgründer mit Begeisterung bei der Sache, doch viele verlässt nach einigen Monaten bereits der Schwung. Zu all den Prüfungen, die auf Sie zukommen, gehören Geduld und die vielen kleinen wie großen frustrierenden Rückschläge. Wenn Sie wissen, dass Sie ein Mensch sind, der auch im Sinkflug die Kontrolle behält und durchhält, haben Sie gute Chancen.

4. Sind Sie ein Mensch mit Führungsqualitäten?

Die meisten Unternehmen sind keine Ich-AGs oder One-Man-Shows. Auch Ihres sicher nicht. Vielmehr benötigen Sie ein Team aus spezialisierten Fachkräften. Diese müssen Sie auswählen. Ihnen müssen Sie vertrauen können. Geben Sie ihnen klare Ziele und Richtungen vor. Setzen Sie realistische Erwartungen voraus – auch bei dem Können und der Leistung jedes einzelnen Mitarbeiters. Geben Sie Ihren Mitarbeitern Anreize und ermutigen Sie sie zu ehrlichem und konstruktivem Feedback. Und wenn es zu Konflikten kommt, lösen Sie diese umsichtig. Kurzum: Als Unternehmer benötigen Sie ein Höchstmaß an sozialen Kompetenzen.

5. Wie gut können Sie planen und organisieren?

Die meisten Firmenneugründungen scheitern an mangelnder Planung – vor allem im finanziellen Bereich. Beispielsweise häufen sich Lieferantenrechnungen, während wichtige Kunden über Monate heraus keine Zahlungen leisten. Für längere Perioden mit finanziellen Engpässen müssen Absicherungen geschaffen werden. Risiken müssen vorhersehbar sein. Ein einfacher Schutzmechanismus ist ein gut ausgearbeiteter Businessplan, den Sie mit Hilfe eines Unternehmensberaters erstellen. Solch ein Businessplan ist oft auch die Voraussetzung für Bankkredite und Födergelder.

Frei nach Taylor Johnson/theundercoverrecruiter.com

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Gute Vorsätze

Die Weihnachtszeit ist so gut wie passé, Silvester und Neujahr liegen vor uns. Wie immer ist dies ein perfekter Anlass, auch beruflich über Veränderungen nachzudenken. Orientierung bieten Events wie der Karrieretag oder Firmen mit ausgezeichneter Betreuung von Auszubildenden und Praktikanten.

Heißt Ihr „guter Vorsatz“ für 2015 Berufsstart oder Neuanfang? Schon ein klares Ziel vor Augen? Oder sind Sie noch auf der Suche? Wer sich für Medien und Kommunikation interessiert, sollte sich einen Termin Ende Januar in Dortmund im Kalender rot anstreichen:

Am 22. Januar findet in der Westfalenhalle der zweite Karrieretag des Studieninstituts der Branche statt. Er ist Teil der Messe Best of Events und richtet sich an Abiturienten, Studien-Abbrecher und Quereinsteiger. Auf dem Karrieretag halten Experten Vorträge darüber, was die Brache bietet, welche Berufsbilder dazugehören, welche Qualifikationen gewünscht sind und wie der Berufseinstieg am besten gelingt. Zwei Nachwuchskräfte bieten Einblicke in den Arbeitsalltag ihrer Agenturen. Last but not least erklärt ein Personalberater, wie die idealen Bewerbungen von heute und die Erwartungen der Arbeitgeber aussehen.

Die Veranstaltung ist kostenlos, da sie von verschiedenen Agenturen, Fachverbänden und einer Personalberatung getragen wird. Allerdings ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Also am besten sofort und verbindlich anmelden unter www.studieninstitut.de/karrieretag.

Wenn es darum geht, den richtigen Arbeitgeber zu finden, hilft ein Blick auf die Website von Fair Company. Es ist die größte Arbeitgeberinitiative in Deutschland. Ihr gehören über 700 Unternehmen an, Tendenz steigend. Das Fair im Namen bezieht sich auf die Beschäftigung und Behandlung von studierenden Praktikanten, Auszubildenden und Berufseinsteigern. Freiwillig verpflichten sich die Unternehmen, den Nachwuchskräften wertvolle praxisnahe Erfahrung zu vermitteln und sie entsprechend ihrer Talente zu fördern.

Den Praktikanten zum Beispiel geben Fair Company-Firmen klare Aufgaben und Ziele, statt sie für Handlanger-Dienste zu missbrauchen. Auch bieten die Unternehmen Praktika ausschließlich im eigentlichen Sinn des Begriffes – nämlich zum Reinschnuppern während des Studiums und nicht zum Hinhalten und Vertrösten von Absolventen, die eigentlich eine Stelle suchen. Eine adäquate Entlohnung von Praktikanten wie Auszubildenden steht ebenfalls auf der Fairness-Agenda.

Die Fair Company-Mitglieder haben sich ein Regelwerk geschaffen, über deren Einhaltung unter anderem ein Praktikanten-Feedback wacht. Wer es einhält, wird jährlich aufs Neue mit dem Fair Company-Siegel ausgezeichnet. In einer Zeit, in der sich Fachkräfte die Unternehmen aussuchen können und nicht umgekehrt, ist das Siegel sicher ein guter Wegweiser und ein Aushängeschild. Es ist auf jeden Fall ein Paradebeispiel für Employer Branding.

Erfreulich ist, dass sich auch auf lokaler oder regionaler Ebene immer mehr Unternehmen zu Ausbildungs-Initiativen zusammenschließen. Bewerber können sich bei ihrer IHK vor Ort nach solchen Fördermöglichkeiten erkundigen. Und wenn es gute Vorsätze für das Jahr 2015 auf Unternehmerseite gibt, dann lautet einer davon: Machen Sie sich für Nachwuchskräfte so attraktiv wie möglich. In diesem Sinne: auf ein glückliches 2015!

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Was Weihnachten mit Würdigen zu tun hat

In der Art, wie eine Firma ihre Weihnachtsfeier gestaltet, offenbart sich auch die Wertschätzung für die eigenen Mitarbeiter.

Ein paar Teelichter, Glühwein aus Supermarkt-Verbundpackungen, ein bisschen weihnachtliche Papierdekoration auf dem Schreibtisch und in den Regalen – das war’s. Eine Handvoll Lebkuchenherzen gab’s noch, mehr nicht. So ist in einer kleinen Werbeagentur, in der ich nur ein Jahr gearbeitet habe, Weihnachten gefeiert worden. Und zwar unten im Büro von einem der beiden Chefs. Dort saß die ganze etwa 12-köpfige Belegschaft zusammen und schwieg. Der Kreativchef sagte ein paar Worte übers Geschäftsjahr, der kaufmännische über die Pläne. Ansonsten Tristesse. In dieser Agentur herrsche zwar ein enges, fast freundschaftliches Verhältnis zwischen uns, den Kreativen aus dem Atelier, aber ein eisiges zu den Chefs. Das änderte sich natürlich auch auf dieser „Weihnachtsfeier“ nicht. Erst als wir Kollegen uns geschlossen verabschiedeten, begann die Feier – unter uns, auf dem Weihnachtsmarkt.

Dabei ist es gar nicht so schwer, den Mitarbeitern Freude zu bereiten. In der etwa zehnköpfigen Sanitärinstallations-Firma meines Vaters war es eine Selbstverständlichkeit, einen Nebenraum eines Restaurants zu reservieren und von den Wirtsleuten festlich schmücken zu lassen. Essen und Getränke waren natürlich den ganzen Abend frei – auch für die Ehefrauen- und Männer, Verlobten oder Freundinnen und wichtige anwesende Kunden. Jeder Mitarbeiter erhielt ein Weinpräsent und, sofern die Vorlieben bekannt waren, etwas „Individuelles“. Diese Feiern waren stets sehr fröhlich. Und selbst die Taxikosten für die Heimfahrt jedes Mitarbeiters übernahm die Firma.

Es gibt viele Möglichkeiten, die Mitarbeiter zum wichtigsten Fest des Jahres spüren zu lassen, was sie der Firma wert sind. Bei Event-Organisatoren lassen sich zum Beispiel mittelalterliche Ritteressen buchen. Oder Feiern mit Dinner-Shows, auf denen Krimi-Komödien oder Musicals dargeboten werden. Auch Schlager-Abende werden immer beliebter, und bezahlbare Doubles großer Stars gibt es genug. Eine Garantie für einen lustigen Nachmittag oder Abend birgt auch Wichteln.

Weitere Ideen: Ein weihnachtliches Golfturnier mit anschließendem Glühweintrinken am „19. Loch“. Unvergessen bleiben auch Geocaching-Events oder Schnitzeljadgen, bei denen die Mitarbeiter in Teams den Ort der Feier erst einmal suchen und Aufgaben lösen müssen. Natürlich erhalten die Siegerteams dort Preise. Und wer Mitarbeitern und Kunden einen besonders festlichen Empfang bieten möchte, muss nicht einmal tief in die Tasche greifen: Einige Event-Veranstalter bauen kleine Weihnachtsmärkte mit Glühwein-, Kunst- und Lebkuchenständen auf dem Firmengelände auf. Für eine mittelständische Firmengröße liegen die Kosten pro Person im niedrigen zweistelligen Bereich.

Und – ja, es muss zu Weihnachten sein. Zwar mag die Bedeutung des Festes in unserem Kulturkreis tendenziell abnehmen, aber ich möchte seine Wichtigkeit trotzdem am Beispiel eines Ereignisses verdeutlichen, dass sich fast auf den Tag genau vor 100 Jahren abgespielt hat: dem sogenannten Weihnachtsfrieden im Ersten Weltkrieg. An der Westfront in Flandern lagen sich deutsche und englische Truppen in ihren Schützengräben gegenüber. Alle Engländer hatten ein Paket mit Süßigkeiten, Tabak, kleinen Flaschen alkoholischer Getränke und Bildern vom Königshaus geschickt bekommen. Die Deutschen erhielten von der Obersten Heeresleitung Päckchen mit künstlichen Tannenbäumchen. Sie sollten etwas Weihnachtsatmosphäre zaubern.

So riefen die Deutschen zu den Engländern herüber: „We don’t shoot today“ und erhielten entsprechende Antworten. Dann stellten sie ihre Tannenbäumchen oben auf dem Rand der Schützengräben auf und begannen, Weihnachtslieder zu singen. Die Engländer applaudierten und stimmten mit ein. Stille Nacht hier, Silent Night dort. Bald trauten sich hüben wie drüben die ersten unbewaffnet und mit weißen Fähnchen aus den Gräben. Schließlich trafen sich alle in der Mitte und es kam überall zu spontanen Verbrüderungen. Tabak, Getränke, Schokolade wurde getauscht, hier wurde Fußball gespielt, dort ein gemeinsamer, zweisprachiger Gottesdienst gefeiert. An manchen Frontabschnitten hielt die von den einfachen Soldaten „beschlossene“ Waffenruhe bis nach Neujahr. In diesem Sinne: friedliche und „wertvolle“ Weihnachten!

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Von Amerika bewerben lernen

Bewerbungen mit elektronischen Medien können ungewöhnlich witzig und kreativ sein. Die Beispiele, die dies zeigen, stammen bisher meistens aus den USA. Leider.

Deutschland ist nicht gerade das Land der kreativen Vorhut in Sachen Nutzung neuer Medien und sozialer Netzwerke. Fast immer kommen die neuesten Ideen und Vorbilder aus den USA. Immerhin: Deutsche Unternehmen schaffen es inzwischen, regelmäßig virale Werbehits im Netz zu verbreiten – etwa das berühmte „Supergeil“-Video von Edeka mit dem skurrilen Sänger Friedrich Liechtenstein. Doch wie sieht es mit deutschen Bewerbern aus? Es werden immer noch Mappen verschickt und Online-Formulare ausgefüllt, weil Unternehmen dies wünschen und Bewerber sich nichts Neues zutrauen. Vor allem kein Scheitern.

Wie es mutig, lustig, kreativ und trotzdem ernst in der Sache geht, hat der Amerikaner Matthew Epstein vorgemacht. Sein „Google, please hire me!“-Video aus dem Jahre 2011 ist ein Klassiker und wurde über 1,3 Millionen Mal auf Youtube geklickt. Mit einem falschen Schnurrbart und witzig-übertriebenen Slapsticks setzt er sich gekonnt in Szene und lässt dabei trotzdem sein fachliches Wissen durchblicken. Wer das Video nicht kennt: einfach mal googeln!

Wie humorvoll sich selbst eine schwierige Jobsuche darstellen lässt, beweist eine junge, studierte Mutter, die auf Youtube eine Parodie von Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“ veröffentlichte: „Arbeitslos durch den Tag – und ich krieg mein Geld vom Staat“. Wie viel lässiger könnte sich jemand inszenieren, der nicht auf der Suche nach irgendeinem passenden Job ist? Wie viel leichter hat es ein Bewerber, der von einem Traum-Unternehmen wie Google, Apple, Mercedes oder BMW verpflichtet werden möchte!

Warum gibt es viel zu wenig solcher Beispiele, wie sie in den USA längst Gang und Gäbe sind? Liegt das Problem darin, dass Unternehmen hierzulande viel zu wenig offen für ungewöhnliche Formate sind? Reagieren sie mit der altbekannten Skepsis gegenüber allem Neuen? Oder haben die Bewerber zu wenig Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen? Vermutlich beides.

Eins ist klar: Zur Kreativität gehört der Mut zum Risiko des Scheiterns. Wer sich öffentlich outet und dann den Job nicht bekommt, muss damit leben können. Und dieser Mut ist in einem Land, in dem jeder seines Glückes Schmied ist, scheinbar eher verbreitet als in unserer Gesellschaft des sozialen Sicherheits-Denkens. Außerdem: Im Nachhinein kann man Beispielen, die Schule gemacht haben und Viralhits wurden, immer das Prädikat Erfolgsformat anhängen.

Natürlich muss für eine gekonnte Eigenpräsentation viel Zeit und Arbeit investiert werden. Doch wie könnte ein Bewerber dem Traumjob-Anbieter seinen Wunsch, bei ihm zu arbeiten, überzeugender darlegen als mit einer solchen Maßnahme? Es muss ja auch kein aufwändiges Video sein. Zu viele Nachahmer verwässern die Erfolgsaussichten.

