Von Amerika bewerben lernen

Bewerbungen mit elektronischen Medien können ungewöhnlich witzig und kreativ sein. Die Beispiele, die dies zeigen, stammen bisher meistens aus den USA. Leider.

Deutschland ist nicht gerade das Land der kreativen Vorhut in Sachen Nutzung neuer Medien und sozialer Netzwerke. Fast immer kommen die neuesten Ideen und Vorbilder aus den USA. Immerhin: Deutsche Unternehmen schaffen es inzwischen, regelmäßig virale Werbehits im Netz zu verbreiten – etwa das berühmte „Supergeil“-Video von Edeka mit dem skurrilen Sänger Friedrich Liechtenstein. Doch wie sieht es mit deutschen Bewerbern aus? Es werden immer noch Mappen verschickt und Online-Formulare ausgefüllt, weil Unternehmen dies wünschen und Bewerber sich nichts Neues zutrauen. Vor allem kein Scheitern.

Wie es mutig, lustig, kreativ und trotzdem ernst in der Sache geht, hat der Amerikaner Matthew Epstein vorgemacht. Sein „Google, please hire me!“-Video aus dem Jahre 2011 ist ein Klassiker und wurde über 1,3 Millionen Mal auf Youtube geklickt. Mit einem falschen Schnurrbart und witzig-übertriebenen Slapsticks setzt er sich gekonnt in Szene und lässt dabei trotzdem sein fachliches Wissen durchblicken. Wer das Video nicht kennt: einfach mal googeln!

Wie humorvoll sich selbst eine schwierige Jobsuche darstellen lässt, beweist eine junge, studierte Mutter, die auf Youtube eine Parodie von Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“ veröffentlichte: „Arbeitslos durch den Tag – und ich krieg mein Geld vom Staat“. Wie viel lässiger könnte sich jemand inszenieren, der nicht auf der Suche nach irgendeinem passenden Job ist? Wie viel leichter hat es ein Bewerber, der von einem Traum-Unternehmen wie Google, Apple, Mercedes oder BMW verpflichtet werden möchte!

Warum gibt es viel zu wenig solcher Beispiele, wie sie in den USA längst Gang und Gäbe sind? Liegt das Problem darin, dass Unternehmen hierzulande viel zu wenig offen für ungewöhnliche Formate sind? Reagieren sie mit der altbekannten Skepsis gegenüber allem Neuen? Oder haben die Bewerber zu wenig Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen? Vermutlich beides.

Eins ist klar: Zur Kreativität gehört der Mut zum Risiko des Scheiterns. Wer sich öffentlich outet und dann den Job nicht bekommt, muss damit leben können. Und dieser Mut ist in einem Land, in dem jeder seines Glückes Schmied ist, scheinbar eher verbreitet als in unserer Gesellschaft des sozialen Sicherheits-Denkens. Außerdem: Im Nachhinein kann man Beispielen, die Schule gemacht haben und Viralhits wurden, immer das Prädikat Erfolgsformat anhängen.

Natürlich muss für eine gekonnte Eigenpräsentation viel Zeit und Arbeit investiert werden. Doch wie könnte ein Bewerber dem Traumjob-Anbieter seinen Wunsch, bei ihm zu arbeiten, überzeugender darlegen als mit einer solchen Maßnahme? Es muss ja auch kein aufwändiges Video sein. Zu viele Nachahmer verwässern die Erfolgsaussichten.

Ein Weg ist, in sozialen Netzwerken wie Xing in den entsprechenden Gruppen regelmäßig Beiträge mit Mehrwert für die Zielgruppe der Arbeitgeber oder Branchenkollegen zu posten. Wer dies tut, baut sich einen Experten-Status auf. Mit dieser passiven Form der Bewerbung wirft der Kandidat quasi ein Netz für Unternehmen aus, die suchen. Eine weitere Möglichkeit, die allerdings noch mehr Zeit und Geduld erfordert, ist ein eigener Bewerbungsblog mit regelmäßig ergänztem, interessantem Content aus der Welt des Jobs. Natürlich muss dieser Blog bestens vernetzt sein. Dieses Video von karrierebibel.de verdeutlicht, wie Bewerbungen in den sozialen Netwerken funktionieren können.

Apropos: Hat Google Matthew Epstein eingestellt? Nein, aber in einem zweiten Video erklärt er, dass ihn ein Traum-Unternehmen unter Vertrag genommen habe. Es sei ein innovatives Start-up. Epstein erklärt, was er dort jetzt tut und warum er voll dahinter steht. Das Ergebnis ist ziemlich peinlich … für Google.

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