Zurück in die Zukunft

Pleite, insolvent, am Ende: Wie verarbeiten Unternehmer, Künstler und Manager einen totalen Crash? Und wie gelingt ihnen ihr Comeback?

Sicher erinnern Sie sich an die „Polonäse Blankenese“ oder „Mein Freund Herbert“. An den schrägen Sänger im karierten Sakko und mit der gelben Gummiente, dessen Lieder auf jeder Party zu hören waren. Gottlieb Wendehals alias Werner Böhm hat Millionen verdient. Und verzockt. Fehlender Umgang mit Geld, dann Scheidung, Alkoholprobleme, Steuerschulden, schließlich Privatinsolvenz und Wohnungsräumung. „Klimbim“-Star Ingrid Steeger kennen Sie auch noch? Ihr erging es ähnlich. Die berühmte Schauspielerin beantragte am Schluss sogar Hartz IV. In einer TV-Show gestand sie vor einiger Zeit: „Ich musste erst richtig auf die Schnauze fallen, um mein Leben selbst in die Hand zu nehmen“. Nun, sie stellte sich der Situation, fand zurück auf die Theaterbühnen und ist heute schuldenfrei. Inzwischen ist auch Werner Böhm auf die Bühne zurückgekehrt – wenn auch nicht die ganz große. Aber auf den Schlagerfestivals, die wie Pilze aus dem Boden schießen, ist der alte Spaßmacher mit seinen Megahits ein gern gesehener Gast.

Ein ehemaliger Geschäftspartner aus der Nähe von Hannover war als freier Grafik-Designer sehr erfolgreich. Anfang der 90er-Jahre hatte er sich eine komplette Werbeagentur aufgebaut. Die kaufmännische Unternehmensführung lag ihm indes nicht. Nach einigen Jahren musste er die Agentur hochverschuldet schließen. Fortan arbeitete er wieder als vielbeschäftigter Freiberufler. Statt sich vom Image des Versagers lähmen zu lassen, besann er sich auf sein wahres Erfolgsgeheimnis: Es hieß „Zurück zu den Wurzeln“ und kann für viele Menschen gelten. Nicht jeder ist schließlich ein geborener Unternehmer.

Dass die Schließung eines Unternehmens nicht zwangsläufig auf den totalen Ruin hinausläuft, belegte eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus dem Jahr 2010. Sie zeigte auf, dass nur rund die Hälfte aller Unternehmer, die ihre Firma noch vor der Zahlungsunfähigkeit aufgelöst hatten, in finanzielle Schwierigkeiten kamen. Unter Geldsorgen litten allerdings zwei Drittel aller Unternehmer, die bis zur Insolvenz „durchgehalten“ hatten. Immerhin fanden zwei Drittel der insolventen Unternehmer in den ersten drei Jahren nach dem Zusammenbruch eine Stelle oder etablierten sich wie mein Ex-Geschäftspartner als Freiberufler.

Eine Zahl aus der Studie erstaunt: Jeder zehnte gestrandete Unternehmer eröffnete innerhalb von ein bis drei Jahren erneut eine Firma. Entscheidend für ihren Erfolg ist wohl das Lernen aus den früheren Fehlern. Apropos Fehler:

Führungskräfte scheitern oft nicht aus wirtschaftlichen Gründen. Top-Manager zum Beispiel verlieren ihre Posten oft durch Affären, Steuerskandale oder aufgedeckte Doktorarbeits-Plagiate. Doch verlieren sie nicht nur den Job, sondern oft auch ihren Lebensinhalt. Ihr „Zurück-ins-Leben-Kämpfen“ bedeutet meistens, sich einstweilen mit kleineren Posten zu begnügen und hart und diszipliniert zu arbeiten. Denn: Skandale werden schnell vergessen – und viele geschasste Spitzenmanager tauchen nach vier, fünf Jahren in den Vorstandsebenen anderer Konzerne wieder auf.

Top-Manager kennen noch ein weiteres Problem. Oft ist ihre Identifikation mit dem Job und ihrem Erfolg dermaßen groß, dass sie über die elementarsten Dinge hinweggehen. Sie brechen mit Gesetzen und dem gesellschaftlichen Konsens. Wer sich dann nicht der Situation stellt, wer keine Reue zeigt und sich etwa durch Flucht oder erneute Prozess-Revision einer Haftstrafe zu entziehen versucht, wird Schwierigkeiten haben, jemals seine Reputation wiederherzustellen. Als Uli Hoeneß sich entschied, die in erster Instanz gegen ihn ausgesprochene Haftstrafe tatsächlich anzutreten, zollten ihm viele ihren Respekt.

Welche Folgen haben Gefängnisstrafen? Viele Manager, die eine verbüßt haben, zeigten sich im Nachhinein als geläutert und von einem starken Willen beseelt: Sie wollten wieder aufstehen und den Erfolg energisch, aber auf ehrliche Weise suchen. Nach dem Motto: jetzt erst recht, aber nie wieder so. Man wird sehen, wie ein Uli Hoeneß die Haftanstalt in Landsberg verlässt und wofür er sich engagieren wird, um den Respekt in der Gesellschaft und seine Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

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