Ein Weg ist, in sozialen Netzwerken wie Xing in den entsprechenden Gruppen regelmäßig Beiträge mit Mehrwert für die Zielgruppe der Arbeitgeber oder Branchenkollegen zu posten. Wer dies tut, baut sich einen Experten-Status auf. Mit dieser passiven Form der Bewerbung wirft der Kandidat quasi ein Netz für Unternehmen aus, die suchen. Eine weitere Möglichkeit, die allerdings noch mehr Zeit und Geduld erfordert, ist ein eigener Bewerbungsblog mit regelmäßig ergänztem, interessantem Content aus der Welt des Jobs. Natürlich muss dieser Blog bestens vernetzt sein. Dieses Video von karrierebibel.de verdeutlicht, wie Bewerbungen in den sozialen Netwerken funktionieren können.

Apropos: Hat Google Matthew Epstein eingestellt? Nein, aber in einem zweiten Video erklärt er, dass ihn ein Traum-Unternehmen unter Vertrag genommen habe. Es sei ein innovatives Start-up. Epstein erklärt, was er dort jetzt tut und warum er voll dahinter steht. Das Ergebnis ist ziemlich peinlich … für Google.

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Mutmacher

Kennen Sie das – manchmal scheint es Ihnen vor Sorgen und Ängsten den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Sie verzweifeln an irgendwas und fallen in ein „schwarzes Loch“. Wir alle kennen das. Aber lesen Sie mal.

Anna-Maria Zimmermann ist eine deutsche Schlagersängerin. Wenn sie auf der Bühne steht bei Konzerten, Schlagerfestivals oder am „Ballermann“ auf der Urlaubsinsel Mallorca, verbreitet sie stets eine ansteckend gute Laune. Vor circa vier Jahren hatte sie einen beinahe tödlichen Unfall. Ihr Hubschrauber stürzte ab. Sie lag wochenlang im Koma und benötigte fast ein Jahr für Genesung und Rehabilitation. Nur eines konnten die Ärzte nicht retten. Seit diesem Unfall ist ihr linker Arm gelähmt. Anna-Maria Zimmermann nahm ihr Schicksal an und begann wieder, Musik zu machen. Einer ihrer Songs heißt „Leben“. Wenn sie auftritt, fixiert sie ihren leblosen Arm mit einer Gürtelschlinge, wirbelt einarmig über die Bühne … und bezaubert alle mit ihrem gewinnenden Lächeln.

Können Menschen, die blind sind, Fußball spielen? Ja, richtig gut sogar, und mit voller Begeisterung. Beim FC St. Pauli gibt es seit dem Jahr 2006 eine Abteilung Blindenfußball mit rund zehn Aktiven. Sie spielen in Teams à vier Feldspielern plus Torwart auf einem Handballfeld großen Platz. Der Ball rasselt beim Rollen und wird so gehört. Die Seitenlinien sind Banden, von denen er abprallt. Außerdem dienen sie der Orientierung. Für Serdal Celebi, einen der St. Pauli-Blindenfußballer, gehörte die WM-Teilnahme mit der deutschen Nationalmannschaft im November zu den größten Momenten seines Lebens.

Es gibt Tage, da fällt es uns physisch kerngesunden Menschen schwer, uns zu motivieren – sei es zu unserer Arbeit oder zu Schritten, die uns zu mehr Erfolg führen könnten. Eines Tages durfte ich einen Artikel über Anna-Maria Zimmermann verfassen. Ich habe mich so mit ihrem Schicksal vertraut gemacht und ihre Videos gesehen. Seitdem denke ich in Momenten drohender Lethargie immer an sie. Dann setzt eine Erleichterung ein und mir wird klar, wie gut es mir geht.

Menschen wie die fröhliche Schlagersängerin und die begeisterten Blindenfußballer sind Mutmacher. Und das Paradebeispiel unserer Tage heißt Samuel Koch. Vielleicht erinnern Sie sich an „Wetten Dass“ im Dezember 2010. In dieser Sendung wollte er mit Sprungfedern an den Füßen über mehrere Autos per Salto springen. Dabei stürzte er und brach sich zwei Wirbel. Am seinem Überlebenskampf in den Kliniken nahm die ganze Nation Anteil wie später beim Rennfahrer Michael Schumacher.

Heute ist Samuel Koch vom Hals ab querschnittgelähmt. Zähneputzen, Anziehen: Für praktisch jede alltägliche Handlung benötigt er Hilfe. Aber moderne Technik ermöglicht es, dass er zum Beispiel telefonieren und über einen Sprachcomputer surfen und E-mailen kann. Auch er hat sich seinem Schicksal nicht ergeben, sondern es als Chance begriffen. „Zwei Leben“ heißt seine inzwischen preisgekrönte Autobiografie. Er arbeitete als Regieassistent bei einem Film und absolvierte schließlich sogar eine Schauspielausbildung. Seine Abschlussarbeit behandelte das Thema Behinderung auf der Bühne und trug den Titel „Die Entdeckung des Schönen in der Reduktion“.

Inzwischen ist Samuel Koch festes Ensemblemitglied am Stadttheater Darmstadt. Er spielt zudem eine Rolle in der Telenovela „Sturm der Liebe“ sowie in Til Schweigers Kinofilm „Honig im Kopf“. Man könnte die Reihe der „Schicksals-Meisterer“ mit Prominenten wie dem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble oder dem weltberühmten Wissenschaftler Stephen Hawking fortsetzen. Es sollen nur Beispiele sein, die uns vermitteln: Wer trägt den Schlüssel zum Glück in im Alltag und zum Erfolg im Beruf in seinen Händen? Wer, wenn nicht wir selbst?

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Team-Faktor Firmenfitness

Sportangebote für Mitarbeiter fördern nicht nur die Gesundheit und Motivation. Regelmäßig in der Gruppe praktiziert, sind sie die wohl besten aller Teambuilding-Maßnahmen. Und wer im Sport vorangeht, offenbart sich dann oft auch im Unternehmen als einer derjenigen mit der größten Einsatzfreude. Hier wie dort zieht er die weniger Engagierten mit.

Eigentlich darf Firmenfitness nicht davon abhängen, wie sportbegeistert die Geschäftsleitung ist. Es ist aber der reinste Segen für alle, die aktiv sein wollen, wenn der Chef sich selbst als Sportler zeigt. Ein Beispiel: Mehrere Jahre lang durfte ich für ein Münchner E-Commerce-Unternehmen arbeiten. Als das Unternehmen wuchs, zog es von der City in ein Großraumbüro am Stadtrand. In der Nähe befand sich ein Waldstück mit Trimmpfad. Also ließ der Geschäftsführer einen Duschraum ins Büro einbauen und engagierte einmal pro Woche für eine Stunde als verlängerte Mittagspause einen befreundeten Personal Trainer. Vor allem aber bot er uns Mitarbeitern an, teilzunehmen und mit ihm plus Trainer die Runde über den Pfad zu laufen. Aus der Belegschaft von ca. 20 Mitarbeitern fand sich regelmäßig eine Runde aus fünf bis sechs Männern und Frauen zum wöchentlichen Lauftreff mit Trimmdich-Stationen und Motivation durch den Coach.

Die gemeinsame Sportrunde brachte uns Teilnehmenden nicht nur ein Plus an Kondition. Es machte so viel Spaß in der Gruppe, dass uns weder Hitze, Schnee noch Regen von der wöchentlichen gemeinsamen Trainingseinheit abhielten. Manche Situationskomik, die sich bisweilen bei den Übungen ergab, wurde sprichwörtlich zum „Running“ Gag. Und allmählich bildete sich aus uns vorher einander relativ Fremden ein Team aus befreundeten Kollegen heraus. Das Unternehmen gibt es nicht mehr, aber wir fünf netzwerken immer noch und treffen uns gelegentlich zum Sport.

Dieses Beispiel verdeutlicht, wie einfach sich Firmenfitness und Teambuilding zumindest für jenen Teil der Belegschaft verwirklichen lassen, der freiwillig mitzieht. Aber ich behaupte mal, dass diejenigen, die sich hier als team- und begeisterungsfähig outen, ohnehin zu den treibenden Kräften im Unternehmen gehören und den Passiveren Anstöße geben. Daher ist es wichtig, sie ans Unternehmen zu binden – auch mit Sportangeboten. Denn über diese lässt sich weitaus mehr bewegen als nur die vielbeschworene Gesundheitsprävention am Arbeitsplatz.

Möglichkeiten für Sportangebote im Unternehmensumfeld gibt es fast unbegrenzt. Konzerne oder ihre Belegschaften gründen oft sogar eigene Sportvereine. Und dabei muss nicht gleich ein Champions-League-Club wie Bayer 04 Leverkusen entstehen. Vorbilder sind eher Vereine wie der SV Weiß-Blau Allianz München mit Breitensport-Angeboten wie Fußball, Tennis, Basketball oder Laufsport. Doch was können kleine und mittelständische Unternehmen tun?

Für viele Fitness-Studios lassen sich zum Beispiel Gruppen-Abonnements für Mitarbeiter aushandeln. Ist genügend Platz im eigenen Gebäude vorhanden – zum Beispiel im Keller –, kann dort ein Fitnessraum installiert werden. Und es spricht gar nichts dagegen, dass sich das Unternehmen an Sport-Events vor Ort nicht nur als Sponsor engagiert. Das eigene Firmenteam beim Stadtlauf trägt nicht nur das Logo auf den Laufshirts werbewirksam ins Publikum. Vielmehr wird das Team auch für sein Unternehmen kämpfen wollen – um den Sieg oder die vordersten Plätze und damit um die Anerkennung durch Belegschaft und Geschäftsführung.

