Mutmacher

Kennen Sie das – manchmal scheint es Ihnen vor Sorgen und Ängsten den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Sie verzweifeln an irgendwas und fallen in ein „schwarzes Loch“. Wir alle kennen das. Aber lesen Sie mal.

Anna-Maria Zimmermann ist eine deutsche Schlagersängerin. Wenn sie auf der Bühne steht bei Konzerten, Schlagerfestivals oder am „Ballermann“ auf der Urlaubsinsel Mallorca, verbreitet sie stets eine ansteckend gute Laune. Vor circa vier Jahren hatte sie einen beinahe tödlichen Unfall. Ihr Hubschrauber stürzte ab. Sie lag wochenlang im Koma und benötigte fast ein Jahr für Genesung und Rehabilitation. Nur eines konnten die Ärzte nicht retten. Seit diesem Unfall ist ihr linker Arm gelähmt. Anna-Maria Zimmermann nahm ihr Schicksal an und begann wieder, Musik zu machen. Einer ihrer Songs heißt „Leben“. Wenn sie auftritt, fixiert sie ihren leblosen Arm mit einer Gürtelschlinge, wirbelt einarmig über die Bühne … und bezaubert alle mit ihrem gewinnenden Lächeln.

Können Menschen, die blind sind, Fußball spielen? Ja, richtig gut sogar, und mit voller Begeisterung. Beim FC St. Pauli gibt es seit dem Jahr 2006 eine Abteilung Blindenfußball mit rund zehn Aktiven. Sie spielen in Teams à vier Feldspielern plus Torwart auf einem Handballfeld großen Platz. Der Ball rasselt beim Rollen und wird so gehört. Die Seitenlinien sind Banden, von denen er abprallt. Außerdem dienen sie der Orientierung. Für Serdal Celebi, einen der St. Pauli-Blindenfußballer, gehörte die WM-Teilnahme mit der deutschen Nationalmannschaft im November zu den größten Momenten seines Lebens.

Es gibt Tage, da fällt es uns physisch kerngesunden Menschen schwer, uns zu motivieren – sei es zu unserer Arbeit oder zu Schritten, die uns zu mehr Erfolg führen könnten. Eines Tages durfte ich einen Artikel über Anna-Maria Zimmermann verfassen. Ich habe mich so mit ihrem Schicksal vertraut gemacht und ihre Videos gesehen. Seitdem denke ich in Momenten drohender Lethargie immer an sie. Dann setzt eine Erleichterung ein und mir wird klar, wie gut es mir geht.

Menschen wie die fröhliche Schlagersängerin und die begeisterten Blindenfußballer sind Mutmacher. Und das Paradebeispiel unserer Tage heißt Samuel Koch. Vielleicht erinnern Sie sich an „Wetten Dass“ im Dezember 2010. In dieser Sendung wollte er mit Sprungfedern an den Füßen über mehrere Autos per Salto springen. Dabei stürzte er und brach sich zwei Wirbel. Am seinem Überlebenskampf in den Kliniken nahm die ganze Nation Anteil wie später beim Rennfahrer Michael Schumacher.

Heute ist Samuel Koch vom Hals ab querschnittgelähmt. Zähneputzen, Anziehen: Für praktisch jede alltägliche Handlung benötigt er Hilfe. Aber moderne Technik ermöglicht es, dass er zum Beispiel telefonieren und über einen Sprachcomputer surfen und E-mailen kann. Auch er hat sich seinem Schicksal nicht ergeben, sondern es als Chance begriffen. „Zwei Leben“ heißt seine inzwischen preisgekrönte Autobiografie. Er arbeitete als Regieassistent bei einem Film und absolvierte schließlich sogar eine Schauspielausbildung. Seine Abschlussarbeit behandelte das Thema Behinderung auf der Bühne und trug den Titel „Die Entdeckung des Schönen in der Reduktion“.

Inzwischen ist Samuel Koch festes Ensemblemitglied am Stadttheater Darmstadt. Er spielt zudem eine Rolle in der Telenovela „Sturm der Liebe“ sowie in Til Schweigers Kinofilm „Honig im Kopf“. Man könnte die Reihe der „Schicksals-Meisterer“ mit Prominenten wie dem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble oder dem weltberühmten Wissenschaftler Stephen Hawking fortsetzen. Es sollen nur Beispiele sein, die uns vermitteln: Wer trägt den Schlüssel zum Glück in im Alltag und zum Erfolg im Beruf in seinen Händen? Wer, wenn nicht wir selbst?

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