Frauen gründen anders. Warum?

Ganz einfach: Weil Männer und Frauen eben nicht gleich sind und unterschiedlich „ticken“. Diese Wesensunterschiede bestimmen auch das Unternehmer-Dasein. Sie wirken sich sogar auf den Erfolg aus. Und zwar durchaus positiv – für die immer noch viel zu wenigen Gründerinnen.

Von Jens Kügler

Früher hier es, Autofahren sei nichts für Frauen. Um einmal – ein letztes Mal, versprochen! – den männlichen Chauvinismus zu bemühen: Über das mit dem Einparken kann man diskutieren. Dass Frauen weniger Unfälle bauen, ist dagegen statistisch erwiesen. Das Fürstenfeldbrucker Autokennzeichen „FFB“ wird im benachbarten München bisweilen interpretiert als „Frauen Fahren Besser“. Und das mit Sicherheit nicht nur aus Spaß und Spott der Großstädter für die männlichen Fahrer vom Lande.

Ist Chef sein auch „nichts für Frauen“? Man könnte es meinen – eingedenk der Tatsache, dass immer noch weitaus weniger Frauen unternehmen gründen als Männer. Und vor allem gibt es ja nur eine marginale Anzahl an weiblichen Führungskräften in den oberen Etagen der Großunternehmen.

Aber eine Parallele besteht doch zum Autofahren: Von Frauen gegründete Unternehmen halten sich länger am Markt. Das heißt: Rein statistisch betrachtet sind sie erfolgreicher. Warum dies so ist? Ihre Meinung darüber erläutert die Unternehmensberaterin Jana Jabs auf einem Artikel für die Plattform Franchiseportal. Frauen brauchen länger, um sich zu entscheiden. Sie treffen keine „einsamen Entscheidungen“, wie es Männer häufig tun, und gehen nicht mit dem Kopf durch die Wand. Sie führen im Vorfeld mehr Gespräche, vernetzten sich, holen Meinungen ein. Einerseits haben sie stärkere Selbstzweifel und sind vorsichtiger. Sie wägen ab, scheuen Risiken. Aber: Wenn sie sich einmal entschieden haben, zu gründen, planen sie bescheidener – aber dafür realistischer.

Männer suchen den Erfolg. Sie wollen Chef sein, um zu bestimmen und sich selbst zu verwirklichen. Die Bäume wachsen dabei allzu oft in den Himmel. Frauen gründen häufig, weil sie keine adäquaten Stellen und Gehälter bekommen. Oder weil sie schlicht und ergreifend ihre Existenz sichern wollen. Immer noch gilt ja, dass Frauen durchschnittlich über 20 Prozent weniger Gehalt für dieselbe Arbeit erhalten als Männer. Ein anderer Beweggrund ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Viele Gründerinnen betreiben ihr Geschäft zunächst in Teilzeit und sind somit flexibler als im Angestelltendasein.

Was gründen Frauen? Welche Art von Unternehmen? Auffallend häufig handelt es sich um Firmen, deren Geschäftszweck aus ihrer Lebensrealität entspringt. Sei es der Onlineshop für Kinderkleidung, der Mode-Shoppingclub, das mobile Kosmetikstudio, das vegane Café oder der Deko- oder Geschenkartikel-Handel. Klingt nach Klischee? Ja, absolut. Aber der Prozentsatz an männlichen Gründern ist in diesen Bereichen ebenso gering wie jener der Frauen unter den Autohändlern, Bau- oder Handwerksunternehmern. Nur in einigen Branchen mit hoher Sozialkompetenz wie Personalentwicklung oder Unternehmensberatung ist der Anteil beider Geschlechter in etwa gleich.

Fahren Frauen nicht nur besser –, sondern führen sie auch besser? Möglicherweise – angesichts der Tatsache, dass sie ihre Unternehmen seltener vor die Wand fahren. Wie viele mögliche Gründungen (und Gründerinnen) aber an Selbstzweifeln scheitern und wie viele Arbeitsplätze dadurch NICHT entstehen, lässt sich kaum ermessen. Mehr gründungs-mutige Frauen brächten der Volkswirtschaft aber ganz sicher Vorteile. Vielleicht sollte sich die Politik einmal des Gründerinnen-Klimas annehmen und für mehr Impulse sorgen.

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