Hilfe, keine Azubis!

September 2017. Inzwischen dürfte so gut wie überall in Deutschland das Ausbildungsjahr begonnen haben. Und spätestens jetzt offenbart sich, dass wieder einmal zahlreiche Werkbänke und PC-Tische unbesetzt bleiben werden. Der Fachkräftemangel beginnt beim Ausbleiben der Azubis.

Von Jens Kügler

Eine Statistik des Deutschen Industrie- und Handelskammer-Tags (DIHK) belegt, das im Jahr 2016 jedes dritte deutsche Unternehmen seine Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzten konnte. Fast jeder zehnte Ausbildungsbetrieb erhielt nicht eine einzige Bewerbung. „Uns geht der Nachwuchs aus“, klagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Seit 2008 übersteigt die Zahl der Ausbildungs-Stellen die Zahl der Bewerber in Deutschland.

Herrscht statt Vollbeschäftigung sozusagen Über-Beschäftigung? Könnte das ein Grund zur Freude sein – während in Ländern wie Spanien eine horrende Jugendarbeitslosigkeit herrscht? Nein, denn unbesetzte Stellen schaden der Wirtschaft. Die betroffenen Unternehmen können weniger produzieren und müssen gegebenenfalls Aufträge stornieren. Und fehlende Azubis von heute sind fehlende Fachkräfte von morgen. Eric Schweitzer erklärt, dies sei eine gefährliche Entwicklung für die gesamte Gesellschaft. Bedeuteten doch fehlende Fachkräfte weniger Wachstum und Wohlstand.

Seltsam erscheint dagegen, dass nicht alle fündig werden, die einen Ausbildungsplatz suchen. Kurios ist dies aber nur auf den ersten Blick. Denn es gibt einen triftigen Grund für die Diskrepanz. Nämlich beliebte und unbeliebte Jobs. Die jungen Männer wollen am liebsten Kraftfahrzeugmechatroniker und die Frauen Kauffrau für Büromanagement werden. Am wenigsten gefragt ist das Gastgewerbe. Hier liegt die Zahl der Betriebe mit fehlenden Azubis bei 58 Prozent. Gefolgt vom Baugewerbe – mit 42 Prozent.

Warum wurden ihre Ausbildungsplätze konkret nicht besetzt, wollte der DIHK von den befragten Unternehmern wissen. Als häufigsten Grund dafür nannten diese das Fehlen geeigneter Bewerbungen – mit fast 70 Prozent. Aber zu 26 Prozent blieben die Stellen unbesetzt, weil die Unternehmen gar keine Bewerbungen dafür erhielten, null. Und in 22 Prozent aller Fälle traten die Azubis ihre Ausbildungsplätze gar nicht an.

Sollte man deshalb der Jugend Vorwürfe machen wie: Ihr wollt nur tun, wozu ihr Lust habt? Ihr seid faul? Ihr möchtet gar nicht arbeiten? Oder – im Bezug auf die ungeeigneten Bewerbungen: Ihr könnt nichts, seid dumm, habt nichts gelernt? Das dürfte kaum zutreffend und erst recht nicht zielführend sein. Vielmehr sollten sich die Branchen und Unternehmen, die am meisten unterm Azubi-Mangel leiden, überlegen, wie sie sich und ihr Angebot attraktiver machen können. Gehalt, Work-Life-Balance oder flexible Arbeitszeiten sind Stichworte. Es gibt ein Zauberwort für Unternehmen, und das heißt Arbeitgebermarke oder Employer Branding. Und sicherlich müsste auch am Image des einen oder anderen Berufsfeldes werblich etwas verändert werden. Klagt nicht, lernt, Euch zu vermarkten!

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING