Träumen Sie noch vom Konzern-Job?

Wenn Sie sich nur an klangvollen Firmennamen orientieren, verpassen Sie vielleicht Ihre Chance. Denn die Hidden Champions der deutschen Wirtschaft sind die Familienunternehmen. Das belegt wieder einmal eine aktuelle Studie.

Von Jens Kügler

Die großen Marken bieten nicht nur die beliebtesten Produkte, sondern auch die begehrtesten Arbeitsplätze. Es sind die Konzerne, die auf Mitarbeiter die größte Anziehungskraft ausüben – seien es Apple oder Google, Siemens oder Mercedes. Hand auf’s Herz: Wer möchte nicht gern den „Stern“ in seinem Lebenslauf sehen! Dabei verlieren diese Giganten laufend an Börsenwert: Allein der deutsche Aktienindex Dax ist seit Jahresbeginn rund 20% abgestürzt. Er fiel Anfang dieser Woche erstmals seit 2014 unter den laut Börsenjournalisten „psychologisch wichtigen“ Stand von 9.000 Punkten.

Umso mehr lohnt es sich für jeden Bewerber um einen Arbeitsplatz, seinen Blick auf den eigentlichen Motor der deutschen Wirtschaft zu werfen: den Mittelstand. Es gibt hierzulande Tausende von Weltmarktführern in Nischenprodukten. Gleich zu Jahresbeginn ließ eine Studie über Familienunternehmen aufhorchen. Erstellt hat sie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zusammen mit der Deutschen Bank und dem Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn. Das Online-Portal des Magazins Wirtschaftswoche befasste sich mit den Ergebnissen. Und eines dieser Ergebnisse der Studie besagt, dass die Zunahme an Beschäftigten bei den „Kleinen“ den Wert der Gesamtwirtschaft deutlich übersteigt.

Das Jahr, auf das sich die Studie bezieht und für das die Daten gelten, war 2013. In diesem Jahr steig die Zahl der neuen Arbeitsstellen in den 4.500 größten deutschen Familienunternehmen doppelt so stark an wie im Durchschnitt aller Unternehmen. Der Unterschied in Zahlen: 1,3 Prozent Zuwachs im Gesamtdurchschnitt – und rund drei Prozent bei den Familienunternehmen. Und weiter: Die 4.500 größten Familienunternehmen bilden nur 0,1 Prozent aller Unternehmen in Deutschland. Doch sie beschäftigen 17 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer und erwirtschaften gut 20 Prozent aller Umsätze.

Bieten Konzerne nicht trotzdem die sichereren Arbeitsplätze – unter dem Motto: große Marken, großes Vertrauen, große Perspektiven? Nein. Die Marktforscher von BDI, IfM und Deutscher Bank ermittelten in ihrer Befragung auch eine äußerst gesunde wirtschaftliche Basis der Mittelständler. Diese erreichten mit einer durchschnittlichen Eigenkapitalquote von 37 Prozent einen Spitzenwert. Dagegen wiesen alle Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz im Mittel nur ca. 31 Prozent Eigenkapitalquote auf. Will heißen: Die Familienunternehmen wirtschaften solider und wohl auch rentabler als der Durchschnitt.

Wer jetzt immer noch allein zum Autohersteller möchte und den Automotive-Zulieferer links liegen lässt, ist selbst schuld. Die Familienunternehmen sind der Motor der Wirtschaft. Sie schaffen die meisten, besten und offenbar auch solidesten Arbeitsplätze.

Empfehlen Sie diesen Beitrag:
FacebookTwitterGoogle+LinkedInXING