Jobwechsel: Wenn nicht jetzt, wann dann!

Was haben Karrierechancen mit Meinungsforschung, Mietpreisbremse und Gründerzahlen zu tun? Es gibt da einige interessante Zusammenhänge – im Deutschland des Jahres 2018.

Von Jens Kügler

Für die deutsche Wirtschaft gibt es im Jahr 2018 eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: Der Trend, dass die Existenzgründungen seit Jahren rückläufig sind, setzt sich fort. Laut KfW-Gründungsmonitor 2018 ging die Zahl derer, die sich selbstständig machten, im Jahr 2017 um 17% gegenüber der Vorjahreszahl zurück. 2018 hält der Sinkflug an, so die Förder-Bankiers.

Ein Grund für diesen Rückgang ist die gute Nachricht. Die Konjunktur in Deutschland brummt. Noch nie in unsrer Geschichte gab es so viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte wie 2018, verkündet die Arbeitsagentur freudig. 44,8 Millionen – diese Zahl nannte das Münchner Ifo-Institut und rechnet für 2019 sogar mit 45,2 Millionen. Gleichzeitig sinkt die Arbeitslosenquote auf einen ebenso historischen Tiefststand.

Fachkräftemangel – so lautet ein weiteres Stichwort mit einer guten und schlechten Seite. Die Fachkräfte fehlen und sind entsprechend begehrt. Was schlecht ist für die Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, ist gut für den einzelnen Arbeitnehmer, die „Fachkraft“. Wer jetzt aber glaubt, automatisch ein höheres Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen herausschlagen zu können, der irrt.

Es verhält sich in etwa so wie mit Mietwohnungen. Stichwort Mietpreisbremse. Nur bei einem Mieterwechsel kann ein Vermieter deutlich mehr Miete verlangen, so ist es gesetzlich vorgeschrieben. Ebenso im Job: Mehr Gehalt ist nur bei einem Jobwechsel zu erwarten. Arbeitgeber, die händeringend Mitarbeiter suchen, zahlen mehr und gehen häufiger auf die Wünsche ihrer Bewerber ein. Flexiblere Arbeitszeiten, Work-Life-Balance, mehr Eigenverantwortung – all das wird häufig allein oder zuallererst den Jobwechslern angeboten.

Kurzum: Wer sich verändern, weiterentwickeln und einen neuen Arbeitgeber suchen möchte, hatte nie so gute Karten wie heute, 2018. Die Meinungsforscher des Instituts Forsa haben herausgefunden, dass 35 % aller Arbeitnehmer genau dies in den nächsten zwölf Monaten vorhaben. Am Ende werden es die wenigsten getan haben, wie immer. Trott bleibt Trott – und Mut die Ausnahme. Ich sage nur, traut Euch! Wenn nicht jetzt, wann dann?

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