Kündigen. In aller Freundschaft.

Geht das: einen Mitarbeiter kündigen – und er bedankt sich? Natürlich nicht. Das wäre eine Szene für ein Satire-Programm. Was aber geht, ist, dass er „geht“ und sich mit Handschlag und einem einigermaßen guten Gefühl verabschiedet – dem Umständen entsprechend.

Von Jens Kügler

Für einen Mitarbeiter mit meinen guten Fähigkeiten und meiner hohen Qualität sei derzeit in diesem Unternehmen keine Aufgabe frei, sagte der Chef eines Verlages zu mir. Er verdeutlichte mir das mit den Aufgaben glaubhaft anhand der derzeitigen Kundenstruktur und Auftragslage. Sobald sich dies ändere, käme er sofort wieder auf mich zu, versprach er. Er kam in der Tat – aber zu dem Zeitpunkt hatte ich längst eine Anstellung in einem anderen Unternehmen gefunden. Eine Anstellung, die er mir prophezeit und empfohlen hatte.

Ich verließ das Chefbüro jedenfalls erhobenen Hauptes. Noch besser ist ein Berufskollege von mir verabschiedet worden: Sein Ex-Chef hat ihn sogar an das neue Unternehmen vermittelt. Klar: So kann es nicht immer funktionieren. Wie aber kündigt man, ohne den Gekündigten zu demütigen? Wie, damit er keinen Groll auf das Unternehmen hegt? Und ohne dass er schlechte Mund-zu-Mund-Propaganda betriebt oder seinen Arbeitgeber in sozialen Netzwerken verunglimpft?

Grundsätzlich gilt: Die Kündigung muss in einem würdigen Umfeld und in respektvollem Umgang ausgesprochen werden. Wer demütigt, erntet Frust und unter Umständen einen Sturm der Entrüstung unter den Kollegen, in der Branche oder im Netz. Wer das nicht beherrscht, den respektvollen Umgang und das Krisenmanagement auch im zwischenmenschlichen Bereich, hat auf dem Posten einer Führungskraft nichts und rein gar nichts verloren.

Versetzen wir uns nun aber gleich in die schwierigste Position, die ein Kündigender einnehmen kann: die Rolle dessen, der auf Weisung eines Anderen handelt. Also zum Beispiel der eines Abteilungsleiters, der anstelle seines Chefs die Kündigungen ausspricht. Er handelt allein im Namen des Unternehmens. Seine private Meinung à la „ich verstehe Sie. Aber Sie wissen ja, wie man hier mit uns umgeht“ spielt keine Rolle.

Der Betroffene muss erfahren, warum die Entscheidung gegen ihn getroffen wurde. Gibt es betriebliche Gründe? Erklären – so wie im Beispiel oben. Ist die Abteilung oder die Chefetage mit den Leistungen unzufrieden? Dann heißt es, mitteilen, welches Verbesserungspotenzial der Entlassene hätte. Sei es, um dem Gekündigten vielleicht doch eine zweite Chance einzuräumen. Oder als Optimierungs-Hinweis für seine zukünftige Laufbahn. Es ist auch klar, dass einer Kündigung aus Unzufriedenheit mindestens eine Warnung vorausgegangen sein muss.

Ganz wichtig: niemals „die Spatzen pfeifen es von den Dächern“ zulassen! Will heißen: Der Chef oder Abteilungsleiter muss sicherstellen, dass der Betroffene von ihm und nicht vorab schon durch Andere von seiner Kündigung erfährt. Ein schlechtes, aber häufig auftretendes Beispiel aus dem Profifußball sind Trainer, die aus der Zeitung von ihrer Entlassung erfahren. Wie sich jemand fühlt, dem dies widerfährt, kann sich jeder denken.

Die Führungskraft sollte sich auf das Kündigungsgespräch detailliert vorbereiten. Sie muss aus dem Stegreif alle denkbaren Fragen beantworten können. Etwa, wie viel Urlaubstage dem Gekündigten noch zustehen. Oder ob er etwa eine Abfindung erhält – und wenn ja, wie viel.

Bei aller Vorbereitung, bei aller Freundlichkeit: Es kann sein, dass der Gekündigte der Führungskraft mit Wut entgegnet, ja sie anschreit. Eine zweite Person im Kündigungsgespräch kann entkrampfen, unterstützen und vermitteln, etwa eine Teamleitung oder Chefassistenz. Erfahrungsgemäß beherrschen diese Soft Skills eher Frauen als Männer.

Last but not least: die Kündigungsfristen beachten! Klingt banal, muss aber erwähnt werden. Wer dies übersieht, riskiert Anfechtbarkeit. Übrigens: Als demütigend wird schon empfunden, wenn die Kündigung am letztmöglichen Tag vor Ende der Kündigungsfrist ausgesprochen wird. Nach dem Motto: nicht noch einen Monat länger Gehalt zahlen. Leider habe ich auch das schon einmal erlebt. Sie können sich denken, welche Emotionen dies zurücklässt. Das vergessen Sie ein Leben lang nicht!

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