Die Firmenläufe, die jährlich in vielen deutschen Großstädten stattfinden, erfreuen sich extrem steigender Beliebtheit. Mit Begeisterung laufen hier Zehntausende als Teams in den Farben ihrer Firma. Und sogar jene, deren Sportbegeisterung oder Fitness sich allgemein in Grenzen hält, lassen sich anstecken und laufen so lange sie können mit. Am Schluss sind alle stolz auf ihre Leistung – und die Partys danach bleiben ewig in Erinnerung. Gibt es eine positivere Art der emotionalen Bindung ans Unternehmen?

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„Hier ist besetzt“

Wenn wir uns in der Öffentlichkeit bewegen, tragen wir allzu oft das „Bitte nicht stören“-Gesicht. Doch mit Charme und kleinen Gesten lässt sich das Eis ganz leicht brechen.

Sie kennen die Situation: Jemand setzt sich ungefragt zu Ihnen und stört Ihre Intimsphäre. Sie möchten lieber alleine am Tisch sitzen und in Ruhe lesen oder arbeiten, und plötzlich rückt Ihnen dieser Kerl einfach auf die Pelle. Oder Sie selbst finden keinen Platz im Café und warten, bis ein Tisch frei wird, obwohl fast überall ein paar Stühle frei sind. Sie wollen ja schließlich nicht stören.

Es erscheint uns typisch deutsch, ist es aber nicht. Die Firma Nescafé drehte einen Werbespot mit versteckten Kameras in einer Bibliothek in Mailand, Italien. Bei dem Spot handelt es sich um gutes Storytelling, vor allem aber um eine kleine Sozialstudie. Sie zeigt, dass es auch dort nicht reicht, unaufgefordert am Tisch Platz zu nehmen und einfach nur „ciao“ zu sagen: Die Leute ärgern sich und wenden sich ab. Bringen die Probanden jedoch eine frische, duftend-heiße Tasse Kaffee mit, erhellen sich die Minen und es beginnen sofort freundliche Gespräche. Zu den erfolgreichen Kontaktanbahnungen trägt sicher die Tatsache bei, dass die Marke Nescafé im Land von Espresso und Cappuccino ein erstaunlich gutes Image hat. Das Wesentliche aber sind die Geste und der Überraschungseffekt.

Wer einmal einen positiven Kulturschock in Sachen Kontaktfreude und Offenheit erleben will, muss nach Irland reisen. Dort bleibt niemand, wirklich niemand auch nur drei Minuten allein an einer Bar oder an einem Tisch sitzen. Wer allein ist, zu dem setzt sich grundsätzlich jemand dazu und spricht ihn an. Meine erstaunlichsten Erlebnisse waren folgende: In einem Selbstbedienungs-Café in Dublin setzte ich mich wie gewohnt mit meinem Tablett an einen freien Tisch. Und obwohl die Hälfte aller Tische rundherum frei war, setzte sich das junge Pärchen, das gleich nach mir kam, ohne zu überlegen zu mir. Weil ich allein ja da saß – was quasi verpönt ist. In Cork las ich Zeitung in einer Bar. Der Wirt wusste, dass ich Deutscher war. Er konnte es partout nicht verstehen, warum ich mich nicht zu einer deutschen Reisegruppe drüben in die Lounge setzen wollte. Er bat die Gruppe schließlich, mich nicht so einsam dasitzen zu lassen. Es wurde ein lustiger Abend …

Dieser Habitus der Inselbewohner ist natürlich nicht unverändert auf den Kontinent übertragbar, denn dazu fehlt hier die Offenheit des Gegenüber. In Deutschland wie Italien muss subtiler vorgehen, wer Kontakte aufbauen möchte. „Eine nette Geste, ein paar positive Worte und vor allem ein Lächeln sind Türöffner zu den Menschen“, weiß Ute Hagen. „Diese positiven Signale bauen Stress bei Sender und Empfänger ab. Deswegen sind sie gerade im oftmals hektischen Arbeitsleben sehr wichtig für den Umgang miteinander“.

Was im Unternehmen gilt, zählt auch in der Freizeit und erst recht auf Reisen, wenn räumliche Enge herrscht. Denn wer weiß: schließlich kann der Nebenmann in der Bahn oder im Flugzeug ein zukünftiger Kunde oder Arbeitgeber sein. „Wir Menschen sind doch eigentlich soziale Wesen. Aber wir lassen uns von Hektik, Termindruck und Alltagsstress allzu oft zu Muffeln machen“, so Ute Hagen, lächelnd …

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Zurück in die Zukunft

Pleite, insolvent, am Ende: Wie verarbeiten Unternehmer, Künstler und Manager einen totalen Crash? Und wie gelingt ihnen ihr Comeback?

