Motivation statt Marketing

Welche Instrumentarien machen ein Unternehmen effizienter und erfolgreicher? Das Controlling? Die Prozessoptimierungen? Die neue Marketing-Strategie? Möglicherweise. Aber Führungskräfte-Schulungen zur Mitarbeiter-Motivation können am wirkungsvollsten sein.

Von Jens Kügler

Voll motiviert: so arbeiten rund ein Drittel aller Angestellten. Voll motiviert klingt gut. Ein Drittel ziemlich ernüchternd. Will heißen: Zwei Drittel arbeiten wenig bis null motiviert. So die Zahlen einer Studie von Dale Carnegie Training. Viele Mitarbeiter haben im Kopf längst gekündigt. Sie und ihre Arbeitgeber schöpfen ihr Potenzial nicht aus. Sie verlassen das Unternehmen früher oder später. Ihr Know-how fließt ab. Die Fluktuation steigt, das Unternehmen muss wieder und wieder in den Rekrutierungsprozess investieren.

Das Institut Dale Carnegie fand heraus, dass bestimmte Emotionen die Motivation beeinflussen. 28 positive wie negative Emotionen konnten „isoliert“ und identifiziert werden. Fünf davon motivieren, zwölf demotivieren, der Einfluss der restlichen war marginal. Die fünf Motivierenden? In die Arbeitswelt „übersetzt“ lauten sie: sich wertgeschätzt fühlen, selbstsicher am Arbeitsplatz zu sein, inspiriert zu sein, begeistert zu sein (heißt: sich dem Unternehmen zugehörig zu fühlen) und sich zu selbstständigem Handeln ermutigt zu fühlen.

Zu den negativen Gefühlen zählen Angst, Verletzlichkeit, Ausgeliefertsein, Geringschätzung, Apathie und Langeweile. Sie hängen zusammen mit Desinteresse, Unwohlsein und Verärgerung. Letzteres spürten die Probanden vor allem im Umgang ihrer Vorgesetzten mit ihnen. Negative Emotionen verankern sich tendenziell viel stärker als positive. Sie werden auch von der Umwelt stärker wahrgenommen und übertragen sich schneller auf andere Mitarbeiter. In jede Fall, so das Whitebook zur Studie, ist der direkte Vorgesetzte der Hauptverantwortliche für die Gefühle am Arbeitsplatz.

Kurzum: Motivierende Vorgesetzte begeistern und inspirieren. Sie geben ihren Mitarbeitern das Gefühl, ein Teil von etwas Größerem zu sein. Ihre Mitarbeiter sind stolz auf ihr Unternehmen und ihre sinnvolle Arbeit. Sie zeigen mehr Engagement. Sie sind bereit, fürs gleiche Gehalt mehr zu arbeiten und zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Demotivierende Führungskräfte sind hingegen für die schlechte Wirtschaftlichkeit und Ineffizienz ihrer Teams selbst verantwortlich.

Der Herausgeber veröffentlicht seine Whitebooks als Werbung für seine Management- und Führungskräfte-Trainings. Es kostet weniger, in solche Kurse zu investieren, als ineffizient weiterzuarbeiten – so die Botschaft zwischen den Zeilen. Für die Erkenntnis indes braucht man kein Whitebook. Der pure Menschenverstand reicht. Führungskräfte-Schulungen zum Umgang mit Mitarbeitern zählen sicher zu den wirtschaftlich sinnvollsten Maßnahmen. Vielleicht noch vor Strategie, Business Development, Controlling oder Marketing.

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