Wie Sie Ihr Unternehmen mit Storytelling erlebbar machen

Storytelling – dies ist doch einer dieser vielen Anglizismen aus der modernen Marketing-Sprache. Menschen erzählen ihre persönlichen Geschichten. Schön und gut … doch steckt wirklich nicht mehr dahinter als ein Modewort?

Von Jens Kügler

Eine Mitarbeiterin saß bei ihrem Chef im Büro. Sie erklärte ihm, dass ihr eine Operation bevorstünde und dass sie Angst davor habe. Tage später: Sie wacht aus der Narkose auf. Ihr Chef steht mit einigen Kollegen an ihrem Krankenbett mit Blumen und Geschenken. Kein Happy End, sondern gelebte Firmenkultur. Dieses Unternehmen wirbt damit, dass in seinem Team eine besonders familiäre Atmosphäre herrsche und dass einer für den anderen einstünde. Was es mit dieser Szene bewiesen hat.

Die Mitarbeiterin erzählt ihr Erlebnis in einem Podcast auf der Homepage – unter einem Punkt, der so ähnlich heißt wie „Warum bei uns arbeiten“. Geschichten wie diese lassen ein Unternehmen und ein Team auf Außenstehende real und lebendig wirken. Es müssen keine so emotionalen Momente wie dieser im Krankenhaus sein. Es kann natürlich auch direkt mit dem Produkt oder der Tätigkeit zu tun haben. Dass jemand stolz darauf ist, Chefdesigner bei BMW zu sein und den i8 mitentwickelt zu haben, liegt auf der Hand. Aber produziert nicht jedes Unternehmen etwas, dass es besser kann als die Konkurrenz – oder vielleicht sogar die ganze Welt? Ich kenne ein Messebau-Unternehmen aus China, dessen Mitarbeiter stolz darauf sind, von den anspruchsvollsten europäischen Ausstellern gebucht zu werden, weil sie Qualität nach Euro-Normen liefern.

Der Autor selbst erzählt übrigens immer wieder gern eine Anekdote. Als junger kaufmännischer Angestellter kam er über die stilistische Verbesserung der überaus langatmig diktierten Geschäftskorrespondenz seines Chefs zum Schreiben und Texten und schließlich zum Journalismus. Der Chef gestand ihm ein: Sie können einfach besser schreiben (by the way: Chefs, die ihren Mitarbeitern etwas eingestehen, werden als kollegial empfunden – keinesfalls als führungsschwach!).

Interviewen Sie doch einmal Ihre Mitarbeiter. Was war Ihr erfolgreichster Tag im Unternehmen? Welches war ihr Lieblingsmoment? Was war ihre Heldentat – im Kundenservice, beim Teambuilding oder bei einer besonders zeitkritischen Projektabwicklung? Wie empfanden sie den Tag, an dem sie eventuell ihre „Komfortzone“ verlassen haben und sich für etwas Neues entschieden haben – hier im Unternehmen? Welche Geschichte haben sie erlebt, die so nur hier oder an wenigen anderen Orten passieren könnte?

Ein Tipp ist, diese kleinen Geschichten als Podcasts zu filmen. Gerne mit fünf oder zehn Sets, bis es „perfekt“ ist und sich der Gefilmte wohl damit fühlt. Natürlich ist nicht jeder zum Filmen und Geschichten Erzählen bereit. Es braucht Anreize. Wenn Sie als Chef vorangehen und eigene, persönliche Geschichten anbieten, kann für den Einen oder Anderen der Bann gebrochen werden. Nach dem Motto: Tell a story to get a story. Das ist Geben und Nehmen. Und haben einmal zwei, drei Kollegen ihre persönlichen Geschichten beigetragen, folgen garantiert weitere. Denn zu erzählen hat jeder. All die Storys rings um die Firma liefern schließlich genügend Stoff für die Diskussionen in der Mittagspause, auf dem Flur oder in der Kaffeeküche.

Der Vorteil? Garantiert wächst der innere Zusammenhalt, das Wir-Gefühl im Team. Geschichten machen ein Unternehmen und ein Team aber auch für Außenstehende real erlebbar. Bewerber zum Beispiel. Die in den Zeiten des Fachkräftemangels so heiß umworbenen Kandidaten erhalten ein klareres Bild davon, was sie erwartet und was die Arbeit in dem Unternehmen bedeutet. Wenn Mitarbeiter beispielsweise ihre ganz persönlichen Beweggründe schildern, warum sie in dieses Unternehmen eingetreten sind, mögen diese Gründe manchmal banal erscheinen. Aber andere können sich garantiert damit identifizieren. Es wäre Verschwendung, diese Storys in Flur und Kantine verhallen zu lassen.

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