Sicher erinnern Sie sich an die „Polonäse Blankenese“ oder „Mein Freund Herbert“. An den schrägen Sänger im karierten Sakko und mit der gelben Gummiente, dessen Lieder auf jeder Party zu hören waren. Gottlieb Wendehals alias Werner Böhm hat Millionen verdient. Und verzockt. Fehlender Umgang mit Geld, dann Scheidung, Alkoholprobleme, Steuerschulden, schließlich Privatinsolvenz und Wohnungsräumung. „Klimbim“-Star Ingrid Steeger kennen Sie auch noch? Ihr erging es ähnlich. Die berühmte Schauspielerin beantragte am Schluss sogar Hartz IV. In einer TV-Show gestand sie vor einiger Zeit: „Ich musste erst richtig auf die Schnauze fallen, um mein Leben selbst in die Hand zu nehmen“. Nun, sie stellte sich der Situation, fand zurück auf die Theaterbühnen und ist heute schuldenfrei. Inzwischen ist auch Werner Böhm auf die Bühne zurückgekehrt – wenn auch nicht die ganz große. Aber auf den Schlagerfestivals, die wie Pilze aus dem Boden schießen, ist der alte Spaßmacher mit seinen Megahits ein gern gesehener Gast.

Ein ehemaliger Geschäftspartner aus der Nähe von Hannover war als freier Grafik-Designer sehr erfolgreich. Anfang der 90er-Jahre hatte er sich eine komplette Werbeagentur aufgebaut. Die kaufmännische Unternehmensführung lag ihm indes nicht. Nach einigen Jahren musste er die Agentur hochverschuldet schließen. Fortan arbeitete er wieder als vielbeschäftigter Freiberufler. Statt sich vom Image des Versagers lähmen zu lassen, besann er sich auf sein wahres Erfolgsgeheimnis: Es hieß „Zurück zu den Wurzeln“ und kann für viele Menschen gelten. Nicht jeder ist schließlich ein geborener Unternehmer.

Dass die Schließung eines Unternehmens nicht zwangsläufig auf den totalen Ruin hinausläuft, belegte eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus dem Jahr 2010. Sie zeigte auf, dass nur rund die Hälfte aller Unternehmer, die ihre Firma noch vor der Zahlungsunfähigkeit aufgelöst hatten, in finanzielle Schwierigkeiten kamen. Unter Geldsorgen litten allerdings zwei Drittel aller Unternehmer, die bis zur Insolvenz „durchgehalten“ hatten. Immerhin fanden zwei Drittel der insolventen Unternehmer in den ersten drei Jahren nach dem Zusammenbruch eine Stelle oder etablierten sich wie mein Ex-Geschäftspartner als Freiberufler.

Eine Zahl aus der Studie erstaunt: Jeder zehnte gestrandete Unternehmer eröffnete innerhalb von ein bis drei Jahren erneut eine Firma. Entscheidend für ihren Erfolg ist wohl das Lernen aus den früheren Fehlern. Apropos Fehler:

Führungskräfte scheitern oft nicht aus wirtschaftlichen Gründen. Top-Manager zum Beispiel verlieren ihre Posten oft durch Affären, Steuerskandale oder aufgedeckte Doktorarbeits-Plagiate. Doch verlieren sie nicht nur den Job, sondern oft auch ihren Lebensinhalt. Ihr „Zurück-ins-Leben-Kämpfen“ bedeutet meistens, sich einstweilen mit kleineren Posten zu begnügen und hart und diszipliniert zu arbeiten. Denn: Skandale werden schnell vergessen – und viele geschasste Spitzenmanager tauchen nach vier, fünf Jahren in den Vorstandsebenen anderer Konzerne wieder auf.

Top-Manager kennen noch ein weiteres Problem. Oft ist ihre Identifikation mit dem Job und ihrem Erfolg dermaßen groß, dass sie über die elementarsten Dinge hinweggehen. Sie brechen mit Gesetzen und dem gesellschaftlichen Konsens. Wer sich dann nicht der Situation stellt, wer keine Reue zeigt und sich etwa durch Flucht oder erneute Prozess-Revision einer Haftstrafe zu entziehen versucht, wird Schwierigkeiten haben, jemals seine Reputation wiederherzustellen. Als Uli Hoeneß sich entschied, die in erster Instanz gegen ihn ausgesprochene Haftstrafe tatsächlich anzutreten, zollten ihm viele ihren Respekt.

Welche Folgen haben Gefängnisstrafen? Viele Manager, die eine verbüßt haben, zeigten sich im Nachhinein als geläutert und von einem starken Willen beseelt: Sie wollten wieder aufstehen und den Erfolg energisch, aber auf ehrliche Weise suchen. Nach dem Motto: jetzt erst recht, aber nie wieder so. Man wird sehen, wie ein Uli Hoeneß die Haftanstalt in Landsberg verlässt und wofür er sich engagieren wird, um den Respekt in der Gesellschaft und seine Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

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Talente aus dem Netz fischen

Früher mussten Personalchefs einen Berg qualifizierter Bewerbungen für jede Fachkräfte-Stelle wälzen. Heute bleibt der Posteingang oft leer. Denn die Unternehmen werden nicht mehr gesucht, sie müssen suchen. Und zwar aktiv und kreativ.

