Ja, ist denn schon Weihnachten? (Teil X)

Der überraschend klingende Spruch aus dem alten Werbespot mit Franz Beckenbauer scheint sich Jahr für Jahr zu wiederholen. Stereotyp. Wenn es um die Dienstplanung geht. Und dieser Tage wiederholt er sich oft. Da bin ich mir sicher.

Von Jens Kügler

Heiligabend und Silvester fallen dieses Jahr auf einen Montag. Klar, das wissen Sie schon lange. Aber Hand aufs Herz: Wie lange schon? Sind Sie plötzlich damit konfrontiert worden, dass alle Mitarbeiter in Ihrem Team die kompletten anderthalb Wochen von Heiligabend, erstem und zweitem Feiertag, Silvester und Neujahr einschließlich freinehmen möchten? … und Sie stehen plötzlich vor die Notsituation, dass Ihnen an den Arbeitstagen dazwischen die Leute fehlen könnten – oder Sie jemanden „verpflichten“ müssten? Gegen seinen Willen? Was ganz sicher zu Unzufriedenheit führt?

Schon mal darüber nachgedacht, dass es unangenehm sein könnte, die Mitarbeiter am Heiligabend, der ja strenggenommen gar kein Feiertag ist, „antreten“ zu lassen, für ein paar Stunden am Montagmorgen? Und dasselbe Silvester?

Für die Mitarbeiter ist nicht nur das unter Umständen unangenehm. Wir alle wissen ja, dass die Tage vor Weihnachten auch dienstlich zu den stressigsten des Jahres gehören. Alle Kunden wollen ihre Aufträge noch im alten Jahr abgewickelt haben, bevor sie selbst in den Ski-Urlaub entfliehen. Und alles soll noch auf 2018 gebucht werden. Alle freuen sich auf die wohlverdiente Ruhe, die – gefühlt – immer so um den 20.12. einsetzt und bis Mitte Januar anhält. Dieses Jahr ist es anders. Und gefühlt bleibt gar keine Zeit, Geschenke zu besorgen. Ich bin gespannt, was diesen Samstag in den Kaufhäusern und Fußgängerzonen los sein wird!

Rückblende. Im September herrschten hochsommerliche Temperaturen. Niemand – wirklich niemand – hat da schon an Weihnachten und Silvester, an Schichtzeiten und Urlaubstage gedacht. Wirklich niemand? Ich bin mir sicher, dass die Unternehmer und Teamleiter, die genau zu dieser Zeit bereits ehrliche und offene Gespräche mit ihren Mitarbeitern gesucht haben, jetzt, wo es drauf ankommt, über die zufriedensten Mitarbeiter verfügen. Oder zumindest: über die wenigsten Unzufriedenen. Wir wissen ja: zufriedene Mitarbeiter sind stets produktiver.

Wer sich in den ehrlichen und offenen Gesprächen freiwillig für die unangenehmen Tage eingetragen hat, erntet das Wohlwollen und den Dank der Kollegen und Vorgesetzten. Und er wird beim nächsten Mal der Nutznießer sein. Nächstes Jahr wird nicht einfacher zu planen sein – mit Heiligabend und Silvester an einem Dienstag und völlig zerrissenen Festtags-Wochen.

Ach ja: Ein besonderes Geschenk kann ein weiterer Anreiz sein. Kein Kollege wird neidisch darauf sein, dass der, der Weihnachten und Silvester „Dienst schiebt“, etwas Spezielles kredenzt bekommt – sei es ein Essens- oder Event-Gutschein oder ein Paket mit edlen Köstlichkeiten. Dies ist nicht nur eine Frage der Wertschätzung. Vielmehr steigt die Bereitschaft aller, beim nächsten Mal selbst einzuspringen.

Kurzum: Weihnachten zu planen beginnt spätestens im September, wenn nicht zum Frost auch noch der Frust dazukommen soll. Auch das kann ein guter Vorsatz fürs neue Jahr sein. Ich wünsche allen schöne Feiertage und ein glückliches Händchen!

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING