Die Top 10 der „toten Jobs“

Es gibt Berufe, die praktisch ausgestorben sind. Und es gibt die Diskussionen über jene, die akut vom Aussterben bedroht sind – vermeintlich. Doch stimmt das tatsächlich, immer und überall?

Von Jens Kügler

Neulich nahm ich an einer Marktforschungs-Studie eines US-amerikanischen Unternehmens hier in München teil. Eine Übersetzerin war anwesend – für Befragte, die nicht genügend Englisch beherrschen und zur Klärung möglicher Missverständnisse. In einer kurzen Befragungs-Pause kam ich mit ihr ins Gespräch. Sie äußerte die Befürchtung, dass angesichts von Übersetzung-Maschinen im Internet ihr Job bald obsolet sein würde. Ihre Zukunft sei ungewiss.

Ich hielt ihr entgegen, dass Maschinen noch so gut werden könnten (und sie werden ja auch kontinuierlich besser). Aber das zwischen den Zeilen zu Lesende, die Couleur eines Textes, das Gefühl in und zwischen den Worten … das kann nur ein schreibender Mensch erzeugen. So ist es meine Überzeugung. Wer sich dies bestätigen lassen möchte, lasse einfach mal diesen Text durch „Google Translate“ laufen.

Am selben Tag las ich auf dem englischen Jobportal „The Undercover Recruiter“ einen Artikel darüber, welche zehn Berufe in Kürze aussterben würden. Die Top 10 der Zukunfts-Verlierer, quasi. Darunter Taxifahrer, Barista, Paketboten, Verkäufer in Kaufhäusern, Kundendienst-Call-Center-Mitarbeiter und Supermarkt-Kassierer. Okay, Letztere werden hier und da schon durch Express-Kassen „entlastet“. Aber mal ehrlich, wollen Sie sich von einem Roboter beraten oder durch die Stadt kutschieren lassen? Um dann an der Bar von R2-D2 oder C-3PO bedient und unterhalten zu werden?

Es wird Umbrüche geben. Es gibt sie bereits – und gab sie. Vor 150 Jahren „ersetzte“ die Textilfabrik die meisten Schneider. In der Nische hielt sich der Mensch. Gäbe es sonst Maßschneider und Modeschöpfer? Dem totgesagtem Handwerk sagt man nach wie vor auch „goldenen Boden“ nach. Der denkende Mensch wird auch weiterhin gebraucht werden. Vom Künstler ganz zu schweigen.

Eine gute Übersetzerin übersetzt das Menschelnde, das Emotionale des Gesprochenen und Geschriebenen. Und wenn hier eines Tages nicht mehr „Von Jens Kügler“, sondern „von R2-D2“ steht, wird es dann noch Leser geben? Oder ist das ganze „Glump“, wie wir hier in Bayern sagen, dann nur noch als Input für die Google-Crawler relevant?

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