Digital Natives in einer Welt technologischer Immigranten

Junge Arbeitnehmer wollen nicht mehr so arbeiten wie ihre Mütter und Väter. Und auch wenn es uns „Oldies“ schwerfällt: es ist gut so.

Von Jens Kügler

Nine to five-Jobs – so nennt man in den USA den klassischen Arbeitnehmeralltag. Nine to five ist out. Die sogenannten Millennials – bei uns eher Generation Z genannt – haben mit restriktiven Regelungen von anno dazumal nichts mehr im Sinn. Und wir müssen auf sie hören, denn demografisch sind sie als Arbeitnehmer unverzichtbar. Wer sie gewinnen will, die besten Köpfe unter ihnen, muss ihren Wünschen entgegenkommen.

Wie sieht die Generation Z unsere Welt? Ganz einfach. Sie sind mit dem Bewusstsein aufgewachsen, dass moderne Technologie unseren Alltag zuhause revolutioniert und erleichtert. Damit ist längst nicht mehr die Waschmaschine gemeint, die Ur-Omas Waschbrett ersetzt hat. Sondern zum Beispiel die Tatsache, dass eine virtuelle weibliche Stimme namens „Alexa“ auf Zuruf sowohl das Licht als auch die Musik einschaltet, die Rollos hochfährt und die Heiztemperatur regelt. Warum, so fragen sich die „Digital Natives“, sollten solche smarten Technologien nicht auch die Arbeitswelt verbessern?

Noch krasser ausgedrückt, fühlen sich diese „digital Geborenen“ als in einer Welt digitaler Immigranten lebend, die mit neuester Technologie fremdeln. Dazu zählen wir, sprich, ihre älteren Kollegen – und erst recht ihre Arbeitgeber. Als die eigentlichen „Einheimischen“ in der digitalen Welt von heute sehen die Jungen sich selbst. Generation Z – das unverstandene Wesen. Muss da noch die Frage geklärt werden: Wer muss sich anpassen, die oder wir? Wir sind es, weil wir die Jungen brauchen. Und weil wir selber wissen: Zufriedene Mitarbeiter sind produktiver.

Was wünschen sich die Generation-Z-Menschen? Vor allem flexiblere Arbeit. Im Zeitalter der mobilen Kommunikation via Cloud können sie ihre Arbeit zu jeder Zeit und von überall aus erledigen. In diesem Punkt haben sie die volle Zustimmung des Autors, der einen Großteil seiner Texte bei Sonne am See oder bei Regen im Café schreibt. Weil die Orte einfach inspirieren. Die Millennials können zum Beispiel von zuhause aus arbeiten – und dabei die berühmte Work-Life-Balance genießen. Berufswelt kollidiert nicht mehr mit Familienleben. Beides ergänzt einander.

Mehr noch: Dank Cloud-Technologien und mobiler Portale können auch die Arbeitgeber anhand von An- und Abmeldungen und dem Datenaustausch erkennen, wer wann und wie lange arbeitet und wer gerade erreichbar ist. Kurzum: Sie haben sogar einen besseren Zugriff auf ihre Mitarbeiter als im klassischen Büro. Neben der Technologie-Einführung müssen lediglich Rahmen-Vereinbarungen getroffen werden. Und was das Allerwichtigste ist: Die Arbeitgeber müssen lernen, ihren bisweilen fernen Mitarbeitern zu vertrauen. Ihnen Verantwortung zu übertragen. Das befähigt sie nicht nur, ihre Jobs zu einem gewissen Grad mobil auszuführen. Es motiviert sie auch und gibt ihrer Tätigkeit Sinn.

Kurzum: Wer die besten Köpfe gewinnen will, muss verkrustete Denkstrukturen durchbrechen und über seinen Schatten springen. Nicht weil es einfach ist. Sondern notwendig.

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