Jedes Mal, wenn ich die Samstagszeitung durchblättere, wird mir klar, wie radikal sich die Arbeitswelt in den letzten 10 bis 15 Jahren verändert hat. Der Stellenanzeigen-Teil umfasst vielleicht noch sechs oder acht Seiten, wo früher 120 waren (jedenfalls bei der führenden deutschen Tageszeitung, der Süddeutschen). Und es handelt sich fast ausschließlich um Berufe im schlecht bezahlten gesundheitlichen oder sozialen Sektor. Über die klassische gedruckte Stellenanzeige oder das Stellengesuch lassen sich offensichtlich keine Fachkräfte mehr finden und vermitteln. Die Anzeigen sind gestorben – und mit ihnen leider auch viele Printmedien.

Ihren Platz haben digitale Portale wie Monster oder Stepstone eingenommen. Plus Online-Branchenmagazine wie etwa Leaddigital in der Kreativ-Szene. Doch auch sie können die Lücke nicht schließen zwischen den viel zu vielen offenen Stellen und den händeringend gesuchten Fachkräften. Und die Lücke wird größer: Inzwischen gehören fast ein Drittel aller Arbeitnehmer in den deutschsprachigen Ländern zur Generation 60 plus. Leute also, die in den nächsten drei bis fünf Jahren in Rente gehen. Ganz gleich also ob in der virtuellen oder realen Welt: Unternehmen müssen heute neue Wege gehen und sich selbst auf die Suche nach Fachkräften begeben. Oder Talente finden und sie ausbilden.

Immerhin bewegt sich einiges hierzulande: So binden manche größere Unternehmen Studenten der gesuchten Fakultäten durch Incentives an sich. Beispiele sind Segeltörns auf der Ostsee oder Fun Weekends in Freizeitparks mit Konferenz-Einrichtungen – nach dem Motto: lockere Job-Infos am Vormittag und Sport und Spaß mit den zukünftigen Kollegen am Nachmittag. Kleine und mittelständische deutsche Unternehmen schließen sich zu Ausbildungs-Initiativen zusammen und sprechen gezielt Schüler und Studenten an. In Workshops vermitteln sie ihnen Einblicke in ihre zukünftigen Arbeitsbereiche. Die Arbeitnehmer von morgen lernen Grundsätzliches wie die Hierarchie oder routinemäßige Arbeitsabläufe kennen: etwa die Bedienung der PC-Programme oder der Telefonanlage. „Der Vorteil ist, dass sie das Gefühl haben, am ersten Arbeitstag nicht als ‘blutige Greenhorns’ ins Unternehmen zu kommen. Das schafft Vertrauen und bindet die jungen Leute vorab schon an die Firma“, weiß Ute Hagen aus Erfahrung. „Oft zahlen sie es auch später durch Loyalität zurück. Denn Arbeitnehmer kündigen früher, wenn sie sich von Anfang an unwohl fühlen“.

Was im deutschsprachigen Bereich immer noch weniger als etwa in den angelsächsischen oder skandinavischen Ländern angeboten wird, sind die sogenannten Onboard-Plattfomen. In diesen Communities können sich die Mitarbeiter und die gesuchten Bewerber vernetzen und kommunizieren. Beispielsweise beantworten die Mitarbeiter Fragen ihrer zukünftigen Kollegen, was sie zum ersten Arbeitstag mitbringen sollten oder welche Work-Life-Balance- und Weiterbildungs-Möglichkeiten das Unternehmen in der Realität bietet.

Erst langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass die digitale Welt auch fürs Headhunting von gut ausgebildeten und erfahrenen Arbeitnehmern ganz neue Chancen bietet. Ganz sicher fündig wird, wer sich die Zeit nimmt und auf Blogs oder zum Beispiel in Xing-Wirtschaftsgruppen nach den Autoren fachlich kluger Postings sucht. Auch in Tweets oder Google-Plus-Beiträgen outen sich die Leute mit Know-how. Manche teilen ihre Arbeitserlebnisse selbst auf Facebook.

Die Fachkräfte selbst haben diese Art, sich mitzuteilen, längst verinnerlicht. Unabhängig davon, ob sie gerade einen Job suchen oder nicht: Mit entsprechend guten Postings zu Themen aus ihrem Arbeitsbereich verschaffen sie sich zum Beispiel in Xing-Gruppen einen Expertenstatus. Und das Interessanteste gerade an Xing ist es, dass jeder regelmäßig nachsehen kann, wer sein Profil besucht hat. Kontakte können sich auch nach Jahren noch auszahlen. Und noch etwas: Über soziale Business-Netzwerke sind auch schon manche Ex-Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die in Kontakt geblieben waren, wieder zusammengekommen.

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