Was Weihnachten mit Würdigen zu tun hat

In der Art, wie eine Firma ihre Weihnachtsfeier gestaltet, offenbart sich auch die Wertschätzung für die eigenen Mitarbeiter.

Ein paar Teelichter, Glühwein aus Supermarkt-Verbundpackungen, ein bisschen weihnachtliche Papierdekoration auf dem Schreibtisch und in den Regalen – das war’s. Eine Handvoll Lebkuchenherzen gab’s noch, mehr nicht. So ist in einer kleinen Werbeagentur, in der ich nur ein Jahr gearbeitet habe, Weihnachten gefeiert worden. Und zwar unten im Büro von einem der beiden Chefs. Dort saß die ganze etwa 12-köpfige Belegschaft zusammen und schwieg. Der Kreativchef sagte ein paar Worte übers Geschäftsjahr, der kaufmännische über die Pläne. Ansonsten Tristesse. In dieser Agentur herrsche zwar ein enges, fast freundschaftliches Verhältnis zwischen uns, den Kreativen aus dem Atelier, aber ein eisiges zu den Chefs. Das änderte sich natürlich auch auf dieser „Weihnachtsfeier“ nicht. Erst als wir Kollegen uns geschlossen verabschiedeten, begann die Feier – unter uns, auf dem Weihnachtsmarkt.

Dabei ist es gar nicht so schwer, den Mitarbeitern Freude zu bereiten. In der etwa zehnköpfigen Sanitärinstallations-Firma meines Vaters war es eine Selbstverständlichkeit, einen Nebenraum eines Restaurants zu reservieren und von den Wirtsleuten festlich schmücken zu lassen. Essen und Getränke waren natürlich den ganzen Abend frei – auch für die Ehefrauen- und Männer, Verlobten oder Freundinnen und wichtige anwesende Kunden. Jeder Mitarbeiter erhielt ein Weinpräsent und, sofern die Vorlieben bekannt waren, etwas „Individuelles“. Diese Feiern waren stets sehr fröhlich. Und selbst die Taxikosten für die Heimfahrt jedes Mitarbeiters übernahm die Firma.

Es gibt viele Möglichkeiten, die Mitarbeiter zum wichtigsten Fest des Jahres spüren zu lassen, was sie der Firma wert sind. Bei Event-Organisatoren lassen sich zum Beispiel mittelalterliche Ritteressen buchen. Oder Feiern mit Dinner-Shows, auf denen Krimi-Komödien oder Musicals dargeboten werden. Auch Schlager-Abende werden immer beliebter, und bezahlbare Doubles großer Stars gibt es genug. Eine Garantie für einen lustigen Nachmittag oder Abend birgt auch Wichteln.

Weitere Ideen: Ein weihnachtliches Golfturnier mit anschließendem Glühweintrinken am „19. Loch“. Unvergessen bleiben auch Geocaching-Events oder Schnitzeljadgen, bei denen die Mitarbeiter in Teams den Ort der Feier erst einmal suchen und Aufgaben lösen müssen. Natürlich erhalten die Siegerteams dort Preise. Und wer Mitarbeitern und Kunden einen besonders festlichen Empfang bieten möchte, muss nicht einmal tief in die Tasche greifen: Einige Event-Veranstalter bauen kleine Weihnachtsmärkte mit Glühwein-, Kunst- und Lebkuchenständen auf dem Firmengelände auf. Für eine mittelständische Firmengröße liegen die Kosten pro Person im niedrigen zweistelligen Bereich.

Und – ja, es muss zu Weihnachten sein. Zwar mag die Bedeutung des Festes in unserem Kulturkreis tendenziell abnehmen, aber ich möchte seine Wichtigkeit trotzdem am Beispiel eines Ereignisses verdeutlichen, dass sich fast auf den Tag genau vor 100 Jahren abgespielt hat: dem sogenannten Weihnachtsfrieden im Ersten Weltkrieg. An der Westfront in Flandern lagen sich deutsche und englische Truppen in ihren Schützengräben gegenüber. Alle Engländer hatten ein Paket mit Süßigkeiten, Tabak, kleinen Flaschen alkoholischer Getränke und Bildern vom Königshaus geschickt bekommen. Die Deutschen erhielten von der Obersten Heeresleitung Päckchen mit künstlichen Tannenbäumchen. Sie sollten etwas Weihnachtsatmosphäre zaubern.

So riefen die Deutschen zu den Engländern herüber: „We don’t shoot today“ und erhielten entsprechende Antworten. Dann stellten sie ihre Tannenbäumchen oben auf dem Rand der Schützengräben auf und begannen, Weihnachtslieder zu singen. Die Engländer applaudierten und stimmten mit ein. Stille Nacht hier, Silent Night dort. Bald trauten sich hüben wie drüben die ersten unbewaffnet und mit weißen Fähnchen aus den Gräben. Schließlich trafen sich alle in der Mitte und es kam überall zu spontanen Verbrüderungen. Tabak, Getränke, Schokolade wurde getauscht, hier wurde Fußball gespielt, dort ein gemeinsamer, zweisprachiger Gottesdienst gefeiert. An manchen Frontabschnitten hielt die von den einfachen Soldaten „beschlossene“ Waffenruhe bis nach Neujahr. In diesem Sinne: friedliche und „wertvolle“ Weihnachten!

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