Mit dem Rad zur Arbeit

Regelmäßige Radfahrer sind gesündere und motiviertere Mitarbeiter. Immer mehr Arbeitgeber erkennen dies – und fördern den Weg ins Büro per Fahrrad.

Von Jens Kügler

Es gibt nichts Schöneres, als morgens eine halbe Stunde Fahrrad zu fahren – durch den Olympiapark, hinüber in den Englischen Garten, über die Isar … bis zur Arbeit. Oder an der Alster entlang von Ohlsdorf zum Rothenbaum. Und abends dasselbe zurück. Es ist sportlich nicht allzu anspruchsvoll, jeder gesunde Mensch kann es bewältigen. Es geht schneller als mit jedem anderen Verkehrsmittel. Ich quetsche mich nicht in eine überfüllte U-Bahn voller verschwitzter Fahrgäste. Ich stehe in keinem nervigen Dauerstau. Ich muss nicht zur Haltestelle laufen und warten. Ich muss nicht stundenlang Parkplätze suchen. In einer Großstadt gibt es kein besseres und effizienteres Verkehrsmittel als das Fahrrad.

Zweimal täglich eine halbe Stunde. Das ist das optimale Sportprogramm – ohne Auspowern. Gerade für Menschen, die ausschließlich an Schreibtisch und PC sitzen. Außerdem gibt es keine umweltfreundlichere Methode, um von A nach B zu kommen. Das geht nur im Sommer? Von wegen! Alles eine Frage der Bekleidung. Mit einem Funktions-T-Shirt, einem Fleecepulli, Schal, Handschuhen und Mütze radelt man lässig auch durch Herbst und Winter. Gerade in der kalten Jahreszeit fehlt vielen die Bewegung. Und wer dann draußen aktiv bleibt, ist erwiesenermaßen widerstandsfähiger.

Damit kämen wir auch auf die Frage: Was geht das Verkehrsmittel und der damit verbundene Sport den Arbeitgeber an? Eine ganze Menge. Laut einer aktuellen Studie der Universität Bonn melden sich Berufstätige, die regelmäßig zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, zwei Tage pro Jahr weniger krank als Auto- und ÖPNV-Fahrer. Sie sind aber nicht nur gesünder, sondern auch zufriedener und motivierter. Der Arbeitsweg bietet – als tägliche Pflicht-Fahrt – die beste Möglichkeit, gesundheitsförderndes wie umweltfreundliches Verhalten in den Alltag zu integrieren. Der Rad-Pendler kombiniert Pflicht und Kür. Und dass er nach einer halben Stunde Radfahrt durch Parks und Gärten hellwach und frisch an die Arbeit kommt – wer mag das in Abrede stellen?

Immer mehr Unternehmer in Großstädten erkennen, was sie davon haben, wenn sie sich als fahrradfreundlicher Arbeitgeber bezeichnen können. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) vergibt entsprechende Zertifikate. Der Vorteil? Fahrradfreundlichkeit lässt sich ins betriebliche Gesundheitsmanagement integrieren. Arbeitgeber, die betriebliches Gesundheitsmanagement fördern, gelten auch im Recruitment als attraktiver. Sie finden leichter motivierte Mitarbeiter. Zur Gesundheitsförderung gehört neben eigenen Sportprogrammen wie Yoga, Pilates, Schwimmen oder dem Gruppenvertrag fürs Fitnessstudio eben auch die „Fahrradfreundlichkeit“.

Was lässt sich darunter verstehen? Fangen wir mit sicheren, trockenen Stellplätzen an. Die Räder müssen nicht nur abstell-, sondern komplett mit dem Rahmen sicher anschließbar sein. Dann kann sich der Mitarbeiter unbesorgt um sein Bianchi, Kettler oder Cannondale der Arbeit widmen. Ideal sind Möglichkeiten, die Kleidung zu wechseln, etwa abschließbare Spinde für Radel-Shirt und Fahrradhelm. Wer besonders sportlichen Radlern mit langem Arbeitsweg eine Dusche bieten kann – umso besser.

Manche Unternehmen unterhalten bereits eine eigene Fahrradflotte mit geleasten Rädern für ihre Mitarbeiter. Manche verschenken Fahrräder statt Geld als Prämien an verdiente Mitarbeiter. Und welcher derart ausgezeichnete Mitarbeiter fährt nicht gern mit dem Logo seines Unternehmens auf dem Rahmen durch die Stadt? Es muss nicht viel investiert werden, um fahrradfreundlich zu sein. Es zahlt sich aber aus.

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